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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2001, 28 Pages
Author: Katharina von Lingen
Subject: German Studies - Linguistics
Details
Institution/College: University of Hannover (Seminar für Deutsche Literatur und Sprache)
Tags: Entwicklung, Schreibfähigkeit, Hauptseminar, Entwicklung, Schreibfähigkeit
Year: 2001
Pages: 28
Grade: 2
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-24450-3
ISBN (Book): 978-3-638-67970-1
File size: 197 KB
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Abstract
Die Entwicklung der Schreibkompetenz ist eine Abfolge von Problemlöseschritten und eine durch das Medium geprägte kommunikative Problemlösefähigkeit. Sprachliche und kommunikative Kompetenzen, die bereits vor dem Beginn des Schreiberwerbs erlernt wurden, müssen vom Individuum nun reorganisiert, rekonstruiert und erweitert werden. Im Prozess der Schreibentwicklung wird nicht einfach die zusätzliche Kompetenz des Schreibenkönnens erlernt und hinzugefügt, sondern es entsteht ein sprachliches und soziales Wissen ganz eigener Art: Der Schreiber muss lernen, die verschiedenen Ebenen und Möglichkeiten, die der direkten Kommunikation von Angesicht zu Angesicht eigen sind, im Schreiben durch andere Techniken und Strategien zu ersetzen. Entscheidende Differenzen zwischen Schriftsprache und direkter mündlicher Kommunikation: -Mimik und Gestik, Intonation, Sprechrhythmus und -geschwindigkeit (zumeist unbewusst genutzt) entfallen beim Schreiben als Übertragungsebenen und Kodierungsmöglichkeit. Der Schreiber muss lernen, seinen Ausdruck symbolisch durchzustrukturieren, die Syntax wird so komplexer und die Lexik vielschichtiger. -Der beim Sprechen von den Kommunikationspartnern immer mit wahrgenommene Situationskontext fehlt beim Scheiben. Die räumlich-zeitlichen Verschiebungen müssen vom Schreiber durch Kontextualisierung, also durch den Aufbau einer in sich geschlossenen Textwelt ersetzt werden. Somit wird das textorientierte Schreibwissen zentral für die Entwicklung von Schreibfähigkeit. -Beim Schreiben wird das Kurzzeitgedächtnis überlastet, da der Schreibvorgang langsamer vor sich geht als die Ideengenerierung, somit leiten Textpläne die Textproduktion. Zusätzlich bleiben die Schreiber mit ihrem eigenen Produkt konfrontiert und es muss eine ständige Anpassung des vorläufigen Resultats mit dem Kommunikationsziel vorgenommen werden, der Text wird also überarbeitet.
Excerpt (computer-generated)
Entwicklung der Schreibfähigkeit
Nach einem Text von Helmut Feilke
und einer Untersuchung von Gerhard Augst und Peter Faigel
Katharina von Lingen
Inhaltsverzeichnis
1 Theoretischer Hintergrund (Helmut Feilke) 4
1.1 Forschungsentwicklung 4
1.1.1 à bis in die 70er Jahre 4
1.1.2 à ab den 70er Jahren 4
1.1.3 à ab 1985 5
1.1.4 Forschungsmethoden 5
1.2 Merkmale der Schreibentwicklung 6
1.3 Syntaktische Schreibfähigkeiten 7
1.3.1 Drei Entwicklungsstränge des Schreibfähigkeitserwerbs 8
1.4 Textbezogene Schreibkompetenz 10
1.4.1 Kategorien der Analyse 10
1.4.2 Kohärenzbegriff 10
1.4.3 Der Ausbau von Kohärenzstrategien 11
1.4.4 Vierstufenmodell für die Ausbildung der Kohärenzprinzipien 11
2 Praktische Untersuchung (Gerhard Augst und Peter Faigel) 16
2.1 Entwicklung schriftsprachlicher Teilfähigkeiten im Alter von 13 bis 23 Jahren 16
2.1.1 Erwerbsprozess schriftsprachlicher Kommunikationsfähigkeit 16
2.1.2 Die Untersuchung 17
2.1.2.1 Untersuchungsaufbau 18
