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Diploma Thesis, 2002, 84 Pages
Author: Dr. Monique Zimmermann-Stenzel
Subject: Sociology - Individual, Groups, Society
Details
Tags: Geteiltes, Leid, Eine, Untersuchung, Einfluss, Netzwerkes, Mortalitätsrisiko, Berücksichtigung, Stressexposition
Year: 2002
Pages: 84
Grade: 2,0
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-26274-3
ISBN (Book): 978-3-638-74422-5
File size: 801 KB
Diese Arbeit ist eine empirische Untersuchung über de Einfluss des sozialen Netzwerkes auf das Mortalitätsrisiko unter Berücksichtigung der Stressexposition. Eine Kurzform und die Ergebnisse der Diplomarbeit wurden im Oktober 2002 in einer Fachzeitschrift veröffentlicht.
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Abstract
Seit einigen Jahrzehnten ist die Rolle des sozialen Netzwerkes in Bezug auf das Morbiditäts- und Mortalitätsrisiko Gegenstand des Interesses. So ist der Einfluss sozialer Netzwerke sowohl auf die psychische als auch körperliche Gesundheit empirisch belegt. Ebenfalls wurde in internationalen Studien nachgewiesen, dass diese sozialen Netzwerke auch einen Effekt auf das Mortalitätsrisiko ausüben. Demgemäß haben sowohl Alleinlebende als auch einsame und sozial isolierte Personen unter sonst gleichen Bedingungen ein höheres Mortalitätsrisiko als Personen, die sozial integriert sind und über ein großes soziales Netzwerk verfügen. Gemäß vieler Erhebungen und Befragungen fühlt sich ein großer Anteil von Menschen durch Stress fast täglich belastet. Sowohl alte als auch junge Menschen sind davon im privaten sowie im beruflichen Bereich betroffen: Arbeiter, Angestellte und Manager in Betrieben, Mütter, Polizisten, Krankenschwestern, Ärzte, Lehrer. Kaum ein Beruf ist ausgenommen. Doch ist es für ein Individuum generell eher vorteilhaft, wenn es durch Angehörige der Familie, Freunde, Bekannte und Arbeitskollegen durch Gespräche und Zuwendungen seelischen Halt und Unterstützung erhält, oder nur während belastenden Lebenssituationen? Die vorliegenden empirischen Analysen bestätigen -unter Berücksichtigung der Differenzierung zwischen funktionalem, strukturellem Netzwerk und dem Social Network Index nach Berkman - die mortalitätsreduzierende Wirkung sozialer Beziehungen. Bemerkenswert ist, dass soziale Beziehungen einen mortalitätssenkenden Effekt aufweisen unabhängig von Stress bzw. sozialen Belastungen.
Excerpt (computer-generated)
Geteiltes Leid ist halbes Leid?
Eine empirische Untersuchung
zum Einfluss des sozialen Netzwerkes auf das Mortalitätsrisiko
unter Berücksichtigung der Stressexposition
Diplomarbeit
im Studiengang Soziologie
Institut für Soziologie
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
eingereicht von
Monique Zimmermann
Heidelberg, den 27.03.2002
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG ... 6
1.1 EINFÜHRUNG IN DIE THEMATIK ... 6
1.2 FRAGESTELLUNG UND AUFBAU DER ARBEIT ... 7
2 THEORETISCHER FORSCHUNGSSTAND ... 9
2.1 DIE DIREKTEFFEKT-THESE: BEZIEHUNGEN UND SOZIALE NETZWERKE ALS EINFLUSSFAKTOREN DES MORTALITÄTSRISIKOS ... 9
2.1.1 Inhaltliche Typologie sozialer Unterstützung ... 10
2.1.2 Merkmale und Qualität von Beziehungen und Netzwerken ... 12
2.2 STRESS ALS EINFLUSSFAKTOR DES MORTALITÄTSRISIKOS ... 14
2.3 DIE PUFFEREFFEKT-THESE: SOZIALE NETZWERKE UND STRESS ALS INTERAGIERENDE EINFLUSSFAKTOREN DES MORTALITÄTSRISIKOS ... 17
2.3.1 Wahrnehmung von Stress als Belastung ... 18
2.3.2 Umgang mit Stress ... 19
2.3.3 Ansatzpunkte sozialer Unterstützung in stressvollen Situationen ... 20
2.4 ZUSAMMENFASSUNG ... 21
3 EMPIRISCHER FORSCHUNGSSTAND ... 23
3.1 STAND DER FORSCHUNG HINSICHTLICH SOZIALER NETZWERKE ALS EINFLUSSFAKTOREN DES MORTALITÄTSRISIKOS (DIREKTEFFEKT-THESE) ... 23
3.2 STAND DER FORSCHUNG HINSICHTLICH SOZIALER NETZWERKE UND STRESS ALS INTERAGIERENDE EINFLUSSFAKTOREN DES MORTALITÄTSRISIKOS (PUFFEREFFEKTTHESE) ... 25
3.3 ZUSAMMENFASSUNG ... 28
4 DATEN UND METHODE ... 30
