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Thesis (M.A.), 1997, 71 Pages
Author: Astrid Leszinski
Subject: English Language and Literature Studies - Literature
Details
Tags: Formen, Funktionen, Kapitelüberschriften, Roman, Jahrhunderts
Year: 1997
Pages: 71
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 104 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-10180-6
File size: 273 KB
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Excerpt (computer-generated)
Formen und rezeptionslenkende Funktionen der
synoptischen Kapitelüberschriften in den Romanen
Henry Fieldings
Hausarbeit zur Erlangung des
Grades eines Magister Artium
vorgelegt von
Astrid Leszinski
Köln, den 31.01.1997
INHALTSVERZEICHNIS 2
I. KAPITEL: EINFÜHRUNG IN DIE PROBLEMSTELLUNG, METHODIK, ZIELSETZUNG UND FORSCHUNGSLAGE 4
1. Problemstellung und Zielsetzung der Arbeit 4
2. Theoretischer Referenzrahmen und methodische Vorüberlegungen 7
3. Forschungsbericht zu den Formen und Funktionen synoptischer Kapitelüberschriften 9
II. KAPITEL: TYPOLOGIEN VON FORMEN UND FUNKTIONEN DER KAPITELÜBERSCHRIFTEN IM ROMAN 13
1. Literaturgeschichtliche und erzähltheoretische Einordnung der Kapitelüberschriften13
1.1 Zu Ursprung und Entwicklung der Kapitelüberschrift 13
1.2 Relation zwischen synoptischer Kapitelüberschrift und Text: Bedeutung und Relevanzabschätzung für den Roman16
2. Klassifikation verschiedener Erscheinungsformen der synoptischen Kapitelüberschrift21
2.1 Dominant fiktionsbezogene Überschriften 22
2.2 Dominant rezeptionsbezogene Überschriften 23
2.3 Dominant metafiktionsbezogene Überschriften 25
3. Typologie rezeptionslenkender Funktionen der synoptischen Kapitelüberschrift27
3.1 Informationsvergabe und Spannungsaufbau 27
3.2 Sympathie- und Antipathielenkung 30
3.3 Beeinflussung der Intensität der Rezeption 32
3.4 Aufforderung zur aktiven Mitarbeit am Produktionsprozeß 35
4. Relationen zwischen Formen und Funktionen von Kapitelüberschriften 36
III. KAPITEL: DIE BEDEUTUNG DER SYNOPTISCHEN KAPITELÜBERSCHRIFTEN IN DEN ROMANEN HENRY FIELDINGS38
1. Einführung in die Textkonstitution und Rezeptionsästhetik der Romane Henry Fieldings 38
2. Joseph Andrews: Fiktion oder Authentizität? Kontrastive Wirklichkeitsvermittlung als Strukturprinzip der Überschriften 41
3. Jonathan Wild: Hyperbolische Sympathielenkung zur Potenzierung von Ironie 56
4. Tom Jones: Demonstrative Fiktionalität und explizite Aufforderungen zur individuellen Sinnkonfiguration 65
5. Amelia: Relevanzminderung der Synopse und Affektaktivierung des Rezipienten 73
IV. KAPITEL: ZUSAMMENFASSUNG UND SCHLUßBETRACHTUNG DER ERGEBNISSE 81
1. Diachrone Veränderungen im Gebrauch der Kapitelüberschriften in den Romanen Henry Fieldings 81
2. Relevanz der Untersuchung und Ergebnisse für die Fielding-Forschung und die Romananalyse 84
LITERATURVERZEICHNIS 86
1. Primärtexte
2. Sekundärliteratur
2.1 Sekundärliteratur zu Kapitelüberschriften und Titeln
2.2 Sekundärliteratur zu Henry Fielding
2.3 Weitere Sekundärliteratur
I. KAPITEL: EINFÜHRUNG IN DIE PROBLEMSTELLUNG, METHODIK,
ZIELSETZUNG UND FORSCHUNGSLAGE
1. PROBLEMSTELLUNG UND ZIELSETZUNG DER ARBEIT
[...] FIRST, THOSE LITTLE SPACES BEWEEN OUR CHAPTERS MAY BE LOOKED UPON AS AN INN OR RESTING-PLACE WHERE HE MAY STOP AND TAKE A GLASS OR ANY OTHER REFRESHMENT AS IT PLEASES HIM. [...]. SECONDLY,WHAT ARE THE CONTENTS PREFIXED TO EVERY CHAPTER BUT SO MANY INSCRIPTIONS OVER THE GATES OF INNS (TO CONTINUE THE METAPHOR), INFORMING THE READER WHAT ENTERTAINMENT HE IS TO EXPECT, WHICH IF HE LIKES NOT, HE MAY TRAVEL ON TO THE NEXT; [...]. 1
Im ersten Kapitel des zweiten Buchs von Joseph Andrews (im folgenden abgekürzt als
JA
) erklärt Fielding Sinn und Nutzen der Einteilung eines Romans in Kapitel, sowie das Setzen von Überschriften und erläutert die traditionellen Funktionen dieser Konventionen: Kapitel und deren Überschriften erleichtern dem Leser die Orientierung und geben ihm Zeit zum Nachdenken, Pausieren und Reflektieren. Außerdem bietet die Überschrift eines Kapitels dem Leser die Möglichkeit, das folgende Kapitel zu überspringen, falls die Vorinformationen nicht mit den Erwartungen oder dem Interesse des Lesers übereinstimmen. Fielding nennt also eine Reihe von Aufgaben, die die synoptische Kapitelüberschrift, d.h. die inhaltsresümierende Überschrift, erfüllen kann. Die Leistungen der Kapitelüberschrift, die auf mannigfaltige Weise auf den Leser und den Leseprozeß einwirken können, sind damit jedoch nicht erschöpft.
