Baustellenmanagement Projektsteuerung am Beispiel eines konkreten Bauvorhabens

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Details

Titel: Baustellenmanagement Projektsteuerung am Beispiel eines konkreten Bauvorhabens
Autor: Swen Blume
Fach: Bauingenieurwesen
Veranstaltung: Projektsteuerung
Institution/Hochschule: Berufsakademie Welfenakademie Braunschweig (Bauingenieurwesen)
Kategorie: Diplomarbeit
Jahr: 2001
Seiten: 94
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 27  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 1549 KB
Archivnummer: V2170
ISBN (E-Book): 978-3-638-11326-7
Anmerkungen :
Die Arbeit stellt das Ablaufschema eines anwendungsfreunlichem Projektsteuerungssystems, mit Hilfe von anschaulichen Formblättern und basierend auf der Ausführung eines konkreten Bauvorhabens, dar.

Textauszug (computergeneriert)

 

Abschlussarbeit
Zur Erlangung des Grades "Bauingenieur (BA)"

An der Welfenakademie
In Vienenburg
Kloster Wöltingerode

Baustellenmanagement

Projektsteuerung
am Beispiel eines konkreten Bauvorhabens

Vorgelegt von
Swen Blume

Wöltingerode, den 30.01.2000

 

 

Vorwort


"Bauen ist ein Abenteuer!
Nächst der Liebe und dem Tod
das wunderbarste Abenteuer
dieses Lebens".

O. Bartning

  • Angebotspreise für Bauleistungen kalkulieren mit Aufwandswerten, die der Phantasie des Kalkulators entspringen !
  • Bauaufträge annehmen, deren Umfang und Art erst nach Fertigstellung zu erkennen ist !
  • Bauwagen und Bauschild als "Baustelleneinrichtung", alles Notwendige wird während der Arbeitszeit von den Gesellen auf gemütlichen Fahrten zum Lagerplatz nach und nach besorgt !
  • Baustoffbestellung ohne genaue Massenermittlung, denn Beton und Steine kosten ja kein Geld !
  • Kontrolle und Steuerung der Bauarbeiten: "das wird schon irgendwie klappen" !
  • Verlängerung der Bauzeit, "das Wetter ist schuld" !
  • Abrechnung mit dem Bauherrn: "Gewinn oder Verlust" ?
  • ... usw.

Können Bauabläufe so organisiert werden, dass Leerläufe, Doppelarbeit, Fehldispositionen und Ungewissheit ausgeschaltet werden ?


Ja, der Schlüssel heißt: "Projektsteuerung"!

Durch das praxisbezogene Studium kam ich in den "Genuss", kleinere Bauprojekte während der Praxisphasen eigenverantwortlich zu leiten. Dazu gehörte auch das Bauvorhaben eines Einfamilienhauses, welches als Darstellungsobjekt dieser Arbeit zugrunde liegt.

Inspiriert wurde ich bei der Wahl dieses Themengebietes durch den interessanten Unterricht im Fach Projektsteuerung, hauptsächlich aber durch das Ziel, nach Abschluss des Studiums als Bauleiter zu arbeiten. Das Ziel bei der Bearbeitung war, aus der umfangreichen Literatur die über dieses Thema existiert und meinen praktischen Erfahrungen, ein Ablaufschema für die Projektsteuerung von Bauvorhaben zu erstellen. Darüber hinaus war mir eine praxisbezogene Darstellung wichtig.
Bedanken möchte ich mich an dieser Stelle für Anregungen und Hilfestellungen bei folgenden Personen:


Bauherr und Architekt Michael Ronczka,
Dirk Kruse,
Sandra Peters und
Fritz Tönnies.
Wöltingerode, den 30.01.2000

 

 

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis ... IV
Abbildungsverzeichnis ... VI
Abkürzungsverzeichnis ... VII

1 Allgemeine Einführung ... 8

1.1 Problembeschreibung ... 8
1.2 Ziele der Arbeit ... 10
1.3 Vorgehensweise und Gliederung ... 10

2 Das Bauvorhaben ... 12

2.1 Technische Beschreibung ... 12
2.2 Anmerkungen zur Ausführung ... 17

3 Arbeitsvorbereitung für die Baustelle ... 18

3.1 Ziele, Sinn und Zweck ... 18
3.2 Detaillierte Prüfung und Aufbereitung aller Auftragsunterlagen ... 20
3.3 Ortsbesichtigung des Baugeländes ... 24
3.4 Allgemeine Planung und Entwicklung der Baustelleneinrichtung ... 28
3.5 Wahl der Bauverfahren und Einteilung in Bau- bzw. Arbeitsabschnitte ... 31
3.6 Zeichnerische Darstellung der Baustelleneinrichtung ... 34

