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Wie Mythen Sinn stiften. Ein Erklärungsversuch am Beispiel des Automobils

Hauptseminararbeit, 2003, 18 Seiten
Autor: Daniela Haußmann
Fach: Kulturwissenschaft

Details

Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2003
Seiten: 18
Note: 1,0
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V21463
ISBN (E-Book): 978-3-638-25078-8

Dateigröße: 226 KB


Textauszug (computergeneriert)

Wie Mythen Sinn stiften. Ein Erklärungsversuch
am Beispiel des Automobils

 

 

von: Daniela Haußmann

Aus dem Inhalt

WENN DER VERSTAND ANGESPROCHEN WIRD UND DAS HERZ REAGIERT 2

GELEBTE GESCHICHTE DIE BILDER IM KOPF ZUM LAUFEN BRINGT 5

ZUR SCHAU GESTELLT 9

ALTES WIRD ALS NEU VERKAUFT 11

DIE BEWUSSTE AUSEINANDERSETZUNG FEHLT 13

PERSÖNLICHKEIT UND SOZIALSTRUKTUR 15

BIBLIOGRAPHIE 17

INTERNET 18

 

 

 

 

 

Wenn der Verstand angesprochen wird und das Herz reagiert

Mythen sind eine Form der Wirklichkeitskonstruktion des Menschen. Die Art und Weise, wie er Dinge wahrnimmt, wird durch Mythen in codierter Form vermittelt und der Außenwelt zugänglich gemacht, die sich kollektiv desselben Mittels in Form des Mythos bedient um die Welt zu beschreiben und zu begreifen. 1 Das was der Mensch nicht versteht versucht er für sich erklärbar zu machen, selbst wenn es sich dabei um eine sehr, zumindest anfangs, reduzierte Sprache handelt, die die Dinge zunächst einmal benennt, indem sie sie beschreibt und so dem Betrachter näher bringt. 2 Der Mythos verlangt Auseinandersetzung. 3 Verlangt Arbeit und Diskurs, bis er sich zu erkennen gibt und so den nebulösen Charakter verliert, in den er die Dinge hüllt und so dem direkten Zugriff auf sie verwehrt. Mythos, das heißt aktive Auseinandersetzung des Individuums, allein oder kollektiv. Mythos heißt aber auch verschiedene Ebenen in einer abgestuften Sozialisation mit vollem Bewusstsein erneut zu durchlaufen und so durch die Reduktion auf sich selbst kollektive Historie, Kultur, Wirtschaft etc. die dem Menschen im Sozialisationsprozess sedimentativ einverleibt wurden.4 Mythen geben also letztlich Aufschluss über den Menschen der in einer bestimmten Gesellschaft und damit Kultur lebt. Er gibt Auskunft darüber, wer wir sind und offenbart damit eine Tiefenstruktur, deren sich die Träger, denen sie immanent ist und die sie an die jeweilige Gesellschaftsstruktur bindet, in der sie groß geworden sind, unbewusst bindet.5 Der Mensch ist sich selbst mehr ein Rätsel als er denkt und erschließt sich in der Leistung, die er mit der Arbeit am Mythos erbringt, ein Stück weit selbst. Er kommt sich Schritt für Schritt selbst näher und erkennt sich als Teil eines größeren Zusammenhangs, einer Gruppe, in der er sich wieder findet, in die er neben vielen anderen Teilchen eines großen Ganzen mit eingewoben ist. Mythen spiegeln in ihrem Aufbau und ihrer Struktur die Gesellschaft wieder in ihrem Aufbau, in ihrer Geschichte, Kultur, Entwicklungsstand, sie wird gleichsam charakterisiert, um zugeordnet bzw. verstanden werden zu können, um für den menschlichen Verstand fassbar zu werden. 6 Damit besitzen sie Erzählcharakter, sie sind Erzählungen, die dem Menschen Informationen in Form verschlüsselter Botschaften übermitteln und die es für ihn assoziativ durch Arbeit von einer Metaebene zur nächsten zu dechiffrieren gilt. 7 Um aber letztlich auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen und überhaupt die Dinge erschließen zu können müssen bestimmte Schlüsselbegriffe bzw. –Charakteristika vorhanden sein, die das entschlüsseln, das dechiffrieren, also die erfolgreiche bzw. aussichtsreiche Arbeit am Mythos mit dem Ziel sich selbst als Teil eines großen Ganzen zu verstehen und so Rückschlüsse auf das „So-Sein“ von Individuen, die in derselben Kultur bzw. Gesellschaft leben, möglich zu machen, sich selbst als Person also ein Stück näher zu rücken und bestimmte Mechanismen zu verstehen, die auf einen selbst direkt oder indirekt einwirken und einem zu dem machen, was man letztlich ist.8 Zumindest ein Stück weit, denn ein Individuum wird immer auch zu einem Teil von außen determiniert und ist damit aus diesem mehr oder weniger direkten Außeneinfluss mit zu der Person geworden, die sie ist. Das impliziert der Sozialisationsprozess. 9 Menschen werden erzogen, werden zu dem gemacht was sie sind. Plakativ wird in den Medien immer wieder behauptet, dass heute mehr denn je Menschen nicht so sehr das Produkt ihres unmittelbaren Lebensumfeldes sind, sondern der Medien, dessen was also mehr oder minder audio-visuell auf sie einströmt. Sie sind beeinflusst von äußeren Reizen. Heute sicherlich stärker als vor fünfzig oder einhundert Jahren, als die Bilder erst einmal laufen lernten oder außer den Büchern im Regal und das nur im privilegierten Fall, vorhanden waren und den Menschen im seinem Person-Werden bzw. Teil-Werden determinierten. Radio, TV und vor allem die Werbung treiben den Menschen um und beginnen ihn bereits im Kindesalter mit Informationen zu versorgen und als Medien- und Produktkonsument für die Wirtschaft zu gewinnen, kurz ihn zum Verbraucher zu machen. Je komplexer Gesellschaften aufgebaut sind, desto einfacher greifen diese Mechanismen, die in immer unüberschaubareren Zusammenhängen immer intransparenter für den einzelnen ablaufen und ihn so unterbewusst an sich binden mit sub-suggerierten Formeln in seinem Unterbewusstsein einprägen. 10 

