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Diploma Thesis, 2002, 185 Pages
Author: Ulrike Reitmann
Subject: Politics - International Politics - Region: Western Europe
Details
Tags: Nationale, Identitäten, Spanien
Year: 2002
Pages: 185
Grade: 2,0
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-23960-8
File size: 1074 KB
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Excerpt (computer-generated)
Nationale und regionale Identitäten in Spanien
Freie wissenschaftliche Arbeit
zur Erlangung des akademischen Grades
“Diplom-Sozialwirtin“
An der Wirtschafts- und
Sozialwissenschaftlichen Fakultät
der Friedrich-Alexander-Universität
Erlangen-Nürnberg
eingereicht von
Ulrike Reitmann
9. September 2002
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsüberblick ... II
Inhaltsverzeichnis ... IV
Tabellenverzeichnis ... VIII
Abbildungsverzeichnis ... X
Abkürzungsverzeichnis ... XI
1. Einführung: Heutige Relevanz der Konzepte von Nation und nationalen Bewegungen ... 1
1.1. Ziele der Arbeit ... 2
1.2. Problemskizzierung und Fragestellungen ... 2
1.3. Aufbau der Arbeit ... 4
2. Theoretische Ansätze ... 6
2.1. Staaten, Nationen und Regionen ... 6
2.1.1. Objektiver und subjektiver Nationenbegriff ... 7
2.1.2. Regionen als Subeinheiten der Nation ... 8
2.1.3. Die Klassifizierung Spaniens anhand der Gesellschaftstypen von Haller ... 9
2.2 Typologische Unterscheidung des nationalen Selbstverständnisses: Ethnos – Demos – Konzept nach Francis ... 11
2.2.1. Der Ethnos (nationalistisches Modell) ... 11
2.2.1.1.Ethnischer Nationalismus ... 12
2.2.1.2.Regionalismus ... 13
2.2.2. Der Demos (patriotisches Modell) ... 14
2.2.3. Zusammenfassende Diskussion und Kritik ... 16
2.3. Identitätskonzepte ... 18
2.3.1. Identitätsbegriff und kollektive Identität als Teilbereich der sozialen Identität ... 19
2.3.2. Nationale und regionale Identität ... 20
2.4. Historische Entwicklung und heutige Situation in Spanien ... 21
2.4.1. Historischer Befund bis zum Franco- Regime ... 22
2.4.2. Autoritäres Franco-Regime ... 23
2.4.3. Wandel in einen demokratischen EU-Staat und eine neue Verfassung ... 24
2.4.4. Kompetenzverteilung innerhalb Spaniens ... 25
2.5. Entwicklungen der Nationalismen und Regionalismen ... 28
2.5.1. Periphere Nationalismen in Katalonien und im Baskenland ... 28
2.5.1.1.Katalanischer Nationalismus ... 30
2.5.1.2.Baskischer Nationalismus ... 33
2.5.2. Weitere spanische Nationalismen ... 36
2.5.2.1.Galizischer Nationalismus ... 37
2.5.2.2.Andalusischer Regionalismus ... 38
2.5.2.3.Valencianischer Regionalismus ... 38
2.5.3. Zusammenfassende Darstellung der Nationalismen ... 39
2.6 Überblick über den gegenwärtigen empirischen Forschungsstand zu nationaler/ regionaler Identität ... 41
2.7. Hypothesen ... 46
3. Methodische Vorgehensweise: Vorstellung des Datensatzes ... 50
3.1. Spezifika der erhobenen Daten in Spanien ... 51
3.2 Untersuchte Regionen der Auswertung ... 53
3.3. Operationalisierung von kollektiver Identität sowie des Ethnos und Demos - Konzeptes ... 54
3.3.1. Unabhängige Variable: Ethnische Selbstbeschreibung ... 55
3.3.2. Abhängige Variablen: ethnisches vs. demotisches Nationenverständniss und Demokratie ... 56
4. Empirischer Teil ... 59
4.1. Deskriptive Statistik: Kollektive Identität(en) in Spanien und objektive Ausprägungen ... 59
4.1.1. Die Identifikation mit Spanien und subnationalen Einheiten im Jahr 1996 ... 60
4.1.2. Soziodemographische Trägermerkmale ethnischer Selbstbeschreibung ... 63
4.1.3. Geburtsort ... 67
4.1.4. Zu Hause gesprochene Sprache ... 70
