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Auffällige Stile der Jugend als Ergebnis gesellschaftlichen Wandels am Beispiel der Halbstarken in den 50er Jahren

Magisterarbeit, 2003, 107 Seiten
Autor: Carolin Engel
Fach: Soziologie - Kinder und Jugend

Details

Kategorie: Magisterarbeit
Jahr: 2003
Seiten: 107
Note: 2
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V21619
ISBN (E-Book): 978-3-638-25192-1

Dateigröße: 473 KB


Textauszug (computergeneriert)

Universität Kassel

Abschlussarbeit im Magisterstudiengang Soziologie 

Auffällige Stile der Jugend als Ergebnis gesellschaftlichen Wandels 
am Beispiel der Halbstarken in den 50er Jahren 

vorgelegt von

Carolin Engel 

Kassel, Juni 2003


 

"Bei drei Gruppen von Menschen liegt diese Bereitschaft zum Rückschlag ins Un-Zivilisierte, in die Barberei besonders nahe unter der Oberfläche: bei den Primitiven, bei den erziehungsmäßig ′Frustrierten′ und bei den Nihilisten. Sie bilden denn auch die Masse, den Kern und die Führerschaft der Halbstarken." 

(Muchow, H.H., 1956 in: Krüger, H.H., 1985, "Die Elvis-Tolle, die hatte ich mir unauffällig wachsen lassen." Lebensgeschichte und jugendliche Alltagskultur in den fünfziger Jahren)

 

Gliederung 

1. Einleitung ... 5

2. Gesellschaftliche Rahmenbedingungen in der Nachkriegszeit bis Mitte der 50er Jahre ... 9
2.1 Politische Entwicklung ... 9
2.2 Wirtschaftliche Entwicklung ... 20
2.3 Vom Mangel zum Konsum ... 24
2.4 Der Wandel gesellschaftlicher Grundwerte ... 28 

3. Jugend und Jugendsubkulturen ... 34
3.1 Zum geschichtlichen Begriff "Jugend" ... 34
3.2 Klassifizierung der Lebensphase "Jugend" ... 39
3.3 Begriffsklärung "Jugendkultur" und "Jugendsubkultur" ... 41
3.4 Sozialwissenschaftliche Jugendtheorien ... 44
3.4.1 Die phänomenologische Gegenwartsanalyse der Jugend: Helmut Schelsky ... 45
3.4.2 Der funktionalistische Ansatz: Samuel N. Eisenstadt ... 48
3.4.3 Der handlungstheoretische Ansatz: Friedrich H. Tenbruck ... 51 

4. Jugendstile in den 50er Jahren in Westdeutschland ... 55
4.1 Die Peer-Group als informelle Gruppe ... 55
4.2 Stile der Jugendkultur ... 57
4.2.1 Die Existentialisten ... 58
4.2.2 Die Teenager ... 61
4.2.3 Die Motorradjungs (Rocker) ... 64 

5. Die Halbstarken der fünfziger Jahre ... 66
5.1 Vorläufer der Halbstarken in der Geschichte ... 66
5.2 Die soziale Herkunft der Halbstarken ... 68
5.3 Die Entwicklung eines eigenen Stils in Mode, Sprache und Habitus ... 71
5.4 Verhalten in der Freizeit ... 74
5.5 Das Leben in Banden ... 78
5.6 Die Reaktion der Medien auf Krawalle und Provokationen ... 81
5.7 Rock ′n′ Roll und die Rolle der USA ... 83 

6. Zusammenfassung ... 91 

7. Literaturverzeichnis ... 102

 

1. Einleitung 
Thema dieser Arbeit ist die Jugendkultur der (west)deutschen Bundesrepublik der fünfziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts. Im Mittelpunkt der Betrachtung soll die Gruppe der sogenannten Halbstarken stehen, an Zahl sicher nicht die größte der Jugendsubkulturen jener Zeit, möglicherweise aber ihre einflussreichste, was die Prägung von Stilen anbelangt, bestimmt auch in der Art, wie sie die öffentliche Meinung über "die Jugend" der Fünfziger bestimmte. 

Das Interesse am Thema Jugendkultur bzw. Jugendsubkultur resultiert aus der Erkenntnis, dass sich jugendliche Verhaltensweisen offenbar zu allen Zeiten moderner Industriegesellschaften gruppenförmig herausbilden, in Abhängigkeit von gesellschaftlichen Entwicklungen und Einflüssen. Die Relevanz dieses Themas ist daher bis heute gegeben. Auch in der Folgezeit der fünfziger Jahre machten Jugendkulturen auf sich aufmerksam, seien es beispielsweise Punker oder Skinheads. Jede Generation hat ihr "eigene" Jugendkultur, in der sich verschiedene Subkulturen wiederfinden. Während für die 60er Jahre die Beatgeneration als typische Vertreter dieser Zeit galten, wurden die 70er Jahre von den Blumenkindern oder den sog. Hippies dominiert. In den 80er Jahren sprach man von der Blütezeit der Punker, die trotz ihrer relativ geringen Gruppengröße, meist im öffentlichen Raum den Erwachsenen negativ auffielen. Die 90er Jahre gelten als das Jahrzehnt der Raver und Techno-Anhänger, die sich nach außen mittels der "Love-Parade" in Berlin darstellen - eine der größten organisierten öffentlichen Veranstaltungen, die speziell auf die jugendliche Fangemeinde dieser Musikrichtung zugeschnitten ist. 

