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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 1998, 122 Pages
Author: Sandra Kluwe
Subject: Philosophy - Philosophy of the 17th and 18th Centuries
Details
Institution/College: University of Heidelberg (Philosophisches Seminar)
Tags: Thema, Häßlichen, Selbstthematisierung, Hauptseminar, Streit, Klassiker, Romantiker, Prof, Bubner
Year: 1998
Pages: 122
Grade: sehr gut (1,0)
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-26015-2
ISBN (Book): 978-3-638-70144-0
File size: 427 KB
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Abstract
In der vormodernen Ästhetik eines Rosenkranz, Weiße, Solger und Hegel spielt das Hässliche die Rolle eines Kontrastprinzips, das im Rahmen einer positiven Dialektik zur Synthese herausfordert. An Friedrich Schlegel und seiner werkgeschichtlichen Wende vom 'Studium'-Aufsatz zu den 'Athenäum'-Fragmenten wird aber ersichtlich, dass eine 'Ästhetik des Hässlichen', die auf dem kritischen Niveau einer Transzendentalphilosophie Bestand haben soll, diese Synthese in Gestalt einer negativen Dialektik in der Schwebe lassen muss. Damit ist die Tendenz zur Verflüchtigung des Gegenstandsbezugs, seine Sublimierung zur Selbstreferentialität gegeben: Der ursprünglich fixe Eigengehalt des Hässlichen emanzipiert sich von seiner Stofflichkeit. Von hier aus ergibt sich ein Ausblick auf das Hässliche in Adornos 'Ästhetischer Theorie'.
Excerpt (computer-generated)
Philosophisches Seminar
Universität Heidelberg
SS 97
HS ‘Der Streit der Klassiker und Romantiker um 1800’
Das verschwundene Thema
Ästhetik des Häßlichen
und transzendentalpoetische Selbstthematisierung
Sandra Kluwe
INHALT
I. EINLEITUNG
1. Kategorien des ‘Häßlichen’ 4
2. Zum Stellenwert der ‘Ästhetik des Häßlichen’ im ‘Streit der Klassiker und Romantiker’ 10
II. HAUPTTEIL
1. Die Dialektik des klassisch Schönen 16
1.1 Hegel und die positive Dialektik 17
1.1. Solger: ‘Erwin’ (1815) 20
1.2 Hegel-Schule: Positive Dialektik des Häßlichen 20
1.2.1 Weiße: ‘System der Ästhetik als Wissenschaft von der Idee des Schönen’ (1830) 21
1.2.2 Rosenkranz: ‘Ästhetik des Häßlichen’ (1853) 23
1.2.2.1 Das ‘Ekelhafte’ als ‘ästhetische Unidee’ 26
1.2.2.1.1 Depravation des ästhetischen Urteils 29
1.2.2.2 Das ‘Abgeschmackte’ als ‘Geisthäßliches’ 31
1.2.2.3 ‘Hölle des Schönen’ - ‘Hölle des Bösen’ 32
EXKURS: Helena vs. Phorkyas: Die Dialektik des Schönen in der ‘Klassisch-romantischen Phantasmagorie’ von Goethes Faust (1827) 36
2. Die negative Dialektik des romantisch Häßlichen (Friedrich Schlegel) 39
2.1 Das Häßliche als das ‘Interessante’ (Studium-Aufsatz, 1797/99) 41
2.1.1 Wirkungsästhetik des ‘Interessanten’ vs. Werkästhetik des ‘interesselosen Wohlgefallens’ 44
2.1.2 Das ästhetisch Interessante 47
2.1.3 Das moralisch Interessante 48
2.1.3.1 Streitpunkt Kunst-Autonomie 52
2.1.3.2 Streitpunkt Synkretismus 55
2.1.4 Das systematisch Interessante 56
2.1.5 Das philosophisch Interessante 61
2.1.6 Das Originale als das ‘Interessante 64
2.1.7 Das Ideal der ‘Objektivität’ 67
2.1.8 Bildungsprinzip ‘Perfektibilität’ 70
2.2 Das ‘Interessante’ in romantischer Umwertung: Athenäum-Fragmente (1798); ‘Gespräch über die Poesie’ (1800) 74
2.2.1 Das romantisch Häßliche 79
2.2.2 Romantische Immoralität 80
2.2.2.1 Romantische Kunst-Autonomie 81
2.2.3 Das romantische Fragment als systematisches Unsystem 81