4.1 DATENGRUNDLAGE UND DATENBESCHRÄNKUNG ... 30
4.2 OPERATIONALISIERUNGEN ... 31
4.3 METHODEN ... 36
5 EMPIRISCHE ERGEBNISSE ... 38
5.1 DESKRIPTIVE ANALYSE ... 38
5.1.1 Überlebensstatus nach vorhandenen Netzwerkressourcen ... 38
5.1.2 Überlebensstatus nach der Stressexposition ... 40
5.1.3 Überlebensstatus nach vorhandenen Netzwerkressourcen und Stressexposition ... 43
5.2 ERGEBNISSE DER EREIGNISDATENANALYSE ... 53
5.2.1 Der Einfluss von Netzwerkstrukturen und Stress auf das Mortalitätsrisiko und die empirische Überprüfung der Direkteffekt-These ... 53
5.2.2 Der Einfluss der Interaktionen von Netzwerken und Stress auf das Mortalitätsrisiko und die empirische Überprüfung der Puffereffekt-These ... 61
6 DISKUSSION ... 66
7 ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK ... 71
8 LITERATUR ... 74
ANHANG ... 80
1 Einleitung
1.1 Einführung in die Thematik1
Seit einigen Jahrzehnten ist die Rolle des sozialen Netzwerkes in Bezug auf das Morbiditäts- und Mortalitätsrisiko Gegenstand des Interesses. So ist der Einfluss sozialer Netzwerke sowohl auf die psychische als auch körperliche Gesundheit empirisch belegt (Cohen/Wills 1985: 322 ff.; Wills 1997: 169 f.; Hibbard/Pope 1993: 217). Ebenfalls wurde in internationalen Studien nachgewiesen, dass diese sozialen Netzwerke auch einen Effekt auf das Mortalitätsrisiko ausüben (Baumann et al. 1998; Blazer 1982; Berkman/Syme 1979; Sugisawa/Liang/Liu 1994). Demgemäß haben sowohl Alleinlebende als auch einsame und sozial isolierte Personen unter sonst gleichen Bedingungen ein höheres Mortalitätsrisiko als Personen, die sozial integriert sind und über ein großes soziales Netzwerk verfügen (Baumann/Filipiak/Stieber et al. 1998: 184; Penninx et al. 1997: 510).
Generell kann man die Wirkungsweisen des sozialen Netzwerkes auf das Mortalitätsrisiko so beschreiben, „that a lack of positive social relationships leads to negative psychological states such as anxiety or depression. In turn, these psychological states may ultimately influence physical health either through a direct effect on physiological processes that influence susceptibility to disease or through behavioral patterns that increase risk for disease and mortality” (Cohen/Wills 1985: 311). An dieser Stelle wird deutlich, dass das Netzwerk in erster Linie das psychische Wohlbefinden einer Person beeinflusst, indem diese Person durch positive soziale Beziehungen Unterstützung erfährt. Über die Beeinflussung des Wohlbefindens und über weitere verschiedene Mechanismen der sozialen Unterstützung wirkt so das soziale Netzwerk auf das Risiko zu erkranken oder zu sterben.
Doch üben diese Beziehungen immer einen positiven Effekt aus oder greifen sie nur dann unterstützend ein, wenn das psychische Wohlbefinden durch belastende Situationen beeinträchtigt werden könnte? Diese Frage wurde in der Literatur schon häufig als Direkteffekt- versus Puffereffekt-These diskutiert und auch in verschiedenen Studien überprüft (Wilcox 1981; Cohen/Teresi/Holmes 1986; Falk et al. 1992; Baker/Israel/Schurman 1996). Hierbei bezieht sich die Direkteffekt-These nur auf die Größe des Netzwerkes unabhängig von der Stressexposition; die Puffereffekt-These besagt hingegen, dass das soziale Netzwerk nur dann greift, wenn sich eine Person in einer stressvollen Lebenssituation befindet (Cohen/Wills 1985: 310).
Gemäß vieler Erhebungen und Befragungen fühlt sich ein großer Anteil von Menschen durch Stress fast täglich belastet. Sowohl alte als auch junge Menschen sind davon im privaten sowie im beruflichen Bereich betroffen: „Arbeiter, Angestellte und Manager in Betrieben, Mütter, Polizisten, Krankenschwestern, Ärzte, Lehrer. Kaum ein Beruf ist ausgenommen“ (Tausch 1996: 12). Doch ist es für ein Individuum generell eher vorteilhaft, wenn es durch Angehörige der Familie, Freunde, Bekannte und Arbeitskollegen durch Gespräche und Zuwendungen seelischen Halt und Unterstützung erhält, oder nur während belastenden Lebenssituationen?
