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Examination Thesis, 2001, 102 Pages
Author: Ingo Herzbruch
Subject: Pedagogy - Orthopaedagogy and Special Education
Details
Tags: Wenn, Kinder, Behinderung, Selbstbestimmung, Analyse, Bedingungsfaktoren, Möglichkeiten, Stärkung, Selbstbestimmungspotentiale, Familie
Year: 2001
Pages: 102
Grade: 1,7
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-25115-0
ISBN (Book): 978-3-640-38548-5
File size: 382 KB
Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Rollenverteilung in unserer Gesellschaft, insbesondere mit der Frauenrolle, und den damit verbundenen Konsequenzen Mütter und ihre Kinder mit geistiger Behinderung. Sie bringt diese beiden Komponenten zusammen und zeigt Lösungen, wie diese für alle Beteiligten belastende Situation abgeändert werden kann.
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Abstract
Kollegium des Kindergartens wurde deutlich, dass dies eine Problematik in der Arbeit mit Kindern mit Behinderungen ist. Es sei weitreichend bekannt, dass die Mütter die Hauptlast der Erziehung tragen und das Kind oft der Lebensmittelpunkt der Mütter ist. Dies machte mich zunächst nachdenklich, aber da ich damals der Meinung war, dass ich an dieser Tatsache als Zivildienstleistender nicht viel ändern konnte, nahm ich diese Situation wahr, aber beschäftigte mich nicht näher damit. Diese Erfahrungen sensibilisierten mich jedoch für die Rollenverteilung in dieser Gesellschaft, so dass ich im alltäglichen Leben immer wieder mit dieser Thematik konfrontiert wurde, sei es im Supermarkt, in den Medien, in der Politik, in den Gesprächen mit Bekannten, Verwandten und Freunden etc.. Durch aufmerksames Beobachten und das „Lesen zwischen den Zeilen“ findet man tagtäglich neben den eindeutigen Aussagen auch sogenannte normative Implikationen über die Frauen und Männer, die Mädchen und junge Frauen, Jungen und junge Männer, die sie in der ihnen zugedachten Rolle eingrenzen und sie zu dem Menschen erziehen, welcher der gesellschaftlichen Ordnung entspricht. Dabei wird nicht auf die Wünsche und Bedürfnisse des Einzelnen eingegangen, sondern jedes Individuum wird auf sehr subtile Art und Weise in seine Rolle „hineinerzogen“. Selbst die emanzipierteste Frau und der emanzipierteste Mann hat, sei es auf der kleinsten Ebene, zeigt ebenfalls Verhaltensweisen, in denen sich ihre Rolle manifestiert. Dies gilt gleichermaßen für Frauen und Männer. Die Männerrolle ist ebenfalls von dieser subtilen Erziehung von Seiten der Gesellschaft bestimmt, die mich persönlich in meinem Lebensweg bis heute belastet, weil ich mich nicht nach den Normen und Werten dieser Gesellschaft eingrenzen lassen will. Aus diesen alltäglichen Erfahrungen und den damit verbundenen Nachteilen für Frauen und Männer entwickelte sich die Motivation, sich vertiefend mit dieser Thematik zu beschäftigen, woraus diese Arbeit entstanden ist.
