Register or log in at GRIN

Your e-mail-address or password is wrong
Register now
For new authors: free, easy and fast
This will be used as your user name, please specify a valid e-mail address

Lost password

Your e-mail-address or password is wrong

Request a new password
Umgang mit Krankheit in fremden Kulturen und der Einfluss kultureller Aspekte au... close

Please wait

Please install the Adobe Flash Player if no e-book is displayed.

Umgang mit Krankheit in fremden Kulturen und der Einfluss kultureller Aspekte auf die gesundheitliche Situation und Betreuung von Migranten

Diploma Thesis, 2003, 131 Pages
Author: Anja Zimmermann
Subject: Pedagogy - Intercultural Pedagogy

Details

Category: Diploma Thesis
Year: 2003
Pages: 131
Grade: 1
Language: German
Archive No.: V23037
ISBN (E-book): 978-3-638-26241-5
ISBN (Book): 978-3-638-70156-3
File size: 705 KB

Abstract

Der enorme wirtschaftliche Aufschwung in Deutschland Anfang der fünfziger Jahre verursachte in der deutschen Produktion einen akuten Arbeitskräftemangel. So begann die Bundesrepublik Deutschland im Jahre 1955 ausländische Arbeitnehmer anzuwerben, um auf dem heimischen Arbeitsmarkt das Defizit auszugleichen. Bis zum Anwerbestop 1973 wanderten millionenfach ausländische Arbeitskräfte nach Deutschland ein. Die medizinische Versorgung wurde für diesen speziellen Prozess instrumentalisiert und hatte drei zentrale Funktionen. Zum einen sollte durch ausführliche medizinische Untersuchungen sichergestellt werden, dass nur besonders gesunde, leistungsfähige Arbeitskräfte nach Deutschland kommen würden; zweitens sollten die bei diesem Prozess für Deutschland anfallenden Gesundheits- und Sozialkosten minimiert und drittens die einheimische Bevölkerung vor eventuellen seuchen- und sozialhygienischen Problemen geschützt werden. Aufgrund des ausländerpolitischen Ziels der Rotation wurde die Öffnung des medizinischen Versorgungssystems für den veränderten Bedarf nicht als notwendig erachtet. Die Entwicklung verlief jedoch in zwei entscheidenden Punkten nicht wie erwartet. Erstens: Das Prinzip der Rotation funktionierte nicht. Zweitens: Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass Migranten im Vergleich zu Einheimischen überdurchschnittlich häufig von Krankheit betroffen sind, was sie dazu zwingt, das hiesige Gesundheitsversorgungssystem in Anspruch zu nehmen. Zunehmend wurde deutlich, dass dies mit Problemen verbunden ist. So scheinen ungünstige rechtliche und soziale Bedingungen die Inanspruchnahme von gesundheitlicher Versorgung für Migranten erheblich zu erschweren. In der Öffentlichkeit wie auch in der Gesundheitspolitik wird dieses Thema bisher kaum zur Kenntnis genommen. Die vorliegende Arbeit wird zeigen, dass unter anderem durch gesetzlich geschaffene Zugangsbarrieren vielen Menschen im Vergleich zu anderen der Zugang zum gesundheitlichen Versorgungssystem in dem Maße erschwert wird, dass sie keine gleichen Chancen auf eine gute Gesundheit haben und daß dies eben auch ganz besonders mit ihrer Herkunft zusammenhängt.


Excerpt (computer-generated)

Umgang mit Krankheit in fremden Kulturen 
und der Einfluß kultureller Aspekte auf die gesundheitliche Situation 
und Betreuung von Migranten in Deutschland

Diplomarbeit
im Fachbereich Erziehungswissenschaften
Studienrichtung Sozialpädagogik/ Sozialarbeit

an der Martin - Luther - Universität
Halle - Wittenberg

vorgelegt von

Anja Zimmermann

Halle/Saale, den 24.09.2003

Inhaltsverzeichnis

Einleitung ... 1

Zielstellung und Arbeitshypothesen ... 3

1. Wissenschaftliche Struktur der Ethnomedizin ... 6
1.1. Einordnung der Ethnomedizin ... 6
1.1.1. Begriffsklärung ... 6
1.1.2. Gegenstand ... 7
1.2. Medizinische Systeme ... 9
1.2.1. Charakteristika eines medizinisches Systems ... 9
1.2.2. Verschiedene Krankheitskonzepte und Erklärungsmodelle von Krankheit ... 12
1.2.3. Unterscheidung ... 16
1.2.3.1. Auf magisch-religiösen Vorstellungen basierende Medizinsysteme ... 17
1.2.3.2. Parawissenschaftliche Medizinsysteme ... 19
1.2.4. Der Umgang mit Krankheit in fremdkulturellen Medizinsystemen ... 20
1.2.5. Kulturspezifische Erkrankungen ... 23
1.3. Heilerpersönlichkeiten ... 26
1.3.1. Klassifizierung von Heilerpersönlichkeiten ... 26
1.3.2. Das Beziehungsgeflecht Arzt - Patient - soziales Umfeld im kulturellen Vergleich ... 31

