Register or log in at GRIN

Your e-mail-address or password is wrong
Register now
For new authors: free, easy and fast
This will be used as your user name, please specify a valid e-mail address

Lost password

Your e-mail-address or password is wrong

Request a new password
Empowerment-Strategien - Das Beispiel der Grameen-Bank von Bangladesch close

Please wait

Please install the Adobe Flash Player if no e-book is displayed.

Empowerment-Strategien - Das Beispiel der Grameen-Bank von Bangladesch

Thesis (M.A.), 2003, 98 Pages
Author: Birgit Michels
Subject: Sociology - Gender Studies

Details

Category: Thesis (M.A.)
Year: 2003
Pages: 98
Grade: 1,5
Language: German
Archive No.: V22750
ISBN (E-book): 978-3-638-26019-0
ISBN (Book): 978-3-638-71745-8
File size: 1071 KB
Notes :
Die Analyse beschäftigt sich mit einem in emanzipatorischer und entwicklungspolitischer Absicht induzierten Prozess der Frauenförderung und untersucht dessen Wirkungen, Auswirkungen, Folgen. Am Beispiel der Grameen-Bank von Bangladesch werden mit Mikrokreditallokation zusammenhängende Mechanismen des Wandels / des Empowerments als Wirkungskette multidimensional analysiert. Untersuchungstyp: Evaluationsstudie/ Folgenabschätzungsforschung


Abstract

Als eine der prominentesten Institutionen, die das Empowerment von Frauen als explizites Projektziel formuliert, gilt die Grameen-Bank (wörtl. übersetzt: Dorf- Bank) von Bangladesch. Das Konzept dieser Bank beruht auf der Erkenntnis, dass Kapitalmangel und die damit einhergehende Ressourcenknappheit zu den Hauptproblemen armer Menschen gehören, deren einziges Kapital ihre Arbeitskraft darstellt. Mit der Bereitstellung dieses fehlenden Kapitals in Form eines ausgeklügelten Systems der Mikrokredit-Vergabe an Frauen unterhalb der Armutsgrenze will die Bank die Grundlage für eine aktive Selbsthilfe schaffen, auf welcher sich Empowerment, sowohl auf individueller, als auch auf struktureller Ebene, herausbildet. Ziel der vorliegenden Untersuchung ist, darzustellen, wie mit einer relativ kleinen, sehr begrenzten Maßnahme, nämlich der Mikrokredit-Vergabe an Frauen, im Entwicklungsland Bangladesch ein Empowerment-Mechanismus in Gang gesetzt wird. Die Darstellung des prozesshaften Charakters von Empowerment steht dabei im Mittelpunkt des Interesses, d.h. Frauen-Empowerment wird als das Ergebnis einer komplexen, von vielen Faktoren abhängigen Wirkungskette betrachtet. Aus wechselnden Blickwinkeln wird analysiert, unter welchen sozio-kulturellen Prämissen und auf welchen einander zum Teil reziprok bedingenden Ebenen gesellschaftlichen Zusammenlebens dieser Prozess abläuft. Es ist ein Anliegen dieser Untersuchung, den Blick zu schärfen für die mit der Kreditallokation zusammenhängenden Mechanismen des Wandels, und herauszufinden, wie die Grameen-Mitgliedschaft die Situation der Frauen direkt oder indirekt beeinflusst. Zudem wird untersucht, ob aus dem Kreditprogramm der Grameen-Bank gesamtgesellschaftliche Effekte entstehen, und ob solche Effekte das Potential für eine langsame Umstrukturierung bestehender Herrschaftsverhältnisse in Bangladesch beinhalten. Eine Kernfrage lautet also: Inwieweit gehen von der Mikrokreditvergabe Impulse aus, die den Kreditnehmerinnen eine schrittweise Überwindung von struktureller Unterdrückung und Fremdbestimmung ermöglichen?