Excerpt (computer-generated)
Universität zu Köln
Heilpädagogische Fakultät
Seminar für Geistigbehindertenpädagogik
Examensarbeit
„Wenn Kinder mit geistiger Behinderung durch ihre Mütter in ihrer
Selbstbestimmung beeinträchtigt werden“
Analyse möglicher Bedingungsfaktoren und Möglichkeiten zur Stärkung der
Selbstbestimmungspotentiale in der Familie
Schriftliche Hausarbeit im Rahmen der ersten Staatsprüfung für das Lehramt für
Sonderpädagogik, dem Staatlichen Prüfungsamt für Erste Staatsprüfungen
für Lehrämter an Schulen in Köln
vorgelegt von:
Ingo Herzbruch
Köln, den 27.08.2001
0. Vorwort
In meiner Zivildienstzeit habe ich in einem Sonderkindergarten gearbeitet. Nach anfänglichen Eingewöhnungsproblemen, die aus der Tatsache resultierten, dass ich bis zu diesem Zeitpunkt selten mit Menschen mit einer Behinderung in Berührung gekommen war, fühlte ich mich dort sehr wohl und begann, mich mit den einzelnen Kindern in dem Kindergarten auseinander zu setzen. Dabei fiel mir auf, dass in der Kindertagesstätte fast ausschließlich die Mütter der Kinder erschienen und sich um das Kind kümmerten. Sämtliche Fragen, die in Bezug auf ein Kind auftauchten, wurden in der Regel mit den Müttern besprochen. Zunächst sah ich in dieser Tatsache keine große Problematik, doch mit der Zeit fielen mir sehr extreme Ängste und die Tendenz zur Überbehütung bei einigen Müttern auf. Ein Mädchen mit schwerer Behinderung kam nur sehr selten in den Kindergarten, weil sich die Mutter zu Hause um sie kümmern wollte, mehrere Mütter waren von ihren Männern verlassen worden und zum großen Teil waren es die Mütter, die über die Pflege, Betreuung und Entwicklungsstand ihres Kindes genau Bescheid wussten, während die Väter sich nur sehr selten im Kindergarten über ihre Kinder informierten. Im Gespräch mit dem Kollegium des Kindergartens wurde deutlich, dass dies eine Problematik in der Arbeit mit Kindern mit Behinderungen ist. Es sei weitreichend bekannt, dass die Mütter die Hauptlast der Erziehung tragen und das Kind oft der Lebensmittelpunkt der Mütter ist. Dies machte mich zunächst nachdenklich, aber da ich damals der Meinung war, dass ich an dieser Tatsache als Zivildienstleistender nicht viel ändern konnte, nahm ich diese Situation wahr, aber beschäftigte mich nicht näher damit.
Diese Erfahrungen sensibilisierten mich jedoch für die Rollenverteilung in dieser Gesellschaft, so dass ich im alltäglichen Leben immer wieder mit dieser Thematik konfrontiert wurde, sei es im Supermarkt, in den Medien, in der Politik, in den Gesprächen mit Bekannten, Verwandten und Freunden etc.. Durch aufmerksames Beobachten und das „Lesen zwischen den Zeilen“ findet man tagtäglich neben den eindeutigen Aussagen auch sogenannte normative Implikationen über die Frauen und Männer, die Mädchen und junge Frauen, Jungen und junge Männer, die sie in der ihnen zugedachten Rolle eingrenzen und sie zu dem Menschen erziehen, welcher der gesellschaftlichen Ordnung entspricht. Dabei wird nicht auf die Wünsche und Bedürfnisse des Einzelnen eingegangen, sondern jedes Individuum wird auf sehr subtile Art und Weise in seine Rolle „hineinerzogen“. Selbst die emanzipierteste Frau und der emanzipierteste Mann hat, sei es auf der kleinsten Ebene, ebenfalls Verhaltensweisen, in denen sich ihre Rolle manifestiert. Dies gilt gleichermaßen für Frauen und Männer. Die Männerrolle ist ebenfalls von dieser subtilen Erziehung von Seiten der Gesellschaft bestimmt, die mich persönlich in meinem Lebensweg bis heute belastet, weil ich mich nicht nach den Normen und Werten dieser Gesellschaft eingrenzen lassen will. Aus diesen alltäglichen Erfahrungen und den damit verbundenen Nachteilen für Frauen und Männer entwickelte sich die Motivation, sich vertiefend mit dieser Thematik zu beschäftigen, woraus diese Arbeit entstanden ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Selbstbestimmung
