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Scholary Paper (Seminar), 2004, 33 Pages
Author: Caroline Krätz
Subject: Psychology - Developmental Psychology
Details
Tags: Sterben, Entwicklungsaufgabe, Umgang, Sicht, Sterbenden, Trauernden, Chance, Wachstums
Year: 2004
Pages: 33
Grade: sehr gut
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-26304-7
ISBN (Book): 978-3-638-64782-3
File size: 175 KB
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Abstract
Sterben als Entwicklung? In unserem Verständnis impliziert "Entwicklung" den Übergang auf eine höhere Stufe, eine Entwicklung zum Besseren. Der Glaube an das Jenseits und ein verheißungsvolles Leben nach dem Tod verlor und verliert aber immer mehr an Einfluss - in der Vorstellung der meisten Menschen unseres Kulturkreises endet das Leben mit dem Tod. Deshalb erscheint es paradox, genau in dieser Phase, in der der Körper und oft auch der Geist abbaut, einen letzten Wachstumsprozess anzunehmen. Zwar ist sich der Mensch grundsätzlich und in abstrakter Weise seiner Endlichkeit bewusst - Testamente werden gemacht, Lebensversicherungen für die Hinterbliebenen abgeschlossen, ein Lebenstraum wird realisiert in Hinblick darauf, dass es irgendwann zu spät sein könnte. - Eine konkrete Beschäftigung mit dem Sterbeprozess erfolgt aber gewöhnlich erst durch äußere Auslöser z.B. Krankheit, Tod eines Angehörigen. Trifft einen Menschen die Diagnose des baldigen Todes im hohen Alter, empfindet er selbst und auch die Angehörigen dies meist als gerecht, vielleicht schon erwartet; die durchschnittliche Lebenserwartung liegt heute etwa bei 70 Jahren - es ist also wesentlich wahrscheinlicher, erst im dritten Lebensabschnitt zu sterben, als z.B. zu Anfang des letzten Jahrhunderts, als die Lebenserwartung bei etwa 44 Jahren lag. Der frühe Tod wird in unserer Zeit deshalb meist problematischer, weil unerwartet und ungerecht empfunden. So ist die Verarbeitung des frühen Todes eines Angehörigen, womöglich sogar des eigenen Kindes weit schwieriger (vgl. Baltes+Skrotzki, 1998 S.1137ff). Robert Havighurst formuliert meiner Meinung nach den Begriff der Entwicklungsaufgabe sehr schlüssig: Es ist eine Aufgabe, die dem Individuum in einer bestimmten Phase seines Lebens gestellt ist; das erfolgreiche Meistern dieser Aufgabe führt zu Zufriedenheit und Erfolg beim Lösen der noch kommenden Aufgaben; das Scheitern führt zu Unzufriedenheit und potentiellen Schwierigkeiten bei folgenden Entwicklungsaufgaben. Manche Aufgaben sind biologisch determiniert, z.B. wird von normal entwickelten Kindern das Sprechen im Alter von 2 - 3 Jahren erlernt. Frühere Versuche, dies dem Kind beizubringen, können nichts bewirken, da es die kognitiven Voraussetzungen noch nicht entwickelt hat. Verpasst das Kind diesen Zeitpunkt, z.B. durch Deprivation, kann es diese Lücke später nie vollständig schließen.
Excerpt (computer-generated)
Sterben als Entwicklungsaufgabe:
Der Umgang mit dem Tod aus Sicht des Sterbenden
und des Trauernden und die Chance des persönlichen Wachstums
von: Caroline Krätz
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung: Ein letzter Wachstumsprozess? S. 2
