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Das Dissidententum in der Sowjetunion nach der Stalin-Ära (1956-1985)

Hauptseminararbeit, 2000, 29 Seiten
Autor: Olaf Kunde
Fach: Geschichte - Neueste Geschichte, Europäische Einigung

Details

Veranstaltung: Re-Interpretation der Sowjetgeschichte
Institution/Hochschule: Technische Universität Dresden (Geschichte)
Tags: Dissidententum, Sowjetunion, Stalin-Ära, Re-Interpretation, Sowjetgeschichte
Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2000
Seiten: 29
Note: 2,0
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V21570
ISBN (E-Book): 978-3-638-25153-2
ISBN (Buch): 978-3-638-73157-7
Dateigröße: 250 KB

Zusammenfassung / Abstract

ein Es ist Thema der jüngeren Zeitgeschichte, daß nur wenige Jahrzehnte zurückliegt und trotzdem relativ wenig gesicherte und sehr bruchstückhafte Informationen zu bieten hat. Das hat wohl einen Grund in der Tatsache des abgeschotteten, repressiven Systems der UdSSR mit dem allumfassenden Informationsmonopol der Partei. Interessant wäre in dieser Beziehung, wenn der Zugang zum Archiv des KGB oder der Dissidenten (Samisdat-Archive) möglich wäre. Den Dissens in der Sowjetunion habe ich zum Gegenstand meiner Untersuchung gewählt, da mich der Mut dieser Menschen fasziniert und bewegt hat, innerhalb eines Staates mit totalitären Zügen (Totalitarismus oder doch nicht – ein Thema, über das sich die Fachwelt wiedermal intensiv streitet) den Ausbruch aus der geschlossenen Gesellschaft zu wagen: Bewußt anders zu sein und dies auch so zu leben, entgegen dem repressiven Konformitätsdruck durch das System und der Mehrheit des Volkes. Am Anfang steht immer eine kleine Minderheit, die anders ist und denkt und dennoch eine neue Entwicklung einleitet! In der Sowjetunion nahmen Teile der Intelligenz die Positionen des Protests und der Veränderung ein. Es war eine Auseinandersetzung zwischen Macht und Geist. War dieses spezifische Milieu das Pendant eines funktionalen Äquivalents zum Bürgertum, daß in dem vormals agrarisch geprägten Land fast gar nicht existierte? Stellen sie das Parallelum zur westlichen Bourgeoisie dar - natürlich inbegriffen des fortgeschrittenen sozialen Wandels -, die in der Geschichte Europas der Ausgangspunkt für bedeutende kulturelle und soziale epochale Entwicklungen war, welche die Politik maßgeblich veränderten. War der Dissens eine Elite, die der passiven „trägen Masse“ geistig-moralische Häppchen zum Anreiz einer Veränderung zuwarf, um sie überhaupt zu „bewegen“? Legte sich das sowjetische System unbewußt selbst die Zündschnur, in dem es der Bildung einen so hohen Rang verlieh? Vergleiche lassen sich ziehen mit der Situation im vorrevolutionären Rußland, in der die Intelligenz eine ähnliche Rolle spielte. Der Begriff Intelligenz verband sich wieder mit den Merkmalen Gesinnungsethik und Zivilcourage, natürlich abgesehen von anderen Zielen und Inhalten als im 19. Jahrhundert. Aber das soll nicht Inhalt der Untersuchung werden! Mein Ausgangspunkt der Betrachtung setzt ein im Jahr 1956, das Jahr des XX. Parteitags der KPdSU und der berühmten Geheimrede Chruschtschows, den Beginn des sogenannten Tauwetters.


Textauszug (computergeneriert)

Das Dissidententum in der Sowjetunion
nach der Stalin-Ära (1956-1985)

 


von: Olaf Kunde

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 1

2. Motivationen und Hintergründe der Dissidentenkultur 3

3. Die Anfänge des Protests oder die Herausbildung eines Potentials 5

3.1. Der Sinjawski/Daniel - Prozess 1965 und seine Folgen 9

4. Der Samisdat 13

4.1. "Die Chronik der laufenden Ereignisse" und die Menschenrechtsbewegung 17

5. Der Dissens in den 70er und 80er Jahren 19

6. Das Entstehen der Helsinki - Gruppen 23

7. Zusammenfassung 27

Literaturverzeichnis 28

 

 

 