Excerpt (computer-generated)

 

Empowerment-Strategien:
Das Beispiel der Grameen-Bank von Bangladesch

Magisterarbeit
zur Erlangung des Grades einer
Magistra Artium M.A.

vorgelegt

der
Philosophischen Fakultät
der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität
zu Bonn

von

Birgit Michels

03.08.2003

Inhaltsverzeichnis

1. Thema und Abgrenzung ... 4
1.1. Ziel der Untersuchung ... 5
1.2. Aufbau und Inhalt der Untersuchung ... 6

2. Eine gender-sensible Betrachtung des Bedeutungsfeldes ‘Empowerment’ ... 8
2.1. Strukturelle Determinanten von Disempowerment ... 9
2.2. Zur Zentralität des Machtdiskurses im Empowerment-Ansatz ... 11
2.3. Das Idealmodell eines Empowerment-Prozesses ... 14

3. Untersuchung von Mikrokrediten der Grameen-Bank als Instrument des Frauen-Empowerments ... 17
3.1. Zwischen Tradition und Neubeginn: Veränderungspotentiale der gesellschaftlichen Position von Frauen in Bangladesch ... 17
3.1.1. Rahmenbedingungen: Lebensalltag bengalischer Frauen ... 18
3.1.2. Zur Relativität normativer Ansprüche ... 21
3.2. Projektverlauf und Hintergründe der Grameen-Bank ... 23
3.3. Evaluierungen zur Grameen-Bank ... 27
3.3.1. Herangehensweisen von Evaluierungen mit Empowerment bejahendem Ergebnis ... 27
3.3.2. Herangehensweisen von Evaluierungen mit Empowerment verneinendem Ergebnis ... 31
3.3.3. Ursachen für heterogene Ergebnisse im Forschungsdiskurs ... 35

4. Die Empowerment-Wirkungskette dargestellt am Beispiel von Mikrokrediten der Grameen-Bank ... 39
4.1. Die Visibilisierung des ‘unsichtbaren Geschlechts’ als Auslöser einer Wirkungskette ... 39
4.1.1. Die erste Hürde: Motive für das aktive Heraustreten aus Marginalisierung und Fremdbestimmung ... 41
4.1.2. Mehr als bloße Kreditsicherheit: Die Erzeugung eines Wir-Gefühls in den Frauenspargruppen ... 43
4.1.3. Die Bedeutung von Vorbildern und Innovatoren ... 46
4.2. Wandel der Wahrnehmung: Prozesse soziokultureller Aufwertung  ... 47
4.2.1. Partizipation als selbstwertdienlicher Mechanismus ... 48
4.2.2. Von der Hausfrau zur Familien-Ernährerin: Auswirkungen auf das haushaltsinterne Machtgefüge ... 50
4.2.3. Anerkennung oder Duldung? Zur Außenwahrnehmung und Akzeptanz von Kreditnehmerinnen in der bengalischen Gesellschaft ... 55
4.3. Neue Horizonte: Allokation von Krediten als erstmalige Chance einer eigenständigen Lebensgestaltung ... 58
4.3.1. Die Bedeutung eines Bewusstseins für monetäre Mechanismen als Grundlage für individuelle Lebens-Planung ... 59
4.3.2. Beseitigung formaler Barrieren: Die Erschließung überindividueller Handlungsoptionen ... 63
4.3.3. Handlungsfelder zwischen Kapitalvermehrung und –konvertierung ... 65
4.4. Empowerment - Chance zur Überwindung des klassischen Determinismus oder Schaffung von Frauen-Nischen? ... 69
4.5. Schwierigkeiten und Barrieren im Empowerment-Konzept der Grameen-Bank ... 71
4.6. Investitionen in die Zukunft: Zu Nachhaltigkeit und Perspektiven gesellschaftlichen Wandels ... 74

