Vom PCI zum PDS - Die Sozialdemokratisierung der italienischen kommunistischen Partei

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Details

Titel: Vom PCI zum PDS - Die Sozialdemokratisierung der italienischen kommunistischen Partei
Autor: Petra Buß
Fach: Politik - Int. Politik - Region: Westeuropa
Veranstaltung: Hauptseminar: Sozialdemokratische Parteien im internationalen Vergleich
Institution/Hochschule: Westfälische Wilhelms-Universität Münster (Institut für Politikwissenschaft)
Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 1999
Seiten: 24
Note: 1,0
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 275 KB
Archivnummer: V21616
ISBN (E-Book): 978-3-638-25189-1
ISBN (Buch): 978-3-638-64718-2

Zusammenfassung / Abstract

Der Partito Comunista Italiano (PCI) war seit Ende des Zweiten Weltkrieges, nach kurzer anfänglicher Regierungsbeteiligung, stärkste Oppositionspartei in Italien. Er wurde aufgrund des sich zuspitzenden Kalten Krieges vehement von der Regierung ausgeschlossen, gewann aber dennoch bis in die siebziger Jahre hinein kontinuierlich an Wählerstimmen. Grund für den Vormarsch der Kommunisten war das große Ansehen, das sie als führende Kraft im Widerstand gegen den Faschismus besaßen. Sie hatten ziemlich schnell und konsequent eine schlagkräftige Organisation aufgebaut, eroberten in den ersten Nachkriegsjahren die wichtigste Schlüsselposition in den Gewerkschaften und stellten die eigentliche Opposition gegen die Regierung in der Polarisierung des Kalten Krieges dar. Trotz einer kurzen Phase in den siebziger Jahren, in der sie die Mehrheit unterstützten, mußte die Partei bis 1996, fünf Jahre nach der Namensänderung in den Partito Democratico della Sinistra (PDS), warten, um zum ersten Mal als stärkste Partei die Verantwortung für das Land übernehmen zu können. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Sozialdemokratisierungsprozeß der italienischen Kommunisten, der sich über mehr als 70 Jahre erstreckte. Dabei sollen die einzelnen Phasen genau betrachtet und analysiert werden. Ziel ist es zu klären, warum sich der PCI diesen Veränderungen unterzog, wie er in den einzelnen Phasen versucht hat, sich von Moskau zu lösen und ob es ihm jeweils gelungen ist. In diesem Zusammenhang können sowohl internationale als auch nationale Ereignisse von Bedeutung sein, sofern sie direkten Einfluß auf die Entwicklung der Partei hatten.

Textauszug (computergeneriert)

Vom PCI zum PDS
Die Sozialdemokratisierung der
italienischen kommunistischen Partei



von: Petra Buß

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung: Überblick über die Geschichte des PCI 1

2. Der PCI in der Resistenza und in der Nachkriegszeit 3

3. Der Sozialdemokratisierungsprozeß des PCI 5

3.1 Die Anfänge des PCI 5
3.2 Der "italienische Weg zum Sozialismus" 6

3.3 Der Vormarsch des PCI in den siebziger Jahren 7

3.3.1 Enrico Berlinguer und der compromesso storico 7
3.3.2 Die Regierungen der "Nationalen Solidarität" und des "Nicht-Mißtrauens" 8
3.3.3 Der Eurokommunismus 11

3.4 Die Krise der Kommunisten in den 80er Jahren 11
3.5 Die schwierige Geburt des Partito Democratico della Sinistra 13

3.5.1 Der neue Kurs Achille Occhettos und der XVIII. Parteitag von 1989 13
3.5.2 Der XIX. Parteitag von 1990 und die negativen Konsequenzen des Jahres 15
3.5.3 Die ersten Jahre des PDS 16

3.6 Der Erfolg der neuen Linksdemokraten seit 1996 17

4. Schluß 19

5. Bibliographie 21

 

 

 

 

 


1. Einleitung: Überblick über die Geschichte des PCI

Der Partito Comunista Italiano (PCI) war seit Ende des Zweiten Weltkrieges, nach kurzer anfänglicher Regierungsbeteiligung, stärkste Oppositionspartei in Italien. Er wurde aufgrund des sich zuspitzenden Kalten Krieges vehement von der Regierung ausgeschlossen, gewann aber dennoch bis in die siebziger Jahre hinein kontinuierlich an Wählerstimmen. Grund für den Vormarsch der Kommunisten war das große Ansehen, das sie als führende Kraft im Widerstand gegen den Faschismus besaßen. Sie hatten ziemlich schnell und konsequent eine schlagkräftige Organisation aufgebaut, eroberten in den ersten Nachkriegsjahren die wichtigste Schlüsselposition in den Gewerkschaften und stellten die eigentliche Opposition gegen die Regierung in der Polarisierung des Kalten Krieges dar. Trotz einer kurzen Phase in den siebziger Jahren, in der sie die Mehrheit unterstützten, mußte die Partei bis 1996, fünf Jahre nach der Namensänderung in den Partito Democratico della Sinistra (PDS), warten, um zum ersten Mal als stärkste Partei die Verantwortung für das Land übernehmen zu können.