4 Bauablaufplanung ... 38

4.1 Grundlagen der Bauablaufplanung ... 38
4.2 Die Bedeutung der Arbeitskalkulation ... 41
4.3 Die Feinplanung mit dem Arbeitsverzeichnis ... 47
4.4 Die Bauzeitenplanung ... 51

5 Ablaufkontrolle und Steuerung der Bauausführung ... 56

5.1 Bedeutung und Anwendung ... 56
5.2 Die Erfassung von Arbeitszeit-Istwerte ... 58
5.3 Der Soll-Ist-Stundenvergleich und seine Auswertung ... 61
5.4 Die Nachkalkulation als Feststellung des tatsächlichen Baustellenergebnisses ... 67

6 Schlussbetrachtung 71

7 Literaturverzeichnis 74

Anlage 1 ... 76
Anlage 2 ... 80
Anlage 3 ... 90

Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1:
Lageplan ... 14
Abbildung 2: Grundrisse ... 15
Abbildung 3: Schnitte ... 16
Abbildung 4: Kontrollliste: Schritte der Projektsteuerung vor Baubeginn ... 19
Abbildung 5: Checkliste: Prüfung der Vertragsunterlagen ... 23
Abbildung 6: Checkliste: Baustellen-Begehung ... 27
Abbildung 7: Einflüsse auf die Baustelle bzw. Baustelleneinrichtung ... 29
Abbildung 8: Prinzipskizze zur Darstellung der Bauabschnitte ... 32
Abbildung 9: Baustelleneinrichtungsplan ... 37
Abbildung 10: Auszug aus der Angebotskalkulation ... 42
Abbildung 11: Auszug aus der Arbeitskalkulation ... 43
Abbildung 12: Kostenartengliederung ... 45
Abbildung 13: Aufbau von Arbeitsverzeichnissen ... 49
Abbildung 14: Das Balkendiagramm ... 53
Abbildung 15: Aufbau eines Arbeitsberichtes ... 60
Abbildung 16: Soll-Ist-Stundenvergleich ... 62
Abbildung 17: Soll-Ist-Vergleich im Balkendiagramm ... 65

 

 

1 Allgemeine Einführung

1.1 Problembeschreibung

Die Vorbereitung und Abwicklung von Bauvorhaben unterscheidet sich grundsätzlich von der Projektorganisation in der stationären Industrie.
Beispielhaft werden im folgenden hierzu einige Unterscheidungsmerkmale aufgezeigt1 :

  • Jede Baustelle ist "einmalig", und an den Standort gebunden.
     
  • Der Ablauf der Baustelle ist von der örtlichen Beschickung durch Material, Geräte und Arbeitskräfte abhängig.
     
  • Der Ablauf des Bauprojektes kann nicht vorher an einem Prototyp "geprobt" werden.
     
  • Auftragnehmer und Auftraggeber haben häufig unterschiedliche Vorstellungen von der Ausführungsqualität im Detail.
     
  • Aufgrund von Unsicherheiten in allen Phasen des Projektes werden oft unerklärlich hohe Risikozuschläge gefordert, wodurch es schon vor Beginn der Bauausführung zu Konflikten zwischen Auftragnehmer und Auftraggeber kommt.

Selbst bei völlig gleichen Bauwerken bewirken die Umstände unter denen gebaut wird, dass es sich bei jedem Bauvorhaben um ein spezielles Projekt mit individuellen Rahmenbedingungen handelt.

