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Scholary Paper (Seminar), 2001, 27 Pages
Author: Michael Allman Conrad
Subject: Film Science
Details
Institution/College: Johannes Gutenberg University Mainz (Institut für Theaterwissenschaft)
Tags: Marshall McLuhan, Jean Baudrillard, Georges Bataille
Year: 2001
Pages: 27
Grade: 1,2
Bibliography: ~ 24 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-11295-6
File size: 452 KB
Analyse, Interpretation und Untersuchung der gezeigten Körperlichkeit im Film Videodrome von David Cronenberg.
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Excerpt (computer-generated)
Johannes-Gutenberg-Universität Mainz
Institut für Theaterwissenschaft
DIE KÖRPERLICHKEIT IM FILM ,,VIDEODROME"
VON DAVID CRONENBERG
Seminararbeit
von
Michael Allman Conrad
1. Einleitung:
Was ist ein anagrammatischer Körper? 2
2. Videodrome 4
2.1. Inhaltsangabe 4
2.2. Schlüsselszenen 5
2.2.1. Der Fernseher wird lebendig 6
2.2.2. Die Narbe im Bauch 7
2.2.3. Die Pistole und die Hand 7
3. ,,Das Neue Fleisch" - Marshall McLuhan 8
3.1. Vom Verlassen der Gutenberg-Galaxis 8
3.1.1 The extension of man 9
3.1.2 Die Amputation der Sinne 10
3.2. McLuhan und ,,Videodrome" 11
4. ,,Ich glaub′, ich bin im Film" - Jean Baudrillard 12
4.1. Vom Verschwinden der Wirklichkeit 14
4.2. Baudrillard und ,,Videodrome" 17
5. ,,Sex and Crime" - Georges Bataille 18
5.1. Von der Nähe zwischen Eros und Thanatos 18
5.2. Sexualität und Gewalt am Körper 22
6. Schlussbemerkungen 24
I Bibliografie 26
1. Einleitung:
Was ist ein anagrammatischer Körper?
,,Avida Dollars" (spanisch avido: gierig, in etwa also ,,gierig nach Dollar" oder etwas vulgärer: ,,dollargeil") - mit diesem Namen bezeichnet André Breton den spanisch-katalanischen Surrealisten Salvador Dalí1. Den Namen gewann Breton, indem er die Buchstaben des Vor- und Nachnamens voneinander löste und in solcher Weise zusammensetzte, dass sie Wörter mit dieser neuen semantische Bedeutung bildeten. Dieses, aus neu miteinander kombinierten Bestandteilen entstandene Ganze, bezeichnet man als Anagramm. ,,Anagrammtische Körper" nannte der deutsche Surrealist Hans Bellmer (*1902, _1975) seine aus verschiedenen Teilen zusammengesetzten Puppenfiguren.
Mit seiner Kunst stellte er den Körper als Konstrukt aus verschiedenen Elemente dar. Der Körper wird zum veränderbaren Rohmaterial, mit dem durch anagrammatische Kombinationen schöpferisch neue Körperlichkeiten gewonnen werden können. Nicht nur der Künstler formt neue Möglichkeiten von Körperlichkeit, verschiedene Kulturen und Gesellschaften haben in der Geschichte ihre eigenen Vorstellungen von Körperlichkeit hervorgebracht. Die verschiedenen Möglichkeiten wie Bemalen, Verschleiern, Tätowieren oder Beschneiden von Körperteilen, seien hier nur am Rande erwähnt.
,,Körper ist das, was Ihr draus macht" - mit diesem knappen Slogan könnte man das soziokulturelle Phänomen in der abendländischen Postmoderne zusammenfassen.
Der modernen Schönheitschirurgie scheint bezüglich der Veränderung des Körpers nichts im Wege zu stehen: Nasen werden nach dem erwünschten Schönheitsideal gerichtet, Stirn und Backen gestrafft, als überflüssig empfundenes Körperfett entfernt. Die Idee vom Körper als gestaltbarem Material war nie so offensichtlich wie in der heutigen amerikanisch-europäischen Gesellschaft.
Bellmers Puppen allerdings zeigen in erster Linie entstellte und keine ,,verschönerten" Körper: Beine sind durch Prothesen ersetzt, manchmal fehlen Körperteile ganz. In grotesken Verrenkungen setzen sie sich dem Anblick des Betrachters aus. Die Körpercollagen Bellmer sind versehrte, verletzbare Körper - wir lesen an ihnen die Geschichte einer Gewalt ab.