So unterschiedlich die Ausprägungen der einzelnen Stilrichtungen auch sind, es gibt wesentliche Gemeinsamkeiten, die alle Jugendsubkulturen aufweisen. Die Orientierung an Gleichaltrigen, die als Gruppe eine wichtige Funktion erfüllt, der hohe Stellenwert des Konsums (Kleidung, Musik etc.), sowie die Ausprägung eines eigenen Stils als Wiedererkennungswert (Mode, Sprache etc.) sind bedeutende Merkmale von Jugendkultur. 

In den fünfziger Jahren wurde die Herausbildung einer eigenständigen Jugendkultur erstmals verstärkt wahrgenommen und somit auch Gegenstand wissenschaftlicher Forschung. Daher steht dieses Jahrzehnt, mit den Halbstarken als Subkultur im Mittelpunkt der vorliegenden Arbeit. 

Als eine der zentralen Thesen soll der Frage nachgegangen werden, ob insbesondere Zeiten ausgeprägten gesellschaftlichen Wandels das Entstehen von Jugendkulturen begünstigen und in welcher Weise dies geschieht. Die Jugendkulturen der fünfziger Jahre waren die ersten, die unter dem Einfluss einer sich in die westliche Parteiendemokratie der Nachkriegszeit hinein entwickelnden Gesellschaft entstanden - nach Jahren der Gleichschaltung der Jugend unter einer autoritären faschistischen Staatsform. Auch die Entwicklung einer konsumorientierten, Massengüter produzierenden Industriegesellschaft und die Suche nach moralischer und kultureller Identität kennzeichnen u. a. den heftigen gesellschaftlichen Wandel, der die fünfziger Jahre prägte und spannend machte. Letztlich war es nicht nur die Jugend, die ihre gesellschaftliche Position neu zu bestimmen hatte, diese Anforderung betraf alle damaligen Generationen. 

So sollen am Anfang dieser Arbeit die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen der fünfziger Jahre untersucht werden. Wie gestalteten sich die politischen und wirtschaftlichen Bedingungen der Nachkriegszeit bis zur Herausbildung der hier analysierten Jugendkulturen? Unter welchen gesellschaftlichen Bedingungen sind diese entstanden? Welche Rolle spielten dabei wirtschaftlicher Aufschwung und beginnender Konsum? Welchen Wandlungsprozessen unterlagen Familie, Freizeitverhalten und Arbeitsprozess? Gab es einen Wertewandel, wie sah er aus und welchen Einfluss hatte er auf die Jugend jener Jahre?

Im folgenden Verlauf der Arbeit wird die jugendsoziologische Literatur untersucht nach notwendigen Begriffserklärungen und relevanten Ansätzen zum Thema Jugendkultur und Jugendsubkultur. Hier soll auch der Frage nachgegangen werden, seit wann die Jugend als eigenständige Lebensphase betrachtet wird, welche Definitionen auf "Jugendkultur" und "Jugendsubkultur" angewandt werden. 

Im Hauptteil der Untersuchung wird hinterfragt, welche Gruppen und Stilrichtungen der Jugendkulturen in den fünfziger Jahre auftraten. Welche Rolle spielten z. B. Existentialisten, Teenager und Motorradjungs? Besonderes Augenmerk wird auf die Gruppe der Halbstarken verwandt, deren Existenz offensichtlich von erheblichem Einfluss auf die öffentliche Diskussion über Jugend und Jugendfragen, Erziehung und gesellschaftliche Werte war. Das Abgrenzen von gesellschaftlichen Normen, ihr "Anderssein" und ihre "Aufsässigkeit" bis hin zur Anwendung von Randale und Gewalt erschienen spektakulär und konfrontierte die sich neu formierende Nachkriegsgesellschaft zum ersten Mal mit dem Phänomen der Nichtanpassung einer gesellschaftlichen Gruppe, was offensichtlich zur Schockerfahrung führte und mit Unverständnis quittiert wurde. Aus welchen gesellschaftlichen Schichten rekrutierten sich die Halbstarken? Handelten sie bewusst "politisch", definierten sie ihre Aktionen als "Widerstand"? Nicht zuletzt scheint auch die Frage interessant, ob das Phänomen der Halbstarken in den fünfziger Jahre erstmals auftrat oder Vorläufer in der Geschichte hatte. 

Inwiefern orientierten sich die Halbstarken an Mustern und Vorbildern, die über die neuen medialen Möglichkeiten des Freizeitkonsums (Film, Musik, Jugendzeitschriften) zugänglich waren? Offensichtlich spielten Idole, vor allem aus den USA, eine große Rolle bei der Orientierung der jungen Generation. Da das Auftreten der Gruppe der Halbstarken zu erheblichen Diskussionen unter den Erwachsenen über die Rolle und das Verhalten von Jugendlichen generell führte, wird hier auch der Frage nachgegangen, welche Funktion die Medien bei der Beurteilung und ggf. Aufwertung des Phänomens "Halbstarke" ausübten. 

Zum Schluss fasse ich die wesentlichen Erkenntnisse dieser Arbeit zusammen und stelle im Überblick dar, welche jugendlichen Subkulturen auf die der 50er Jahre folgten.

2. Gesellschaftliche Rahmenbedingungen in der Nachkriegszeit bis Mitte der 50er Jahre 
Im folgenden soll beschrieben werden, welche Rahmenbedingungen die westdeutsche Gesellschaft der fünfziger Jahre prägten, welche Entwicklung die Gesellschaft seit Kriegsende genommen hatte. Dies soll zeigen, welche politischen, ökonomischen und sozialen Verhältnisse die Generation vorfand, aus der heraus sich die Jugendkulturen jener Jahre entwickelten.

[...]


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