Obwohl die romantheoretischen Überlegungen Fieldings in den Anfangskapiteln jedes Buches von JA als Schlüssel zu seiner Romankonstitution fungieren und daher in der Sekundärliteratur einen wichtigen Analyseansatz für sein Werk bilden, sind die Untersuchungen zu seinen Theorien über Kapiteleinteilung und Überschriften defizitär. Fieldings Erläuterungen zu potentiellen Funktionen der Kapitelüberschrift befriedigten offensichtlich das Erkenntnisinteresse der Forschung an weiteren Aufgaben und Leistungen dieses Gestaltungsmittels, da außer den vom Autor selbst genannten Kriterien bislang kaum Darstellungen der variantenreichen Kapitelüberschrift vorhanden sind. Es überrascht daher nicht, daß auch die Beschäftigung mit Kapitelüberschriften im allgemeinen in der Literatur- und Textwissenschaft eine untergeordnete Rolle spielt.
In der vorliegenden Arbeit soll daher das Phänomen der synoptischen Kapitelüberschrift systematisch anhand einer deduktiven Analyse erschlossen werden. Dazu zählt auch die Benennung der Unterschiede von Werktitel und Kapitelüberschrift, da während der Vorbereitung zu dieser Untersuchung festgestellt wurde, daß diese Phänomene in der Sekundärliteratur oftmals undifferenziert oder synonym behandelt werden. Es hat sich jedoch gezeigt, daß bei der Betrachtung von Titeln und synoptischen Überschriften terminologische, methodische und interpretatorische Differenzierungen erforderlich sind.
Aufgrund des Mangels an Untersuchungen zu generell konstitutiven Merkmalen von Kapitelüberschriften des Romans ist es notwendig, einen großen Teil der Überlegungen formalen Aspekten und Kennzeichen der Überschrift zu widmen. Es sollen allgemeine Raster von Formen und Grundfunktionen synoptischer Kapitelüberschriften erstellt werden, die dann als Analysekategorien für die exemplarische Untersuchung der Fielding′schen Romane fungieren, aber auch auf andere Romane mit Kapitelüberschriften appliziert werden können. Ein weiteres Ziel der Arbeit besteht darin zu zeigen, daß das Wirkungspotential der Kapitelüberschrift weit über konventionelle Verständnisweisen hinausragt und sich vorrangig auf rezeptionsästhetischer Ebene manifestiert. Die rezeptionslenkenden Funktionen der Kapitelüberschriften systematisch zu erfassen gilt hier als eine Aufgabe, die darauf zielt, Bedingungen für das Verstandenwerden, wie sie im fiktionalen Text gegeben sind, herauszuarbeiten.
Die Interpretation der Romane Fieldings soll anschließend eine diachrone Veränderung des Gebrauchs von Formen und Funktionen der Kapitelüberschriften herausstellen und so die These untermauern, daß Überschriften sich nicht in ihren Aufgaben als Ruhepause und Gedächtnisstütze erschöpfen, sondern werkspezifische Merkmale enthalten, die den Leser zu bestimmten Rezeptionshandlungen motivieren können.
