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Baudrillard und der 11. September

Hausarbeit, 2003, 28 Seiten
Autor: Michael Seemann
Fach: Soziologie - Medien, Kunst, Musik

Details

Veranstaltung: Reaktionen auf den 11. September
Institution/Hochschule: Universität Lüneburg (Sprache und Kommunikation)
Tags: Baudrillard, September, Reaktionen, September
Kategorie: Hausarbeit
Jahr: 2003
Seiten: 28
Note: 2,3
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V21586
ISBN (E-Book): 978-3-638-25166-2

Dateigröße: 253 KB
Anmerkungen :
Diese Arbeit analysiert den Text "Der Geist des Terrorismus" von Jean Baudrillard und leitet die verschiedenen Thesen aus seinem Gesamtwerk ab. Neben einer explizieten darstellung der Thesen Baudrillards zum Terroismus und der Globalisierung gibt die Arbeit einen sehr guten Überblick über das Gesamtwerk und kann samit auch als Einführung in Baudrillard benutzt werden. Die Note ist nur aufgrund von "Formalien" nicht sehr gut.



Textauszug (computergeneriert)

Baudrillard und der 11. September

 


von: Michael Seemann

1. Einleitung  3

2. Die Thesen in „Der Geist des Terrorismus“ im Werkkontext  4

2. 1. Die Rückkehr des Ereignisses  4

2.1.1. Die Simulation  5
2.1.2. Der Streik der Ereignisse  9

2.2. Die Terroristen benutzten den Tod als Waffe  11

2.2.1. Die Ausgrenzung des Todes  12
2.2.2. Der symbolische Tausch  14

2.3. Der Terrorismus ist der Kampf gegen die definitive Ordnung des Guten 16

2.3.1. Das Radikal Andere und das Objekt  16
2.3.2. Das Objekt, die Verführung  17
2.3.3. Das Globale und das Universelle  19
2.3.4. Das Prinzip des Bösen  21

2.4. Der Terrorismus als Virus  22

2.4.1. Die Virtuelle Virulenz  22
2.4.2. Das eigene Mitschwingen  24

2.5. Das WTC als symbolisches Zeichen der Simulation  25
2.6. Reversibilität des Wertesystems  26

3. Fazit  27

Literatur:  29

 

 


 

1. Einleitung

Jean Baudrillard gehört sicherlich zu den einflussreichsten, aber auch zu den umstrittensten Theoretikern der Informationsgesellschaft. Nicht nur die Radikalität seiner Thesen, sondern auch seine unwissenschaftliche Herangehensweise werden oft kritisiert.1 Manche sehen in ihm sogar nur einen Scharlatan, der mit seinem mystifizierenden Sprachstil und seiner bestechenden Rhetorik seine Leserschaft in die Irre führt.2 Die Argumente sind berechtigt und haften seinem Werk immer noch den Beigeschmack der Unseriösität an. Ein Thema wurde Baudrillard allerdings wieder nach dem 11. September 2001. Allerdings nicht nur, weil er sich beeilte seine Interpretation der Ereignisse zu publizieren, sondern vielmehr, weil andersherum die Ereignisse Baudrillard’s Theorie eingeholt zu haben scheinen. Auch wenn Diedrich Diedrichsen meint, man müsse nach dem 11. September mit dem „Baudrillardismus“ aufhören3, sehen manche Kommentatoren bereits wenige Tage nach den Anschlägen eben jene Analogien zu Baudrillards Theorien.

„Simulation und Inszenierung von Realität sind zentrale Bausteine eines medienreflexiven Diskurses. Ihn brauchen wir wieder, gerade jetzt, wo der Grad des Grauens in so offenbarem Zusammenhang steht zur Berichterstattung. Virilio und Baudrillard zu bedenken bedeutet nicht Fahnenflucht, sondern Bildern nicht vorbehaltlos zu trauen.“4 Der Zusammenhang von Baudrillards Theorien und dem 11. September sind aber noch vielfältiger und noch tiefer als nur der medienkritische Diskurs, den er mit seiner Simulationstheorie losgetreten hatte. Schon seit den 70er Jahren beschäftigte er sich beinah prophetisch mit dem Terrorismus, der Transparenz des Bösen, dem Ereignis, Amerika, der Rolle der Medien und sogar explizit mit den Türmen des World Trade Centers. Schon damals bot er Erklärungen an, die dem allgemeinen Verständnis der Welt zuwiderliefen. Zu abstrus sind seine Theorien, als dass man sie hätte ernst nehmen können. Zu abstrakt scheint sein Weltverständnis, als das man es hätte anwenden können.

Doch die Welt steht vor neuen Herausforderungen. Ein globaler Terrorismus, der über alle Staatengrenzen hinaus operiert, Menschen ohne Furcht vor dem Tod, ihr eigenes Leben als Waffe benutzend und ein globales Mediennetz, dessen Aufmerksamkeitsverstärker eine globale Öffentlichkeit in Echtzeit erreicht. Auf die Fragen, die die Welt nach dem 11. September stellt, hatte Baudrillard bereits seine Antworten gegeben. Man mag sie verurteilen, sie für absurd halten oder gar verteufeln, aber man muss sich mit ihnen beschäftigen, denn herkömmliche Ansätze und Rezepte scheinen ihre Gültigkeit verloren zu haben. Der Text „Der Geist des Terrorismus“, der sich direkt auf die Anschläge bezieht, soll in dieser Arbeit im Kontext seines Gesamtwerkes analysiert und erklärt werden. Die in dem Text enthaltenen Thesen sollen extrahiert und jeweils im Zusammenhang seiner früheren Theorien hergeleitet werden. Der Rahmen einer Hausarbeit reicht leider nicht für eine lückenlose Bearbeitung dieses umfangreichen Themas aus. Daher wird sich diese Arbeit nur auf die zentralen Thesen des Textes beziehen, die durch die jeweiligen Kapitelüberschriften repräsentiert sind. Einen Anspruch auf Vollständigkeit kann aber aus den oben genannten Gründen nicht erhoben werden.

2. Die Thesen in „Der Geist des Terrorismus“ im Werkkontext

2. 1. Die Rückkehr des Ereignisses

[...]


1 Vgl.: Bohm, Ralf; Fuder, Dieter: Baudrillard lesen, S. 11
2 Vgl.: Venus, Jochen: Referenzlose Simulation?, S. 8 f
3 Vgl.: Diedrichsen, Diedrich: Das WTC hat es nie gegeben, in TAZ, (06.10.2001)
4 Förster, Jochen: Bilderterror, Krieg ohne Bilder, in: die Welt (12.10.2001)


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