4.1.5. Gewählte Parteien in Gesamtspanien ... 72
4.1.6. Spaniens Rechte und Linke ... 78
4.2. Induktive Statistik ... 81
4.2.1. Prüfung der Hypothesen eins und zwei und Zusammenfassung der kollektiven Identitäten anhand objektiver Merkmale ... 81
4.2.2. Kollektive Identifikation und Nationalstolz / Landesverteidigung ... 85
4.2.2.1. Nationalstolz in Spanien im Zeitverlauf ... 85
4.2.2.2. Nationalstolz nach Regionalgefühl ... 86
4.2.3. Überprüfung der Hypothese drei ... 91
4.2.4. Demotische oder ethnische Identitäten ... 91
4.2.4.1. Ausgrenzende Haltungen – Fremdenfeindlichkeit und ausländische Waren ... 92
4.2.4.2. Toleranz ... 96
4.2.4.3. Verfassungspatriotische Werte: Freiheit vs. Ordnung ... 99
4.2.5. Überprüfung der Hypothesen vier und fünf ... 103
4.2.6. Demokratische Einstellungen ... 105
4.2.6.1. Bewertungen des demokratischen Systems ... 105
4.2.6.2. Demokratieverständnis ... 108
4.2.7. Prüfung der Hypothese sechs ... 112
4.2.8. Haltung zu zentralstaatlichen Institutionen ... 113
4.2.8.1. Vertrauen in spanische Institutionen im Zeitverlauf ... 114
4.2.8.2. Vertrauen in Institutionen: Regionenvergleich ... 116
4.2.8.3. Identitätenvergleich ... 117
4.2.8.4. Zufriedenheit mit der zentralstaatlichen Regierung ... 119
4.2.9. Prüfung der Hypothese sieben ... 121
5. Ergebnisse für die spanischen Regionen ... 122
5.1. Die baskische Situation anhand des WVS ... 122
5.2. Einschätzung der Aussagekraft der Daten für das Baskenland ... 123
5.3. Die katalanischen Situation anhand des WVS ... 123
5.4. Einschätzung der Aussagekraft der Daten für Katalonien ... 125
5.5. Die Galizische Situation nach Daten des WVS ... 126
5.6. Einschätzung der Aussagekraft der Daten für Galizien ... 126
5.7. Situation in Andalusien und Valencia ... 126
5.8. Einschätzung der Aussagekraft der Daten für Andalusien und Valencia ... 127
5.9. Gesamtkritik am Fragebogen des Word Values Survey ... 127
6. Gesamtspanische Situation und zukünftige Probleme der gesamtspanischen Politik ... 129
Anhang ... VII
1. Allgemeine Zahlen: Spanische Regionen ... VII
2. Spanisches Parlament und Wahlsystem ... VII
3. Auswertungen ... X
3.1. Geographische Identifikation ... X
3.2. Soziodemographie ... XII
3.3. Partei ... XIII
3.4. Rechts-Links – Einstufung ... XIII
3.5. Nationalstolz ... XIII
3.6. Ausgrenzende Haltung ... IX
3.7. Demokratie ... IX
3.8. Politisches Interesse ... XVIII
3.9. Politische Partizipation ... XIX
3.10. Vertrauen in Institutionen ... XX
3.11. Vertrauen in Mitmenschen ... XXI
Variablenplan ... XXIII
Literaturverzeichnis ... XXVIII
Statistiken und Studien ... XL
1. Einführung: Heutige Relevanz der Konzepte von Nation und nationalen Bewegungen
Prozesse der Globalisierung und der Bildung größerer, suprastaatlicher Einheiten, Regionalisierung und Föderalisierung haben in den letzten Jahren nicht dazu beigetragen, dass nationale Autonomie- und Unabhängigkeitsbewegungen von der Bildfläche verschwanden (Nordirland, Quebec, Baskenland) (Westle, 1999a: 279).
Im 20. Jahrhundert gab es verschiedene Wellen der Staats- und Nationenbildung1. Sie gingen einher mit dem Zerfall bestehender Staaten oder dem Auflösen von Bündnissen. Begleitet waren sie von zahlreichen Minderheiten- bzw. Nationalitätenkonflikten, wie z.B. der Zerfall des kommunistischen Regimes der Sowjetunion und seine begleitenden Prozesse in Osteuropa (Haller 1993: 30). Mit dem Einsetzen der Regimewechsel hat sich in einem Großteil der Gesellschaften hinter dem ehemaligen Eisernen Vorhang eine explosive Mischung zwischen demokratischer und nationaler Frage ergeben (Kraus 1996: 49).