2.3 Der Begriff der ‘progressiven Universalpoesie’ 85
2.3.1 Erste Analyse 86
2.3.1.1 Individualität des Dargestellten (gegenstandsrealistisch) 86
2.3.1.2 Allgemeinheit des Dargestellten (gegenstandsrealistisch) 87
2.3.1.3 Progressivität der Darstellung (strukturidealistisch) 88
2.3.1.4 Progressivität des Darstellenden (idealidealistisch) 89
2.3.2 Synthese 90
2.3.2.1 Das romantisch Universale 90
2.3.2.1.1. Gattungssynkretismus 91
2.3.2.1.2 Naturwahres - Kunstschönes 92
2.3.2.2 Das romantisch Progressive 93
2.3.2.2.1 ‘Transzendentalpoesie’ als idealreale Darstellungskritik 93
2.3.3 Zweite Analyse: ‘Kritik’ und ‘Idee’ der romantischen Poesie 97
2.3.4 Zusammenschau 108
III. AUSBLICK
Das Häßliche in Adornos ‘Ästhetischer Theorie’ (1970) 110
IV. BIBLIOGRAPHIE 116
I. EINLEITUNG
1. Kategorien des ‘Häßlichen’
„Die Französische Revolution, Fichtes Wissenschaftslehre, und Goethes Meister sind die größten Tendenzen des Zeitalters. Wer an dieser Zusammenstellung Anstoß nimmt, wem keine Revolution wichtig scheinen kann, die nicht laut und materiell ist, der hat sich noch nicht auf den hohen Standpunkt der Geschichte der Menschheit erhoben.“1
Das 216. Athenäum-Fragment ist in doppeltem Sinne merkwürdig: Zum einen frappiert die Kombination dreier völlig disparat scheinender Daten: eines realgeschichtlichen, eines geistesgeschichtlichen und einen kunstgeschichtlichen. Zum anderen ist bemerkenswert, mit welcher Souveränität die scheinbare Ungereimtheit denunziert wird, um sodann auf einen höheren Standpunkt „erhoben“ zu werden.
Das 216. Athenäum-Fragment genügt damit in besonderem Maße seinem gattungspoetologischen Anspruch, „gleich einem kleinen Kunstwerke von der umgebenden Welt ganz abgesondert und in sich selbst vollendet“ zu sein „wie ein Igel.“2 Enthält doch das hier geübte dreistufige Verfahren, das erstens - qua ‘Axiom’ - ein Interesse erregt, dieses zweitens - qua Selbstkritik - als täuschend erscheinen läßt, um drittens - qua Kritik der Selbstkritik - die Täuschung zu enttäuschen, bereits Schlegels Reflexionstheorie in nuce. Es wird zu zeigen sein, daß die nicht von Schlegel, sondern erst von Rosenkranz (1853) so genannte ‘Ästhetik des Häßlichen’, sofern ihr ein systematischer, nicht rein wirkungsäs- thetischer Stellenwert zukommt, einer ähnlichen Logik folgt. Auf den ersten Blick sieht diese Logik dialektisch aus - und so funktioniert sie auch, jedenfalls bei Solger, Hegel und den hier stellvertretend für andere - etwa Ruge und Vischer - behandelten Hegel-Schülern Weiße und Rosenkranz.
An Schlegel und seiner werkgeschichtlichen ‘Kehre’ vom Studium- Aufsatz (1795/97) zu den Athenäum-Fragmenten (1798) und dem Gespräch über die Poesie (1800) wird aber ersichtlich werden, daß eine ‘Ästhetik des Häßlichen’, die auf dem kritischen Niveau der ‘Transzendentalpoesie’ Bestand haben soll, in mehrfacher Weise auf den Kopf zu stellen ist. Zunächst hat sie den theoretischen Anspruch einer ‘Ästhetik’ ernst zu nehmen, die seit Baumgarten ja mehr als bloße Phänomenologie, die vielmehr durchdacht sein will. Als Darstellendes, als Medium der wissenschaftlichen Darstellung dessen, was da häßlich sei: als Theorie des Häßlichen muß sie auf die theoretische Erkenntnis - nicht nur die Beschreibung - ihres Gegenstandes aus sein, muß ihn begrifflich zu bestimmen versuchen.
