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Die Be- und Aufarbeitung der Nazizeit im Nachkriegsdeutschland am Beispiel des Films:"Die Mörder sind unter uns"

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2003, 22 Pages
Author: Christian Zarend
Subject: History - Postwar Period, Cold War

Details

Event: Nachkriegsdeutschland und seine Be- und Aufarbeitung in Literatur und Film
Institution/College: University of Rostock (Historisches Institut)
Tags: Aufarbeitung, Nazizeit, Nachkriegsdeutschland, Beispiel, Films, Mörder, Nachkriegsdeutschland, Aufarbeitung, Literatur, Film
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2003
Pages: 22
Grade: 1,0
Language: German
Archive No.: V21180
ISBN (E-book): 978-3-638-24854-9
ISBN (Book): 978-3-638-83507-7
File size: 206 KB
Notes :
auch für Filmwissenschaft brauchbar


Abstract

Mit der Zerschlagung des NS-Staates 1945 schien auch das deutsche Kino am Ende zu sein. Die Einrichtungen der Filmindustrie waren zerstört oder demontiert, die deutschen Filmemacher sahen sich ausgeschlossen von der Produktion und das Ufa-Vermögen war eingefroren. Es herrschte Technik- und Rohfilmmangel Das zuerst von den Alliierten verhängte Beschäftigungsverbot für Filmschaffende wurde zwar im Verlauf des Jahres 1945 langsam wieder aufgehoben, aber die Arbeit mit einem kompliziertem System von Verleih- und Produktionslizenzen belegt, welche sich in den einzelnen Besatzungszonen auch noch unterschieden. Es herrschte » Dezentralisierung überall, aber auch geistig und psychisch. « (Fritz Göttler) . Als praktisch undurchführbar erwies sich die Weisung, daß ehemalige NSDAP-Mitglieder vom Filmwesen ausgeschlossen werden, »da nahezu alle Regisseure, Kameramänner und Techniker mehr oder minder aktiv Mitglieder der NSDAP gewesen waren. « Am Rande sei in diesem Zusammenhang erwähnt, daß der Hauptdarsteller in „Die Mörder sind unter uns“, Ernst Wilhelm Borchert, noch vor der Premiere dieses Films von den Amerikanern verhaftet wurde, da er seine Parteimitgliedschaft in einem Fragebogen verschwiegen hatte. Nachdem sich aber Borchert nur als kleiner Mitläufer der Nazis erwies, wurde er nach kurzer Zeit wieder entlassen und konnte an der Premierefeier des Films teilnehmen. Als „reeducation“ bezeichneten die Alliierten eines ihrer Programme in der Kulturpolitik und wollten mit dieser Maßnahme vor allem im Bildungsbereich die Grundlagen für die Entwicklung einer demokratischen Gesellschaft schaffen. Hier werden aber schon die unterschiedlichen kulturpolitischen Konzeptionen der Besatzungsmächte deutlich.


Excerpt (computer-generated)

Die Be- und Aufarbeitung der Nazizeit im
Nachkriegsdeutschland am Beispiel
des Films: „Die Mörder sind unter uns“

 


von: Christian Zarend

Inhaltsverzeichnis

1. Der „Trümmerfilm“ – Eine filmhistorisch kurze Phase 1

2. Fakten zum Film 5

3. Chronologie des Films 6

3.1. Zentrale Handlung 6
3.2. Parallele Handlungsabläufe und wichtige Nebenrollen 9

4. Die Produktion des Films und ihre Probleme 10

4.1. Die Geburt der Idee 10
4.2. Das Suchen und Finden eines Produzenten 11
4.3. Die Dreharbeiten 13

5. Zeitgenössische Kritiken und Resümee 15

6. Biographische Daten zu Wolfgang Staudte 18

7. Anhang 19

7.1. Literaturverzeichnis 19
7.2. Internetquellen 21
7.3. Filme über Wolfgang Staudte 21

 

 

 


