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Scholary Paper (Seminar), 1996, 24 Pages
Author: Stefanie Metzger
Subject: German Studies - Older German Literature, Mediaevistik
Details
Institution/College: University of Würzburg
Tags: Ritter, Gott, Welt, Rolandslied, Pfaffen, Konrad, Hauptseminar, Germanistik
Year: 1996
Pages: 24
Grade: 2
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-25988-0
ISBN (Book): 978-3-638-71744-1
File size: 233 KB
Arbeit ist im Rahmen des Referats über Das deutsche Rolandslied als Medium welfischer Repräsentation entstanden.
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Abstract
Das "Rolandslied des Pfaffen Konrad als Medium welfischer Repräsentationskunst" ist eine Abhandlung, die das Machtbewusstsein einer der schillerndsten Gestalten des deutschen Hochmittelalters herausstellt: das Heinrichs des Löwen (1125-1195); des Welfenherzogs aus altem fränkischem Adelsgeschlecht. Als Spross einer der mächtigsten deutschen Dynastien betrachtete der Herzog von Sachsen und Bayern sich und seine Familie dem regierenden staufischen Herrscherhaus unter Kaiser Friedrich I. als ebenbürtig. Um die herausragende Stellung der Welfen in Norddeutschland zu manifestieren, gab er verschiedene Kunstwerke in Auftrag. Dabei bediente sich der Vetter Friedrich Barbarossas der genealogischen Anknüpfung an das karolingische Herrscherhaus; insbesondere an Karl den Großen. Das Widmungsgedicht des Helmarshausener Evangeliars sowie die Beauftragung des Mönchs Konrad mit der Übersetzung der um 1100 in Frankreich entstandenen "Chanson de Roland" sind Beispiele dieser Herrscherrepräsentation. Das Rolandslied; ein Werk der "Chanson de geste"; beschreibt die Schlacht von Roncesvalles, die Karl d.Gr. 778 in Spanien gegen die Mauren schlug. In der deutschen Übersetzung wird Heinrich mit Roland sowie mit Karl d. Gr. und dem biblischen König David in typologische Beziehung gesetzt. Idealistisch verklärt wird der Kreuzritter Heinrich darin als "tugendhafter Heidenbekehrer und Mehrer der Christenheit" bezeichnet; dessen Vasallen ihm so treu ergeben sind wie Roland seinem Kaiser Karl. Diese Art des Herrscherlobs entsprach jedoch längst nicht mehr den realen Verhältnissen des Lehnswesens zur Zeit des Welfenherzogs. Darum musste sich der Verfasser der deutschen Version der "Chanson d. R." altertümlicher Formen bedienen, verknüpft mit damals aktuellen ausländischen Motiven zum Zwecke der fürstlichen Repräsentation. Der Rekurs auf altertümliche Stilmittel diente auch der Legitimation welfischer Herrschaftsansprüche. Deshalb ließ Braunschweigs Gründer sein Löwendenkmal vor der Burg Dankwarderode errichten; darum stiftete er den Dom St. Blasius, das kostbare St.Oswald-Reliquiar und den Marienaltar des Braunschweiger Doms. Aus diesem Grund erscheinen Heinrichs kaiserliche Großeltern auf dem Krönungsbild des prächtigen Helmarshausener Evangeliars in herausragender Stellung. All dies sollte das herrscherliche Selbstverständnis eines Adelsgeschlechts zum Ausdruck bringen, "das sich auch ohne Krone königlich wusste" und das mit der Stauferdynastie um den Kaiserthron konkurrierte.
Excerpt (computer-generated)
Ritter zwischen Gott und Welt:
Das Rolandslied des Pfaffen Konrad
von: Stefanie Metzger
I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
I. Das Selbstverständnis des Welfengeschlechts ... 3
II. Die Begründung einer karolingischen Tradition durch Heinrich den Löwen ... 4
III. Herrscherrepräsentation durch Architektur, Kunst und Literatur ... 6
1. Das Löwendenkmal von Braunschweig... 6
2. Der Braunschweiger Dom St. Blasius und die Burg Dankwarderode ... 7
3. Das Oswald - Reliquiar ... 7
IV. Die genealogische Repräsentation ... 8
1. Der Marienaltar des Braunschweiger Doms ... 8
2. Das Helmarshausener Evangeliar... 9
V. Der Davidsvergleich ... 11
VI. Der Werkstil ... 14
1. Das heilige Reliquienschwert Durndart ... 14
2. Der feodale Gehalt welfischer Repräsentationskunst ... 16
3. Die Fürbittformel... 17
VII. Die Intention Heinrichs des Löwen... 18
1. Die Orientierung an altertümlichen Stilvorbildern ... 18
2. Genealogische Repräsentation zur Unterstützung welfischer Herrschaftsansprüche ... 19
3. Das feodale Gotteskriegertum des Rolandsliedes als Gegenbild zu den realen Verhältnissen des Lehnswesens zur Zeit des Welfenherzogs...20
VIII. Resumée... 22
L I T E R A T U R V E R Z E I C H N I S ... 24
