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Der Dokumentarfilm, authentische Abbildung oder Montage der Wirklichkeit

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2003, 15 Pages
Author: Nicolas Widera
Subject: Film Science

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2003
Pages: 15
Grade: 1,0
Language: German
Archive No.: V22087
ISBN (E-book): 978-3-638-25517-2

File size: 104 KB


Excerpt (computer-generated)

Der Dokumentarfilm, authentische Abblidung
oder Montage der Wirklichkeit

 


von: Nicolas Widera

Inhaltsverzeichnis

0 Einleitung  02

1 Wirklichkeit und Realität. Gedanken zur Erkenntnistheorie  03

1.1 Die Ordnung der Wirklichkeit  03

2 Die Abbildung der Wirklichkeit im Dokumentarfilm  04

2.1 Film ist immer Fiktion  05
2.2 Der Dokumentarist und seine Subjektivität  06
2.3 Der zuschauende Rezipient  07

3 Montage der Wirklichkeit. Propagandainstrument Film  08

3.1 Der Kompilationsfilm  08
3.2 Die Herstellungsbedingungen  09

3.2.1 Der „Kuleschow-Effekt“  10

4 Fazit  11

5 Literaturverzeichnis  12

 


 

 


0 Einleitung

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Darstellung von Wirklichkeit im Dokumentarfilm. Einleitend definiere ich, wie die Begriffe Wirklichkeit und Realität in dieser Arbeit verwendet werden. Danach setze ich mich mit der Abbildung der Wirklichkeit im Dokumentarfilm auseinander. Diesbezüglich beschäftige ich mich besonders mit der Subjektivität des Dokumentaristen und der Glaubwürdigkeit des dokumentarischen Werkes. Die Arbeit vertritt die These, dass sich Dokumentarfilme im Grenzbereich zur inszenierten Wirklichkeit befinden. In Verbindung mit dieser These werde ich das umstrittene Filmgenre des Kompilationsfilm einbeziehen. Gerade bei den Kompilationsfilmen wird durch geschickte Filmmontage archiviertes Dokumentarmaterial thematisch wie stilistisch verändert. Das eigentliche Ziel dieser Arbeit ist es, einen groben Überblick darüber zu geben, wie die Wirklichkeit im Dokumentarfilm abgebildet wird und wann eine bewusste Beeinflussung des Betrachters stattfindet.

1 Wirklichkeit und Realität. Gedanken zur Erkenntnistheorie.

Vorwegnehmend ist zu erwähnen, dass die Frage nach der Wirklichkeit mit einem uralten Streit verschiedener philosophischer Denkansätze verbunden ist. Aufgrund des begrenzten Umfangs dieser Arbeit kann ich im Detail auf diesen Aspekt nicht weiter eingehen. Kommunikationswissenschaftler wie Klaus Merten beziehen sich bei der Frage nach der Wirklichkeit auf den Konstruktivismus.1 Kroeber sieht den gemeinsamen Ausgangspunkt dieser keineswegs einheitlichen Theorie darin, „dass wir Menschen durch bestimmte Leistungen unseres Bewusstseins Wirklichkeitsvorstellungen konstruieren“2.

Die Konsequenz dieses Grundgedankens ist, „dass es außerhalb unserer kognitiven Wirklichkeit eine Realität gibt, die den Anlass für unsere Wirklichkeitskonstruktionen bietet. Wie diese Realität ‚an sich ist, entzieht sich unserer Erkenntnismöglichkeit, da wir nur die Wirklichkeit kennen, die wir wahrnehmen und in der wir handelnd und kommunizierend leben.“3

Demnach ist es dem Menschen alleine durch seine Wahrnehmungsbedingungen unter keinen Umständen möglich, die Welt insgesamt oder teilweise außerhalb seiner eigenen physischen und psychischen Grenzen zu erkennen. Die Wirklichkeit des einzelnen ist daher beobachterabhängig und jeweils individuell. In Indien werden seit Hunderten von Jahren Elefanten als Arbeitstiere abgerichtet. Ein kleiner Babyelefant wird mit einer schweren Eisenkette an einen großen Baum gebunden. Im Laufe der Zeit nehmen die Stärke der Kette und die Größe des Baumes immer mehr ab. Der ausgewachsene Elefant lässt sich mit einem dünnen Band an einem grünen Zweig festbinden, ohne dass er sich befreien würde. Die im kleinen Elefanten entstandene Überzeugung „Ich bin gefangen“ hat seine Wahrnehmung so geprägt, dass jeglicher Impuls, seine Freiheit wieder zu erlangen, verloren gegangen ist. Es kommt ihm gar nicht mehr in den Sinn, die Realität der Gefangenschaft zu überprüfen. Sie ist zu einer unumstößlichen Tatsache geworden.4

1.1 Die Ordnung der Wirklichkeit

[...]


1 vgl. Merten, Klaus: Die Wirklichkeit der Medien, Opladen 1994, S. 219
2 Kroeber, Burkart: Clinque scritti morali, hrsg. Eco, Umberto, München 1998, S. 297
3 Kroeber, a.O., S. 297
4 http://www.one-tao.com/workshops/wirklichkeit.htm, 24.07.2003


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