2. Das Erleben des eigenen Sterbens S. 4
2.1 Elisabeth Kübler-Ross und das Phasenmodell des Sterbens S. 4
2.2 Kritische Betrachtung der Arbeit von Elisabeth Kübler-Ross S. 8
3. Die Trauer der Angehörigen S. 12
3.1 Trauer als Wachstumsprozess? S. 12
3.2 John Bowlby und die Bindungstheorie S.13
3.3 Das Phasenmodell der Trauer nach John Bowlby S. 14
3.4 Kritische Betrachtung des Themenkomplexes Trauer bei John Bowlby S. 19
4. Der Umgang mit Tod und Trauer in verschiedenen Kulturen S. 22
4.1 Funktion der Rituale S. 22
4.2 Griechische Klagegesänge S. 24
4.3 Präsenz des Todes in Mexiko S. 25
5. Trauern in unserer Kultur - Hindernisse und Möglichkeiten S. 27
Literaturverzeichnis S. 31
1. Einleitung: Ein letzter Wachstumsprozess?
Sterben als Entwicklung? In unserem Verständnis impliziert "Entwicklung" den Übergang auf eine höhere Stufe, eine Entwicklung zum Besseren. Der Glaube an das Jenseits und ein verheißungsvolles Leben nach dem Tod verlor und verliert aber immer mehr an Einfluss - in der Vorstellung der meisten Menschen unseres Kulturkreises endet das Leben mit dem Tod. Deshalb erscheint es paradox, genau in dieser Phase, in der der Körper und oft auch der Geist abbaut, einen letzten Wachstumsprozess anzunehmen.
Zwar ist sich der Mensch grundsätzlich und in abstrakter Weise seiner Endlichkeit bewusst - Testamente werden gemacht, Lebensversicherungen für die Hinterbliebenen abgeschlossen, ein Lebenstraum wird realisiert in Hinblick darauf, dass es irgendwann zu spät sein könnte. - Eine konkrete Beschäftigung mit dem Sterbeprozess erfolgt aber gewöhnlich erst durch äußere Auslöser z.B. Krankheit, Tod eines Angehörigen.
Trifft einen Menschen die Diagnose des baldigen Todes im hohen Alter, empfindet er selbst und auch die Angehörigen dies meist als gerecht, vielleicht schon erwartet; die durchschnittliche Lebenserwartung liegt heute etwa bei 70 Jahren - es ist also wesentlich wahrscheinlicher, erst im dritten Lebensabschnitt zu sterben, als z.B. zu Anfang des letzten Jahrhunderts, als die Lebenserwartung bei etwa 44 Jahren lag. Der frühe Tod wird in unserer Zeit deshalb meist problematischer, weil unerwartet und ungerecht empfunden. So ist die Verarbeitung des frühen Todes eines Angehörigen, womöglich sogar des eigenen Kindes weit schwieriger (vgl. Baltes+Skrotzki, 1998 S.1137ff).
Robert Havighurst formuliert meiner Meinung nach den Begriff der Entwicklungsaufgabe sehr schlüssig: Es ist eine Aufgabe, die dem Individuum in einer bestimmten Phase seines Lebens gestellt ist; das erfolgreiche Meistern dieser Aufgabe führt zu Zufriedenheit und Erfolg beim Lösen der noch kommenden Aufgaben; das Scheitern führt zu Unzufriedenheit und potentiellen Schwierigkeiten bei folgenden Entwicklungsaufgaben. Manche Aufgaben sind biologisch determiniert, z.B. wird von normal entwickelten Kindern das Sprechen im Alter von 2 - 3 Jahren erlernt. Frühere Versuche, dies dem Kind beizubringen, können nichts bewirken, da es die kognitiven Voraussetzungen noch nicht entwickelt hat. Verpasst das Kind diesen Zeitpunkt, z.B. durch Deprivation, kann es diese Lücke später nie vollständig schließen. Es scheint also einen Entwicklungszeitpunkt zu geben, an dem es biologisch vorgesehen ist, bestimmte Fähigkeiten zu erlernen. Andere Aufgaben sind sozial determiniert, wie z.B. lesen lernen. Es ist weder überlebensnotwendig, überhaupt lesen zu lernen, noch dies zu einem bestimmten Zeitpunkt zu tun. Trotzdem lernen es, zumindest in unserer Gesellschaft, alle Kinder etwa im gleichen Alter. Außerdem gibt es noch persönliche Wünsche und Einstellungen, die Lebensaufgaben formulieren, wie z.B. soziales Engagement (vgl. Havighurst, 1981, S. 1-7).
Sterben und Trauern enthalten alle drei dieser Komponenten. Einerseits treten Krankheiten und Unfälle in jedem Alter auf und haben verschiedene Ursachen, trotzdem hat man im Alter die Gewissheit, nur noch eine gewisse überschaubare Höchstdauer zu leben. Weil die meisten Menschen erst im Alter sterben wird es oft als Entwicklungsaufgabe des dritten Lebensabschnitts bezeichnet.
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