1. Einleitung

Es ist ein Thema der jüngeren Zeitgeschichte, daß nur wenige Jahrzehnte zurückliegt und trotzdem relativ wenig gesicherte und sehr bruchstückhafte Informationen zu bieten hat. Das hat wohl einen Grund in der Tatsache des abgeschotteten, repressiven Systems der UdSSR mit dem allumfassenden Informationsmonopol der Partei. Interessant wäre in dieser Beziehung, wenn der Zugang zum Archiv des KGB oder der Dissidenten (Samisdat-Archive) möglich wäre. Den Dissens in der Sowjetunion habe ich zum Gegenstand meiner Untersuchung gewählt, da mich der Mut dieser Menschen fasziniert und bewegt hat, innerhalb eines Staates mit totalitären Zügen (Totalitarismus oder doch nicht – ein Thema, über das sich die Fachwelt wiedermal intensiv streitet) den Ausbruch aus der geschlossenen Gesellschaft zu wagen: Bewußt anders zu sein und dies auch so zu leben, entgegen dem repressiven Konformitätsdruck durch das System und der Mehrheit des Volkes. Am Anfang steht immer eine kleine Minderheit, die anders ist und denkt und dennoch eine neue Entwicklung einleitet! In der Sowjetunion nahmen Teile der Intelligenz die Positionen des Protests und der Veränderung ein. Es war eine Auseinandersetzung zwischen Macht und Geist. War dieses spezifische Milieu das Pendant eines funktionalen Äquivalents zum Bürgertum, daß in dem vormals agrarisch geprägten Land fast gar nicht existierte? Stellen sie das Parallelum zur westlichen Bourgeoisie dar - natürlich inbegriffen des fortgeschrittenen sozialen Wandels -, die in der Geschichte Europas der Ausgangspunkt für bedeutende kulturelle und soziale epochale Entwicklungen war, welche die Politik maßgeblich veränderten. War der Dissens eine Elite, die der passiven „trägen Masse“ geistig-moralische Häppchen zum Anreiz einer Veränderung zuwarf, um sie überhaupt zu „bewegen“? Legte sich das sowjetische System unbewußt selbst die Zündschnur, in dem es der Bildung einen so hohen Rang verlieh? Vergleiche lassen sich ziehen mit der Situation im vorrevolutionären Rußland, in der die Intelligenz eine ähnliche Rolle spielte. Der Begriff Intelligenz verband sich wieder mit den Merkmalen Gesinnungsethik und Zivilcourage, natürlich abgesehen von anderen Zielen und Inhalten als im 19. Jahrhundert. Aber das soll nicht Inhalt der Untersuchung werden! Mein Ausgangspunkt der Betrachtung setzt ein im Jahr 1956, das Jahr des XX. Parteitags der KPdSU und der berühmten Geheimrede Chruschtschows, den Beginn des sogenannten Tauwetters. Ich habe mich bemüht einen chronologischen Ablauf der relevanten Ereignisse einzuhalten, obwohl das infolge der vielen Querverbindungen eine gewisse Kompliziertheit aufwies.

Zu Anfang referiere ich über die spezifischen Gründe der Bildung von Dissens in der SU und weshalb, dieser überhaupt Veränderungen wollte!? Welche Ideen kursierten im Dissens? Welche Veränderungen wollten sie und welche Merkmale, wies die Dissidentenbewegung auf? Der nächste Schritt der Untersuchung beschäftigt sich mit den Anfängen des Dissens, mit den ersten zarten „Pflänzchen“ des Protests. Anschließend untersuche ich die Umstände des Sinjawski/Daniel-Prozesses, denn der Prozeß wird allgemein als Genesis der Dissidentenbewegung angesehen. Weitere wichtige Teilaspekte der Untersuchung, die in einer pointierten Deskription und Analyse des Dissens und seines Umfeldes unmöglich fehlen dürfen, verbinde ich mit den folgenden Stichpunkten: Dem Samisdat (das Medium des Dissens), wichtige Persönlichkeiten des Dissens, Argumente und Motivationen des Protests, Sanktionen der Staatsmacht gegen die Dissidenten, die Entstehung der Menschenrechtsbewegung und der Helsinki-Gruppen. Ein Faden, der sich durch die Arbeit zieht, konzentriert sich auf die Berücksichtigung der verschiedenen Strömungen und den ideologischen Wandel innerhalb des Dissens. Der Zeitraum der Untersuchung endet im Jahr 1985, dem Machtantritt Gorbatschows und dem Beginn von Glasnost und Perestrojka. Die Einbeziehung dieser Epoche hätte einfach den Rahmen meiner Darstellung gesprengt.

2. Motivationen und Hintergründe der Dissidentenkultur

[...]



Kommentare

Sven Beckendorf
14.05.2004 20:47:29
cand. phil.
Die Einleitung weiß nicht zu überzeugen. Neben der in wissenschaftlichen Arbeiten verpönten Ich-Form fällt die lieblose Formulierung der Einleitung auf, welche weniger auf die Problemstellung und die Methodik der Arbeit eingeht, sondern vielmehr eine Ausformulierung des Inhaltsverzeichnisses darstellt. Unangenehm bemerkbar micht sich zudem die mangelnde Sprachsicherheit des Autors. So verwendet dieser mehrmals "daß" anstelle von "das". (z.B. in Textzeile 1: "Es ist ein Thema der jüngeren Zeitgeschichte, daß[sic!] nur wenige Jahrzehnte zurückliegt[...]". Wenn man bedenkt, daß die Einleitung zusammen mit dem Schlußwort (Conclusio) wichtiges Kernbestandteil einer wissenschaftlichen Arbeit ist, lässt sich für den Hauptteil nichts Gutes erwarten.
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