5. Fazit und Ausblick: Multidimensionales Erklärungsmodell zur Erklärung von Empowerment ... 81

6. Anhang ... 86

7. Literaturverzeichnis ... 91
7.1. Publikationen ... 91
7.2. Datenquellen ... 96

 

1. Thema und Abgrenzung
Für Frauen und Mädchen in Entwicklungsländern1 lassen sich wachsende ökonomische Ungleichheiten und geringe Möglichkeiten der Partizipation am sozialen und politischen Leben diagnostizieren. Zahlreiche Publikationen und wissenschaftliche Studien2 weisen auf diese Sachlage hin. Der feministische Diskurs beschränkt sich jedoch heute nicht mehr auf deterministische Problemanalysen, die Beschreibung andauernder struktureller Suppression, bzw. das Anklagen von Ausbeutungsstrukturen. Vielmehr wird die aktuelle Debatte von der Erkenntnis bestimmt, dass es zur Überwindung von Ungleichheiten und Marginalisierung unerlässlich ist, die in vielen Untersuchungen vorherrschende Betrachtung der Frauen als unterdrückte und hilfebedürftige Wesen aufzubrechen (vgl. Lachenmann 1989: III), und Entwicklung und Wandel nicht mehr länger ausschließlich als positiv für Männer und negativ für Frauen wahrzunehmen (vgl. Bliss u.a. 1994: 22ff.). Aus diesem Bewusstsein heraus entstanden in den vergangenen Jahrzehnten verschiedenartige Konzepte3, welche allesamt das gemeinsame Ziel verfolgen, weibliche Handlungsoptionen zu erweitern und sie denen der Männer anzunähern. Eines der neueren Konzepte, der Empowerment4-Ansatz, erfährt seit geraumer Zeit besondere Beachtung in der feministischen Entwicklungsdebatte. Er unterscheidet sich in einem wesentlichen Punkt deutlich von ehemals propagierten staatlichen „Top-Down-Maßnahmen“ (Bliss u.a. 1994: 31), mit deren Hilfe die praktischen und strategischen gender-Bedürfnisse5 von Frauen ‘behoben’ werden sollten. Ziel von Empowerment-Konzepten ist vielmehr ein „Bottom-Up- Prozeß“ (Bliss u.a. 1994: 34): Behandelten frühere Entwicklungsmaßnahmen arme Menschen (insbesondere Frauen) als unmündig und unfähig, eigene Interessen zu formulieren (vgl. Kabeer 1994: 230) und konzentrierten sich in erster Linie auf männliche Bedürfnisse, so legen Empowerment-Strategien den Fokus auf die Fähigkeit (hier: der Frauen), selbst Initiative zu ergreifen und die Verbesserung ihrer persönlichen Lebenssituation in die eigene Hand zu nehmen. Sie propagieren die Abkehr vom Defizit-Blick auf Menschen in schwierigen Lebenssituationen hin zu einem „Blick auf die Menschenstärken“ (Herriger 2002: 3), indem sie Vertrauen in die Fähigkeit der Einzelnen zu Selbstbestimmung und Autonomie setzen. So wird die defizitäre Wahrnehmung weiblicher Positionen6 in den Hintergrund gerückt, um Strategien Platz zu machen, welche den Frauen die „Stärkung und Erweiterung der Selbstverfügungskräfte [...] zur (Wieder-)herstellung von Selbstbestimmung über die Umstände des eigenen Lebens“ (Herriger 1992: 231) ermöglichen. Vertreter von Empowerment-Konzepten sehen in dieser Stärkung eine elementare Grundvoraussetzungen dafür, dass es auch den Frauen der Entwicklungs- bzw. Schwellenländer zukünftig möglich sein wird, als zentrale Akteurinnen an der Gestaltung von sozialem und politischen Wandel mitzuwirken.