2. Migration und Gesundheit in Deutschland ... 36
2.1. Migration ... 36
2.1.1. Definition des Migrationsbegriffs ... 38
2.1.2. Die rechtliche Position von Migranten im deutschen Gesundheitssystem ... 38
2.2. Auswirkungen von Migration ... 42
2.2.1. Das Leben vor der Migration in der türkischen, ländlichen Gesellschaft ... 42
2.2.2. Veränderungen durch die Migration ... 44
2.2.3. Psychosoziale Aspekte der Migration - Leben zwischen zwei Kulturen ... 46
2.2.4. Mögliche migrationsbedingte Beschwerden und Erkrankungen ... 49
2.3. Migranten im deutschen Gesundheitssystem ... 56
2.3.1. Die Inanspruchnahme gesundheitlicher Dienste durch Migranten - Erwartungen und Realität ... 56
2.3.2. Die Problembereiche im Einzelnen ... 60
2.3.2.1. Sprachbarriere ... 60
2.3.2.2. Informationsdefizit ... 62
2.3.2.3. Fremdkulturelles Krankheitsverhalten und fremdkulturelle Krankheitskonzepte ... 64
2.3.3. Transkulturelle Mißverständnisse und ihre Folgen ... 68
2.4. Resümee der Gesamtsituation ... 71

3. Maßnahmen zur Verbesserung der gesundheitlichen Versorgung von Migranten ... 74
3.1. Problembilanz ... 74
3.2. Zusammenfassung der Vorschläge zur Berücksichtigung fremdkultureller Aspekte in der gesundheitlichen Versorgung von Migranten ... 75
3.3. Möglichkeiten zur Verbesserung der gesundheitlichen Versorgung von Migranten ... 77
3.3.1. Ethnomedizinische Aspekte in der Ausbildung von medizinischem Personal und die Delegation von Aufgabenbereichen ... 77
3.3.2. Dolmetscherdienste ... 79
3.3.3. Psychosoziale Beratung und Psychotherapie ... 83
3.3.4. Aus- und Weiterbildungsangebote ... 87
3.4. Interkulturelle Kompetenz ... 88
3.5. Grenzen und Hemmnisse bei der Verwirklichung theoretischer Konzeptionen ... 91
3.6. Zwei Beispiele für Modellprojekte ... 94
3.6.1. Das Ethnomedizinische Zentrum Hannover e.V. ... 94
3.6.2. Dolmetscherdienst am Universitätskrankenhaus Hamburg-Eppendorf ... 95

Verifizierung der Arbeitshypothesen ... 96

Anhang ... 101
I. Das biomedizinische System
II. Studienplan Medizin der MLU Halle

Literaturverzeichnis

 

Abbildungsverzeichnis
Abb. 1: Erklärungskonzepte für die Verursachung von Krankheit ... 15
Abb. 2: Mißverständnisse ... 34
Abb. 3: Ausländische Bevölkerung in der BRD nach Staatsangehörigkeit ... 36
Abb. 4: Anforderungen und Einflüsse im Aufnahmeland ... 48
Abb. 5: Kenntnisse über weibliche Körperfunktionen ... 63

 

Einleitung

"Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich. (...) Niemand darf wegen seines Geschlechts, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. (...)"

(Art. 3 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland)