Im Zeitraum des 18. Jahrhunderts findet die Gattung Roman ihre volle Gestaltung und Prägung. Das Spektrum unterschiedlicher Erscheinungsformen von Überschriften in dieser Epoche ist sehr groß. Es ist deshalb im Rahmen dieser Arbeit nicht möglich, eine umfassende und lückenlose Darstellung von Entwicklungen der Kapitelüberschriften innerhalb der gesamten Epoche zu leisten. Die Berücksichtigung eines einzelnen Autors erweist sich als sinnvoller. Mit den Werken Henry Fieldings kann das vollständige Romanwerk eines Autors untersucht werden, der all seine Romane in Bücher und Kapitel gliedert und diesen synoptische Kapitelüberschriften voransetzt. Zudem umfaßt der Zeitraum seines literarischen Schaffens eine Periode, die den Übergang von Aufklärung, bzw. Klassizismus, zu Empfindsamkeit bildet und deshalb eine diachrone Veränderung der Romane bezüglich ihres Gebrauchs von Kapitelüberschriften vermuten läßt. Ausgehend von einer textimmanenten Analyse seiner Romane sollen Formen und Leistungen der Kapitelüberschriften schließlich im historischen und gattungsspezifischen Kontext erfaßt werden. Weiterhin werden bestimmte Bedingungen ermittelt, denen die Überschriften bezüglich der Gestaltung des Gesamtwerks unterliegen. Hauptziel der Arbeit ist es, kein weiteres Paradigma einer ephemeren textuellen Erscheinung zu offerieren, sondern zu zeigen, daß Kapitelüberschriften gattungskonstituierende Phänomene sind, die die Rezeption eines Textes ebenso beeinflussen können wie konventionelle textuelle Gestaltungsmittel.
Abschließend sei an dieser Stelle der terminologische Gebrauch erläutert. Der Terminus Titel verweist in der vorliegenden Arbeit stets auf die Benennung des epischen Gesamtwerks eines Autors. Ist das Werk in einzelne große Textabschnitte gegliedert, so sind dies die Bücher oder Volumina. Die Volumina können durch typographische oder numerale Trennungen markiert werden, ihnen kann aber auch eine Überschrift vorangehen, die hier als Buchüberschrift bezeichnet wird. Sind die Bücher in kleinere Textabschnitte, in Kapitel, untergliedert, so ist die primäre Voraussetzung für das Auftreten von Kapitelüberschriften gegeben. Diese können aus Zahlen, Mottos, Sentenzen, Einworttiteln oder Summaren bestehen, wobei letztere als synoptische Kapitelüberschriften bezeichnet werden. Sie zeichnen sich dadurch aus, daß sie aus mehr als einem Wort bestehen und per definitionem den Inhalt des ihnen folgenden Kapitels kurz resümieren.
Dieses Kapitel ist ihr Bezugstextoder Folgetext, da Überschrift und Kapitel in einer "syntagmatischen Beziehung" (Tschauder 1991: 295) zueinander stehen. Da in der vorliegenden Arbeit synoptische Kapitelüberschriften im Zentrum der Untersuchung stehen, wird diese ausführliche Bezeichnung nur dann gewählt, wenn eine Abgrenzung zu anderen Formen von Überschriften erforderlich scheint, sonst beschränkt sich die Terminologie auf ′Überschrift′ oder ′Kapitelüberschrift′.
Der von Hellwig (1984: 1) offerierte Terminus "Ko-Text" erweist sich nicht als beschreibungsadäquat, da er suggeriert, daß der Inhalt des Kapitels dem der Überschriften untergeordnet ist. Die vorliegende Arbeit geht jedoch von keinem hierarchischen Verhältnis dieser Textelemente aus.
1 Henry Fielding, Joseph Andrews, II,1, 123f.
2 Vgl. zur Definition von Synopse und synoptischer Überschrift Stanzel (1995: 40-66) und Kapitel II, 1.2 dieser Arbeit.
3 Fast jede Studie zur Erzähltheorie und Romanstruktur von JA nimmt Fieldings Einleitungskapitel als Ausgangspunkt für weitere narratologische Analysen. Ausschließlich mit diesen Kapiteln befaßt sich Chibka (1990). Vgl. dazu auch Kaplan (1973), der die Einleitungskapitel von TJ ins Zentrum seiner Betrachtung stellt.
4 Dies entspricht der traditionellen Form der Synopse. Bei näherer Betrachtung der Formenvielfalt der synoptischen Kapitelüberschrift werden sich Abweichungen dieser Definition feststellen lassen, so z.B. der Bezug auf ein vorhergehendes Kapitel.
5 Der von Hellwig (1984: 1) offerierte Terminus "Ko-Text" erweist sich nicht als beschreibungsadäquat, da er suggeriert, daß der Inhalt des Kapitels dem der Überschriften untergeordnet ist. Die vorliegende Arbeit geht jedoch von keinem hierarchischen Verhältnis dieser Textelemente aus.
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