2.1.3 Ergebnisse der Teilgebiete Lexik und Syntax 18
2.1.3.1 Adjektivgebrauch 18
2.1.3.2 Formulierungsfehler 19
2.1.3.3 Satzkomplexität 20
2.1.3.4 Grammatikfehler 20
2.1.3.5 Konjunktionen 22
2.1.4 Schlussbetrachtung 23
2.1.4.1 Konzeptionsebene 24
2.1.4.2 Realisierungsebene 26
3 Literaturverzeichnis 29
1 Theoretischer Hintergrund (Helmut Feilke)
1.1 Forschungsentwicklung
1.1.1 à bis in die 70er Jahre
Im Mittelpunkt der wissenschaftlichen Forschung zur Schreibentwicklung stand über 50 Jahre hinweg (bis in die 70er hinein) fast ausschließlich die Syntax geschriebener Texte. Die Forschungsfortschritte bezogen sich im wesentlichen einerseits auf die Optimierung verwendbarer Größen zur Messung der syntaktischen Komplexität und andererseits auf den Ausschluss von Hypothesen über determinierende Variablen dieses Merkmals. Solche determinierenden Parameter der syntaktischen Komplexität, die zunächst als entscheidend angesehen und später empirisch wieder verworfen wurden, sind unter anderem: Lesehäufigkeit, Art der Lektüre, Intelligenzquotient, Geschlecht und soziale Schicht des Textproduzenten. Versuche zu einer umfassenden Theoriebildung bezogen auf die gesamte Schreibkompetenz, die auch die entwicklungspsychologischen Gesichtspunkte berücksichtigt, gab es höchstens ansatzweise. Dies gilt auch für Untersuchungen, die sich mit mündlichen und schriftlichen Texten der gleichen Schreiber unter Entwicklungsgesichtspunkten beschäftigten. Schriftsprachliche Syntax konnte folglich lange Zeit als bloßes Symptom interpretiert werden: Als Symptom für die Auswirkung bestimmter determinierender Faktoren. Die Syntax wurde kaum in Verbindung gebracht mit dem Schreiben als Handlung selbst und den ökologischen, das heißt semiotischen, kognitiven und sozialen Randbedingungen. In Ermangelung eines Schreibbegriffs fehlte es an einer Vorstellung davon, was das Schreiben als Handlungstyp und die sprachliche Praxis gegenüber anderen Formen der Textproduktion auszeichnet.
1.1.2 à ab den 70er Jahren
In dieser Periode kam es zu einem Wandel der Forschungsinteressen, das Augenmerk wurde zunehmend auf die Schreibfähigkeit als kognitive und kommunikative Handlung gerichtet. Der kognitive Problemaspekt interessierte vermehrt die Psychologen, während der kommunikative Bereich die Linguisten und Pädagogen beschäftigte. Textstrukturen wandelten sich zu Problemlösestrukturen, mittels derer die sozial-kommunikative Praxis und das Denken geordnet wurden.
1.1.3 à ab 1985
Zu einer Synthese der kommunikativen und kognitiven Aspekte in der Entwicklung der Schreibkompetenz kam es ab Mitte der 80er Jahre. Die Schreibentwicklung wurde begriffen als kognitives Problemlösen im Kontext des Schreibens als sozial-kommunikativer Handlung. So folgten zahlreiche Untersuchungen, welche die Zusammenhänge zwischen der Entfaltung von Schreibfähigkeiten und der Entwicklung der sozialen Kognition zum zentralen Inhalt der Theoriebildung machten.
Der Prozess, den die Forschungsentwicklung durchlief, begann mit dem zunächst zentral erscheinenden Kernbereich: der sprachlichen Syntax. Mit zunehmender Aufklärung des Gegenstandes verlagerte sich der Schwerpunkt immer weiter zu den ökologischen Randbedingungen des Schreibens als problemlösende, kommunikative Handlung. Aus dieser Perspektive heraus können nun Bedingungen für die Entfaltung von Schreibkompetenz angegeben werden.
1.1.4 Forschungsmethoden
[...]
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