Der enorme wirtschaftliche Aufschwung in Deutschland Anfang der fünfziger Jahre verursachte in der deutschen Produktion einen akuten Arbeitskräftemangel. So begann die Bundesrepublik Deutschland im Jahre 1955 ausländische Arbeitnehmer anzuwerben, um auf dem heimischen Arbeitsmarkt das Defizit auszugleichen. Zunächst wurde ein Anwerbeabkommen mit Italien, fünf Jahre später mit Spanien und Griechenland und schließlich mit der Türkei geschlossen. Bis zum Anwerbestop 1973 wanderten millionenfach ausländische Arbeitskräfte nach Deutschland ein. Die medizinische Versorgung wurde für diesen speziellen Prozeß instrumentalisiert und hatte drei zentrale Funktionen. Zum einen sollte durch ausführliche medizinische Untersuchungen sichergestellt werden, daß nur besonders gesunde, leistungsfähige Arbeitskräfte nach Deutschland kommen würden; zweitens sollten die bei diesem Prozeß für Deutschland anfallenden Gesundheits- und Sozialkosten minimiert und drittens die einheimische Bevölkerung vor eventuellen seuchen- und sozialhygienischen Problemen geschützt werden. Aufgrund des ausländerpolitischen Ziels der Rotation wurde die Öffnung des medizinischen Versorgungssystems für den veränderten Bedarf nicht als notwendig erachtet.
Die Entwicklung verlief jedoch in zwei entscheidenden Punkten nicht wie erwartet. Erstens: Das Prinzip der Rotation funktionierte nicht. Zweitens: Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, daß Migranten im Vergleich zu Einheimischen überdurchschnittlich häufig von Krankheit betroffen sind, was sie dazu zwingt, das hiesige Gesundheitsversorgungssystem in Anspruch zu nehmen. Zunehmend wurde deutlich, daß dies mit Problemen verbunden ist. So scheinen ungünstige rechtliche und soziale Bedingungen die Inanspruchnahme von gesundheitlicher Versorgung für Migranten erheblich zu erschweren.
In der Öffentlichkeit wie auch in der Gesundheitspolitik wird dieses Thema bisher kaum zur Kenntnis genommen. Der Prozeß der Umorientierung schreitet nur sehr schwerfällig voran. Die Problematik wird von zuständigen Stellen entweder ignoriert oder als nachrangig eingestuft, obwohl durch eine Vielzahl von Forschungsergebnissen und Praxisberichten, auf welche in dieser Arbeit auch eingegangen wird, die Dringlichkeit der Thematik belegt werden kann.
So sind eben doch nicht alle Menschen gleich. Die folgende Arbeit wird zeigen, daß unter anderem durch gesetzlich geschaffene Zugangsbarrieren vielen Menschen im Vergleich zu anderen der Zugang zum gesundheitlichen Versorgungssystem in dem Maße erschwert wird, daß sie keine gleichen Chancen auf eine gute Gesundheit haben und daß dies eben auch ganz besonders mit ihrer Herkunft zusammenhängt.

Zielstellung und Arbeitshypothesen

Die vorliegende Arbeit will Krankheit und Kultur aus zwei verschiedenen Perspektiven beleuchten. Zum einen wird der Blick nach außen gerichtet auf das Krankheitsverständnis und den Umgang mit Krankheit in anderen Kulturen. Zum anderen soll der Blick nach innen klären, wie sich dieses fremde Krankheitsverständnis von Menschen anderer Kulturen auf die Situation und Betreuung von Einwanderern in unserem Gesundheitssystem auswirkt.

Im ersten Teil dieser Arbeit soll zunächst untersucht werden, ob außerhalb unseres Kulturkreises dasselbe Krankheitsverständnis herrscht oder ob dieses möglicherweise von unserem abweicht. Dabei wird der Umgang mit Krankheit und die angewandten Maßnahmen zur Erhaltung der Gesundheit in anderen Kulturen betrachtet. Des weiteren wird beleuchtet, welche Vorstellungen von Krankheitsursachen existieren und auf welche Weise in anderen Völkern Erkrankungen geheilt werden. Hierbei soll die Auswertung ethnomedizinischer Ergebnisse behilflich sein. Das Forschungsfeld der Ethnomedizin untersucht weltweit Medizinsysteme fremder Kulturen und prüft, in welcher Weise Krankheit mit Kultur verknüpft ist. Ferner sollen im ersten Teil der Arbeit Heilerpersönlichkeiten anderer Völker und ihre Art mit auftretenden Erkrankungen umzugehen betrachtet werden.

Hypothese 1:
Es existieren verschiedene Auffassungen davon, was Gesundheit und Krankheit sind, was eine Erkrankung verursacht hat und wie sie geheilt werden kann. Diese Auffassungen sind abhängig von der Kultur, der Zugänglichkeit zu medizinischer Versorgung, dem sozialen Umfeld, sowie einer Reihe weiterer Faktoren. Zudem gibt es unterschiedlichste Typen von Heilerpersönlichkeiten, die innerhalb der jeweiligen Kulturkreise in der Lage sind, adäquat auf auftretende Erkrankungen zu reagieren.

