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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2000, 27 Pages
Author: Winfried Kändler
Subject: Theology - Practical Theology
Details
Tags: Predigtarbeit, Jesaja
Year: 2000
Pages: 27
Grade: 1-
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-25362-8
File size: 206 KB
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Excerpt (computer-generated)
Predigtarbeit zu Jesaja 50, 4-9
von: Winfried Kändler
Inhaltsverzeichnis
1. Der Predigtmontag - Erste Begegnung 3
2. Der Predigtdienstag - Text und HörerInnen 5
3. Der Predigtmittwoch - Exegese 7
4. Der Predigtdonnerstag - Theologie 12
5. Der Predigtfreitag - Meditation 16
6. Der Predigtsamstag - Schreiben und Gestalten 18
7. Der Predigtsonntag - Predigt 20
8. Der Montag danach - Kritische Reflexion 25
Literaturverzeichnis 27
1. Der Predigtmontag - Erste Begegnung
Erste Gedanken und Assoziationen Schon beim ersten Lesen von Jesaja 50, 4-9 werde ich in die starke Bewegung des Textes hineingezogen. Es ist ein Auf und Ab der Gefühle und Gedanken. Ein nicht enger zu denkendes Gottesverhältnis - jeden Morgen weckt er mir das Ohr! - wechselt ab mit der Schilderung von Geschmähtsein und großem Leiden, um dann doch wieder, trotz diesen Leidens, dieser Anfeindungen, zu der Enge und nicht zu zerstörenden Sicherheit der Gottesbeziehung zurückzukehren. Bei dieser Dynamik des Textes bleibt aber eines beständig - das ist das tiefe Vertrauen des Sprechers zu Gott. Die beiden Pole - Niedrigkeit auf der einen und Hoheit auf der anderen Seite - tiefstes Leiden und höchste Nähe und unerschütterliche Zuversicht auf Gottes Hilfe - machen mich nachdenklich, sie verwundern mich, geben Hoffnung. Woher nimmt die Person die Kraft zu diesem festen Vertrauen auf Gott trotz der Schläge, der Schande und der Schmerzen? Woher diese absolute Sicherheit - ich werde nicht zuschanden? Woher die absolute Sicherheit, dass Gott auf ihrer Seite steht? Auch andere Fragen tauchen auf: Wer ist dieses Ich? Wer spricht hier so völlig überzeugt von seiner unzertrennlichen Beziehung zu Gott? Wer sind die Müden, die die Person trösten soll? Wann ist die rechte Zeit, zu der die Müden Hilfe, Worte brauchen? Und: weshalb leidet diese Person? Unter wem leidet sie? Kein Wort wird darüber gesagt.
Mich erstaunt die Sicherheit und Souveränität, die diese Person ausstrahlt. Souverän erträgt sie das ihr zugefügte Leiden, ja, fast geht sie ihm aktiv entgegen. Aber ebenso souverän stellt sie sich über das Leiden - sie weiß, dass sie nicht zuschanden werden wird, weil Gott auf ihrer Seite steht. Souverän, beinahe schon zu selbstbewusst, zu arrogant, ruft sie ihre Gegner vor Gericht. Sie ist sich sicher, dass das Recht auf ihrer Seite ist. Vielleicht ist es keine Arroganz, sondern ein großes „Trotzdem ist Gott auf meiner Seite!“, ein „Trotzdem“ gegen das ungerechte Leiden, dem die Person ausgesetzt ist, ein „Trotzdem“, welches auch hart macht, als letzter Ausweg, um die Anfeindungen ertragen zu können. Verhärtung heißt aber auch, die Möglichkeit zur Kommunikation, zum Dialog mit seinen Gegnern zu verlieren. Menschen zeigen keine Gefühle, erscheinen gleichgültig, können nicht mehr auf andere eingehen, sind nicht mehr sensibel für deren Probleme und Sorgen. Aber spreche ich dies nicht aus der Sicht eines Menschen, der nicht leidet, der nicht solchen Schmerzen ausgesetzt ist? Ist es dann nicht zu einfach, Dialogfähigkeit zu fordern? Kann ich den Zustand der starken Schmerzen überhaupt nachvollziehen? Ist das Verhärten in solch einer Lage nicht vielleicht die einzige Möglichkeit, um keine Gegengewalt anzuwenden? Am Ende kündigt die Person souverän ihren Feinden, unter denen sie gelitten hat, an, dass diese untergehen werden. Es fällt mir schwer, damit umzugehen. Auf der einen Seite ärgert sie mich hier an dieser Stelle. Die Person hat es nicht nötig auf dieses Mittel zurückzugreifen, sie sollte doch über solchen Dingen stehen. Sie weiß sich doch vor Gott im Recht. Auf der anderen Seite erscheint mir die Rache aber auch verständlich. Es ist die Rache des gedemütigten Opfers. Und es ist eine Rache, die in Gottes Hand gelegt wird, weggenommen aus menschlicher Unberechenbarkeit. Der Text spricht vor allem die Sinne des Hörens und Sehens an. Die anderen - Fühlen, Riechen und Schmecken - stehen nur am Rande. Ich höre und fühle einen neuen Morgen. Vögel wecken mich, die Sonne, ihre Strahlen wärmen mich. Aber auch der Wecker reißt mich manchmal aus dem Schlaf. Ich erinnere mich an Aufträge, ich höre Aufgaben, die ich erfüllen muss, die mir eine Last sind, denen ich nicht entgehen kann, andere, die mir Freude bereiten. Ich höre Schreie des Leidens, die voll Schmerz sind, voll Verzweiflung und voll Anklage. Schreie über Unrecht, welches Menschen von anderen Menschen zugefügt wird. Schreie der Opfer, denen kein Ausweg geblieben ist. Zugleich aber auch Schreie, die entschlossen sind, die ein entschiedenes „Trotzdem! Jetzt erst recht!“ ausdrücken.
Ich sehe die Opfer, die gedemütigten Menschen - im Krieg, in Gerichten, Menschen die verfolgt werden wegen ihrer politischen oder religiösen Überzeugungen. Ich sehe gebeugte, alte, müde und kranke Menschen, die auf ein Wort hoffen, auf Hilfe in ihrer speziellen Situation. Ich sehe harte, gezeichnete Gesichter, die Entbehrungen, Ängste, Bitterkeit und Enttäuschungen erahnen lassen. Augen, die erloschen sind, dann aber auch Augen, die eine sichere Zuversicht ausstrahlen, die voll Hoffnung sind inmitten von Schmerz und Ausweglosigkeit. Ich sehe Menschen, die furchtlos für eine neue Welt, für Gerechtigkeit und Frieden eintreten, in tiefem Vertrauen darauf, dass sie im Recht sind, dass Gott auf ihrer Seite ist. Ich sehe Auseinandersetzungen vor Gerichten, in denen beide Seiten auf ihr Recht pochen. Die anderen Texte des Gottesdienstes
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