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Das Glück des Philosophen in Aristoteles' Nikomachischer Ethik

Intermediate Examination Paper, 2003, 24 Pages
Author: Eleonóra Szemerey
Subject: Philosophy - Philosophy of the Ancient World

Details

Category: Intermediate Examination Paper
Year: 2003
Pages: 24
Grade: 1,3
Language: German
Archive No.: V20473
ISBN (E-book): 978-3-638-24337-7

File size: 240 KB


Excerpt (computer-generated)

Zwischenprüfungsarbeit
im Fach Philosophie
Georg-August-Universität Göttingen

Das Glück des Philosophen
in Aristoteles’ Nikomachischer Ethik

Eleonóra Szemerey
September 2003

 

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung 1

II. Die Nikomachische Ethik 2

III. Formale Bestimmung der eudaimonia 4
III.1. Die eudaimonia als Endziel und oberstes Gut 4
III.2. Die eudaimonia als Tätigkeit der Seele gemäß der ihr wesenhaften Tüchtigkeit 6
III.3. Das Problem der äußeren Güter 7

IV. Inhaltliche Bestimmung der eudaimonia 10
IV.1. Das Glück des Tüchtigen – die politische Lebensform 10
IV.2. Das Glück des Philosophen – die theoretische Lebensform 13
IV.3. Vergleich und Bewertung der Lebensformen 16

V. Diskussion und Kritik 18

 

I. Einleitung

Gegenstand dieser Arbeit ist der Aristotelische Glücksbegriff in der Nikomachischen Ethik – untersucht unter der Fragestellung, warum das Glück des Philosophen das größtmögliche menschliche Glück ist. Als Primärquelle dient eine Übersetzung des Werks von F. Dirlmeier, aber in Anbetracht der Verwirrung, die unterschiedliche Übersetzungen auslösen können, stütze ich mich zudem auf die von U. Wolf in ihrem Buch „Aristoteles’ ‚Nikomachische Ethik’“ zusammengestellte Konkordanz der Übersetzungsäquivalente. Außerdem findet sich ein Verzeichnis der von mir verwendeten griechischen Begriffe im Anhang.

Zur Einleitung wird ein kurzer Überblick über die Nikomachische Ethik gegeben, gefolgt wird von einer Untersuchung des formalen Glücksbegriffs des Aristoteles. Im Hauptteil der Arbeit, der der inhaltlichen Bestimmung des Glücks gewidmet ist, wird die philosophische Lebensform als die glücklichste menschenmögliche herausgearbeitet und gemäß der Aristotelischen Darstellung von der zweitbesten Lebensform, der politischen, abgegrenzt. Den Abschluss bilden eine Diskussion und Kritik der untersuchten Argumentation.

II. Die Nikomachische Ethik

Ethische Probleme behandelt Aristoteles in folgenden Schriften zur praktischen Philosophie: in der ‚Nikomachischen Ethik’ (künftig mit NE abgekürzt), der ‚Eudemischen Ethik’ (EE) und der ‚Magna Moralia’ (MM; deren Echtheit allerdings umstritten ist). Die erstgenannten beiden Werke besitzen einen gemeinsamen Mittelteil, es decken sich die Bücher V-VII der NE mit den Büchern IV-VI der EE, und es ist noch immer nicht geklärt, zu welcher Ethik diese Bücher ursprünglich gehörten. Die Nikomachische Ethik ist die älteste wissenschaftliche Ethik Europas (~2300 Jahre alt) und eine der wirkungsreichsten Schriften der Philosophiegeschichte; in ihr offenbart sich die Aristotelische Moralphilosophie in ihrer reifsten Form. Untrennbar von der Ethik schließt sich die Rechts- und Staatsphilosophie in der ‚Politik’ an, zu der Aristoteles direkt aus der NE überleitet. 

In der Nikomachischen Ethik bedient sich Aristoteles einer beschreibenderklärenden Wissenschaft, er will keine Normen oder Vorschriften aufstellen, sondern sucht eher nach den Kriterien, nach denen Handlungen moralisch beurteilt werden. Er behandelt eine Vielzahl verschiedener philosophischer Fragestellungen, die eigentlich jede für sich genommen ausreichend Material böte, um selbständig in einem Buch ausgearbeitet zu werden. Aristoteles ordnet in seinem Werk die ethischen Grundanschauungen des griechischen Erbes und entwickelt diese weiter. 

Den Gegenstand der NE bildet die menschliche Praxis als ein auf freiwilliger Entscheidung beruhendes Handeln, genauer gesagt ist sie die Lehre vom guten Leben und guten Handeln. Das Werk geht von der Beobachtung aus, dass jedes Wesen nach einem ihm eigentümlichen Gut strebt, in welchem es seine Vollendung erlangen kann; das Gut des Menschen ist „ein Tätigsein der Seele im Sinne der ihr wesenhaften Tüchtigkeit“1, nämlich der Vernunft. In ihrer Betätigung findet der Mensch die eudaimonia (Glück, Glückseligkeit), sein oberstes Gut und das Endziel seines Strebens, das von äußeren Umständen größtenteils unabhängig ist. Um das spezifisch Gute der menschlichen Seele genauer zu beleuchten, werden die ethischen und die dianoëtischen Tugenden getrennt behandelt. Letztere, die Vorzüge des Verstandes, verortet Aristoteles in der reinen Ausübung der Vernunft, welche erweiter in theoretische und praktische Vernunft unterteilt. Die zum Bereich der praktischen Vernunft gehörende Tüchtigkeit der Klugheit ist die unter den intellektuellen Tugenden für das ethische Handeln entscheidende. Die Vorzüge des Charakters, also die ethischen Tugenden, begegnen dem Menschen als Tradition in der Ordnung von Gesellschaft und Staat; ein bedeutender Teil der Formung des Charakters besteht somit in der Einübung der in der Polis bestehenden Werte, denn sittliche Haltung entsteht nicht schon aus der Einsicht, sondern erst durch Praxis. Nach Aristoteles erreicht der Mensch die sittliche Haltung also durch das Zusammenspiel der ethischen Tugenden einerseits, die das Ziel des guten Lebens und Handelns vorgeben, und der Klugheit andererseits, die die richtigen Mittel und Wege dahin bestimmt. Typisch für die Aristotelische Ethik ist die Darstellung der Charaktertugenden als die Mitte zwischen falschen Extremen, wohingegen es bei den Verstandestugenden kein schädliches Extrem gibt, sondern sie sind umso wertvoller, je höher ihr Grad ist. Besondere Beachtung finden in der NE die Gerechtigkeit und die Freundschaft, beide für die Gemeinschaft unentbehrliche Tüchtigkeiten; auch an dieser Gewichtung wird die enge Verbindung zwischen Ethik und Politik des Aristoteles erkennbar.

Da die Grenzen der Themenkomplexe in der NE nicht immer mit den Grenzen der Bücher zusammenfallen, sei hier noch eine inhaltliche Gliederung zur Übersicht eingebracht:

[....]


1 Aristoteles: Nikomachische Ethik, übersetzt und hrsg. von F. Dirlmeier, Stuttgart 2003, 1098a.


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