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A. Schneider/M. Dusikova: Leb wohl, Chaja! - I. Hermann/C. Solè-Vendrell: Du wir... close

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A. Schneider/M. Dusikova: Leb wohl, Chaja! - I. Hermann/C. Solè-Vendrell: Du wirst immer bei mir sein. - Eine vergleichende Analyse zum Thema Sterben und Tod im Kinderbuch

Examination Thesis, 2003, 107 Pages
Author: Heike Grobel
Subject: German - Pedagogy, Didactics, Literature Studies

Details

Category: Examination Thesis
Year: 2003
Pages: 107
Grade: 1,7
Language: German
Archive No.: V23252
ISBN (E-book): 978-3-638-26414-3

File size: 504 KB
Notes :
Was tun, um mit Kindern den Tod zu besprechen, das Tabu zu brechen und nicht unnötige und folgenschwere Schreckensbilder zu erzeugen? Bilderbücher sind da ein gutes Mittel. Doch nicht jedes Buch ist geeignet. Vor der Nutzung von Büchern im Unterricht oder privat sollte stets eine genaue und kritische Analyse stehen. Diese findet sich hier - ebenso wie didaktische Überlegungen. Die Arbeit soll Hilfe und Anreiz geben, wie man sich dem Thema Sterben und Tod konstruktiv stellen kann.



Excerpt (computer-generated)

 

A. Schneider/M. Dusikova:
Leb wohl, Chaja!
-
I. Hermann/C. Solè-Vendrell:
Du wirst immer bei mir sein.

Eine vergleichende Analyse
zum Thema
Sterben und Tod im Kinderbuch

Schriftliche Hausarbeit, 

vorgelegt im Rahmen der Ersten Staatsprüfung für das Lehramt für die Primarstufe

von

Heike Grobel

Münster, der 16.10.2003

Inhaltsverzeichnis:

I Einleitung ... 1

II Buchanalyse ‚Leb wohl Chaja′

1. Inhaltliche Analyse
1.1 Inhaltsangabe ... 4
1.2 Authentizität der Sterbe- und Todesdarstellung ... 5
1.3 Veranschaulichungsgrad von Stimmungswerten ... 15
1.4 Lösungs- und Bewältigungsstrategien ... 23
1.5 Kommunikations- und Interaktionsstrukturen ... 30
1.6 Offenheitsgrad bezüglich religiöser Wertmaßstäbe ... 32

2. Stilistische Analyse
2.1 Äußere Aufmachung ... 35
2.2 Aufbau/Struktur ... 37
2.3 Sprache ... 39
2.4 Bildbetrachtung ... 42

3. Stellungnahme und didaktische Überlegungen ... 48

III Buchanalyse ‚Du wirst immer bei mir sein′

1. Inhaltliche Analyse
1.1 Inhaltsangabe ... 51
1.2 Authentizität der Sterbe- und Todesdarstellung ... 52
1.3 Veranschaulichungsgrad von Stimmungswerten ... 56
1.4 Lösungs- und Bewältigungsstrategien ... 71
1.5 Kommunikations- und Interaktionsstrukturen ... 75
1.6 Offenheitsgrad bezüglich religiöser Wertmaßstäbe ... 76

2. Stilistische Analyse
2.1 Äußere Aufmachung ... 80
2.2 Aufbau/Struktur ... 82
2.3 Sprache ... 85
2.4 Bildbetrachtung ... 89

3. Stellungnahme und didaktische Überlegungen ... 93

IV Vergleich der beiden Bücher ... 96

V Schluss ... 99

VI Literaturverzeichnis ... 101

 

I Einleitung
Ganz allein mit sich und der Welt steht das Mädchen mit dem Rücken vor dem Bett ihrer toten Mutter. Nicht Trauer, sondern Entsetzten steht ihr ins Gesicht geschrieben. Mit großen, aufgerissenen Augen starrt es nach vorn – den Betrachtern des Gemäldes ‚Die tote Mutter’ von Edvard Munch direkt ins Gesicht. Mit beiden Händen hält es sich die Ohren zu. Wohin mit dem Schmerz, wohin mit der Angst, wohin mit der Hilflosigkeit dem Tod zu begegnen?
Auch wenn der Tod der Mutter, der Schwester Sophie und des Vaters für Edvard Munch schon lange zurückliegen, sind die Erfahrungen der Kindheit doch so lebendig geblieben, dass sie ihn zum Malen des Bildes ‚Die tote Mutter’ drängten.1 Kinder vergessen nicht!

