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Der Erlebnisorientierte Ansatz - Naturerleben im Biologieunterricht

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2003, 39 Pages
Author: Nicole Ruge
Subject: Biolology - Didactics

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2003
Pages: 39
Grade: sehr gut
Language: German
Archive No.: V22197
ISBN (E-book): 978-3-638-25606-3

File size: 357 KB
Notes :
Zuzüglich Referatsunterlagen (5 Seiten).



Excerpt (computer-generated)

DER ERLEBNISORIENTIERTE ANSATZ
"NATURERLEBEN IM BIOLOGIEUNTERRICHT"

Fachdidaktisches Hauptseminar
Sommersemester 2003

Nicole Ruge

 

Inhaltsverzeichnis

1. Ziel dieser Arbeit  2

2. Der Kern des erlebnisorientierten Ansatzes im Biologieunterricht - Naturerleben   4
2.1. Zum Begriff Naturerleben  4
2.2. Zur Geschichte des Naturerlebens  6
2.3. Naturerleben heute  9

3. Der erlebnisorientierte Ansatz im Biologieunterricht  13
3.1. Ziel und Bedeutung des Naturerlebens  13
3.1.1. Der Weg vom Naturerleben zur Naturerkenntnis  16
3.2. Flow Learning - Ein besonderer Zugang zum Naturerleben bzw. zur Naturbewusstsein  19
3.3. Grundsätze für die Umsetzung des Ansatzes  23

4. Beispiele des erlebnisorientierten Ansatzes im BU  26
4.1. Erleben, wie eine Pflanze keimt und wächst  26
4.2. Wasserspiele  28

5. Kritik am erlebnisorientierten Ansatz  32

6. Fazit  33

7. Literaturverzeichnis  35

 

1. Ziel dieser Arbeit

Die Biologie ist in den letzten Jahrzehnten so komplex und vielgestaltig geworden, und die Fragestellungen der verschiedenen Gesellschaftssysteme haben sich darüber hinaus derartig verändert, dass die Bewältigung der Disziplinen, der Themen und der Problemvielfalt und damit auch die Auswahl der Unterrichtsinhalte im gegenwärtigen Biologieunterricht sowie auch in den Lehrplänen ohne die Entwicklung eines biologiedidaktischen Konzepts nicht mehr geleistet werden kann. Vor diesem Hintergrund wurde seit Anfang der 70er Jahre eine Diskussion darüber geführt, wie der Biologieunterricht in den Schulen durchgängig strukturiert werden kann.

Diese Diskussion hat zwar eine Fülle verschiedenartiger und impulsgebender Ansätze hervorgebracht, die auch die Neufassung vieler biologischer Lehrpläne wesentlich beeinflusst haben, jedoch ist dabei keine durchgängige Theorie der Biologiedidaktik entstanden. Vielmehr ist die Strukturierungsdebatte Anfang der 80er Jahre zum Erliegen gekommen, ohne dass sich ein bestimmtes Konzept hat durchsetzen können. Trotzdem hat dabei die Biologiedidaktik insgesamt durch die Vielschichtigkeit der Ansätze zweifellos an Profil gewonnen.1

Mit unserer Arbeit möchten wir demzufolge ein mögliches Strukturierungs- bzw. Bildungskonzept vorstellen, welches aus unserer Sicht noch nicht so einen großen Anklang gefunden hat bzw. im alltäglichen Biologieunterricht von vielen Lehrern leider weitgehend selten realisiert wird. Dieses Strukturierungskonzept, von dem wir hier sprechen, wird in der Didaktik als "Erlebnisorientierter Ansatz" bezeichnet. 

Dabei werden wir in unserer Arbeit zunächst den zentralen Kernpunkt des Ansatzes aufzeigen, wobei wir diesen definieren, dessen historische Entwicklung genauer betrachten und sein heutiges Verständnis darstellen werden. Anschließend möchten wir aufzeigen, welche Ziele mit diesem Ansatz im Biologieunterricht verfolgt werden können bzw. aufzeigen, welche Bedeutung dieser Ansatz im Biologieunterricht einnimmt. Dabei werden wir auch darauf eingehen, wie dieser erlebnisorientierter Ansatz entsprechend umgesetzt werden kann, und welche Grundsätze für eine sinnvolle Umsetzung ausschlaggebend sind. 