Ebenfalls in Westeuropa nehmen nationale, regionale, lokale sowie damit zusammenhängende kulturelle Bewegungen zu oder leben wieder auf. Diese äußern sich zum Teil in Unabhängigkeitsbewegungen, wie z.B. im spanischen Baskenland. Auch Tendenzen, dass starke nationale Subregionen2 ihren eigenen nationalen Regierungen kritisch gegenüberstehen, sind zu erkennen (Leggewie 1994: 48). Das bedeutet, dass insbesondere in Spanien die Problematik ethnoterritorialer Konflikte nach jahrhundertelanger Geschichte und auch seit dem Übergang vom Franco-Regime3 auf die Demokratie keinesfalls an Brisanz verloren hat.
1.1. Ziele der Arbeit
Ziel dieser Arbeit ist zu untersuchen, ob es in Spanien heute eine national einende, kollektive Identität gibt, oder ob nach wie vor unterschiedliche kollektive Identitäten in verschiedenen Teilregionen vorherrschen. Diese Identitäten werden hinsichtlich ihrer objektiven Unterschiede, wie z.B. Sprache und Parteien, ihrer kollektiven Bindungen an die Nation und an die Regionen sowie nach ihrem Demokratieverständnis analysiert. So kann der Beitrag der Identitäten zum nationalen Selbstverständnis Spaniens und ihre förderlichen bzw. hinderlichen Einstellungen zur Demokratie ermittelt werden.
1.2. Problemskizzierung und Fragestellungen
Spanien, einer der ältesten Nationalstaaten Europas, war lange durch starken Zentralismus beherrscht, der nur zweimal kurzzeitig durch dezentrale Ausprägungen unterbrochen wurde. 1978 wurde eine neue Verfassung in Kraft gesetzt, aus der sich die Einteilung Spaniens in „Nation“, „Nationalitäten“ und „Regionen“ ergab. Die entstandene territoriale Machtverteilung sollte den Zentralstaat beenden und einen demokratischen Rechtsstaat zwischen politischem Zentralismus und Einheitsstaat sowie dezentraler Version schaffen (Nohlen/Hildenbrand 199a: 294).
Seit 1983 gibt es in Spanien 17 autonome Regionen, die sogenannten „Comunidades Autónomas“. Diese neue Gebietsaufteilung stellt einen tiefgreifenden Wandel in der Geschichte Spaniens dar. Aufgrund der Unterdrückung der ethnischen und nationalen Identitäten sowie jeglicher regionaler Eigenständigkeit der einzelnen Landesteile in Spanien während des Franco-Regimes (1939-1975) kamen fast in allen Gebieten neue regionalistische4 Kräfte zum Vorschein. Vor allem im Baskenland und Katalonien sind nationale Emanzipationsbestrebungen verstärkt zu beobachten. Bis heute ist die „regionale Frage“5 in Spanien nicht gelöst, und weiterhin bestimmt das Problem der „peripheren oder lokalen Nationalismen und Regionalismen“6 die Schlagzeilen in spanischen Tageszeitungen. Außerdem wurde dieses Problem zu einem wichtigen Prüfstein für Spaniens junge Demokratie (Nohlen/ Hildenbrand 1992a: 294).
Angesichts der Transitionsphase7 und nationalistischer Entwicklungen in den einzelnen Peripherien ist es fraglich, ob damals, bei Verfassungsbeginn, eine spanische Nation als nationale, die Staatsbürger einenden Identität geschaffen wurde, oder ob nach wie vor einzelne ethnische Bezugsgemeinschaften in den Regionen überwiegen. Davon ausgehend sollen folgende erste Forschungsfragen beantwortet werden:
Gibt es eine national einende, kollektive Identität der „Spanier“ oder sind die regionalen Identitäten nach wie vor vorherrschend oder stärker ausgeprägt? Sind die Identitäten der Regionen vorwiegend als ethnisch oder demotisch8 zu bezeichnen?
In der soziologischen und normativen Demokratietheorie ist das Verhältnis von ethnischem Pluralismus und stabiler demokratischer Herrschaft immer wieder als problematisch beurteilt worden (Kraus 1996: 50). Mit Blick auf Geschichte und aktuelles Geschehen zeigt sich, dass
„die gleichzeitige Inanspruchnahme des demokratischen Prinzips und des Nationalitätenprinzips – verstanden als Selbstbestimmungsrecht politisch mobilisierter, ethnischer Gruppen - in den unterschiedlichsten geographischen und kulturellen Kontexten, ..., zu heftigen politischen Auseinandersetzungen geführt hat und führt“ (Kraus 1996: 50).
