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Betrachtungen zum Onuphre-Portrait von La Bruyère

Scholary Paper (Seminar), 2003, 14 Pages
Author: Johanna Zeiß
Subject: Romance Languages - French Literature

Details

Event: Proseminar: Übungen zur Moralistik des 17. Jahrhunderts
Institution/College: LMU Munich (Institut für Romanische Philologie)
Tags: Betrachtungen, Onuphre-Portrait, Bruyère, Proseminar, Moralistik, Jahrhunderts
Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2003
Pages: 14
Grade: 1-2
Language: German
Archive No.: V21396
ISBN (E-book): 978-3-638-25031-3

File size: 368 KB


Excerpt (computer-generated)

Betrachtungen zum Onuphre-
Portrait von La Bruyère

 


von: Johanna Zeiß

Gliederung

1.Einleitung S. 3

2.Betrachtungen zum Onuphre- Portrait von La Bruyère

2.1 Aufbau und Inhalt des Portraits S. 5
2.2 Onuphre- Tartuffe: „vrai faux dévot“ und „faux faux dévot“ S. 10

3. Schluss S. 12

4. Bibliographie S. 13

5. Erklärung S. 14

 

 


1. Einleitung

In dem Vorwort zu den Caractères schreibt La Bruyère „que ce sont les caractères ou les m(?)urs de ce siècle que je décris”1. Er gibt offen an, dass er sich seine Eindrücke vom Hof des Königs Louis XIV geholt hat, einem Ort, der als Ausgangspunkt für Menschenbeobachtungen wie geschaffen war. Zugleich bemerkt er, dass seine Eindrücke nicht auf diesen Hof oder Frankreich zu beschränken sind, sondern dass sie vielmehr überregionalen Charakter besitzen. Seine Intension war es, „d’y peindre les hommes en général”2, also allgemeinmenschliche bzw. soziale Typen zu malen und dadurch erweitert er die Gültigkeit seiner Darstellungen noch um den Aspekt der Überzeitlichkeit. Darauf möchte ich am Ende meiner Ausführungen noch einmal zurückkommen.

Die Wortwahl La Bruyères in diesem zuletzt zitierten Abschnitt weist auf eine literarische Gattung hin, nämlich das literarische Portrait3, die er in den Caractères neben anderen kurzen narrativen Formen verwendet hat. Damit reiht er sich am Ende des 17. Jahrhunderts in eine lange Tradition ein, die in Frankreich bereits in der Mitte jenes Jahrhunderts in Form von „jeux mondaines“4 gang und gäbe war. Denn das Portraitschreiben wurde in den Salons der Adeligen als eine Form des „passe-temps“5 hoch geschätzt.

Das Portrait war ebenfalls ein fester Bestandteil französischer Romane dieser und der vorangehenden Epoche.6 Abgesehen davon gab es seit Beginn des 17. Jahrhunderts gewisse Bräuche, Van der Cruysse spricht hier von „certaines coutumes diplomatiques“7, die darin bestanden, dass die Botschafter Frankreichs geheime Berichte abfassen mussten, die unter anderem auch detaillierte Portraits der wichtigsten Persönlichkeiten der ausländischen Höfe, denen sie zugeteilt waren, enthielten.8 Das Portrait beeinflusste im 17. Jahrhundert folglich den gesellschaftlichen, den literarischen sowie auch den politische Bereich und war gewissermaßen omnipräsent. Nach diesem kurzen historischen Überblick erscheint es mir wichtig, eine Definition des für diese Arbeit zentralen Begriffs „Portrait“ zu geben. Bei der folgenden Definition handelt es sich um eine mögliche, aber sicher nicht die einzig geltende Definition:

„[...]bedurfte ich einer Definition der Form, die das literarische Portrait im Sinne und im typischen Gebrauch des 17. Jahrhunderts abgrenzt [...]. Die Gesetzmäßigkeit [...] glaube ich zu erkennen in der Geschlossenheit der Schilderung, in dem Bestreben, die Ganzheit der Persönlichkeit darzustellen, und schliesslich in der direkten Wiedergabe des Urteils über einen Menschen.“9

[...]


1 La Bruyère: Les Caractères ou Les M(?)urs de ce siècle.Saint-Amand, 2002, S.18, im folgenden zitiert als Bruyère : Caractères.
2 Bruyère: Caractères. S. 18. Damit stellt er sich klar in die Tradition des theophrastischen Charakterportraits, obwohl er auch, jedoch selten, zeitgenössische Individuen darstellt. Meist handelt es sich aber um Typen ohne historische Vorlage. Vom zeitgenössischen Publikum wurden seine Portraits trotz der klaren Stellungnahme im Vorwort als Schlüsselportraits gelesen. Vgl. hierzu: Thomas Koch: Literarische Menschendarstellung. Studien zu ihrer Theorie und Praxis. Tübingen, 1991, S.88, im folgenden zitiert als Koch: Menschendarstellung.
3 Im folgenden soll, wenn von einem Portrait die Rede ist, stets das literarische Portrait gemeint sein.
4 Pierre Richard: La Bruyère et ses « Caractères ». Amiens, 1946, im folgenden zitiert als Richard : La Bruyère.
5 Dirk Van der Cruysse: Le Portrait dans les « Mémoires » du Duc de Saint-Simon. Paris, 1971, S. 35, im folgenden zitiert als Cruysse: Portrait. Dieses Werk gibt einen besonders guten Überblick über die unterschiedlichen Wurzeln des literarischen Portraits.
6 In diesem Zusammenhang sei auf die Portraits in l’Astrée (1607-1627) hingewiesen, die von den 3000 Seiten in etwa zwanzig einnehmen. Doch der wirkliche Ausgangspunkt des literarischen Portraits liegt in den zwei großen Romanen der Mlle de Scudéry, Le grand Cyrus und Clélie. Vgl. hierzu: Cruysse: Portrait. S. 30.
7 Cruysse: Portrait. S. 30.
8 Die bedeutensten Portraits diplomatischen Ursprungs enthält das Werk Relation de la Cour de France en 1690 von Ezechiel Spanheim. Vgl. hierzu: Cruysse: Portrait. S. 35.
9 Diese Definition stammt von Paul Ganter und wurde zitiert aus: Cruysse: Portrait. S. 27f.

 


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