1.1. Ziel der Untersuchung
Als eine der prominentesten Institutionen, die das Empowerment von Frauen als explizites Projektziel formuliert, gilt die Grameen-Bank (wörtl. übersetzt: Dorf- Bank) von Bangladesch. Das Konzept dieser Bank beruht auf der Erkenntnis, dass Kapitalmangel und die damit einhergehende Ressourcenknappheit zu den Hauptproblemen armer Menschen gehören, deren einziges Kapital ihre Arbeitskraft darstellt (vgl. Bittner 1995: 1). Mit der Bereitstellung dieses fehlenden Kapitals in Form eines ausgeklügelten Systems der Mikrokredit-Vergabe an Frauen unterhalb der Armutsgrenze will die Bank die Grundlage für eine aktive Selbsthilfe schaffen, auf welcher sich Empowerment, sowohl auf individueller, als auch auf struktureller Ebene, herausbildet.

Ziel der vorliegenden Untersuchung ist, darzustellen, wie mit einer relativ kleinen, sehr begrenzten Maßnahme, nämlich der Mikrokredit-Vergabe an Frauen, im Entwicklungsland Bangladesch7 ein Empowerment-Mechanismus in Gang gesetzt wird. Die Darstellung des prozesshaften Charakters von Empowerment steht dabei im Mittelpunkt des Interesses, d.h. Frauen-Empowerment wird als das Ergebnis einer komplexen, von vielen Faktoren abhängigen Wirkungskette betrachtet. Aus wechselnden Blickwinkeln wird analysiert, unter welchen sozio-kulturellen Prämissen und auf welchen einander zum Teil reziprok bedingenden Ebenen gesellschaftlichen Zusammenlebens dieser Prozess abläuft. Es ist ein Anliegen dieser Untersuchung, den Blick zu schärfen für die mit der Kreditallokation zusammenhängenden Mechanismen des Wandels, und herauszufinden, wie die Grameen- Mitgliedschaft die Situation der Frauen direkt oder indirekt beeinflusst.

Zudem wird untersucht, ob aus dem Kreditprogramm der Grameen-Bank gesamtgesellschaftliche Effekte entstehen, und ob solche Effekte das Potential für eine langsame Umstrukturierung bestehender Herrschaftsverhältnisse in Bangladesch beinhalten. Eine Kernfrage lautet also: Inwieweit gehen von der Mikrokreditvergabe Impulse aus, die den Kreditnehmerinnen eine schrittweise Überwindung von struktureller Unterdrückung und Fremdbestimmung ermöglichen?

1.2. Aufbau und Inhalt der Untersuchung
Die Operationalisierung des Empowerment- Begriffes unter gender-sensiblem Vorzeichen und damit zusammenhängenden Aspekten (z.B. unterschiedlichen Machtkonzeptionen) nimmt den ersten, konzeptionellen Teil dieser Arbeit ein. Hier wird der Diskussionsrahmen für weiterführende Überlegungen abgesteckt. Einer Einführung in soziale, kulturelle und politische Lebensbedingungen bengalischer Frauen und in die Arbeitsweisen der Grameen-Bank folgt schließlich die Untersuchung von Mikrokrediten der Grameen-Bank als Instrument des Frauen-Empowerments. Zu diesem Zweck werden zunächst unterschiedliche beispielhafte Evaluierungsberichte, die sich der zu untersuchenden Thematik auf verschiedenste Weise nähern, einander gegenübergestellt und verglichen8. Dort, wo die Ergebnisse eklatant voneinander abweichen wird hinterfragt, ob dies empirische, konzeptuelle oder methodologische Ursachen hat und welche Konzeptualisierung von Macht hinter den jeweiligen Ansätzen auszumachen ist. Zweck dieser Gegenüberstellung heterogener Evaluierungen ist es, Stärken und Schwächen der einzelnen Ansätze aufzuzeigen und eindimensionale, gender-Aspekte verkennende Herangehensweisen zu demaskieren.