Ebenfalls nationale bzw. regionale Identitäten stehen ihrer eigenen Nation zum Teil kritisch gegenüber, wie es auch im spanischen Baskenland oder Katalonien der Fall ist. Diese kollektiven Identitäten äußern sich, begründend auf objektiven Differenzen, in Form von Nationalismus oder Regionalismus bis hin zum Separatismus9 (Schmitt-Egner 1999: 141). Versuche der Anpassung und Festigung politischer und institutioneller Stabilität seitens der Regierung münden in multiethnischen Staaten oft in das Auseinanderbrechen des Staates oder in einem autoritären Regierungssystem (Moreno, 1998: 2).
Aber ethnoterritoriale Differenzen innerhalb pluralistischer Gesellschaften müssen nicht zwangsläufig zu Konflikten und Divergenzen führen, sondern kulturelles Miteinander kann auch zu einer Stärkung10 der Demokratie beitragen.
Es stellt sich hieraus die Forschungsfrage, inwieweit die einzelnen vorgefundenen kollektiven Identitäten eher zur Stabilität oder zur Instabilität11 der spanischen Demokratie beitragen. Das zweite Forschungsanliegen dieser Arbeit ist die Ermittlung des Verhältnisses der Identitäten zur Demokratie.
1.3. Aufbau der Arbeit
Der erste, theoretische Teil dieser Arbeit besteht in der typologischen Trennung des Nationenbegriffs anhand von Betrachtungsweisen soziologischer und politikwissenschaftlicher Diskussionen. Um zu einer eindeutigen Definition von „Nation“ zu gelangen, wird ein Überblick über verschiedene Erklärungsansätze geboten, die „Region“ definitorisch beschrieben und Spanien klassifiziert.
Es folgt eine typologische Unterscheidung in das ethnische und demotische Nationenkonzept nach Francis (1965) einschließlich damit heute einhergehender Konzepte und seiner Kritik, um anschließend zu den Identitätskonzepten zu gelangen. Diese spielen für die empirische Auswertung eine wichtige Rolle.
Im Rahmen dieser Identitätstheorien wird die Theorie der sozialen Identität Tajfels (1975, 1982) aufgenommen, mit dem Nationenbegriff verknüpft und in Verbindung zu den genannten Problemen gesetzt.
Im Anschluss daran wird auf die spanische Situation eingegangen. Dieses Kapitel beinhaltet die Geschichte und die heutige Situation, den Staatsaufbau sowie die Regionalismen der peripheren Regionen Spaniens. Sie werden in drei Entwicklungsstufen nach Miroslav Hroch (1968) geteilt und geschichtlich zugeordnet, um sie dann genauer zu charakterisieren.
Abschließend stellt der theoretische Teil neueste empirische Erkenntnisse über die Forschung nationaler und regionaler Identität in Spanien vor sowie die aus der Theorie abgeleiteten Hypothesen. Diese werden im praktischen Teil anhand einer Sekundäranalyse des World Values Surveys (WVS)12 überprüft.
Auf die Vorstellung des Datensatzes folgen die Besonderheiten der spanischen Daten. Danach werden die Variablen und das weitere Vorgehen beschrieben.
2. Theoretische Ansätze
Neben politikwissenschaftlichen Ansätzen haben geschichtliche Hintergründe und der aktuelle Forschungsstand zum Thema eine wichtige Bedeutung.
[...]
1 Siehe Kapitel 2.
2 Beispiel: Katalonien
3 Siehe Kapitel 2.4., insbesondere 2.4.3.
4 siehe Kapitel 2.2.1.2.
5 siehe Kapitel 2.2.1.2., 2.5.
6 siehe Kapitel 2.2.1.1., 2.2.1.2.
7 Übergangsphase zur Demokratie. Kapitel 2.4.3.
8 siehe Kapitel 2.2.
9 Separatismus bedeutet, dass sie einen eigenen Staat einfordern und als politisches Ziel die Unabhängigkeit anstreben (Nohlen 2001: 445).
10 Diese Vertiefung geschieht u.a. anhand der engagierten Teilnahme der Bürger in der politischen Entscheidungsfindung und auf allen Ebenen der Institutionen
11 auch durch Polarisierung der politischen Meinungsbildung durch die Ethnien
12 Datensatzbeschreibung siehe Kapitel 3: Vorstellung des Datensatzes
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