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Sozialdemokratisierungsprozeß der italienischen Kommunisten, der sich über mehr als 70 Jahre erstreckte. Dabei sollen die einzelnen Phasen genau betrachtet und analysiert werden. Ziel ist es zu klären, warum sich der PCI diesen Veränderungen unterzog, wie er in den einzelnen Phasen versucht hat, sich von Moskau zu lösen und ob es ihm jeweils gelungen ist. In diesem Zusammenhang können sowohl internationale als auch nationale Ereignisse von Bedeutung sein, sofern sie direkten Einfluß auf die Entwicklung der Partei hatten.
Bevor sich die Untersuchung jedoch auf diesen Prozeß konzentriert, befaßt sich ein als Einleitung dienender Exkurs mit der besonderen Stellung der Partei in Italien während des Widerstandes und der ersten Nachkriegsjahre. Dies ist von besonderer Wichtigkeit, da die Partei zunächst noch als demokratisch galt. Erst durch die Verschärfung des Ost-West-Konfliktes wurde sie als Bedrohung für die Demokratie angesehen. Außerdem soll der Einfluß der Kommunisten auf die anfangs noch existierende Einheitsgewerkschaft dargestellt werden. Diese Punkte werden gesondert betrachtet, da sie nicht im direkten Zusammenhang mit dem eigentlichen Prozeß der Sozialdemokratisierung stehen, auf den sich Kapitel drei ausschließlich beschränkt.

Anschließend widmet sich die Arbei der Entstehung des PCI 1921, deren Bindung an Moskau und der ersten unterschwelligen Kritik am sowjetischen Regime. Dies kann als die erste Phase des Wandlungshergangs angesehen werden. Dabei stehen besonders zwei Mitglieder der Partei, Antonio Gramsci und Palmiro Togliatti, im Vordergrund der Betrachtungen. Letzterer hat in den fünfziger Jahren einen "neuen Weg zum Sozialismus" durch Distanzierung von Moskau einschlagen wollen, deren erster Schritt im Jahre 1954 nach den Aufständen in Polen und Ungarn gemacht wurde. Diese Idee und ihr Erfolg sollen in Abschnitt 3.2 erläutert werden. Nach dem Tode Togliattis und der stagnierenden Entwicklungsperiode seines Nachfolgers Luigi Longo, der zwar den sowjetischen Einmarsch in Prag verurteilte, aber dennoch die Partei orientierungslos sich selbst überließ, setzt der 1972 neugewählte Parteichef Enrico Berlinguer auf ein neues Konzept, den "historischen Kompromiß". Was darunter zu verstehen ist und welche Bedeutung er im Wandlungsprozeß des PCI hatte, wird in diesem Zusammenhang beschrieben.

Diesem Konzept folgten starke Stimmengewinne bei den darauffolgenden Verwaltungs- und Parlamentswahlen sowie die Regierungen der "Nationalen Solidarität" und des "Nicht-Mißtrauens", bei der die Partei der Regierung ihre Unterstützung zusagte. Zum ersten Mal nach Ausarbeitung der Verfassung herrschte wieder Kooperationsbereitschaft zwischen Christdemokraten und Kommunisten, die jedoch nicht von langer Dauer war. In Punkt 3.3.2 geht es schließlich darum, das Zustandekommen dieser Regierungen, die Probleme, die sie mit sich brachten und den Grund ihres Scheiterns aufzuführen.
Die fehlgeschlagene Zusammenarbeit und das Einbüßen von Stimmen in den darauffolgenden Parlamentswahlen von 1979 war der Beginn einer lang anhaltenden Krise der kommunistischen Partei und leitete den endgültigen Wandlungsprozeß ein. In den achtziger Jahren lockerte der PCI schrittweise seine festgefahrene organisatorische Struktur. Die vorher verbotenen und unterdrückten Strömungen innerhalb der Partei kamen zum Vorschein und spalteten die Kommunisten in verschiedene Lager. Die Entwicklung der Partei in dieser Periode soll analysiert werden. Zweck ist es, nachzuvollziehen, wie sich aus dieser schweren Identitätskrise das Konzept einer neuen linksdemokratischen Partei entwickelt hat.

Der folgende Abschnitt konzentriert sich schließlich auf den eigentlichen Akt der Parteineugründung. Dabei wird untersucht, welche Auswirkungen diese Transformation auf die einzelnen Lager der Partei, die Mitgliederstruktur und die Wählerschaft hatte. Da die Namensänderung nicht der letzte Schritt der Wende war, werden anschließend die für den PDS wichtigsten Ereignisse der neunziger Jahre wie die Parlamentswahlen von 1994 und 1996, die Regierungsbeteiligung, der Zusammenschluß mit kleineren Parteien des linken Spektrums zu den Democratici di Sinistra (DS) und schließlich die Ernennung Massimo D′Alemas zum Ministerpräsidenten dargelegt.

Abschließend werden die Ergebnisse der Untersuchung zusammengefaßt und bewertet. Dieser Teil widmet sich der Frage, inwieweit der PCI eine von Moskau autonome Politik verfolgen konnte, wie erfolgreich der Wandlungsprozeß war und ob dabei das Ziel, eine sozialdemokratische Partei zu schaffen, wirklich erreicht wurde.

2. Der PCI in der Resistenza und in der Nachkriegszeit

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