Durch die Wanderung von einer in eine andere Gesellschaft geschieht nicht selten ein vollständiger Bruch mit dem bisherigen sozialen Umfeld. So soll im zweiten Teil dieser Arbeit zunächst geklärt werden, welche Auswirkungen der Migrationsprozeß auf die körperliche und seelische Verfassung der Wandernden hat. In der vorliegenden Arbeit wird davon ausgegangen, daß der Prozeß der Wanderung und das Leben im Aufnahmeland ungewohnte Streßsituationen beinhalten, welche unter Umständen gesundheitsbeeinträchtigend sein können. Diese Annahme soll unter Zuhilfenahme vorliegender Studien zum Thema Gesundheit und Migration geprüft werden, des weiteren wird untersucht, in welcher Weise sich dieser Migrationsstreß äußert. Dahingehend lautet Hypothese 2:
Sowohl der Migrationsprozeß als auch das Leben im Aufnahmeland beinhalten für viele Migranten ungewohnte Streßsituationen, welche unter bestimmten Umständen Gesundheitsbeeinträchtigungen hervorrufen können.
Auf Grundlage der Annahme, daß sowohl Krankheitsverständnis als auch Heilmethoden in anderen Kulturen von dem hiesigen Verständnis und Behandlungssystem abweichen, interessiert als nächstes die Frage, wie Angehörige anderer Kulturen, welche aus verschiedenen Gründen nach Deutschland einwandern, mit dem Medizinsystem unserer Kultur zurechtkommen. In dieser Arbeit wird der Frage nachgegangen, in welchen Bereichen Probleme auftreten können, wie diese sich darstellen und vor allem aber auch, wie im hiesigen Gesundheitswesen Tätige mit Angehörigen fremder Kulturen umgehen. Selbstverständlich wird ebenfalls untersucht, welchen Einfluß das fremdkulturelle Krankheitsverständnis und die Erfahrungen aus anderen Gesundheitssystemen bei Umgang und Behandlung von und mit Erkrankungen im hier vorherrschenden System haben.
Hierauf bezieht sich die Hypothese 3:
Die Inanspruchnahme des deutschen Gesundheitssystems ist für Migranten mit bestimmten Schwierigkeiten verbunden, wobei jedoch das abweichende Krankheitsverständnis nur eine davon darstellt. Diese Schwierigkeiten haben schwerwiegende Benachteiligungen für ausländische Mitbürger bei der Inanspruchnahme der Gesundheitsversorgung zur Folge.
In diesem Teil der Arbeit werden u.a. die vordringlichsten Probleme herausgearbeitet und ihre Handhabung seitens der im Gesundheitswesen Beschäftigten dargestellt.

Im dritten Teil der vorliegenden Arbeit wird untersucht, welche Maßnahmen zur Beseitigung von Schwierigkeiten und Zugangsbarrieren zum Versorgungssystem für Migranten eingeleitet werden könnten bzw. bereits in der Umsetzung begriffen sind. Einige Ansatzmöglichkeiten werden gesondert herausgegriffen und ihre Umsetzungschancen ausführlich erörtert. Es wird ebenfalls diskutiert, welche Faktoren sich bisher behindernd auf die Verwirklichung von möglichen Maßnahmen ausgewirkt haben.

Lesehinweis:
Zum besseren Verständnis der Arbeit wird empfohlen, im Anschluß an das erste Kapitel zunächst den Abschnitt "Das biomedizinische System" im Anhang zu lesen.

1. Wissenschaftliche Struktur der Ethnomedizin

1.1. Einordnung der Ethnomedizin

Begriffsklärung

Ethnomedizin bedeutet im eigentlichen Sinne Volksmedizin; im Volk seit Alters her überlieferte Heilkunde. Im wissenschaftlichen Sinne ist sie eine Forschungsrichtung, die als Teilgebiet der Ethnologie unter Zuhilfenahme von Methoden und Ergebnissen anderer Wissenschaften, besonders der Medizin, die Vorstellungen und Aktivitäten von Menschen innerhalb ihrer Umwelt untersucht, welche mit ihren Konzeptionen von Gesundheit und Krankheit zusammenhängen .
Die Ethnomedizin entstand aus dem Interesse der Ärzte an der Medizin kolonialisierter Völker, welche als primitive Kulturen bezeichnet wurden.

[...]


Comments

No comments yet

Add Comment
Your comment is reviewed before being published

Other users also were interested in the following titles:


This text can be quoted and accessed from this url:

http://www.grin.com/e-book/23037/umgang-mit-krankheit-in-fremden-kulturen-und-der-einfluss-kultureller-aspekte
please wait Please wait