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Kapitalismus - ein Produkt der protestantischen Reformation?

Seminararbeit, 2004, 14 Seiten
Autor: Anna Shkonda
Fach: Soziologie - Klassiker, Grundlagen und Theorierichtungen

Details

Veranstaltung: PS: Klassiker der Soziologie: Marx, Weber, Durkheim
Institution/Hochschule: Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg (FGSE: Soziologie)
Tags: Kapitalismus, Produkt, Reformation, Klassiker, Soziologie, Marx, Weber, Durkheim
Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 2004
Seiten: 14
Note: 1,0
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V22887
ISBN (E-Book): 978-3-638-26118-0
ISBN (Buch): 978-3-638-78876-2
Dateigröße: 99 KB

Zusammenfassung / Abstract

„Max Weber staunte nicht schlecht, als er eine Studie seines Schülers Martin Offenbacher las. Darin stand, versteckt in langen Zahlenkolonnen: Die Protestanten in Baden, Leipzig und Tübingen sind nicht nur gebildeter, sondern auch reicher als die Katholiken. Denn während die Katholiken lieber in kleinen Handwerksbetrieben arbeiten, saßen die Protestanten an der Spitze der Großindustrie. Protestantismus gleich Kapitalismus – so die vereinfachte Formel – war für den Ökonomieprofessor Weber zur Jahrhundertwende eine völlig neue Entdeckung.“ (Afhüppe: Die Zeit, 34/1999) Nach der Protestantismusthese, die Max Weber in seiner Aufsatzsammlung „Die protestantische Ethik und der „Geist“ des Kapitalismus“ aufstellt, sind die Gründe für den Beginn des Take-offs der Industrialisierung bzw. des Kapitalismus in Westeuropa in der protestantischen Ethik zu finden. Die Kompatibilität der Ethik oder religiösen Weltanschauung der Protestanten, insbesondere der Calvinisten, und dem kapitalistischen Prinzip der Akkumulation von Kapital und Reinvestition von Gewinnen schufen einen idealen Hintergrund für die Industrialisierung. In dieser Arbeit möchte ich mich mit folgenden Fragen beschäftigen: · Was ist „protestantische Ethik“ und was sich unter diesem Begriff verbirgt · Was meint Weber unter dem „Geist des Kapitalismus“ · Wie fügen sich die beiden Begriffe zu einem Ganzen · Ist Kapitalismus wirklich nur ein Produkt der protestantischen Reformation.


Textauszug (computergeneriert)

Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
Fakultät für Geistes, Sozial- und Erziehungswissenschaften
Proseminar: Klassiker der Soziologie: Marx, Weber, Durkheim
Wintersemester 2003/2004

Kapitalismus - ein Produkt der protestantischen Reformation?

Anna Shkonda

 

 

Inhalt

I. Einleitung 3

II. Der protestantische Ethos 3
1. Begriffsklärung 3
2. Calvinismus 5
3. Der Prädestinationsglaube 7
4. Die Berufsidee 7
5. Sektencharakter der religiösen Organisation 8
6. Die innenweltliche Askese 9

III. Der „Geist des Kapitalismus“ 10

IV. Der Einfluß protestantischen Glaubens auf die Herausbildung des modernen Kapitalismus 12

V. Zusammenfassung 13

Literaturverzeichnis 14

 


"Wenn Gott Euch einen Weg zeigt, auf dem Ihr ohne
Schaden für Eure Seele oder für andere in
gesetzmäßiger Weise mehr gewinnen könnt als auf
einem anderen Wege und Ihr dies zurückweist und
den minder gewinnbringenden Weg verfolgt, dann
kreuzt Ihr einen der Zwecke Eurer Berufung, Ihr
weigert Euch, Gottes Verwalter zu sein und seine
Gaben anzunehmen, um sie für ihn gebrauchen zu
können, wenn er es verlangen sollte. Nicht freilich für
Zwecke der Fleischeslust und Sünde, wohl aber für
Gott dürft ihr arbeiten, um reich zu sein."