I. Das Selbstverständnis des Welfengeschlechts
Die Bezeichnung des Welfenherzogs Heinrichs des Löwen (1142 - 1180) als „nepos Karoli“ im Widmungsgedicht des Helmarshausener Evangeliars läßt einige Rückschlüsse auf das Selbstverständnis dieses mächtigen deutschen Adelsgeschlechts des Hochmittelalters zu. Denn durch diese Formulierung wird auf Karl den Großen (= Karl d. Gr.) rekurriert; den die Welfen ebenso wie viele andere Adelsdynastien als einen ihrer Ahnherren betrachteten. Diese insbesondere von Heinrich dem Löwen neu begründete Karlstradition stellt ein wichtiges Kriterium zur Beurteilung des Selbstverständnisses des welfischen Hauses dar; welches über eine „dichte Bewußtseinstradition“ verfügte, „die mehrmals eine schriftliche Fixierung gefunden und sich bis zu bildlicher Darstellung verdichtet hat“.1
Dieses stolze Adelsgeschlecht, „das sich ohne Krone königlich wußte“,2 war über seine Ahnfrau Judith, einer Tochter jenes Welfs, der als der Begründer des Geschlechts zu betrachten ist (er war Graf in Schwaben und verstarb 824) mit Karl d. Gr. verwandt. Judith war die zweite Gemahlin des Karlssohns Ludwigs des Frommen gewesen; jedoch bezogen die Welfen ihre Ansippung an die Karolinger über die männliche Linie Welfs I., dessen Sohn Eticho sowie dessen Sohn Heinrich, der den Beinamen „mit dem goldenen Wagen“ trug. Diese drei Ahnen waren allesamt für die Reichsgeschichte kaum relevant, doch war die dynastische Abstammung im Mannesstamm im Mittelalter generell bedeutsamer als diejenige über eine weibliche Linie. Wichtig ist in diesem Zusammenhang jedoch festzuhalten, daß die Welfen ihrer Genealogie nach am „Königsgeblüt“ und damit auch am im für das Mittelalter so bedeutsamen „Königsheil“ teilhatten; d.h. an der besonderen, nur Königen gebührenden Gnade Gottes. Das stolze Adelsgeschlecht drückte sein Selbstbewußtsein im Laufe des 12. Jahrhunderts nicht nur - wie noch zu zeigen sein wird - durch Kunst und Architektur aus, sondern auch durch die „schriftliche Fixierung einer Hausüberlieferung“, wodurch das Ahnengedächtnis quasi wieder aktualisiert wurde. Hiermit ist die Weingartner Handschrift der „Historia Welforum“ gemeint; des Welfenstammbaums, der mit Welf primus beginnt und mit Welf VII. und Heinrich dem Löwen endet.3 Formal folgt er den Darstellungen der Wurzel Jesse. Ein Karolinger taucht in diesem Stammbaum nur am Rande auf in der Gestalt des Sohnes der Ahnfrau Judith, Kaiser Karl dem Kahlen. Im jüngsten Zweig des Stammbaumes sollte Kaiser Friedrich Barbarossa erscheinen, um dadurch die angebliche Zugehörigkeit des regierenden Kaisers zum Welfengeschlecht zu demonstrieren. Dieses Anliegen ging offenbar zurück auf eine Initiative Welfs VI, an dessen Hof die „Historia“ entstanden war. Dessen Sohn Welf VII. war 1167 verstorben und so fürchtete man um den Fortbestand der Dynastie. Die - scheinbar - gefährdete Erbfolge sollte durch diese bewußt gesuchte Verbindung zu Friedrich I. fortgeführt werden; ein Faktum, das zeigt, daß sich das Welfengeschlecht selbst Kaisern ebenbürtig fühlte.4 Die Welfen, die seit der Belehnung Heinrichs des Löwen mit dem Herzogtum Bayern im Jahre 1156 die zwei größten Herzogtümer des damaligen Deutschen Reichs besaßen, waren das erste Adelsgeschlecht des Mittelalters, das sich - analog zu den als Königen und Kaisern herrschenden Dynastien - einen solchen Familienstammbaum erstellen ließ. Hieraus spricht deutlich ein Hang zur Selbstdarstellung und zur Manifestierung des Eigenbewußtseins zum Zweck der Erhöhung des Ranges und der politischen Stellung der Welfen vor dem Hintergrund einer politischen Situation, die noch zu erläutern sein wird.
Das höchste Ziel solcher Demonstrationen welfischen Selbstverständnisses war es jedoch, „sich mit dem Gedanken an die Krone vertraut zu machen“.
II. Die Begründung einer karolingischen Tradition durch Heinrich den Löwen
[...]
1Vgl. dazu: Schmid, Karl: Welfisches Selbstverständnis. In: Adel und Kirche. Gerd Tellenbach zum 65. Geburts- tag dargebracht von Freunden und Schülern. Freiburg, Basel, Wien 1968. S. 389.
2Vgl. dazu: Ebd. S. 413.
3Vgl. dazu: Ebd. S. 412.
4Vgl. dazu: Geith, Karl - Ernst: Carolus Magnus. Studien zur Darstellung Karls des Großen in der deutschen Literatur des 12. und 13. Jahrhunderts. Bern, München 1977 ( Bibliotheca Germanica 19). S. 120 f.
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