1.2 Fragestellung und Aufbau der Arbeit
In der vorliegenden Arbeit soll untersucht werden, inwiefern allein das soziale Netzwerk das Mortalitätsrisiko beeinflusst (1. Haupteffekt), bzw. ob die Direkteffekt-These verifiziert werden kann. Des Weiteren soll getrennt von der ersten Untersuchung der Effekt von Stress auf das Risiko zu sterben überprüft werden (2. Haupteffekt). Als dritter Aspekt wird der Interaktionseffekt zwischen sozialem Netzwerk und Stress im Hinblick auf das Mortalitätsrisiko analysiert, d.h. die Auswirkungen, wenn Stress und soziales Netzwerk in Kombination berücksichtigt werden. Dies entspricht der Überprüfung der Puffereffekt- These.
Da jedoch Messungen des sozialen Netzwerkes nur eine geringe Konsistenz aufweisen (Berkman 1985: 246) und es auch keine einheitliche Definition der Netzwerkoperationalisierung gibt, sollen in dieser Arbeit dreierlei Typen des sozialen Netzwerkes gebildet und in die Berechnungen miteinbezogen werden. Des Weiteren sollen zwei Arten der Stressoperationalisierung in der Modellbildung verwendet werden, da es auch hier kein anerkanntes Messinstrument in Bezug auf dauerhaften Stress gibt.
Um die für diese Untersuchung relevanten Begrifflichkeiten zu definieren, wird in Kapitel 2 zunächst der Rahmen der Analysen theoretisch und konzeptionell abgesteckt und die theoretischen Hintergründe beschrieben. Dazu wird zunächst als erster Haupteffekt die Direkteffekt-These dargestellt (Kapitel 2.1) und in diesem Zusammenhang die inhaltliche Typologie sozialer Unterstützung (Kapitel 2.1.1) sowie Merkmale und Qualität von Beziehungen und Netzwerken (Kapitel 2.1.2) erläutert. Als nächstes werden in Kapitel 2.2 zur Verdeutlichung des zweiten Haupteffektes verschiedene Konzepte von Stress vorgestellt und eine für diese Arbeit gültige Definition von Stress gegeben. Danach wird in Kapitel 2.3 die Puffereffekt-These beschrieben, die auf den Interaktionseffekt zwischen sozialem Netzwerk und Stress abhebt. Hierbei wird auch auf die Wahrnehmung von Stress als Belastung (Kapitel 2.3.1), auf den Umgang mit Stress (Kapitel 2.3.2) und auf Ansatzpunkte sozialer Unterstützung in stressvollen Situationen (Kapitel 2.3.3) eingegangen. Es soll in diesen Kapiteln geklärt werden, wie Belastungen wirken, wie wahrgenommene Belastungen bewältigt werden und wo soziale Unterstützung in das Bewältigungsgeschehen eingreift.
Kapitel 3 gibt einen Überblick über den bisherigen Stand der Forschung bezüglich der Einflüsse von sozialem Netzwerk und Stress auf das Mortalitätsrisiko. Hier soll gezeigt werden, wie in den bisherigen Studien soziales Netzwerk und Stress operationalisiert werden und zu welchen Ergebnissen dies geführt hat.
Nach Beschreibung der verwendeten Daten und Methoden (Kapitel 4.1 bzw. 4.3) und der zur Operationalisierung verwendeten relevanten Variablen (Kapitel 4.2), werden die Ergebnisse der Analysen vorgestellt (Kapitel 5). Zunächst werden die deskriptiven Befunde (Kapitel 5.1), dann die Resultate der Ereignisanalyse (Kapitel 5.2) vorgestellt und diskutiert (Kapitel 6). Abschließend wird ein Resümee und ein Ausblick gegeben (Kapitel 7).
2 Theoretischer Forschungsstand2
Im Folgendem werden die der Untersuchung zugrundeliegenden theoretischen Ansätze bezüglich der Direkteffekt- und der Puffereffekt-These vorgestellt. Hierzu werden die Konzepte und Wirkungsmechanismen des sozialen Netzwerkes und des Stresses ausführlich erläutert und Begrifflichkeiten festgelegt.
[...]
1 Dieses Kapitel ist angelehnt an meinen zusammen mit Thomas Klein und Sven Schneider verfassten Artikel „Zum Einfluss sozialer Netzwerke auf die Mortalität unter Berücksichtigung der Stressexposition“, der in der Oktoberausgabe der Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie erscheinen wird.
2 Die Ausführungen zu den theoretischen Ansätzen sind die erweiterten Darstellungen meines gemeinsam mit Thomas Klein und Sven Schneider verfassten Artikels “Zum Einfluss sozialer Netzwerke auf die Mortalität unter Berücksichtigung der Stressexposition“, der aller
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