Spracharbeit im 17. Jahrhundert. Die Fruchtbringende Gesellschaft und Justus Georg Schottelius 'Ausführliche Arbeit von der Teutschen HaubtSprache'.

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Details
Autor: Andrea Geiss
Fach: Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Veranstaltung: Hauptseminar: Deutsch in der Welt
Institution/Hochschule: Universität Karlsruhe (TH) (Neuere deutsche Literaturwissenschaft)
Jahr: 2003
Seiten: 25
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 12 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 212 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-24526-5
Textauszug (computergeneriert)
Spracharbeit im 17. Jahrhundert.
Die Fruchtbringende Gesellschaft und Justus Georg Schottelius’
‚Ausführliche Arbeit von der Teutschen HaubtSprache’.
Andrea Geiss
Einleitung 1
1.1 Vorrangstellung von Latein und Französisch 2
1.2 Gründung der Fruchtbringenden Gesellschaft nach europäischen Vorbildern 4
1.3 Offenheit in religiöser und ständischer Hinsicht 5
1.4 Keine generelle Verteufelung von Fremdwörtern 8
1.5 Die Übersetzungsarbeit 11
1.6 Die Leistungen der Fruchtbringenden Gesellschaft 12
2 Justus Georg Schottelius 13
2.1 Rhetorische Prägung der ‚Ausführlichen Arbeit’ 14
2.2 Hohes Alter der deutschen Sprache 15
2.3 ‚Natürligkeit’ der deutschen Sprache 16
2.4 Stammwörter 17
2.5 Analogisten ó Anomalisten 18
Zusammenfassung 19
Einleitung
Die ältere Literaturgeschichte hat die größte deutsche Sprachgesellschaft, die Fruchtbringende Gesellschaft, in ihren Zielen häufig falsch gedeutet und ihr Nationalismus und pedantischen Fremdworthass unterstellt. Diese Ansichten sind heute überholt. Die neuere Literaturforschung relativierte die überspitzten Darstellungen und erkannte die vorrangige Zielsetzung der Gesellschaft in dem Versuch, deutsche Kultur, Literatur und Sprache im Vergleich zu anderen (damals in diesen Bereichen überlegenen) europäischen Länden zu stärken. Diese Aufgabe haben ihre Mitglieder auf äußerst vielfältige Weise zu bewältigen versucht. Die vorliegende Arbeit möchte die unterschiedlichen Wege aufzeigen, die die Fruchtbringende Gesellschaft im Rahmen der ‚Spracharbeit’ gegangen ist. Jedes der drei Oberhäupter der Gesellschaft prägte ihr Wesen sehr stark. Das erste Oberhaupt und Gründungsmitglied Fürst Ludwig zu Anhalt-Köthen legte größten Wert auf die konfessionelle und ständische Offenheit der Vereinigung. Nach seinem Tod im Jahre 1650 wandelte sich die Struktur der Gesellschaft unter dem Oberhaupt Herzog Wilhelm von Sachsen-Weimar mehr in Richtung eines Ritterordens. Ihre Bedeutung in literarischen und poetologischen Belangen nahm ab. Deshalb konzentriert sich diese Hausarbeit auf die Struktur und die konkrete ‚Spracharbeit’ der Fruchtbringenden Gesellschaft unter Fürst Ludwig, also von 1617-1650. Die Fruchtbringende Gesellschaft selbst hat keine programmatischen Schriften, etwa Grammatiken oder Poetiken, herausgegeben. (Wenn man von dem Hauptwerk von Christian Gueintz: „Teutscher Sprachle hre Entwurf“ (1641) absieht. In gewisser Weise kann es als Gemeinschaftswerk der Fruchtbringenden Gesellschaft gelten, da es von Fürst Ludwig in Auftrag gegeben wurde und wie üblich vor dem Druck durch die Hände vieler Mitglieder ging.) In sprachtheoretischer Hinsicht produktiv waren vor allem gelehrte Mitglieder bürgerlicher Herkunft. Zu nennen sind hier etwa Augustus Buchner, der bereits erwähnte Christian Gueintz, Georg Philipp Harsdörffer und Justus Georg Schottelius.
Auf den Letztgenannten will diese Arbeit ebenfalls eingehen. An seiner ‚Ausführlichen Arbeit von der Teutschen HaubtSprache’ lassen sich die typischen Legitimations-strategien der Spracharbeiter für die Verwendung der deutschen Sprache aufzeigen. Stimmen Schottelius’ Ansichten auch nicht in allen Details mit jenen der Fruchtbringenden Gesellschaft überein, so kann sein Hauptwerk in seiner Argumentation trotzdem als exemplarisch gelten.
1.1 Vorrangstellung von Latein und Französisch
Um die Zielsetzungen der Fruchtbringenden Gesellschaft zu verstehen, sind einige Vorbemerkungen über den Stand der deutschen Sprache und Kultur im 17. Jahrhundert notwendig. Die Arbeit der Gesellschaft ist immer unter dem Aspekt zu betrachten, dass andere europäische Sprachen in vielen Bereichen der Verwaltung, Kultur oder Wirtschaft den Vorrang vor der deutschen haben. Beachtet man diese Sachlage, dann erscheint die dauernde Betonung der Leistungsfähigkeit der deutschen Sprache im rechten Licht: diese Hervorkehrung der Vorzüge der Muttersprache soll sie als gleichrangig gegenüber den anderen europäischen ausweisen. Diese Forderung steht unter dem Primärziel, damit auch eine Anerkennung der deutschen Kultur zu erreichen. Klaus Conermann: „Es war das Ziel dieser Gesellschaft, die politischen, militärischen und intellektuellen Führungsschichten für die Vorstellung einer nationalen sprachlichen und literarischen Kultur zu gewinnen“. 1 Besonders deutlich ist in Deutschland die Vorrangstellung des Lateinischen und des Französischen. Damit gibt es gleich zwei der Bevölkerung weitgehend unverständliche Kultur- und Oberschichtsprachen (im Gegensatz zu Frankreich oder England).
Latein ist dabei die Sprache der Gelehrten. In der Schule, in der Predigt, auf dem Rathaus kommt sie zum Einsatz. In offiziellen Reichsangelegenheiten gelten, auch für den Kaiser, nur die Reichssprachen Lateinisch und Deutsch2. Besonders lange, bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts, hält die Jurisprudenz am Lateinischen fest. Es erlangte mit der Rezeption des römischen Rechts seine Vorrangstellung. Ähnlich wichtig ist Latein in der Medizin. Das Französische dagegen ist eng an die Kommunikationskultur am Hof gebunden. Die starke Verwendung dieser Sprache verdeutlicht genau jene Hochschätzung der fremden Kultur vor der deutschen, die die Sprachgesellschaften bekämpfen.
[...]
1 Klaus Conermann (Hg.): Die Fruchtbringende Gesellschaft und ihr Köthener Gesellschaftsbuch. Eine Einleitung. (Der Fruchtbringenden Gesellschaft geöffneter Erzschrein Band 2) Weinheim/ Deerfield Beach 1985, S.7.
2 Peter von Polenz: Deutsche Sprachgeschichte vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart. Band 2: 17. und 18. Jahrhundert. Berlin/ New York 1994, S.51.
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