Wie sie dabei vorgeht, ist Sache der Darstellung. Sofern sich dieselbe als kritisch versteht, mithin, gemeinsam mit ihrem Medium, als ‘kritische Theorie’, wird sie eine Methode, die bereits auf dem Kopf steht - nämlich die dialektische - entweder abheben lassen, ins Schweben bringen, wobei das Auf-dem-Kopf-Stehen potenziert würde, oder aber: Sie wird sie so lange vom Kopf auf die Füße und von dort wieder auf den Kopf und zurück stellen, bis die Methode invers geladen ist und ‘negative Dialektik’ heißen kann. Genau besehen ist das aber keine wirkliche Alternative - und deswegen wird Adornos ‘negative Dialektik’ ein Anathema vorliegender Arbeit sein. Verfährt die selbstkritische Theorie nämlich konsequent, so kann sie ein In-Stand-Setzen, das bei der Identität seines Verständnisses verharrte, auch nicht einen Augenblick dulden, sondern muß den Kopf und die Füße wenden, bevor sie überhaupt Bodenkontakt haben: perpetuiertes Schweben, so oder so. Damit freilich ist die Existenz des Dargestellten gefährdet, versteht sich dieses doch als Gegenstand der Darstellung. Wenn nun aber die Darstellung eine Methode wählt, die Feststehendes in Schwebendes aufhebt, wird dem Gegenstand nichts übrig bleiben, als sich der Darstellung anzunähern, was so viel heißt wie die Darstellung sich selbst darstellen zu lassen.
Diese Verflüchtigung des Gegenstandsbezug, seine Sublimierung zur Selbstreferentialität, wird am Beispiel der Ästhetik des ‘Häßlichen’ zu erweisen sein: Der ursprünglich fixe Eigengehalt des Häßlichen, der sich nicht zuletzt in positiver Dialektik mit dem Schönen profiliert, gerät immer mehr ins Formal-Methodische und nimmt etwa als antisystemphilosophisches ‘Fragment’ neue Gestalt an. So emanzipiert sich das Häßliche von seiner Stofflichkeit, la pourriture wird pure um willen der transzendentalpoetischen Darstellung derselben, die „zwischen dem Dargestellten und dem Darstellenden, frei von allem realen und idealen Interesse“ in der Mitte schwebt.3
Bevor das innerhalb einer ‘Ästhetik des Häßlichen’ Dargestellte in reflexiver Schwebe gehalten werden kann, muß es freilich fixiert, muß es auf den Begriff gebracht werden.4 Dies wiederum gestaltet sich schwierig, wenn das zu Begreifende polysem ist, in seinen verschiedenen Seinsweisen jeweils Verschiedenes bedeutet. An die Stelle des einen Begriffs hätte also die Pluralität seiner Bedeutungs- Kategorien zu treten, die im folgenden kurz skizziert werden sollen.
Im Keim sind diese Kategorien bereits im eingangs zitierten Athenäum-Fragment 216 enthalten: Die Französische Revolution, die an anderer Stelle als „grauses Chaos“5 bezeichnet wird, mag für die geschichtliche Erfahrung des metaphysisch Häßlichen, also des Sinnlosen oder Absurden, des Gottlosen stehen, das zugleich als systematisch Häßliches: als geistiges Chaos begegnet. Die Abgründigkeit dieses Chaos’, das allzu nah am ontisch Häßlichen, am Nichts gebaut zu sein scheint, versucht die im Jahr der ‘terreur’ publizierte Jenenser Wissenschaftslehre grund/satzphilosophisch zu übergründen. Dabei wird der praktischen Philosophie, die auf ‘Sittlichkeit’ zielt, der Primat zugewiesen - nicht zuletzt, um ein probates Mittel gegen das ethisch Häßliche,6 das in Gestalt des Wohlfahrtsausschusses Unwohlsein bereitet hatte, zu eruieren.
[....]