2.1 Abgrenzung der Begriffe "krank" und "Behindert"
2.2 Selbstbestimmung bei Menschen mit geistiger Behinderung
2.3 Das Verhältnis von Selbstbestimmung und Abhängigkeit
3. Wege zur Selbstbestimmung
3.1 Das Normalisierungsprinzip als Voraussetzung zur Selbstbestimmung von Menschen mit geistiger Behinderung
3.2 Empowerment
3.2.1 Die Indepentent-Living-Bewegung
3.2.2 Das Empowerment-Konzept
3.2.2.1 Analyse der Kritik am Empowerment-Konzept
4. Ursachen und Folgen negativer Verhaltensweisen gegenüber Menschen mit geistiger Behinderung
5. Die Situation und die sich daraus ergebenden Folgen der Mütter mit Kindern mit geistiger Behinderung
5.1 Die Familie mit einem Kind mit geistiger Behinderung
5.1.1 Die Rolle des Vaters
5.1.2 Die Rolle der nichtbehinderten Geschwister
5.2 Der Krisenverarbeitungsprozess nach Schuchardt
5.3 Die historische Betrachtung der Mutterrolle
5.4 Die Rolle der Mutter in der Gesellschaft
6. Auswirkungen der gesellschaftlichen Bedingungen auf die Selbstbestimmung der Mütter mit einem geistig behinderten Kind und Möglichkeiten zu einem selbstbestimmten Leben
6.1 Erwartungen, Forderungen und Verhalten seitens der Umwelt an die Mütter
6.2 Die permanente Mutterschaft und Omnipräsenz
6.3 Auswirkungen auf die Freizeit und soziale Kontakte der Mütter
6.4 Auswirkungen auf die Erwerbstätigkeit der Mütter
6.5 Beeinträchtigungen der Autonomie bzw. der Selbstbestimmung der Mütter
6.6 Das Normalisierungsprinzip in Bezug auf die Mutter
6.7 Das Empowerment-Konzept in Bezug auf die Mutter
7. Auswirkungen der Rolle der Mutter auf die Selbstbestimmung des geistig behinderten Kindes
7.1 Das gemeinsame Sorgenkind der Familie
7.2 Das behinderte Kind als Gattensubstitut
7.3 Das behinderte Kind als Sündenbock
8. Ausblick: Nötige Veränderungen zu mehr Selbstbestimmung für Kinder mit geistiger Behinderung
8.1 Veränderungen in der Gesellschaft
8.1.1 Ein verändertes Rollenverständnis
8.1.2 Ein verändertes Menschenbild
8.2 Ein gut funktionierendes Familiensystem
8.3 Eine gelungene Verarbeitung der Behinderung des Kindes
1. Einleitung
Der Titel dieser Arbeit lässt den Schluss zu, dass Mütter die Selbstbestimmung ihrer Kinder mit geistiger Behinderung beeinträchtigen und deshalb bei den Erziehungsmethoden der Mütter angesetzt werden müsse. Die Ursachen für die Beeinträchtigung der Selbstbestimmung der Kinder mit geistiger Behinderung durch ihre Mütter liegen jedoch, wie sich in dieser Arbeit zeigen wird, vor allem in der traditionellen Rollenverteilung und dem Menschenbild, das in unserer Gesellschaft vorherrscht.
In der Literatur wird die Geburt eines Kindes mit geistiger Behinderung oft als kritisches Lebensereignis für die Familie bzw. für die Eltern beschrieben. Vater und Mutter werden dabei größtenteils gleichgesetzt und auf die geschlechtsspezifischen Belastungen wird, bis auf einige Ausnahmen, kaum eingegangen.
Seltsam ist dabei, dass in theoretischen Überlegungen größtenteils von „Eltern“ gesprochen wird, und bei speziellen Aussagen in Erfahrungsberichten über Schwierigkeiten, die im Zusammenhang mit dem Kind mit geistiger Behinderung stehen, 0zumeist Mütter ihre Erfahrungen schildern. Die geschlechtsspezifischen Probleme in dieser Gesellschaft werden hinter dem Begriff „Eltern“ versteckt, wodurch eine Sensibilisierung für diese Thematik bei vielen Menschen fehlt. Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, den Zusammenhang zwischen der Rolle der Mütter und der Beeinträchtigung der Selbstbestimmung ihrer Kinder mit geistiger Behinderung herzustellen.
