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Essay, 2002, 19 Seiten
Autor: Anne Thoma
Fach: Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Details
Institution/Hochschule: Eberhard-Karls-Universität Tübingen (Deutsches Seminar)
Tags: Heinrich, Manns, Novelle, Pippo, Spano, Eine, Untersuchung, Künstlerproblematik, Komödianten, Künstlernovelle, Wackenroder, Kafka
Jahr: 2002
Seiten: 19
Note: 1,3
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-23944-8
Dateigröße: 148 KB
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Textauszug (computergeneriert)
Heinrich Manns Novelle „Pippo Spano“ – Eine Untersuchung der
Künstlerproblematik eines „steckengebliebenen Komödianten“
Anne Thoma
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung – Die Künstlerproblematik im sozialgeschichtlichen Kontext S. 3
2 Hauptteil – Interpretation der Novelle „Pippo Spano“ von Heinrich Mann S. 4
2.1 Die Schlüsselnovelle S. 4
2.2 Die Künstlerproblematik und ihre erzähltechnische Realisierung S. 6
2.3 Der künstlerische Vampirismus S. 8
2.4 Annäherungen an die Figur Gemma S. 9
2.5 Gemmas Tod S. 10
2.6 Das satirische Moment S. 13
2.7 Von Kunst zu Künstlichkeit S. 14
2.8 „Pippo Spano“ im sozialgeschichtlichen Kontext S. 15
3 Schluss – Mario Malvoltos Schicksal als Beispiel einer „unerhörten Begebenheit“ S. 16
Literaturverzeichnis S. 19
1 Einleitung - Die Künstlerproblematik im sozialgeschichtlichen Kontext
„Nimm meinen brüderlichen Rat, und gib den Vorsatz ja auf, vom Schreiben zu leben [...] Freilich hättest du [...] Dich einer ernsthafteren bürgerlichen Beschäftigung widmen sollen. Auch die glücklichste Autorschaft ist das armseligste Handwerk“1. Diese wohlgemeinten Zeilen schrieb Lessing 1768 und 1770 seinem Bruder in einem Brief. Selbst mit den Sorgen und Nöten eines neuen Berufsstands bekannt, der als „freier Schriftsteller“ um die Existenz kämpfte, wusste Lessing nur zu gut, wovo n er sprach. Das Zitat beleuchtet nicht nur ein Einzelschicksal, sondern es gibt Aufschluss über Entwicklungen im späten 18. Jahrhundert, die das Künstlertum und die Kunst dieser Epoche generell betreffen. Es ist auffallend, dass in dieser Zeit viele Novellen geschrieben wurden, welche die Thematik „Künstlerproblematik“ aufgreifen. Diese Tatsache hat verschiedene Gründe, deren Wurzeln in den sozialgeschichtlichen Ereignissen des 18. und frühen 19. Jahrhunderts liegen. Das Aufkommen der bürgerlichen Gesellschaft ist zu nennen, mit welcher die Entstehung des literarischen Marktes einhergeht. Hatten die Schriftsteller früher noch einen Fürsten oder sonstigen Mäzenen, der für ihre materielle Sicherheit garantieren konnte, so fiel diese wichtige Stütze mit dem Aufkommen des freien Schriftstellers weg. Hieraus ergab sich das erste Problem: Für wen schrieben die Dichter von nun an? Welche Funktion hatte die Kunst, jetzt, wo sie nicht mehr dem Lob des Fürsten oder der religiösen Erbauung einer Gemeinde diente? Eine andere Schwierigkeit entstand durch entgegengesetzte Wertvorstellungen des Künstlers im Vergleich zum gemeinen Bürger.
Ersterer brachte nur ein geistiges Produkt hervor, dessen Legitimation inspiriertes Orginalgenie angesichts der Vorwürfe, er betreibe eine brotlose Kunst und lebe in einer Scheinwelt, schwer fiel. Hierbei konnte sich der Dichter nach den Säkularisationsprozessen auch nicht mehr auf ein gottgewolltes Schicksal berufen. Genauso wenig, wie die Gesellschaftsordnung von Gottes Gnaden war, konnte nach Ansicht der Bürger Gott als Instanz für die Rechtfertigung der Schriftstellerei angerufen werden. Was zählte, war Leistung, und diese musste materiell, sichtbar sein und Gefallen finden. Eben diese Kriterien übertrug die Gesellschaft auf den sich um 1770 herausbildenden Buchmarkt. Dank dem ständigen Zugewinn an Bildung und damit an Lesefähigkeit entwickelte sich ein wachsendes Leserpublikum mit bestimmten Vorlieben und Abneigungen, die dem Dichter zum Diktator seiner Themen und seines Stils wurden. Das Buch kam unter kapitalistische Marktgesetze; Nachfrage und Angebot bestimmten von nun an die materielle Situation des Schriftstellers. Die Zensur leistete ihren Beitrag dazu, dass nicht alles ohne Einschränkung veröffentlicht wurde. Zum Schluss sei noch erwähnt, dass auch die territoriale Zersplitterung Deutschlands ein Grund für die Misere der Schriftsteller war. Da eine die literarischen Werke bündelnde Hauptstadt fehlte, wirkten die Schriftsteller in kleineren Kreisen, womit ihre Werke nur schwer eine großflächige, überregionale Wirkung entfalten konnten2 .
Die genannten Gründe gaben in ihrer Summe Anlass dazu, die Problematik um den Künstler und seine in Frage gestellte Kunst in zahlreichen Prosatexten festzuhalten. Heinrich Manns 1903 entstandene Novelle „Pippo Spano“ ist ein Beispiel für eine solche Selbst-Reflexion der Kunst. Im Folgenden soll nun dieses Werk unter der Fragestellung untersucht werden, wie Kunst und Leben zueinander stehen bzw. welcher Art die Problematik des Künstlers und seines Produkts ist.
2 Hauptteil – Interpretation der Novelle „Pippo Spano“ von Heinrich Mann
2.1 Eine Schlüsselnovelle
[...]
1 Helmuth Kiesel und Paul Münch: Gesellschaft und Literatur im 18. Jh., S. 78 f.
2 Helmuth Kiesel und Paul Münch: Gesellschaft und Literatur im 18. Jh., S. 103.
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