In der vorliegenden Arbeit wird versucht, verschiedene Arten von konstruierter Körperlichkeit anhand des Filmes ,,Videodrome" (Kanada, 1982) des kanadischen Regisseurs David Cronenberg (*15.03.1943 Toronto) zu untersuchen. Nach einem analytischen Teil (Kapitel 2) werden in den anschließenden Kapiteln 3 - 5 mittels der Theorien von Marshall McLuhan, Jean Baudrillard und Georges Bataille, Ansätze zur Interpretation sowohl der dargestellten Körperlichkeiten als auch der Hauptthemen des Filmes gegeben. Dass die Arbeit diesbezüglich keine Vollständigkeit anstrebt, versteht sich bereits aufgrund der gebotenen Kürze. Manche Sachverhalte werden daher nur grob skizziert oder beiläufig erwähnt werden.
2. Videodrome
2.1. Inhaltsangabe
Eine Inhaltsangabe des Filmes „Videodrome“ von David Cronenberg zu geben, ist kein leichtes Unterfangen, da in der Fabel Halluzinationen auftreten, zu deren Unterscheidung von der fiktiven Wirklichkeit bereits eine Interpretation durch den Rezipienten notwendig ist. Cronenberg spielt mit verschiedenen fiktiven Ebenen, und es ist nicht immer genau zu sagen, auf welcher man sich gerade befindet.
Max Renn ist Direktor der Fernsehstation „Civic TV“ (auch „Kanal 83“) in Toronto, Kanada. Dieser Kanal hat sich auf die Ausstrahlung von Gewalt- und Sexfilmen spezialisiert. Um seine Klientel mit immer neuen Reizen zu befriedigen, ist Renn ständig auf der Suche nach neuem, sensationellem Filmmaterial. In einer Filmsequenz erwirbt er einen japanischen Softporno von dubiosen asiatischen Agenten. Aber das genügt ihm nicht. "Ich brauch etwas, das wirklich reinhaut. Etwas Hartes.", sagt er zu seinen beiden Geschäftspartnern.
Harlem, einer seiner Mitarbeiter, spielt ihm über einen Piratensender Ausschnitte des geheimen Programmes „Videodrome“ zu. Wie sich im Verlauf des Filmes zeigt, handelt es sich dabei um sogenannte snuff movies, d.h. um in einer Folterkammer aufgenommene Gewaltszenen, in denen Menschen tatsächlich zu Tode gefoltert werden. Bereits ab diesem ersten Kontakt mit „Videodrome“ stellen sich bei Renn Halluzinationen ein, die mit Kopfschmerzen einhergehen.
Während einer TV-Talk-Show lernt Renn die Radiomoderatorin Nicki Brand kennen. Beide empfinden „Videodrome“ als sexuell stimulierend und haben sadomasochistischen Sex miteinander, während parallel dazu die Gewaltszenen aus „Videodrome“ in einem Fernsehapparat zu sehen sind. Einmal traktiert Renn Nickis Ohren mit Stecknadeln, ein anderes Mal drückt Nicki Zigaretten auf ihrer Brust aus. In ihrer Faszination für „Videodrome“ beschließt Nicki schließlich gegen den Willen Renns, nach Pittsburgh zu fahren, von wo „Videodrome“ ausgestrahlt werden soll.
Durch seine Nachforschungen zum Ursprung von „Videodrome“ stößt Renn auf den Medientheoretiker Professor Brian O’Blivion, den Renn ebenfalls als Gesprächspartner derselben TV-Talk-Show mit Nicki kennen gelernt hat; er war damals via Bildschirm in die Sendung zugeschaltet. In der von Brian O’Blivion gegründeten „Cathode Ray Mission“ trifft Renn dessen Tochter Bianca O’Blivion. Renn gegenüber bezeichnet sie ihren Vater als den Gründer von „Videodrome“ und offenbart ihm, dass ihr Vater bereits vor elf Monaten an einem Hirntumor gestorben sei. O’Blivion existiere nur noch in Form einer durch die Tochter verwalteten Bibliothek von Videokassetten.
„Videodrome“ sei ein Experiment ihres Vaters und sende unterschwellig ein Signal aus, das beim Zuschauer denselben Gehirntumor wie bei ihrem Vater auslöst. Das Wachsen des Tumors, „ein unkontrolliertes, neues Fleisch“ (Brian O’Blivion), gehe mit Kopfschmerzen und Halluzinationen einher.
Deswegen halluziniert Renn immer häufiger, und es wird ihm immer schwerer, zwischen Realität und Wirklichkeit zu unterscheiden.
[...]
1 Néret, S. 36
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