Die Vielzahl der unbestimmbaren Einflüsse mit immer anderen Auswirkungen erschweren die Möglichkeit für einen allgemeingültigen und genau vorbestimmbaren Bauablaufplan, der auf jedes beliebige Bauprojekte anwendbar ist.
Darin liegt eine der Hauptursachen für hohe Kosten von Bauleistungen einerseits und geringen Renditen aller am Bau Beteiligten andererseits.
Hinzu kommen noch weitere Aspekte in der heutigen Bauwirtschaft wie:

  • gesunkene Zahlungsmoral und Zahlungsfähigkeit,
     
  • gestiegene Anforderungen zur Sicherung des Zahlungsflusses,
     
  • und ein immer härterer Preis- und Konkurrenzkampf, die eine wirtschaftliche Projektsteuerung und Abwicklung von Bauvorhaben fordern.

Da seit einigen Jahren nicht nur der Architekt, sondern auch sogenannte Projektsteuerer ( i.d.R. bei größeren Projekten ) auf der Auftraggeberseite die wirtschaftliche und rechtliche Abwicklung von Bauvorhaben managen, wird es für die ausführenden Bauunternehmen immer unauskömmlicher ihrerseits ebenfalls über ein erfolgreiches Baustellenmanagement zu verfügen.

Grundsätzlich sind die Zielvorstellungen bei der Abwicklung eines Bauvorhabens hinsichtlich Termineinhaltung, mangelfreier Ausführung und eines möglichst störungsfreien Bauablaufes auf Auftragnehmer- und Auftraggeberseite deckungsgleich. Das wesentliche Ziel der Projektsteuerung auf Auftraggeberseite liegt in der Einhaltung des Budgets.2 Das Baustellenmanagement auf der Seite des Bauunternehmers verfolgt das Ziel durch eine wirtschaftliche Projektsteuerung dem Bauherrn ein Objekt mit den vertraglich zugesicherten Eigenschaften zu erstellen, um im Gegenzug die vereinbarte Vergütung fordern zu können3, die ihm bei rationeller Organisation der Baustelle eine angemessene Rendite einbringt.

Auf den Punkt gebracht, hat die Projektsteuerung aus Sicht des Auftragnehmers das Ziel, bei der Erstellung eines Bauwerks durch gute Ablauforganisation einen möglichst hohen Gewinn zu erzielen.

1.2 Ziele der Arbeit

Die vorliegende Arbeit will die Projektsteuerung aus der Sicht eines kleinen Bauunternehmens (ca. 20-25 Gewerbliche) anhand der Ablauforganisation eines konkreten Bauvorhabens von der Arbeitsvorbereitung über die Bauablaufplanung bis hin zur Steuerung und Auswertung der Bauausführung, aufzeigen. Der Verfasser versucht hierbei mit Hilfe der Literatur und seinen eigenen praktischen Erfahrungen ein überschaubares Anwendungsverfahren zu entwickeln, welches mit einem "gesunden" Verhältnis zwischen Aufwand und Nutzen Bauunternehmen in dieser Größenordnung als alltagstaugliches Projektsteuerungssystem behilflich sein könnte.

Anzumerken sei an dieser Stelle, dass in der Literatur oft unter dem Oberbegriff "Arbeitsvorbereitung" die gesamte Projektsteuerung von Bauvorhaben auf Auftragnehmerseite hinsichtlich aller Aktivitäten zur Planung und Steuerung von Bauabläufen zusammengefasst wird .4

Diese Arbeit gliedert indes die Projektsteuerung von Bauvorhaben in die drei Schritte: Arbeitsvorbereitung, Bauablaufplanung und Kontrolle bzw. Steuerung der Bauphase. Nach Ansicht des Verfassers entsteht dadurch zum einen eine bessere Überschaubarkeit des komplexen Themas und zum anderen wird die Wichtigkeit der einzelnen Schritte einer Projektsteuerung so deutlicher hervorgehoben, die trotz alle dem in großer Abhängigkeit zu einander stehen.

1.3 Vorgehensweise und Gliederung

Für die Darstellung des Baustellenmanagements auf Auftragnehmerseite wurde vom Verfasser ein konkretes Bauvorhaben gewählt. Dies hat den Vorteil, dass alle Überlegungen unmittelbar auf ein reales Objekt bezogen werden können und nicht als theoretische Erörterung im Raum stehen bleiben. Alle im laufenden Text abgebildeten Checklisten und Formblätter sind dazu in Bezug auf das Beispiel exemplarisch ausgefüllt und zusätzlich im Anhang als Blankett abgelegt.

Die Ausarbeitung kann als eine Art Orientierungshilfe bei der Projektsteuerung von Bauvorhaben ähnlicher Größe und Ausführungsart dienen.

