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Scholary Paper (Seminar), 2000, 18 Pages
Author: Caspar Borkowsky
Subject: Philosophy - Philosophy of the Ancient World
Details
Institution/College: Humboldt-University of Berlin (Philosophie)
Tags: Aristoteles, Nikomachische Ethik, Gutes Leben
Year: 2000
Pages: 18
Grade: 2,3
Bibliography: ~ 9 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-11236-9
ISBN (Book): 978-3-638-80160-7
File size: 131 KB
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Abstract
Nach der vorherrschenden Lehrmeinung hat die Ethik des Aristoteles als praktische Philosophie zu gelten. Das Werk Nikomachische Ethik kann somit als ein Versuch des Aristoteles verstanden werden, dem Menschen (als ein-nach- Erkenntnis-strebendem-Wesen verstanden) einen hilfreichen philosophischen Entwurf in die Hand zu geben. Dieser Entwurf versucht u.a., durch theoretische Betrachtungen und Untersuchungen der (in der Praxis vorhandenen) Begebenheiten vorteilhafte und weniger vorteilhafte Lebensentwürfe zu beschreiben. Der Hauptteil (II) ist in zwei Teilbereiche gegliedert. In einem ersten Schritt (II a) soll die Konzeption des guten Lebens unter Zuhilfenahme der Nikomachischen Ethik (im folgenden: NE) skizziert werden, um dann diese Konzeption in einem zweiten Schritt (II b) zu diskutieren bzw. evtl. zu kritisieren. Bei der Darstellung (II a) tut sich das Problem auf, dass streng genommen jeder Gedanke der NE in Beziehung zur Konzeption des guten Lebens steht, und sei es nur als Abgrenzung zu genau dieser. Daher wird das Ziel des ersten Teils sein, eine Art Grundstruktur herauszuarbeiten, die an verschiedenen Stellen Gelegenheit bietet, weiter ausgeschmückt zu werden. Einige Eckpunkte seien hier schon einmal genannt: Ausgehend von der Frage, was das Endziel alles menschlichen Strebens ist (die eudaimonia), werden die verschiedenen Strategien zum Erreichen dieses Zustandes zu besprechen sein (die drei Lebensformen menschlichen Daseins). Hier soll auf den höchsten Glückszustand der geistigen Schau (die theoretische Lebensform) eingegangen werden, auch in Abgrenzung zum politischen Leben. Anschließend ist die Frage nach den Vorraussetzungen zum Führen eines guten Lebens (Tugendlehre) zu behandeln. Im zweiten Teil (II b) werde ich versuchen, den Aktualitätsanspruch der NE zu überprüfen. Ich habe mich für diese Art der Diskussion entschieden, da ich es beeindruckend finde, wie viele der aristotelischen Überlegungen auch heute noch wertvolle Dienste leisten können. Die Diskussion wird sich hauptsächlich auf eine Art Verquickung von aristotelischen Grundgedanken mit (post-)modernen Phänomenen stützen.
Excerpt (computer-generated)
Humboldt Universität zu Berlin
Institut für Sozialwissenschaften
PS Aristoteles` politische Theorie
Sommersemester 2000
Konzeption des guten Lebens
in der Nikomachischen Ethik
des Aristoteles
Caspar Borkowsky
KuWi/Politik/Soziologie
Gliederung/Inhaltsverzeichnis:
I Einleitung 3
II Hauptteil 4
a Konzeption des guten Lebens 4
1 eudaimonia 4
2 Die drei Lebensformen 6
3 Tugendlehre 9
b Diskussion/Kritik 11
III Resümee 15
IV Anmerkungen 17
V Literaturliste 18
>> Der vor allem ist gut, der selber alles bedenket,
Edel nenn ich auch jenen, der gutem Zuspruch gehorsam.
Aber wer selber nicht denkt und auch dem Wissen des anderen
Taub sein Herz verschließt, der Mann ist nichtig und unnütz.<<
(Verse des Hesiod)
I Einleitung
Nach der vorherrschenden Lehrmeinung hat die Ethik des Aristoteles als praktische Philosophie zu gelten. Das Werk Nikomachische Ethik kann somit als ein Versuch des Aristoteles verstanden werden, dem Menschen (als ein-nach- Erkenntnis-strebendem-Wesen verstanden) einen hilfreichen philosophischen Entwurf in die Hand zu geben. Dieser Entwurf versucht u.a., durch theoretische Betrachtungen und Untersuchungen der (in der Praxis vorhandenen) Begebenheiten vorteilhafte und weniger vorteilhafte Lebensentwürfe zu beschreiben.1
Ich möchte daher versuchen, mit Hilfe der Nikomachischen Ethik die aristotelische Konzeption des guten Lebens darzustellen und zu diskutieren.