Durch das Vorstellen bereits praktizierte Unterrichtsbeispiele, in denen dieser Ansatz aufgenommen wurde, wollen wir daraufhin einen tieferen Einblick in die Anwendungs- und Wirkungsweise dieses Ansatzes geben, um auch eine konkrete Urteilsbildung hinsichtlich des Ansatzes zu ermöglichen. 
Da jedoch auch kritische Überlegungen hinsichtlich des Ansatzes gemacht worden sind, möchten wir diese ebenfalls in unsere Arbeit aufnehmen und entsprechend erörtern, und daraufhin abschließend unsere allgemeine persönliche Meinung bezüglich des erlebnisorientierten Ansatzes offen legen.

2. Der Kern des erlebnisorientierten Ansatzes im Biologieunterricht – Naturerleben

Die Biologie ist „eine Wissenschaft, welche die Erscheinungsformen lebender Systeme ihre Beziehungen zueinander und zu ihrer Umwelt sowie die Vorgänge, die sich in ihnen abspielen, beschreibt und untersucht“.2
Demzufolge ist die Natur der zentraler Gegenstand der Biologie und somit auch der Kernpunkt des erlebnisorientierten Ansatzes im Biologieunterricht, wodurch sich somit der Begriff „Naturerleben“ herausbildet.

2.1. Zum Begriff Naturerleben

Der Begriff „Naturerleben“ setzt sich aus den beiden Wortelementen bzw. Begriffen „Natur“ und „Erleben“ zusammen. Was unter diesen beiden Begriffen genauer zu verstehen ist, möchten wir im Folgenden genauer erläutern. Zudem möchten wir aufzeigen, warum diese beiden Begriffe hier bewusst und gezielt als ein Begriff bzw. als ein Substantiv dargestellt werden.

Der Begriff „Natur“ (lateinisch: natura »Geburt«) bezeichnet einen „Teil der Welt, dessen Zustandekommen und dessen Erscheinungsform unabhängig von Eingriffen des Menschen verstanden wird“3.

Das heißt, als Natur kann man all das bezeichnen, was nicht vom Menschen geschaffen wurde, wodurch sie somit im Gegensatz zur Kultur steht. „Der Begriff „Natur“ bezieht sich dabei auf Objekte in der Natur, wie beispielsweise Steine, Tiere, Pflanzen und Menschen, als auch auf Ereignisse in der Natur, wie Wind, Regen oder Erdbeben. Zudem unterscheidet man zwischen der belebten Natur (Pflanzen, Tiere, Pilze, Einzeller, Bakterien) und der restlichen unbelebten Natur (Weltraum, unbelebtes auf der Erde).“4

Der Begriff „Erleben“ bzw. „Erlebnis“ bezeichnet das „Bewusstwerden, Gewahrwerden oder Innewerden von körperlichen und seelischen Zuständen. Es handelt sich hierbei um psychische Vorgänge, die meist von gefühlsmäßiger und affektiver Art sowie von Unmittelbarkeit und Einmaligkeit sind“.5

Das heißt somit, dass sich ein Erlebnis stets auf das unmittelbare Dabeisein an einer Situation und deren emotional – affektive Verarbeitung zurückführen lässt, wobei die Grenze vom Unbewussten ins Bewusste überschritten wird und man tief innerlich und ganzheitlich von der Situation ergriffen wird. Somit kann man davon ausgehen, dass erst über das Erlebnis und dessen Verinnerlichung dem Individuum ermöglicht wird, entsprechende Inhalte aufzunehmen.
Das Erleben einer Situation kann sich dabei laut Gerhard Trommer, ein Professor für Biologiedidaktik an der Johann Wolfgang Goethe Universität in Frankfurt/Main, auf drei unterschiedlichen Bewusstseinsebenen vollziehen:6

Auf der Ebene der primären Erfahrung werden sinnhafte und körperliche Erfahrungen durch Begegnungen mit gewissen Dingen gemacht. Die zweite Ebene bzw. die Ebene der sekundären Erfahrung ist dagegen eine erkundende, forschende und suchende Erlebnisebene, wobei die Entdeckung hier ein wesentliches Ziel darstellt. Der kreative und handelnde Umgang mit Kenntnissen über die Natur charakterisiert dabei die dritte Ebene, nämlich die Ebene der wissenschaftlichen Tertiärerfahrung.
Diese Bewusstseinsebenen sind miteinander verbunden, jedoch bauen sie nicht hierarchisch aufeinander auf.

[....]


1 Vgl. Staeck, Lothar (1995): Zeitgemäßer Biologieunterricht – Eine Didaktik, S. 82

2 Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG, 2001

3 Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG, 2001

4 Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Natur

5 Vgl. http://www.schule-bw.de/ unterricht/pädagogik/erlebnispädagogik (07.06.2003)

6 Vgl. Trommer, Gerhard (1988): Draußen Naturerleben – historische Beispiele (In Unterricht Biologie 137: Naturerleben, S. 8)


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