Es soll an dieser Stelle nicht ausgeschlossen werden, dass eine Projektorganisation von größeren Bauvorhaben mit höherem Schwierigkeitsgrad um einiges umfangreicher auszuführen ist, als in dieser Abhandlung aufgezeigt wird.

Die Bearbeitung des konkreten Bauvorhabens beschränkt sich dabei auf beispielhaft gewählte Schwerpunkte, an denen sich, nach Meinung des Verfassers, das Prinzip der Projektsteuerung explizit darstellen lässt.

Die Arbeit gliedert sich wie folgt:


In Kapitel 2 wird das Bauvorhaben vorgestellt und beschrieben, an dem die einzelnen Phasen einer Projektsteuerung dargestellt und erläutert werden sollen.

In Kapitel 3 wird die Phase der Arbeitsvorbereitung einer Baustelle allgemein erläutert. Sinnvolle und notwendige Teilschritte werden auf das konkrete Bauvorhaben angewandt und dargestellt.

Das vierte Kapitel befasst sich mit der Bauablaufplanungsphase, in der Kontroll- und Steuerungsdaten für die spätere Ausführungsphase, vor Baubeginn ermittelt werden können.

Die Baustellensteuerung während der Ausführungsphase wird in Kapitel 5 allgemein dargestellt und durch Anwendung der Daten aus Kapitel 4, auf das konkrete Beispiel, praxisnah verdeutlicht.

Die Schlussbetrachtung in Kapitel 6 fasst die Ausführungen dieser Arbeit zusammen und gibt die Meinung und Erfahrung des Verfassers über Sinn und Notwendigkeit der Projektsteuerung einer kleinen Bauunternehmung wieder.

2 Das Bauvorhaben

2.1 Technische Beschreibung

Das Bauwerk an dessen Rohbauherstellung der Ablauf der Projektsteuerung aus Sicht des ausführenden Bauunternehmens beispielhaft gezeigt werden soll, wird zur besseren Vorstellung des Lesers in diesem Kapitel anhand von Zeichnungen und einer technischen Baubeschreibung erklärt.
Zum besseren Verständnis sind alle entscheidenden Unterlagen zum Bauvorhaben (Bauvertrag, Leistungsverzeichnis und Positionspläne) in den Anlagen dieser Arbeit abgebildet. Diese Unterlagen bilden zugleich die Grundlage aller weiteren Ausführungen dieser Arbeit.

Zu den beauftragten Rohbauarbeiten für dieses Bauvorhaben gehören folgende Titel
(siehe Anlage 1 und 2):

  • Beton- und Stahlbetonarbeiten,
  • Maurerarbeiten,
  • Abdichtungsarbeiten,
  • sowie die Baustelleneinrichtung.

Die Ausführung der Erdarbeiten wird an einen Subunternehmer vergeben.

Die Putzarbeiten werden ebenfalls durch einen Subunternehmer durchgeführt, und sollen im Rahmen dieser Arbeit unbeachtet bleiben.

Bei dem Bauwerk (Abb. 1-3) handelt es sich um ein Einfamilienhaus in massiver Bauweise. Das Gebäude ist nicht unterkellert und besteht aus dem Erdgeschoss und einem Obergeschoss mit einer abschließenden Flachdachkonstruktion. An die westliche Stirnseite grenzt die Garage und der Hauswirtschaftsraum mit einem Durchgang ins Wohnhaus.

Gegründet ist das gesamte Bauwerk auf einer 20 cm starken Stahlbeton- Sohlplatte mit einer umlaufenden 80 cm tiefen Stb.- Frostschürze.
Als tragendes, umlaufendes Mauerwerk beider Geschosse und der Garage ist Kalksandsteinmauerwerk in einer Stärke von 24 cm mit der Rohdichte 1,8 kg/dm² und einer Druckfestigkeit von 20 N/mm² in Mörtelgruppe MG IIa vorgesehen.