1. Der „Trümmerfilm“ – Eine filmhistorisch kurze Phase

Mit der Zerschlagung des NS-Staates 1945 schien auch das deutsche Kino am Ende zu sein. Die Einrichtungen der Filmindustrie waren zerstört oder demontiert, die deutschen Filmemacher sahen sich ausgeschlossen von der Produktion und das Ufa-Vermögen war eingefroren. 1 Es herrschte Technik- und Rohfilmmangel Das zuerst von den Alliierten verhängte Beschäftigungsverbot für Filmschaffende wurde zwar im Verlauf des Jahres 1945 langsam wieder aufgehoben, aber die Arbeit mit einem kompliziertem System von Verleih- und Produktionslizenzen belegt, welche sich in den einzelnen Besatzungszonen auch noch unterschieden. Es herrschte » Dezentralisierung überall, aber auch geistig und psychisch. « (Fritz Göttler)2.

Als praktisch undurchführbar erwies sich die Weisung, daß ehemalige NSDAPMitglieder vom Filmwesen ausgeschlossen werden, »da nahezu alle Regisseure, Kameramänner und Techniker mehr oder minder aktiv Mitglieder der NSDAP gewesen waren. «3 Am Rande sei in diesem Zusammenhang erwähnt, daß der Hauptdarsteller in „Die Mörder sind unter uns“, Ernst Wilhelm Borchert, noch vor der Premiere dieses Films von den Amerikanern verhaftet wurde, da er seine Parteimitgliedschaft in einem Fragebogen verschwiegen hatte. Nachdem sich aber Borchert nur als kleiner Mitläufer der Nazis erwies, wurde er nach kurzer Zeit wieder entlassen und konnte an der Premierefeier des Films teilnehmen. 4 Als „reeducation“5 bezeichneten die Alliierten eines ihrer Programme in der Kulturpolitik und wollten mit dieser Maßnahme vor allem im Bildungsbereich die Grundlagen für die Entwicklung einer demokratischen Gesellschaft schaffen. Hier werden aber schon die unterschiedlichen kulturpolitischen Konzeptionen der Besatzungsmächte deutlich.

Die Amerikaner sahen in einem Deutschland mit zwölfjährigem Nachholbedarf vor allem einen lukrativen Markt für die eigene Filmindustrie. Natürlich waren auch sie an einer Umerziehung der Bevölkerung interessiert, aber sie hatten andere Vorstellungen: Die „reeducation“ wollten sie selbst übernehmen. Die sowjetische Besatzungsmacht setzte in dieser Beziehung auf deutsche Partner, vornehmlich auf solche, die aus Gefängnissen und Konze ntrationslagern oder aus der Emigration (vorzugsweise der sowjetischen) zurückgekommen waren. 6 Die sowjetische Militäradministration beauftragte mit der Organisation der ersten Filmarbeit so zum Beispiel Männer wie, den aus dem UdSSR-Exil zurückgekehrten kommunistischen Schauspieler Hans Klering, den promovierten Filmtechniker Kurt Maetzig, der 1944 der illegalen KPD beigetreten war oder den politisch unbelasteten Juristen Albert Wilkening, der zunächst die Johannisthaler Tobis - Studios leitete.

[...]


1 Vgl. Ludin, Malte, Wolfgang Staudte. Hamb urg 1996, S. 29.
2 Götz, Stefanie, Die Mörder sind unter uns. In: Klassikerreihe der besten Filme. Köln 2002, S. 16.
3 Ebenda.
4 Vgl. Habel, F.-B., Das große Lexikon der DEFA-Spielfilme. Berlin 2001, S. 414.
5 Vgl. Bedürftig, Friedemann, Lexikon. Deutschland nach 1945. Hamburg 1996, S. 345 f.
6 Vgl. Mückenberger, Christiane, Zeit der Hoffnungen 1946-1949. In: Filmmuseum Potsdam(Hrsg.), Das zweite Leben der Filmstadt Babelsberg. DEFA-Spielfilme 1946-1949. Berlin 1994, S. 12.


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