[...]


1 Barthes, Roland: Mythen des Alltags, S. 98f. in: Barner/Detken/Wesche: Texte zur modernen Mythentheorie, Stuttgart 2003, S. 91-108.
2 Barthes, S. 99, 104f.
3 Barthes, S. 91-108.
4Barner/Detken/Wesche: Einführung, in: Texte zur modernen Mythentheorie, Stuttgart 2003, S. 11-14. Cassierer, Ernst: Der Mythus des Staates, in: Barner/Detken/Wesche: Texte zur modernen Mythentheorie, Stuttgart 2003, S. 46f.
5 Cassierer, S. 40 Levi-Strauss, Claude: Die Struktur der Mythen, in: Barner/Detken/Wesche: Texte zur modernen Mythentheorie, Stuttgart 2003, S. 40f.
6 Cassierer, S. 40 Levi-Strauss, Claude: Die Struktur der Mythen, in: Barner/Detken/Wesche: Texte zur modernen Mythentheorie, Stuttgart 2003, S. 40f.
7 Barner/Detken/Wesche: Einführung, in: Texte zur modernen Mythentheorie, Stuttgart 2003, S. 10.
8 Adorno/Horkheimer: Dialektik der Aufklärung, in: Barner/Detken/Wesche: Einführung, in: Texte zur modernen Mythentheorie, Stuttgart 2003, S. 20-22.
9 Levi-Strauss, 40ff.
10 Parsons, Talcot: Sozialstruktur und Persönlichkeit, Frankfurt 2000, S. 35-60. Luhmann, Niklas: Die Konstruktion gesellschaftlicher Wirklichkeit, 16. Aufl., Frankfurt 2000, S. 15-25. Levi-Strauss, S. 59-74.


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