Als Öffnungsüberbrückung (Fenstersturz) und als Auflager für die jeweilige Deckenkonstruktion schließt das Mauerwerk mit einem Stb.- Ringbalken ab. Als zusätzliche Aussteifung des Erdgeschosses werden sechs Stb.- Stützen (siehe Anlage 3, Pos. 12), mit Einbindung in die Sohle und in den Ringbalken, in das verzahnte Mauerwerk betoniert (bei der Garage vier Stück). An der Süd- Westspitze des Bauwerkes, mit zwei über beide Etagen durchgehende Öffnungen für spätere Glaselemente, sind zur Aussteifung zwei Stb.-Stützen in Sichtbetonqualität geplant. Diese Stützen, mit einer Länge von je 5,25m, sind in Köcherfundamente zu gründen und werden durch einen umlaufenden Stb.-Ringbalken des Obergeschosses in sich standfest verbunden.

Bei den Deckenkonstruktionen handelt es sich um 18 cm (Garage 15 cm) starke Spannbeton-Hohlplattenelemente mit Spannweiten von 5,90 m die nach dem Verlegen sofort begehbar und nur durch den Fugenverguss nachbehandelt werden.

Zur Aussteifung und gegen Verdrillung der obersten Spannbetondecken und für später geplante Satteldachaufbauten ist eine Stb.-Attika als umlaufender Ringbalken, für den Abschluss auf Garage und Wohnhaus zu betonieren.

Bis auf eine Zwischenwand in der Garage sind keine weiteren Innenwände aus Mauerwerk bis dato geplant.

Im Bereich des Treppenlochs und des Luftraumes, werden durch Profilstahlträger, die Auflager für die Spannbetonplatten (Treppenloch) und für eine Stb.-Brückenplatte (siehe Anlage 3, Pos. 6) geschaffen.


[...] Abbildung 1: Lageplan

[...] Abbildung 2: Grundrisse

[...] Abbildung 3: Schnitte

2.2 Anmerkungen zur Ausführung

Das Baugrundstück (Abb.1) zeichnet sich durch eine sehr schmale und langgestreckte Form aus. Die längs angrenzenden Grundstücke sind mit Ein- und Mehrfamilienhäusern bebaut. Die einzige Zufahrt ist über die Straße „Brinkholt“ möglich, zudem muss dort der städtische Rad- und Fußweg überfahren werden. Die Befestigung einer Baustraße durch eine Schotterschicht ist möglich, weil dort später ein Pflasterweg geplant ist. Der Bewuchs des Grundstückes mit einigen alten Laubbäumen die nicht gerodet werden dürfen und außerdem zu schützen sind, tragen zu den engen Verhältnissen dieses Grundstücks mit bei.

Trotz der einfachen Geometrie des Bauwerkes und seiner relativ überschaubaren Konstruktion werden allein durch die begrenzten Platzverhältnisse an die Arbeitsvorbereitung und an die spätere Ausführung, hinsichtlich Baustelleneinrichtung und Bauverfahrenswahl besondere Anforderungen gestellt.

Schon allein durch die aufgeführten Umständen bietet sich das Bauvorhaben als konkretes Beispiel für diese Arbeit an. Da der Baubeginn Anfang Februar sein soll, kann auch mit wetterbedingten Umständen bei der Ausführung zu rechnen sein, die bei der Ablaufplanung berücksichtigt werden sollten.

3 Arbeitsvorbereitung für die Baustelle

3.1 Ziele, Sinn und Zweck

Der Begriff Arbeitsvorbereitung steht allgemein als Oberbegriff für die Fertigungs- bzw. Ablaufplanung und die Erstellung von Steuerungselementen für die Bauausführung durch den Bauunternehmer5. Will man die Arbeitsvorbereitung in die einzelnen Phasen der Projektabwicklung einordnen, kann man sagen, dass sie von der Angebotsphase über die Planungsphase nach Auftragserteilung bis zur Ausführungsphase in steigender Detaillierung durchgeführt wird. Da bei dem konkreten Bauvorhaben, als Darstellungsobjekt, die Angebotsphase bereits abgeschlossen ist (ein Bauauftrag also vorliegt), werden die wichtigsten Schritte der Arbeitsvorbereitung ab Auftragserteilung erläutert. In der Bauwirtschaft ist die Arbeitsvorbereitung immer noch ein eher stiefmütterlich behandelter Teil bei der Projektabwicklung von Bauvorhaben. In der täglichen Praxis entsteht häufig der Eindruck, Arbeitsvorbereitung sei eine unorganisierte, lose Sammlung verschiedener Planungshilfen. Oft wird auch damit argumentiert, “dass sich während der Bauphase sowieso alles ändert und man gar nicht vorausplanen könne“.

