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Die Wirkungsgeschichte der "Leiden des jungen Werther" von Johann Wolfgang Goethe

Scholary Paper (Seminar), 2003, 30 Pages
Author: Birgit Sedelmaier, Mag.
Subject: German Studies - Modern German Literature

Details

Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2003
Pages: 30
Grade: Sehr gut
Language: German
Archive No.: V20639
ISBN (E-book): 978-3-638-24465-7

File size: 427 KB
Notes :
Die Rezeption des Werthers im Licht der verschiedenen Lager seiner Zeit (Sturm und Drang, Aufklärung, Rationalismus, Orthodoxer Klerus, Publikum). Anhang mit einer 10-seitigen Bibliographie der wichtigsten Rezensionen aller Lager.



Excerpt (computer-generated)

Die Wirkungsgeschichte der „Leiden des jungen Werther“
von Johann Wolfgang Goethe

 


von Mag. Birgit Sedelmaier

Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG 4

2. DER BEGRIFF WIRKUNGSGESCHICHTE 5

3. DIE KULTUREPOCHEN 6

3.1. Die Aufklärung  6
3.2. Der Sturm und Drang  7
3.3. Die Leserschaft 7
3.4. Die literarische Tradition 8

4. ZEITKRITIK IM WERTHER 10

4.1. Die Rationalisten 10
4.2. Die Aufklärer 12
4.3. Der Orthodoxer Klerus  14
4.4. Die Sturm und Dränger  18
4.5. Das Publikum 20
4.6. Goethes Rezension 21

5. SCHLUSSWORT 23

6. REZENSIONEN 24

LITERATUR 31

 

 



1. Einleitung

Goethes Wirken hat eindrucksvolle Spuren in der Entwicklung der deutschen Literatur hinterlassen. Seine Wirkungsgeschichte zu betrachten, heißt ihrem Einfluss auf die Geschichte und auf die Etablierung der deutschen Literatur in der Weltliteratur auf den Grund zu gehen. Die Reaktionen auf Goethes Werke waren schon zu seinen Lebzeiten enorm zahlreich und vielseitig. Das mag darin liegen, dass Goethe seine Kritiker, sowohl ihm wohl Gesonnene als auch Zweifler, immer wieder vor das Problem stellte, ihn nicht einordnen zu können. Bestehendes durchbrach und revolutionierte er, sich in Entwicklung Befindliches trieb er auf nicht mehr überbietbare Höhepunkte und erweiterte immer wieder den Spielraum, in dem sich Literatur befand. Die Wirkung seiner Werke übertraf in vielen Fällen den Erwartungshorizont des Publikums und führte es an die Grenzen des allseits anerkannten Verständnisses und Geschmackes von Literatur. Mandelkow schreibt hier von der Entstehung eines neuen selbstbewußten Publikums und von der Entwicklung der literarischen Kritik zu einer eigenständigen Disziplin.1 Die Wirkungsgeschichte des Werthers ist geradezu ein Modellfall dieser Entwicklung und zeigt in welches Spannungsverhältnis von Meinungsbildnern dieses Werk seinen Fuß gesetzt hat. Was auf die Veröffentlichung des Werthers folgte, übertraf alles bisher Dagewesene, weil auch „Die Leiden des jungen Werther“ alles bisher Dagewesene übertraf und den Briefroman wie auch den empfindsamen Roman an einen Punkt führte, der keine Weiterentwicklung mehr zuließ. Im Jahre 1774 erschienen „Die Leiden des junge Werthers“ von J. W. Goethe. Goethe schrieb diesen Briefroman in nur vier Wochen nieder. Er verarbeitet damit eine Reihe persönlicher Erlebnisse, wie den Selbstmord eines Bekannten, Jerusalem, Probleme in der Arbeit und die unglückliche Liebe zu Charlotte Buff. Schon kurz nachdem das Werk erschienen war, löste es eine Flut von Reaktionen aus, positiver als auch negativer Natur. Zunächst möchte ich die geistigen und literarischen Strömungen dieser Zeit näher betrachten, um der Frage auf den Grund zu gehen, warum dieses Werk so einen heftigen Literaturstreit vom Zaun brechen konnte. Dann möchte ich den einzelnen Lagern, wie und in welcher Weise sie auf den Werther reagiert haben, meine Aufmerksamkeit widmen. Es geht mir dabei nicht darum, Kritiken zu beurteilen und von Mißverständnissen zu sprechen, wie es Engel in ihrer Dissertation macht, denn das Verständnis und die Akzeptanz für Literatur und die Toleranz, die wir Literatur heute entgegen bringen, unterscheidet sich wesentlich von damaligen Zugängen. Mein Ziel ist es, mit Rücksicht auf die Historie, die Meinungen vor dem geistigen Hintergrund vor dem sie gebildet wurden, zu veranschaulichen. Jedes Lob und jede Kritik hatte sein Berechtigung mit der ihr zugrunde liegenden Weltanschauung, die ich durch dies Arbeit zu verstehen helfen möchte.

2. Der Begriff Wirkungsgeschichte

Wenn man die Wirkungsgeschichte eines Werkes näher betrachten will, muss man sich auch immer den historischen Hintergrund, soziokulturelle Strömungen und gesellschaftliche Konventionen der Zeit vor Augen führen. Ohne die Aufnahme eines Werkes durch den Leser und das Publikum, deren Meinungen und Interpretationen, wäre es ziemlich uninteressant seine Wirkungsgeschichte zu verfolgen. Die Wirkungsgeschichte findet also im Leser statt. Seine Interpretationen bezeichnet Jäger als Konkretisationen eines Werkes. Dabei darf man nicht vergessen, dass Leser aus unterschiedlichen Schichten und geistigen Lagern in unterschiedlichen Zeiten ein Werk auch unterschiedlich konkretisieren. Die Konkretisationsgeschichte ist Teil der Literaturwissenschaft, die aber bislang noch keinen allzu großen Stellenwert in der Wissenschaft behaupten konnte.2 Grundsätzlich sollte man Kunst nicht ihrer Zeit entheben und die Möglichkeiten immer neuer Konkretisationen in den Blick der Arbeit über ein Werk rücken. Die Bedingungen, unter denen ein Werk unterschiedlich konkretisiert wird, soll Forschungsgegenstand der Wirkungsgeschichte sein und interessiert auch mich am Beispiel „Der Leiden des jungen Werther“. Bevor ich mich aber ganz dem Werther in seinem Kommunikationssystem widme, möchte ich im nächsten Kapitel kurz die literarischen Strömungen mit ihren Zielen und Vertretern wiederholen, an deren historischen Schnittpunkt der Briefroman Goethes erschienen ist.

3. Die Kulturepochen

3.1. Die Aufklärung

[...]


1 Mandelkow, K. R. Goethe im Urteil seiner Kritiker. Bd. I. München, 1975. S XXV
2 Jäger, G. Die Wertherwirkung. Ein Rezeptionsästhetischer Modellfall. In: Historizität in Sprach- und Literaturwissenschaft. Walter Müller-Seidel, (Hrsg.). Wilhelm Fink Verlag: München, 1974.


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