Sprache im Faschismus

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Details

Titel: Sprache im Faschismus
Autor: Andre Käswurm
Fach: Germanistik - Linguistik
Veranstaltung: Greschichte der deutschen Sprache (PS)
Institution/Hochschule: Universität Potsdam (Institut für Linguistik)
Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 2001
Seiten: 24
Note: 2+
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 218 KB
Archivnummer: V21835
ISBN (E-Book): 978-3-638-25355-0
Anmerkungen :
Die Arbeit beinhaltet neben allgemeinen Analysktiterien der Sprache des Faschismus auch die Analysen einer Himmler- und einer Hitlerrede. Wo diese Reden zu finden sind wird im Literaturverzeichnis angegeben. Leider war es dem Autor nicht möglich diese Reden mitzuliefern, es sind aber berühmte Reden und deshalb quasi in jeder einigermaßen guten Bibliothek auffindbar.

Textauszug (computergeneriert)

Sprache im Faschismus


von: André Käswurm

Inhalt

1. Einleitung

2.1 Zum Begriff "NS - Sprache"
2.2 Allgemeine Charakteristika / Emotionalisierung / Politische Persuasion

2.3.1 Positiv konnotierte Schlüsselwörter/ Nationalistisch - militaristischer Sprachgebrauch
2.3.2 Superlativismus
2.3.3 Nominalstil/ Abbreviaturen/ Schlagwörter/ Phraseologien
2.3.4 Simplifizierung
2.3.5 Neologismen
2.3.6 Euphemistisches Tarnvokabular
2.3.7 Komposita und Derivationen
2.3.8 Semantische Veränderung bereits bestehender Begriffe
2.3.9 Begriffliche Redundanz/ Adjektiv - Komposita/ Pleonasmen
2.3.10 Fremdwörter

2.4.1 Allgemeinere Stilmerkmale/ Metaphern
2.4.2 Die Anrede
2.4.3 Ganzheitsmythen
2.4.4 Apotheose

3.1 Analyse Hitler - Rede
3.2 Analyse Himmler -Rede

4. Bilanz







1. Einleitung

Als wichtigste Grundlagen meiner Analyse möchte ich die Arbeiten von Polenz, Müller und Maas anführen. Es erschien mir ein sinnvoller Versuch, aus diesen drei Arbeiten eine Art Symbiose für die eigene Analyse zu extrahieren, auch wenn der Raum dafür recht begrenzt ist. Im nun folgenden, theoretischen Teil möchte typische Paradigmen des nationalsozialistischen Sprachgebrauchs aufführen, die sich auch konkret für die Analyse politischer Rhetorik des Dritten Reiches verwerten lassen.

Doch möchte ich es nicht bei einer (rein) deskriptiven Analyse bewenden lassen. Maas geht es vorwiegend um eine intensionale Bestimmung der Texte, ein konkret anderer Ansatz als ihn Polenz oder Müller für sich definieren. Maas expliziert in seiner Diskursanalyse die sprachliche Inszenierung nationalsozialistischer Reden und Alltagstexte. Die Analyse sollte demnach "durchlässig sein für (die) gesellschaftliche(n) Widersprüche, die in der (Sprach)Praxis ausgetragen werden,..." (Maas, S. 11). Dabei sollte als Stichwort die Polyphonie der Texte genannt werden.

Gemäß dem Umfang dieser Hausarbeit habe ich zwei kurze Redeausschnitte ausgewählt, die mir geeignet schienen, wesentliche Charakteristika der nationalsozialistischen Rhetorik darzustellen. Bei einer räumlich so begrenzten Analyse liegt es aber in der Natur der Sache, dass man einige "Wesensmerkmale" der "LTI" ausklammern muss bzw. nicht auffinden kann.
Als ersten Text habe ich einen Ausschnitt der Proklamation Hitlers auf dem Reichsparteitag der NSDAP in Nürnberg des Jahres 1934 gewählt. Der zweite Text ist eine Rede Heinrich Himmlers vor SS - Führern in Posen aus dem Jahr 1943.

2.1 Zum Begriff "NS - Sprache"

Der heutige Forschungsstand lässt eine fixe, moralisierende Bewertung der NS - Sprache nicht mehr zu. In den mir bekannten Arbeiten über nationalsozialistischen Sprachgebrauch kam eines deutlich und kongruent zum Ausdruck: dass dem Begriff "NS - Deutsch" auf wissenschaftlichem Sektor keine Berechtigung mehr zukommt, da sich keine sprachliche Essenz des Dritten Reiches filtrieren lässt, die mit einem derartigen Begriff klassifiziert werden könnte. Polenz unterscheidet zwischen "Sprache des Nationalsozialismus", "Sprache im Nationalsozialismus" und "Sprache zum Nationalsozialismus hin" ( Polenz, S. 547). Der erste Begriff bezeichnet den eigenständigen Sprachgebrauch der NSDAP seit 1920. Der Begriff "Sprache im NS" fasst die verschiedenen tradierten Varietäten politischer Sprache einschließlich der NSDAP - Sprache zusammen, die zwischen 1933 und 1945 wirksam waren. Mit dem letzten Terminus konstatiert Polenz eine Sprache, die zum National -sozialismus hingeführt und seine breite Akzeptanz in den unterschiedlichen Bevölkerungsschichten stabilisiert hat.
Alle drei Arten des Sprachgebrauchs bedürfen nach Polenz insbesondere einer sozialen bzw. politischen Fragestellung, die sicherlich schon in der Mitte des 19. Jahrhunderts ansetzen müsste.

Der Begriff "NS - Sprache" ist aus einem weiteren Grund unbrauchbar. Es kann eine solche nicht geben, da die Ideologie der Nationalsozialisten ein diffuses Konglomerat multiplexer geistiger Strömungen ist, die ihre Wurzeln bereits in der Mitte des 19. Jahrhunderts haben.
Patrick Brantlinger gibt dazu in seinem Buch "Rule of Darkness" einen wichtigen Hinweis:

"This sort of Lebensraum argument was not invented by German propagandists in the twentieth century; it echoes throughout the era of industrial and imperial expansion."

Für eine solche Annahme spricht auch, dass Begriffe wie Blut, Leben und Instinkt schon zu Zeiten Bismarcks Verwendung fanden ( vgl. Müller, S. 42 ). Nach Lenk ist die Welt - anschauung der Nazis ein Gemisch aus " ,völkischen, imperialistisch - sozialdarwinistischen und antisemitischen Ideologien des 19. Jahrhunderts´ " ( Nill, S. 60 ).

Von den nationalrevolutionären Bevölkerungsteilen übernehmen die Nazis die Verherrlichung des Kriegserlebnisses ( Ernst Jünger ), von den Philosophen die Anbetung der Macht und Stärke ( Friedrich Nietzsche ) und von Vertretern der Rassentheorien ( Joseph Arthur, Houston S. Chamberlain ) eine krude sozialdarwinistische Ideenlehre .
Obwohl Nolte Hitlers Weltanschauung als "folgerichtiges und konsistentes Ideengebäude" bezeichnet ( Nill, S. 61 ), drängt sich beim Gedanken an die Vielzahl von Einflüssen die Vermutung auf, dass die ideologische "Bekleidung" der Nationalsozialisten nach rein opportunistischen Maßstäben zusammengeschnitten wurde.

2.2 Allgemeine Charakteristika / Emotionalisierung / Politische Persuasion

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