Dabei soll es nicht darum gehen, die Väter insgesamt zu verurteilen. Wie ich zeigen werde, leiden auch viele Väter unter der ihnen zugedachten Rolle und wehren sich gegen diese. Die Arbeitsteilung von Mann und Frau ist aber immer noch fester Bestandteil in den allgemeinen gesellschaftlichen Normen und wird in vielen Familien auch immer noch so gehandhabt. Diese Rollenverteilung findet sich in Filmen, Liedern, Werbung, Mode, Politik uvm. wieder. Diese ganzen Bilder strömen auf uns ein und prägen eine Gesellschaft, in der die Rollenverteilung als „natürlich“ angesehen wird. Die Rollenverteilung ist jedoch in der Form, in der sie in unserer Gesellschaft gesehen wird, nicht von Natur aus gegeben. Sie ist erst Ende des 17. Jahrhunderts entstanden und hat sich bis heute nur teilweise verändert (vgl. Kap5.3).
Diese Rollenverteilung hat Auswirkungen auf das Kind mit geistiger Behinderung. Die Mütter und auch die Väter sehen die Rollenverteilung selbst als „natürlich“ an, weswegen die Mütter sich für ihr Kind verantwortlich fühlen. Dadurch kann es zur Beeinträchtigung der Selbstbestimmungsmöglichkeiten des Kindes mit geistiger Behinderung kommen und somit, neben der Beeinträchtigung des Lebens der Mütter, zu einer Beeinträchtigung des „Menschseins“ der Kinder mit geistiger Behinderung. kommen
Bei allen folgenden Ausführungen soll es nicht darum gehen, die Betreuung eines Kindes mit geistiger Behinderung nur als negativ und belastend darzustellen. Ein Kind mit geistiger Behinderung kann ein emotionaler Gewinn sein, zu wertvollen Erfahrungen führen und der Familie und der Umwelt viel Freude bereiten. Menschen mit geistiger Behinderung leisten einen wertvollen Beitrag zur Gesellschaft. Diese Erkenntnis muss berücksichtigt werden, was bis heute jedoch nur unzureichend geschehen ist. Daraus resultiert die gesamte Problemlage dieser Gesellschaft, die sich auf die Familie und vor allem auf die Mütter auswirkt und damit das Kind mit geistiger Behinderung in seinen Möglichkeiten beeinträchtigt, wie ich in der folgenden Arbeit zeigen werde.
Als Untersuchungsmethode der vorliegenden Arbeit dient die Hermeneutik. Unter hermeneutischer Vorgehensweise versteht man:
Wissenschaftliche Verfahren, die auf [... ] rationale, methodisch durchdachte und überprüfbare Auswertung von sinnhaltigen Dokumenten, insbesondere von Texten, abzielen, [... ], die Reflexion auf die Eigenart dieser Verfahren wird als Hermeneutik bezeichnet (Klafki 1971, S. 128).
Inhaltlich und methodisch ist diese Arbeit folgendermaßen gegliedert:
Als Grundlage für diese Arbeit wird nach Abgrenzung der Begriffe „krank“ und „behindert“, die wichtig ist, um zu zeigen, dass ein Mensch mit geistiger Behinderung sich durchaus wohlfühlen kann und zu Selbstbestimmung fähig ist, die Bedeutung von Selbstbestimmung für das „Menschsein“ (Kap.2) und Wege zur Selbstbestimmung (Kap. 3) dargestellt. Im Anschluss wird untersucht, wo die Reaktionen der sozialen Umwelt, die sowohl für die Mütter als auch für die Kinder mit geistiger Behinderung belastend sind, ihren Ursprung haben (Kap. 4). Es folgt die Darstellung der Situation der Mütter mit einem Kind mit geistiger Behinderung in der Gesellschaft (Kap. 5). In Anschluss werden die Auswirkungen der gesellschaftlichen Bedingungen auf die Mütter mit einem geistig behinderten Kind und Möglichkeiten zu einem selbstbestimmten Leben für die Mütter aufgezeigt (Kap.6). Grundlage für Kap. 5 und Kap. 6 ist der extrem feministische Ansatz von Monika Jonas. Ich möchte an dieser Stelle ausdrücklich darauf