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Zählt Kafkas ´Verschollener´ zur Gattung der Bildungsromane?

Termpaper, 2001, 19 Pages
Author: Sascha Fiek
Subject: German Studies - Modern German Literature

Details

Event: Einführung in das Studium der neueren deutschen Literatur - Text: Franz Kafka - Der Verschollene
Institution/College: University of Freiburg (Deutsches Seminar II)
Tags: Zählt, Kafkas, Gattung, Bildungsromane, Einführung, Studium, Literatur, Text, Franz, Kafka, Verschollene
Category: Termpaper
Year: 2001
Pages: 19
Grade: Gut
Bibliography: ~ 7  Entries
Language: German
Archive No.: V2200
ISBN (E-book): 978-3-638-11345-8
ISBN (Book): 978-3-638-78675-1
File size: 185 KB

Abstract

In der hier vorliegenden Arbeit soll geklärt werden, ob und inwieweit Kafkas Roman-fragment "Der Verschollene" dem Bildungsroman des 20. Jahrhunderts zugeordnet werden kann. Dabei muß jedoch berücksichtigt werden, daß es sich schon bei der De-finition des Bildungsromans um ein äußerst komplexes Problem handelt, das in der Literaturwissenschaft sehr kontrovers diskutiert wird. Es scheint nahezu unmöglich, die verschiedenen Positionen auf einen Nenner zu bringen und eine einheitliche Begriffsbestimmung zu formulieren.


Excerpt (computer-generated)

 

Deutsches Seminar II
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

"Einführung in das Studium der neueren deutschen Literatur
-
Text: Franz Kafka Der Verschollene"
Sommersemester 2001

Zählt Kafkas ,,Verschollener" zur

Gattung der Bildungsromane?

von
Sascha Fiek

Deutsch/Chemie 1./6. Semester
25. August 2001

 

 

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 2

2. Aufgabenstellung 3

3. Der Bildungsroman 3

3.1 Geschichte 3
3.2 Motive Themen und Gestalten 5

4. Kafkas "Verschollener" im Lichte des Bildungsromans 6

4.1 Vorbemerkung 6
4.2 Der Lebensweg von Karl Roßmann 7
4.3 Die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen 10
4.4 Das Innenleben Karls 13

5. Zusammenfassung 15

6. Ausblick 16

7. Literaturverzeichnis 17

7.1 Primärliteratur 17
7.2 Sekundärliteratur 17


 

 

1. Einleitung

Im beginnenden 21. Jahrhundert nimmt die Frage nach Qualität und Quantität der Bildung eine zentrale Stellung innerhalb der deutschen Gesellschaft ein. Dies hängt zum einen mit der Problematik der seit Jahrzehnten exponentiell anwachsenden Wissensakkumulation, aber zum anderen auch mit der Orientierungslosigkeit in einer mittlerweile vollkommen technisierten und digitalisierten Welt zusammen. In der Diskussion um den optimalen Bildungsweg, die durch Auseinandersetzungen geprägt ist, ob die Lektüre von Goethes Faust wichtiger ist als das Erlernen internetspezifischer Kenntnisse, verhärten sich die Fronten zunehmend.

Während die einen ein klassisch-humanistisches Bildungsideal favorisieren und propagieren, neigen die anderen zu einem rein pragmatischen Umgang mit Bildung, der ausschließlich dazu dienen soll, die Gesellschaft als Ganzes voranzubringen, während gleichzeitig die Belange des Individuums und dessen Entwicklung in den Hintergrund zu treten scheinen. Vereint werden diese Gruppen in der Proklamation des so genannten Bildungsnotstands einer dekadenten Jugend und in der Forderung nach lebenslangem Lernen. Trotz ihrer konträren Positionen hinsichtlich des Bildungsideals kämpfen sie auf diese Weise Seite an Seite gegen eine "schleichende Verdummung" der Gesellschaft, die ihrer Ansicht nach durch viele Faktoren begünstigt wird. Dazu führen sie unter anderem eine massive Reizüberflutung durch die Medienwelt, ein ausuferndes Angebot an Freizeitaktivitäten oder die exzessive Beschäftigung mit den technischen Errungenschaften des letzten Jahrhunderts an.

Allerdings beschäftigten sich auch schon die Intellektuellen in der Zeit der Aufklärung sehr intensiv mit der Frage nach dem Wesen und dem Nutzen von Bildung, so daß es nicht weiter verwunderlich ist, daß die Literatur eine eigene Gattung, den Bildungsroman, hervorgebracht hat. Unabhängig von den großen Schwierigkeiten der Subsumption einzelner Werke zu der Gattung des Bildungsromans oder der Definition dieser Gattung an sich, die im folgenden noch besprochen werden, läßt sich sagen, daß es sich bei dieser Romanart um eine transepochale Erscheinung handelt, die die Autoren und Literaturwissenschaftler zumindest bis tief ins 20. Jahrhundert hinein bewegt hat.

2. Aufgabenstellung

In der hier vorliegenden Arbeit soll geklärt werden, ob und inwieweit Kafkas Romanfragment "Der Verschollene" [1] dem Bildungsroman des 20. Jahrhunderts zugeordnet werden kann. Dabei muß jedoch berücksichtigt werden, daß es sich schon bei der Definition des Bildungsromans um ein äußerst komplexes Problem handelt, das in der Literaturwissenschaft sehr kontrovers diskutiert wird. Es scheint nahezu unmöglich, die verschiedenen Positionen auf einen Nenner zu bringen und eine einheitliche Begriffsbestimmung zu formulieren.

Dies bringt auch Lothar Köhn sehr prägnant in seinem viel zitierten Forschungsbericht zum Entwicklungs- und Bildungsroman zum Ausdruck, in dem er einführend sagt:

"Der Referent [Lothar Köhn] sieht sich also in der merkwürdigen, doch nicht ungewöhnlichen Lage, daß er es mit Begriffen [Bildung, Bildungsroman] zu tun hat, deren Brauchbarkeit einerseits verneint wird, während sie andererseits nahezu unbesehen Verwendung finden." [3]

Da eine ausführliche Erörterung dieser Problematik den Rahmen der Arbeit bei weitem übersteigen würde, sollen hier nur einige grundlegenden Gedanken zum Bildungsroman angestellt werden, um der Aufgabenstellung gerecht werden zu können und eine Diskussion in Bezug auf "den Verschollenen" zu ermöglichen.

3. Der Bildungsroman

3.1 Die Geschichte

Wenn man zunächst als vielleicht allgemeinste Definition des Bildungsromans die Darstellung des Lebens- und Bildungswegs eines jungen Individuums in der Wechselwirkung mit seiner Umgebung wählt, wird klar, warum dessen Entstehung in die Zeit der späten Aufklärung fällt. Vor dieser Epoche wird der Mensch nämlich nur als Teil einer streng nach Ständen differenzierten Gesellschaftsordnung angesehen. Sein Werdegang ist damals aufgrund der von Gott vorgesehenen Lebensumstände bereits bei der Geburt festgelegt und sein individueller Handlungsspielraum minimal. Erst der radikale Wandel im Gedankengut eines sich immer stärker emanzipierenden Bürgertums im 18. Jahrhundert ebnete den Weg, den Menschen als Individuum zu betrachten und ihn unter dem Gesichtspunkt der Freiheit zu analysieren.

[...]


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