Ein ungesunder oder fehlender Umgang mit Tod und Sterben kann dazu führen, dass einen der Schmerz ein Leben lang begleitet. Mehr noch, er kann auf Dauer so krank machen, dass ein ‚normales’ Leben nicht mehr möglich ist. „Persönliche Beziehungen werden leicht brüchig. Soziale Isolierung und Einsamkeit fördern eine depressive Entwicklung, die von schier endlos erscheinender Trauer nicht mehr loskommt. Am Ende mag das Leben des heil- und hilflosen Trauernden durch Selbsttötungsgedanken vielleicht selbst gefährdet sein.“2
So muss das kleine Mädchen auf Munchs Bild ‚Die tote Mutter’ die Trauer durchleben und durchleiden. Nur so wird sie ihren Schmerz und ihre Hilflosigkeit überwinden. Der Tod ist allgegenwärtig. Er zieht sich wie ein Kette vieler kleiner Tode in Form von Abschied, Trennung und Verlust durch unser gesamtes Leben. Weglaufen ist somit nicht möglich und auf gar keinen Fall gesund.

Ich selbst weiß, dass mir, durch ein Ereignis in meiner Kindheit, der gesunde Umgang mit dem Thema Tod sehr schwer gemacht wurde und dass ich dadurch bis heute große Schwierigkeiten mit Abschied, Trauer, Tod und Sterben habe. Gerade darum ist es mir wichtig, mich mit dem Thema in Form von Bilderbüchern auseinander zu setzten. Sicherlich zum Teil, um mir selbst ein Stück Stärke zu geben, um zu verarbeiten und die Gefühle in mir zu ordnen, doch im Wesentlichen, um später im Berufsleben den Kindern in der Schule die Möglichkeit zu geben, ein gesundes Verhältnis zum Thema Tod aufzubauen.

Obwohl die Darstellung von Sterben und Tod in der Kinderliteratur und in anderen Medien längst kein Tabuthema mehr ist, hat der Tod nahestehender Menschen nichts von seinem Schrecken eingebüßt.3


„Die Mediengesellschaft bringt den Tod zwar täglich massenhaft ins Haus; durch die Abgrenzung der Lebensbereiche voneinander sind jedoch die unmittelbaren Erfahrungsmöglichkeiten mit Sterben und Tod im sozialen Umfeld weitgehend verlorengegangen.“4

Um so wichtiger ist es, das Schweigen zu durchbrechen und Kindern so die Gelegenheit zu geben ihren Fragen und Ängsten Ausdruck zu verleihen. Bilderbücher können hier eine gute Brücke bilden, indem sie mit ihren Geschichten und ihren Bildern Kindern und Erwachsenen helfen die richtigen Worte zu finden.
Vor jedem Einsatz eines Buches zur Bearbeitung von Trauer und Tod steht jedoch eine genaue Analyse und Betrachtung, da nicht jedes Buch geeignet ist und ein falsches Buch die Angst und den Schrecken von Kindern vor dem Tod noch verstärken kann.
Im Folgenden werde ich das Buch ‚Leb wohl, Chaja!’ von Antonie Schneider und Maja Dusíková sowie das Buch ‚Du wirst immer bei mir sein’ von Inger Hermann und Carme Solé-Vendrell auf genau diesen Nutzen im Umgang mit Trauer, Sterben und Tod hin überprüfen und vergleichen.