hinweisen, dass die Situation der Mütter von Kindern mit geistiger Behinderung in unserer Gesellschaft nicht grundsätzlich zu verallgemeinern ist und nicht automatisch so verläuft, wie sie im Folgenden dargestellt wird. Jeder Mensch ist ein eigenständiges Individuum mit eigener Geschichte, eigener Erziehung, eigenem sozialem Umfeld, eigenen Werten, Normen und Ansichten. Es zeigen sich jedoch in einer Kultur in allen Bereichen Tendenzen in eine bestimmte Richtung in Folge des Sozialisationsprozesses eines jeden in der Kultur, in die das Individuum hineingeboren wird. Eine dieser Richtungen ist die Rolle der Mütter in dieser Gesellschaft. Frauen haben in den letzten Jahrzehnten im Rahmen der Emanzipationsbewegung einiges erreicht, wie das Recht auf Abtreibung, Einbeziehung in die Politik, in die Arbeitswelt etc.. Es lässt sich jedoch sagen, dass in dieser Gesellschaft immer noch das Bild vorherrscht, dass die Aufgabe der Frauen die Geburt und Erziehung der Kinder ist. Um die Probleme, die sich aus dieser Rollenzuschreibung für die Mütter und ihre Kinder mit geistiger Behinderung ergeben, besser und deutlicher herausstellen zu können, habe ich den Ansatz von Monika Jonas gewählt, der die Probleme der Mütter aus dem eben dargestellten Blickwinkel besonders deutlich beschreibt. Zu weiteren Betrachtungen der Mutterrolle verweise ich auf Nancy B. Miller (Miller, Nancy B.: Mein Kind ist fast ganz normal. Leben mit einem behinderten oder verhaltensauffälligen Kind: Wie Familien gemeinsam den Alltag meistern lernen. Stuttgart 1997.) Das sich daran anschließende Kapitel erklärt den Zusammenhang zwischen der Selbstbestimmung des Kindes mit geistiger Behinderung und der Rolle der Mütter in dieser Gesellschaft unter dem systemtheoretischen Aspekt nach Guski 1980 (Kap.7). Der damit gewonnene Überblick bildet die Grundlage für die Veränderungen, die geleistet werden müssen, um den Müttern und ihren Kindern mit geistiger Behinderung zu helfen, ein selbstbestimmtes Leben zu führen (Kap 8).
Zum Abschluss möchte ich noch erwähnen, dass die Bezeichnung „Menschen mit einer Behinderung“ auch immer Menschen mit einer geistigen Behinderung mit einbezieht. In dieser Arbeit werden Menschen mit Behinderung zusammengefasst, ohne dabei jedoch aus dem Blick zu verlieren, dass es sich bei jedem einzelnen um ein Individuum handelt. Darauf weise ich anfänglich hin, um den Textfluss nicht durch solche Details jedes Mal unterbrechen zu müssen.
2. Selbstbestimmung
Der Begriff „Selbstbestimmung“ taucht in der Geistigbehindertenpädagogik immer häufiger auf. Er wird in verschiedenen Kontexten, wie z.B. Wohnen, Arbeit, Schule, Familie etc. immer wieder genannt, wird aber selten konkret definiert. In diesem Kapitel wird zunächst der Begriff der Selbstbestimmung näher definiert, auf die Besonderheiten der Selbstbestimmung bei Menschen mit geistiger Behinderung eingegangen um dann Wege zur Selbstbestimmung zu beschreiben. In der Vergangenheit wurden Menschen mit geistiger Behinderung ausschließlich über ihre Defizite definiert. Oft wurde der Begriff „krank“ oder „abnormal“ für „behindert“ gewählt, was den Eindruck vermittelt, dass Menschen mit geistiger Behinderung betreut werden müssen und am besten fremdbestimmt leben sollten. Kranke Menschen brauchen oft Pflege, was sie für eine bestimmte Zeit von anderen Menschen abhängig macht. Wenn der Mensch mit Behinderung als „krank“ bezeichnet wird, wird sprachlich vermittelt, dass er Abhängigkeit braucht, um leben zu können.
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