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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2001, 38 Pages
Authors: Beatrice Bartsch, Beate Thomser
Subject: Musicology
Details
Institution/College: Dresden Technical University (Institut für Kunst- und Musikwissenschaft)
Tags: Filmmusik, Wirkungsformen, Musik
Year: 2001
Pages: 38
Grade: 1,0
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-24320-9
File size: 296 KB
Der Hauptseminararbeit ging ein 2,5 h-Referat voraus, in dem mit den TeilnehmerInnen ein Experiment durchgeführt wurde. Die Arbeit beinhaltet und beleuchtet die historische Entwicklung der Filmmusik, die psychologischen Absichten von Musik im Film, diskutiert ihre Funktionen und diskutiert die derzeitige Situation der Forschungsliteratur. Der zentrale Analysegegenstand der Arbeit ist der FILM "Psycho" von Alfred Hitchcock.
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Excerpt (computer-generated)
TU Dresden – Institut für Kunst- und Musikwissenschaft /
HS: Über Wirkungsformen von Musik / WS 2000-2001
P.S.Y.C.H.O.
angstessenseeleauf
Beatrice Bartsch und Beate Thomser
Inhaltsverzeichnis
Das Experiment 1
Einführung 2
Die Funktion der Filmmusik 4
Die Analyse der Filmmusik des Thrillers „Psycho“ 7
Reflexion – das Gefühl des Fürchtens 12
„In der Traumfabrik“ 15
Die Auswertung von Beatrice Bartsch (B.B.) 17
Die Auswertung von Beate Thomser (B.T.) 23
Anhang
Die Historische Entwicklung des Films 29
Kleines Glossar 31
Preisrätselfragen und –antworten. Auswertung (Tabellen). 33
Literatur 36
Das Experiment
Als „Ouvertüre“ wird die von Bernard Hermann Komponierte dreiteilige „Psychosuite“ aus dem von Alfred Hitchcock gedrehten gleichnamigen Film „Psycho“ eingespielt. Dazu wird der Seminarraum abgedunkelt. An die SeminarteilnehmerInnen werden keine einleitenden Worte gerichtet. Mit Zeitbeginn des Seminares (14. 50) beginnt das Experiment.
Das Ziel: Die KomilitonInnen sollen unvorbereitet sein und einen eigenen Modus finden, mit diesem Experiment umzugehen.
B.B.
„Ich bin der Überzeugung, daß Musik im Film das Innenleben der Person erforschen und verstärken kann. Sie kann eine Szene mit Schrecken, Glanz, Freude und Elend ausstatten. Sie kann die Handlung rasch vorantreiben oder verlangsamen. Sie ist in der Lage, den bloßen Dialog in die Gefilde der Poesie emporzuheben. Schließlich schafft sie die Verbindung zwischen Leinwand und Publikum, sie greift aus und faßt alles in einem einzigartigen Erlebnis zusammen“.
- Bernard Hermann -
Filmmusik – Musik zum Film. Das heißt nichts anderes als komponierte Musik zu Bildern, zu Szenen und meint übertragen Musik zu Gemälden, Photographien, Bühnenbildern oder zu schnellen Bildwechseln im Film. Aber sind die für den Film komponierten oder zusammengeschnittenen Musikstücke mit den Klängen anderer Medien (Werbung, etc.) und Gattungen (z.B. Oper) zu vergleichen? Welches Kriterium unterscheidet Film-Musik von anderen Musiken visueller Bilder? Gibt es überhaupt Unterschiede?
Was bedeutet der Terminus technicus Film (gemeint ist der Tonfilm)?
Das Lexikon1 kennt folgende Definition:
„Film [engl., von altengl. Filmen `Häutchen`]: ist eine mit photograph. oder elektron. Mitteln erzeugte Folge von Einzelbildern, die, relativ schnell nacheinander auf eine Leinwand projiziert oder auf einem Bildschirm sichtbar gemacht werden, den Eindruck von Bewegung hervorrufen.“2
Meine Definition hingegen lautet:
Film ist ein Medium, welches eine mit Musik verbundene Sprache, Theater und Geräuschkulisse ausgewogen miteinander verbindet.