Durch solche Einstellungen wird die Notwendigkeit einer Arbeitsvorbereitung oft unterschätzt.

Dagegen gilt grundsätzlich6:

  • Keine Arbeit läuft besser als die, die vorausgeplant wurde.
  • Es kann nur das kontrolliert und gesteuert werden, was vorher geplant wurde.
  • Improvisationen auf der Baustelle kosten Geld und Zeit
  • Erfahrung und „Gefühl“ können keine optimalen Abläufe ermöglichen.

Die Qualität der Arbeitsvorbereitung hat entscheidenden Einfluss auf den wirtschaftlichen Erfolg oder Misserfolg einer Baustelle. Aufgrund der heutigen Kosten- und Erlösstruktur am Bau, wobei die Lohnkosten im Hochbau ca. 40...60% der gesamten produktiven Kosten ausmachen und Arbeitsgeschwindigkeiten ohne qualitative Schäden in der Ausführung praktisch nicht weiter erhöht werden können, wird es immer notwendiger Baustellen so zu organisieren, dass Stillstands- und Wartezeiten sowie unnötige Nacharbeiten (Doppelarbeit) weitestgehend entfallen7.

Dies ist nur durch eine gründliche Arbeitsvorbereitung möglich, um das Gesamtziel jeder Baustelle hinsichtlich Kosten, Termine und Qualität zu erreichen.

Da ein Bauprojekt, unabhängig von der Größe, sich durch hohe Komplexität und Abhängigkeiten aller Einflüsse auszeichnet, bietet sich die Erstellung einer „Kontrollliste“ an, die alle wesentlichen Schritte der Projektsteuerung vor Baubeginn aufzeigt.

In der nachfolgenden Liste sind die hauptsächlichen Schritte für ein Bauvorhaben, in der Größenordnung des konkreten Beispielobjektes, aufgelistet. In den Abschnitten der beiden folgenden Kapitel werden die einzelnen Schritte, die zur Arbeitsvorbereitung (Kap. 3) und zur Bauablaufplanung (Kap. 4) gehören, mit ihrem Ziel einer effizienten Bauausführung, anhand des konkreten Bauvorhabens näher erläutert. ü Detaillierte Prüfung und Aufbereitung aller Auftragsunterlagen (Kap. 3.2)

  • Ortsbesichtigung des Baugeländes. (Kap. 3.3)
  • Wahl der Bauverfahren und Einteilung in Bau- bzw. Arbeitsabschnitte. (Kap. 3.5)
  • Planung der Baustelleneinrichtung. (Kap. 3.6)
  • Erstellen der Arbeitskalkulation. (Kap. 4.2)
  • Feinplanung des Bauablaufes mit Arbeitsverzeichnissen als Vorgaben für die Baustelle. (Kap. 4.3)
  • Bauzeitplanung und graphische Darstellung. (Kap. 4.4)


Abbildung 4: Kontrollliste: Schritte der Projektsteuerung vor Baubeginn8

3.2 Detaillierte Prüfung und Aufbereitung aller Auftragsunterlagen

Ausgehend davon, dass ein Bauvertrag auf Grundlage einer Angebotskalkulation zwischen dem Bauherrn und dem ausführenden Bauunternehmen abgeschlossen vorliegt, werden zur weiteren Projektbearbeitung dieses bestimmten Bauvorhabens alle Dokumente und Unterlagen, die auftragsrelevant sind, dem Bauleiter zur weiteren Bearbeitung übergeben. Bei größeren Bauprojekten oder in größeren Baufirmen, die andere Organisationsstrukturen haben kann es sich bei der weiteren Projektbearbeitung um separate Abteilungen oder Projektteams handeln.

[...]


1 Vgl. Nagel, U., 1998, S. 11.

2 Vgl. Gossow, V., 1998, S.115.

3 siehe auch VOB/B, Ergänzungsband 1998, § 1 und § 2.

4 vgl. Wolff, P., 1982, S. 73. oder auch Blumer, M., 1988, S. 40.

5 vgl. Schneider, 1996, S. 1.22.

6 vgl. Nagel, U. 1998, S. 108.

7 Vgl. ebenda, S. 20.

8 Quelle: Eigene Darstellung.

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