RICHARD BAXTER

 

I. Einleitung

„Max Weber staunte nicht schlecht, als er eine Studie seines Schülers Martin Offenbacher las. Darin stand, versteckt in langen Zahlenkolonnen: Die Protestanten in Baden, Leipzig und Tübingen sind nicht nur gebildeter, sondern auch reicher als die Katholiken. Denn während die Katholiken lieber in kleinen Handwerksbetrieben arbeiten, saßen die Protestanten an der Spitze der Großindustrie. Protestantismus gleich Kapitalismus – so die vereinfachte Formel – war für den Ökonomieprofessor Weber zur Jahrhundertwende eine völlig neue Entdeckung.“ (Afhüppe: Die Zeit, 34/1999)

Nach der Protestantismusthese, die Max Weber in seiner Aufsatzsammlung „Die protestantische Ethik und der „Geist“ des Kapitalismus“ aufstellt, sind die Gründe für den Beginn des Take-offs der Industrialisierung bzw. des Kapitalismus in Westeuropa in der protestantischen Ethik zu finden. Die Kompatibilität der Ethik oder religiösen Weltanschauung der Protestanten, insbesondere der Calvinisten, und dem kapitalistischen Prinzip der Akkumulation von Kapital und Reinvestition von Gewinnen schufen einen idealen Hintergrund für die Industrialisierung. In dieser Arbeit möchte ich mich mit folgenden Fragen beschäftigen:


· Was ist „protestantische Ethik“ und was sich unter diesem Begriff verbirgt
· Was meint Weber unter dem „Geist des Kapitalismus“
· Wie fügen sich die beiden Begriffe zu einem Ganzen
· Ist Kapitalismus wirklich nur ein Produkt der protestantischen Reformation.

II. Der protestantische Ethos

1. Begriffsklärung

Weber geht davon aus, daß der neuzeitliche Unternehmer der westlichen Welt durch spezifische Verhaltensmuster charakterisiert werden kann. Diese Verhaltensmuster gründen zusammengenommen ein regelrechtes „Ethos“. Unter einem „Ethos“ versteht Weber „ein tatsächlich gegebenes, typisches Verhaltensmuster einer Persönlichkeit oder einer Gruppe von Persönlichkeiten, welches an explizierbare Werte und Verhaltensmaximen geknüpft ist.“ (Kuchenbrod: Unternehmerethos...) Welche Verhaltensmuster es sind und wie es zu diesen Verhaltensmuster kam wird aus dem Text deutlich.

Daß die Protestanten am Kapitalbesitz und leitenden Stellungen innerhalb der modernen Wirtschaft den Katholiken überlegen sind sieht Weber nicht nur als Folge der besseren Vermögensausstattung, sondern auch als Folge der besseren Erziehung und Bildung, die die Protestanten genossen haben. „In diesen Fällen liegt zweifellos das Kausalverhältnis so, daß die anerzogene geistige Eigenart, und zwar hier die durch die religiöse Atmosphäre der Heimat und des Elternhauses bedingte Richtung der Erziehung, die Berufswahl und die weiteren beruflichen Schicksale bestimmt hat.“ (Weber (1993 (1904)), S.5) Ausgehend davon wäre es zu untersuchen, so Weber, welche Besonderheiten der Konfessionen sind es, oder waren es, die zu solchen unterschiedlichen Entwicklungsrichtungen geführt haben. (vgl. Weber (1993 (1904)), S.5)

Der Antwort liegt, Webers Meinung nach, in der unterschiedlichen Lebensführung der Katholiken und Protestanten: „Der Katholik ... ist ruhiger; mit geringerem Erwerbstrieb ausgestattet, gibt er auf einen möglichst gesicherten Lebenslauf, wenn auch mit kleinerem Einkommen, mehr, als auf ein gefährdetes, aufregendes, aber eventuell Ehren und Reichtümer bringendes Leben. Der Volksmund meint scherzhaft: entweder gut essen, oder ruhig schlafen. Im vorliegenden Fall ißt der Protestant gern gut, während der Katholik ruhig schlafen will.“ (Dr. Offenbacher in: Weber (1993 (1904)), S.6) Den Katholiken wird also die „Weltfremdheit“ und „Askese“ vorgeworfen, wogegen die Protestanten materialistische „Weltfreude“ aufweisen sollen. Für Weber sind es weniger zwei Pole, die sich ausschließen, sondern im Gegenteil, eine „Verwandtschaft“ zwischen „Weltfremdheit“, „Askese“ und kirchlicher Frömmigkeit“ und „Beteiligung am kapitalistischen Erwerbsleben“. (vgl. Weber (1993 (1904)), S.7) Besonders in Calvinismus sei diese Kombination zu erkennen. (vgl. Weber (1993 (1904)), S.8)

Weber hebt eine Reihe von moralischen Elementen in dem Ethos der neuzeitlichen Unternehmer hervor:

[....]


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