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Über den physiologischen Schwachsinn des Weibes - Oder: Über die Konstruktion der Hysterie zur Unterdrückung der Frau

Termpaper, 2002, 21 Pages
Author: Nicole Diekmann
Subject: History - Theory

Details

Event: Von Sprache, Handeln und Bedeutung: Eine Übung zur Geschichtstheorie
Institution/College: University of Hamburg (Geschichtswissenschaften)
Tags: Schwachsinn, Weibes, Oder, Konstruktion, Hysterie, Unterdrückung, Frau, Sprache, Handeln, Bedeutung, Eine, Geschichtstheorie
Category: Termpaper
Year: 2002
Pages: 21
Grade: 1,7
Language: German
Archive No.: V22862
ISBN (E-book): 978-3-638-26102-9

File size: 181 KB
Notes :
Performanztheorie nach Austin/Butler, bezogen auf Medizingeschichte, mit Quelle aus der Kaiserzeit (Möbius)



Excerpt (computer-generated)

„Ueber den physiologischen Schwachsinn des Weibes“ –
oder: Über die Konstruktion der Hysterie zur
Unterdrückung der Frau

 


von: Nicole Diekmann

Inhaltsverzeichnis

Einleitung S. 1

1. Die Quelle

1.1 Historische Einordnung S. 2
1.2 Argumentation S. 5

2. Performanz bei Judith Butler

2.1 Austins Theorie der Sprachakte S. 8
2.2 Butlers Performanztheorie S. 9

3. Hysterie – vom Unterleib in den Kopf S. 12

Fazit S. 16

Quellen- und Literaturverzeichnis S. 19

 


 


Einleitung

Die vorliegende Arbeit hinterfragt das „Krankheitsbild“ der weiblichen Hysterie im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert. Die Anführungszeichen sind bewusst gesetzt, denn die These dieser Arbeit lautet, dass es sich bei dieser Diagnose größtenteils um eine Konstruktion zu mehreren Zwecken handelte: Aufrechterhaltung der patriarchischen Gesellschaftsordnung angesichts der erstarkenden Frauenbewegung, Selbstaffimierung des männlichen Bürgertums und Etablierung der (männlich besetzten) Schulmedizin allgemein und der Gynäkologie und der Neurologie im Besonderen sind die Motive, die hier nachgewiesen werden sollen. Die Rolle der Medizin, die stellvertretend für die allgemeingesellschaftliche Angst vor dem teilweisen Verlust der männlichen Domänen an Frauen stehen soll, die den Hysteriebegriff und den Umgang mit vermeintlich hysterischen Frauen gesellschaftlich konstituierte, soll deutlich gemacht werden anhand eines Textes des Mediziners Paul Julius Möbius. Im Jahr 1901 erschien sein Aufsatz „Ueber den psychologischen Schwachsinn des Weibes“ in zweiter Auflage, in dem er mit angeblich medizinischen Argumenten die erstarkende Emanzipation als widernatürlich und (auch) für Frauen schädlich zu erklären versuchte.1 Belegt werden soll diese These anhand weniger Beispiele aus der Hysterieforschung zur Zeit von Möbius: Ich werde im Folgenden versuchen, einige Widersprüchlichkeiten im Hinblick auf die Erklärungsansätze und die Heilverfahren von Hysterie dazustellen und so nachzuweisen, dass kein reelles medizinisches Interesse an der Heilung einer Krankheit vorlag. All diese Ausführungen unterlege ich mit Beispielen aus dem Text von Möbius.

Die Kernthese der vorliegenden Arbeit geht von einer bewussten Schwächung der beginnenden Frauenbewegung aus, also von Konstruktion. Deshalb findet die Textanalyse mithilfe der Performanz-Theorie von Judith Butler statt.2 Diese stützt sich auf die Sprechakt-Theorie von John L. Austin3, weshalb der historischen Einordnung und Skizzierung der Gliederung der Quelle eine knappe Darstellung der Austinschen Theorie folgt und der Erläuterung der Butlerschen Thesen voran geht.4 Seit den neunziger Jahren hat die Zahl der Arbeiten zur weiblichen Hysterie zugenommen, weshalb der Großteil der übrigen hier verwendeten Sekundärliteratur aus den Reihen der modernen Geschlechterforschung stammt.5 Die Frage der Medizin wird insbesondere anhand der Ausführungen von Katrin Schmersahl diskutiert.6 Auch die Darstellung der Hysterieforschung stützt sich zum einen auf Schmersahl, zum anderen auf die Untersuchungen Dorion Weickmanns7.

1. Die Quelle

1.1 Historische Einordnung

[...]


1 Möbius, Paul Julius: Ueber den physiologischen Schwachsinn des Weibes, in: Konrad Alt (Hg.): Sammlung zwangloser Abhandlungen aus dem Geiste der Nerven- und Geisteskrankheiten, Bd. 3, Heft 3, Halle/ Saale ²1901.
2 Butler, Judith: Körper von Gewicht. Die diskursiven Grenzen des Geschlechts, Frankfurt/ Main 1997.
3 Austin, John L.: Zur Theorie der Sprechakte, Stuttgart 1972 (1955).
4 Die Grenzen zwischen der Argumentation Möbius´ und der Darstellung der Geschichte der Hysterie verschwimmen teilweise, was am Endergebnis m.E. aber nichts ändert.
5 Vgl. Literaturliste der vorliegenden Arbeit, S. 19.
6 Schmersahl, Katrin: Medizin und Geschlecht. Zur Konstruktion der Kategorie Geschlecht im medizinischen Diskurs des 19. Jahrhunderts ( = Sozialwissenschaftliche Studien Heft 36), Opladen 1998.
7 Weickmann, Dorion: Rebellion der Sinne: Hysterie – ein Krankheitsbild als Spiegel der Geschlechterordnung (1880-1920), Frankfurt/ Main – New York 1997.


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