All diese Überlegungen bilden das Argumentationsfundament, auf dessen Grundlage am Beispiel des Grameen-Konzeptes ein zur Erklärung von Empowerment- Prozessen geeigneteres Analysemodell entwickelt wird, in welchem die Mechanismen von Empowerment als Wirkungskette betrachtet werden. Die Ausarbeitung dieses Modells steht im Zentrum der vorliegenden Untersuchung. Dabei wird sowohl auf kulturelle und gender-relevante Bedingungen, als auch auf immanente Schwächen des Empowerment-Ansatzes der Grameen-Bank eingegangen.

Um die bei einer derartigen Analyse implizite Gefahr eigene Ziele und Normen in den Vordergrund zu stellen, zu minimieren, wird besonderer Wert darauf gelegt, stets die Interessen der Akteurinnen, also der Kreditnehmerinnen im Blickfeld zu behalten, bzw. die gesellschaftliche Einbettung ihrer Entscheidungen und ihr sinnhaftes Handeln zu thematisieren. In die Überlegungen fließen die Resultate von verschiedenen unabhängigen9 Evaluierungen, sowie von solchen, die unter der Schirmherrschaft der Grameen-Bank, bzw. intern erhobenen wurden 10 ebenso mit ein, wie allgemeines Datenmaterial zur Lebenssituation bengalischer Frauen11. Zur theoretischen Untermauerung werden außerdem verschiedene soziologische Erklärungsansätze hinzugezogen. Abschließend erfolgt, in Form eines Fazits, die schematische Darstellung des in der Analyse entwickelten Modells zur Betrachtung von Empowerment-Mechanismen als Wirkungskette.

2. Eine gender-sensible Betrachtung des Bedeutungsfeldes ‘Empowerment’
Um ein klares Bild des in dieser Arbeit zu untersuchenden Konzeptes des Frauen-Empowerments zu zeichnen, ist es sinnvoll, zunächst die Bedeutung des Begriffes Empowerment näher zu beleuchten.

[...]


1 Unzweifelhaft bestehen zwischen einzelnen Entwicklungsländern erhebliche länder- und gesellschaftsspezifische Unterschiede. Doch bei aller Vielfalt haben Frauen sämtlicher Entwicklungsländer eines gemeinsam: Im Bezug auf Zugang zu Gesundheit und Bildung, sowie auf Möglichkeiten der Beteiligung am politischen und wirtschaftlichen Leben, sind sie gegenüber den Männern deutlich schlechter gestellt. Zur Vertiefung dieser Thematik sei die Lektüre von Klemp (1993) und Buviniæ (1997) empfohlen.

2 Erstmalig diskutiert in Esther Boserup’s Abhandlung „Women’s role in Economic Development“ (New York 1970) durchzieht die Erkenntnis, daß Frauen in Entwicklungsprozssen systematisch benachteiligt werden, die Forschung der vergangenen Jahrzehnte. Interessante Aspekte hierzu finden sich z.B. bei Renate Rott (Hg.): „Entwicklungsprozesse und Geschlechterverhältnisse. Über die Arbeit und Lebensräume von Frauen in der Dritten Welt“ (Saarbrücken 1992).

3 Die unterschiedlichen Frauenförderungsansätze, von Women in Development (WID) zu Gender and Development (GAD) und Mainstreaming gender, reflektieren den Wandel der allgemeinen entwicklungspolitischen Herangehensweisen seit den 50er Jahren, und sind im Einzelnen bei Bliss u.a. (1994: 26 ff.) und Zdunnek (1997: 251ff.) anschaulich dargestellt.