1 Schlegel, Athenäum-Fragment 216, 198. Hier und im folgenden werden die Athenäum- sowie andere Fragmente unter Anführung ihrer Nummer und Seitenzahl (angeschlossen durch Komma) zitiert. Die Bände der jeweils benutzten Werkausgaben werden im Literaturverzeichnis einzeln genannt.
2 Ders., Athenäum-Fragment 206, 197.
3 Ders., Athenäum-Fragment 116, 182 f.
4 Das ist die Fatalität einer jeden Ästhetik, die zwar einerseits, um willen der ‘ästhetischen Erfahrung’, eine „Befreiung aus der Vormundschaft des Begrifflichen“ anstrebt (Frank, Einführung, 29), andererseits aber, um willen ihrer Wissenschaftlichkeit, eine allgemeingültige, nachprüfbare Bestimmung ihres Gegenstandes treffen muß, die schwerlich anders als begrifflich wird sein können.
5 Schlegel, Athenäum-Fragment 424, 247 f.
6 Diese Bedeutungskategorie läßt sich wortgeschichtlich fundieren mit dem parallelen Gebrauch des Adjektivs ‘häßlich’ = ‘unschön’ und des Adverbs ‘häßlich’ = ‘gehässig’ (seit dem 16. Jahrhundert belegt), vgl. Götze, Häßlich, 206. Das Wort ‘häßlich’ wird also auch und zumal mit Bezug auf „Sinn und Gesinnung des Menschen gebraucht“ (ebd., 294; Götze führt eine Belegstelle aus Hartmanns Erec an). Götze zufolge (ebd., 203) ist die Bedeutung ‘haßerfüllt’, ‘feindselig’ während des ganzen Mittelalters vorherrschend. Der normative Sinn schlägt mit dem Übergang der Bedeutung ‘haßerfüllt’ zu ‘verhaßt’ und ‘hassenswert’ durch (ebd., 210). Man mag hier auch an die etwa in Grimms Märchen begegnenden Wendungen ‘häßlich wie die Nacht’ oder ‘häßlich wie die Sünde’ denken (vgl. ebd., 219). In Briefen der Elisabeth Charlotte von Orleans (Anfang 18. Jahrhundert) findet Götz erstmals eine Abschwächung zur allgemeineren Bedeutung ‘widerwärtig’, ‘unangenehm’ (ebd.). Bemerkenswert ist, daß ‘häßlich’ vor dem 16. Jahrhundert nur sechsmal „von der menschlichen Gestalt“, also mit der Bedeutung ‘ungestalt’ gebraucht wird ( ebd., 214). Es ist Luther, der die Verdrängung von ‘ungestalt’ zugunsten von ‘häßlich’ einleitet, indem er in späteren Ausgaben seiner Bibelübersetzung ‘ungestalt’ durch ‘häßlich’ ersetzt: „So steht allein 1. Mos. 41 häßlich siebenmal von den mageren Kühen“ (ebd., 215). Fortan sei die Bedeutung ‘unschön’ von den Wörterbüchen als die wichtigste verbucht worden (vgl. ebd.). So gilt: „Mit seiner allgemeinen Anwendbarkeit, durch die es doch an konkreter Schärfe nichts verloren hat, ist das Wort häßlich fähig geworden, als Gegensatz zu schön K u n s t a u s d r u c k d e r Ä s t h e t i k zu werden“ (ebd., 218). Götze nennt hier als einschlägig Lessings Laokoon (1766), Sulzers Theorie der schönen Künste (1771), Vischers Buch Das Schöne und das Häßliche (1898) sowie Theodor Lipps Grundlegung der Ästhetik (1903).
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08.01.2005 21:10:37
Beschäftige mich im Moment recht intensiv mit dem Thema der Ästhetik des Bösen - aus literaturwissenschaftlicher wie aus philosophischer Perspektive. Frage: Entspringt die Wahl Ihres bzw. Deines Themas einem Schwerpunkt in der Forschung des betreuenden Professors? Suche nämlich nach Instituten mit entsprechendem Forschungsschwerpunkt.
22.06.2008 12:33:41
Die Arbeit ist sehr unübersichtlich und in einer schwer zugänglichen, emotionaler Sprache geschrieben. Man verliert den Faden bei der Lektüre. Wenig empfehlenswert.