In diesem Kontext erscheint mir die Konstante der Ausgewogenheit das Entscheidende zu sein.
Betrachten wir die Entwicklung der Musikgeschichte:
Die ersten Personen, die das Drama schufen, so wie wir es heutzutage kennen, waren die Griechen. Sie entwickelten eine theatralische Form – Melodram genannt -, welches Musik mit Sprechtheater verband. Sie stießen jedoch in dieser Gattung auf eine Schwierigkeit: sobald die Musik erklang, konnten die Zuschauer die Worte der Schauspieler nur sehr schlecht oder gar nicht verstehen. Weder die Ursache noch eine Lösung für diese Problematik konnte von ihnen gefunden werden. In der fortlaufenden Musikhistorie stießen weitere Menschen auf dieses Defizit. Ein Beispiel: Der Komponist Claudio Monteverdi (1567 – 1643) unternahm folgenden Versuch: Er ließ die menschliche Stimme in einer bestimmten Tonlage sprechen. Sie konnte von einzelnen Tönen und Harmonien begleitet und somit akzentuiert werden. Somit wurde die Oper durch Monteverdi geboren, welche von diesem Zeitpunkt an eine rasante Entwicklung nahm – Mozart, Gluck, Orff und Berg seien stellvertretend genannt -, jedoch durch die Hervorhebung der Musik der Melodramentwicklung entgegenwirkte. Claude Debussy (1862 - 1918) war einer der Komponisten, der mit „Pélleas et Mélisande“ (Oper, 1902) den Versuch unternahm, die Problematik aufzunehmen und zu bewältigen. An den frühen kinematographischen Experimenten konnte er noch teilnehmen und war von diesen begeistert, da im „Kinosaal“ ein Orchester hinter einer Leinwand saß und eigens für den Film komponierte Musik aufführte.
Der Gebrauch und die Funktion von Film – Musik
In den Zeiten des Stummfilmkinos besaß die Musik eine andere Wirkung als in den frühen Tonfilmen und den heutigen Kinofilmen. Im Vordergrund eines Filmes stehen die Bilder und die Sprache. Die Musik fungiert eher unauffällig im Hintergrund. Zu Beginn des Stummfilmes besaß die Musik konkret die Aufgabe, einen Bezug zu der Realität herzustellen, da sich der Zuschauer in noch keiner Filmtradition befand. „The real life“ war dort, wo Töne oder Geräusche erklangen. Die Leinwand hingegen mit ihren gespenstischen stummen Schatten – nichtssagend – gehörte zu der Illusion. Diese Musik sollte auf den Zuschauer beschwichtigend wirken.
Wir Menschen des 21. Jahrhunderts befinden uns in einer Filmtradition. Besuchen wir einen Film im Kino, wissen wir um den Ritus und die Gründe des Abdunkelns. Im Gegensatz zu den „ersten“ Kinogängern haben „wir“ primär keine Angst bezüglich der Dunkelheit im Kinosaal. Aber in diesem Zustand des „Nicht-mehr-richtig-sehen-könnens“ werden auch bei uns Gefühle freigesetzt, die anderweitig gebunden werden wollen (müssen). Dem Ertönen von Musik kommt, bereits mit Erklingen der Titelmelodie, diese Aufgabe zu. Diese Musik vermittelt uns, daß wir nicht mehr in der Realität, sondern im Kino sind. Das Hörfeld wird dabei so ausgefüllt, das wir uns vollkommen in den Film hineinbegeben, uns mit bestimmten Personen identifizieren, etc. können. Der Film wird für uns durch das Ertönen von Musik zur Realität. Sie, die Musik, ist es, die den Film gliedert, in ihm Kontinuität schafft und „der Überwindung der Distanz zum Bild und damit der Verankerung des filmischen Geschehens im Erleben dient“3:
B.B.
[....]
1 „Brockhaus-Enzyklopädie: in 24 Bde“. Bd. 19, Mannheim 1988. S. 283, Sp. 1
2 a.a.O.
3 de la Motte: Helga: „Handbuch der Musikpsychologie“. S. unbekannt
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