4 Der Begriff Empowerment tauchte erstmals in einer Abhandlung von Barbara Solomon „Black Empowerment: Social work in oppressed communities“ (1976) auf. Die dortige Verwendungsweise des Begriffs stand im Schnittfeld zwischen den Traditionslinien schwarzer Bürgerrechtsbewegung und radikal-politischer Gemeinwesensarbeit. Im entwicklungspolitisch-feministischen Diskurs trug das Frauennetzwerk DAWN (Development Alternatives with Women for a New Era) entscheidend zur Prägung des Begriffes bei. Dieser steht heute in Abgrenzung zum Effizienzargument der Weltbank, welches Frauen in erster Linie als im Entwicklungsprozess ungenutzte Ressource verstand (vgl. Schultz 2002: 62).

5 Auf Grund ihrer unterschiedlichen gesellschaftlichen Position entsprechen die Bedürfnisse von Männern und Frauen einander nicht. Bliss u.a. (vgl. 1994: 29) differenzieren zwischen praktischen gender needs (unmittelbare wichtige praktische Bedürfnisse in spezifischem Kontext) und strategischen gender needs (langfristige Bedürfnisse, die zu größerer Gleichberechtigung der Geschlechter führen).

6 In Forschung und Entwicklungspolitik werden die Frauen der Entwicklungsländer, wenn überhaupt, vielfach als subalterne Wesen „vermeintlich ohne Kenntnisse, Fertigkeiten, ohne Energie, Unternehmungsgeist und Kreativität“ (Müller-Glodde 1994: 1) wahrgenommen.

7 Bangladesch, der am dichtesten besiedelte Flächenstaat der Welt, zählt zu den ärmsten und am wenigsten entwickelten Ländern. Ca. 36% der Menschen leben unterhalb der Armutsgrenze. Ein geringes Ausbildungsniveau, die schlecht entwickelte Infrastruktur und eine zähe öffentliche Verwaltung gehören zu den Kernproblemen des Landes (vgl. Human Development Report 2002). Periodische Wirbelstürme und Flutkatastrophen verheerenden Ausmaßes werfen das Land immer wieder in seiner Entwicklung zurück und verschärfen die Situation der Bevölkerung zusätzlich. Zu den Auswirkungen klimatischer Katastrophen auf die Situation der Frauen Bangladeschs sei die Lektüre von Cannon (2002) empfohlen.

8 Das grundsätzliche Problem der Sekundäranalyse, nämlich der geringe konzeptionelle Einfluss, der Kooperationszwänge zur Folge hat, wird durch die vergleichende Analyse verschiedenartiger Ansätze etwas gemildert.

9 z.B. Goetz/ Sen Gupta (1996); Rahman (1999), Osmani (1998a, 1998b)

10 z.B. Grameen Bank Annual Report (2001); Todd (1996); Mizan (1994)

11 Im Bezug auf allgemeine Daten zur Entwicklung und Lebenssituation in der bengalischen Gesellschaft stellen der UN General Human Development Report (2002), der Bangladesh Human Development Report (2000) sowie das CIA World Factbook (2002) die sachdienlichsten und ergiebigsten Quellen dar. Die UN-Erhebungen erweisen sich als besonders geeignet, das sie Indikatoren sowohl zum Thema Entwicklung als auch zu gender-Aspekten enthalten.


Comments

No comments yet

Add Comment
Your comment is reviewed before being published

Other users also were interested in the following titles:

Direktinvestitionen im internationalen Wirtschaftsrecht

Author: Moritz Diekmann
Law - European and International Law, Intellectual Properties, 2002 Download as PDF-file for 14,99 EUR

Leibniz´ Monadologie

Author: M.A. Jens-Philipp Gründler
Philosophy - Philosophy of the 17th and 18th Centuries, 2003 Download as PDF-file for 2,99 EUR

Existenzialismus: Grenzsituationen als Weg zur individuellen Freiheit

Author: Birgit George
Philosophy - Theoretical (Realisation, Science, Logic, Language), 2001 Download as PDF-file for 5,99 EUR

This text can be quoted and accessed from this url:

http://www.grin.com/e-book/22750/empowerment-strategien-das-beispiel-der-grameen-bank-von-bangladesch
please wait Please wait