Die genaue Analyse der Bilderbücher werde ich jeweils in drei Teile staffeln: die inhaltliche, die stilistische und die didaktische Analyse.
Für die inhaltliche Analyse nutze ich größtenteils die Kriterien zur Analyse von Bilderbüchern aus dem Buch ‚Kind und Tod’ von Martina Plieth. Die Kriterien beziehen sich auf Todesdarstellung, Gefühlsdarstellung, Bewältigungsstrategien, Kommunikations- und Interaktionsstrukturen ebenso wie auf die Verträglichkeit mit religiösen Wertmaßstäben. Ich halte die Kriterien für sehr gelungen und denke, dass sie die wichtigsten Punkte zur Analyse von Bilderbüchern beinhalten. In der stilistischen Analyse werde ich mich mit dem Aufbau / der Struktur, der Sprache und der Analyse der Bilder beschäftigen. Gerade in der Betrachtung der Bilder (sowohl der sprachlich-symbolischen als auch der bildlichen) liegt in Bilderbüchern ein besonderes Gewicht.

Schließen werde ich die Analysen mit meinen didaktischen Überlegungen bezüglich des jeweiligen Bilderbuches. Der Punkt der didaktischen Überlegungen beinhaltet meine Stellungnahme zum Nutzen des Buches bezüglich der Stärkung von Kindern zum gesunden Umgang mit dem Thema Tod.

Am Ende der Arbeit steht, nach dem Vergleich der beiden Bilderbücher, der Schluss gefolgt vom Literaturverzeichnis und der Eidesstattlichenerklärung.

Um Übersichtlichkeit zu gewährleisten, werde ich im folgenden lediglich die männliche Form verwenden. Die weibliche Form ist selbstverständlich darin eingeschlossen.

II Buchanalyse ‚Leb wohl Chaja’
1. Inhaltliche Analyse
1.1 Inhaltsangabe
Das Bilderbuch ‚Leb wohl, Chaja!’ von Antonie Schneider und Maja Dusíková, beschreibt den Tod eines geliebten Haustieres und einer Großmutter sowie den Umgang der hinterbliebenen Verwandten mit der Trauer.

Als Oma zu Papa, Mama, Mira und Valentin zieht, bringt sie in einer Schachtel den kleinen Vogel Chaja, übersetzt ‚Leben’, mit. Die Kinder und die Oma haben viel Spaß mit Chaja, bis der kleine Vogel eines Tages plötzlich nicht mehr so munter auf der Stange in seinem Käfig sitzt wie sonst. Die Oma baut Chaja ein Nest aus Watte und Wolle und bettet ihn darin, doch am nächsten Morgen wacht der Vogel nicht mehr auf. Chaja ist tot. Die Kinder begraben Chaja, zusammen mit der ganzen Familie, im Garten. Valentin und Mira sind sehr traurig, aber die Oma tröstet sie und erklärt ihnen, dass Chaja in den Erinnerungen weiterlebt, weil ihn alle in der Familie sehr lieb gehabt haben.

Mit der Zeit wird die Oma immer schwächer und müder, sie kann sich kaum noch zum Fenster bewegen. Die Kinder verbringen sehr viel Zeit mit ihr. Sie spielen, reden oder hören ihren Geschichten zu. Doch eines Tages liegt sie ganz still im Bett - ‚Sie schläft, wie Chaja’. Valentin und Mira sind sehr traurig und weinen. Als Trost gibt ihnen die Mutter ein von der Oma selbst hergestelltes und extra für die Kinder hinterlassenes Heft mit Geschichten und Fotos von Chaja. Mit den Worten, dass sie ihre Oma lieb habe, setzt sich Mira mit ihrem Bruder Valentin in den Sessel und schaut sich mit ihm das Erinnerungsheft an.

[...]


1 Vgl. Hubertus Halbfas: Religionsunterricht an Sekundarschulen. Lehrerhandbuch 10. Düsseldorf: Patmos-Verlag, 1992. S. 373f.

2 Daum, Egbert/Johannsen, Friedrich: Werte und Normen. Ethik/Religion. Band 6. Leben – Sterben – Tod. Göttingen: Vandenhoeck und Ruprecht, 1993 (Künftig zitiert als: Daum/Johannsen: Leben - Sterben - Tod) S. 15

3 Vgl. Deutscher Verband Evangelischer Büchereien (hrsg.): „Vom Weinen kriegt man keinen Durst.“ Sterben und Tod im Kinderbuch. Als Beilage in: Der Evangelische Buchberater. Heft 3/2002. DEVB: Göttingen, 2002. S. 2

4 Daum/Johannsen: Leben - Sterben – Tod. S. 9


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