Zur Frage der politikwissenschaftlichen Relevanz des gewählten Themas sei folgendes gesagt: Die Frage nach dem ,,wie erreiche ich den bestmöglichen Zustand" ist für das Individuum als auch für die Staatsgemeinschaft ein wichtiges Thema. Daher erscheint es hilfreich, den Weg zu diesem Ziel (bestmöglicher Zustand) zuerst für den einzelnen Menschen zu beschreiben, um dann mit Hilfe der gewonnenen Erkenntnisse Konzepte für ein komplettes Staatsgebilde zu finden. Unbestreitbar kann die Ethik als ein ,,Zuarbeiter" der Politik verstanden werden, da sie u. a. ein besseres Verständnis und eine allg. (Ver-)Besserung des einzelnen Menschen zum Ziele hat. (Des weiteren: Aristoteles ordnet die Ethik der Staatskunst (Politik) explizit zu bzw. unter (NE, 1094a21-b13)).
Der Hauptteil (II) ist in zwei Teilbereiche gegliedert. In einem ersten Schritt (II a) soll die Konzeption des guten Lebens unter Zuhilfenahme der Nikomachischen Ethik (im folgenden: NE) skizziert werden, um dann diese Konzeption in einem zweiten Schritt (II b) zu diskutieren bzw. evtl. zu kritisieren.
Bei der Darstellung (II a) tut sich das Problem auf, dass streng genommen jeder Gedanke der NE in Beziehung zur Konzeption des guten Lebens steht, und sei es nur als Abgrenzung zu genau dieser. Daher wird das Ziel des ersten Teils sein, eine Art Grundstruktur herauszuarbeiten, die an verschiedenen Stellen Gelegenheit bietet, weiter ausgeschmückt zu werden. Einige Eckpunkte seien hier schon einmal genannt: Ausgehend von der Frage, was das Endziel alles menschlichen Strebens ist (die eudaimonia), werden die verschiedenen Strategien zum Erreichen dieses Zustandes zu besprechen sein (die drei Lebensformen menschlichen Daseins). Hier soll auf den höchsten Glückszustand der geistigen Schau (die theoretische Lebensform) eingegangen werden, auch in Abgrenzung zum politischen Leben. Anschließend ist die Frage nach den Vorraussetzungen zum Führen eines guten Lebens (Tugendlehre) zu behandeln.
Im zweiten Teil (II b) werde ich versuchen, den Aktualitätsanspruch der NE zu überprüfen. Ich habe mich für diese Art der Diskussion entschieden, da ich es beeindruckend finde, wie viele der aristotelischen Überlegungen auch heute noch wertvolle Dienste leisten können. Die Diskussion wird sich hauptsächlich auf eine Art Verquickung von aristotelischen Grundgedanken mit (post-)modernen Phänomenen stützen.
II Hauptteil
a Konzeption des guten Lebens
1. eudaimonia
Zu Beginn soll der Begriff eudaimonia (im Folgenden: Glück) in seiner pluralistischen Natur näher betrachtet werden. Im Laufe der Untersuchung soll deutlich werden, warum Glück als das Leitziel menschlichen Daseins zu gelten hat. Zuallererst steht die Feststellung, dass alle menschlichen Handlungen nach einem „Gut“ streben (NE, 1094a1-21;1097a1-24). Dieses Gut wird hinsichtlich seines Wesens näher bestimmt, da die dadurch gewonnenen Einsichten hilfreich in Fragen der Lebensführung sein können. Begründung: Wenn wir ein klares Bild dessen vor Augen haben, was wir erlangen wollen, wird es uns sukzessive leichter fallen, das Angestrebte dann auch wirklich zu erreichen (NE, 1094a21-b13). Nun gibt es derer Güter viele, aber nur ein Gut, welches immer um seiner selbst willen gewählt wird. Dies ist das Glück (NE, 1097a1-b12). Der Selbstzweckcharakter des Glücks ist insofern von wichtiger Bedeutung, da hier seine Rangzugehörigkeit als das höchste Gut begründet liegt. Zur Verdeutlichung soll hier das Gut „Reichtum“ dienen. Viele Menschen streben nach Geld.
[...]
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