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Examination Thesis, 2003, 63 Pages
Author: Meike Brinkmann
Subject: Regional History and Geography (Basic Primary School Pedagogy)
Details
Tags: Interkulturelles, Lernen, Sachunterricht, Beispiel, Unterrichtseinheit, Kinder, Indien, Grundschulklasse
Year: 2003
Pages: 63
Grade: 1
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-26887-5
File size: 408 KB
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Excerpt (computer-generated)
Hausarbeit
zur zweiten Prüfung für das Lehramt an
Grund-, Haupt- und Realschulen gemäß §13 PVO - Lehr
II vom 18.10.2001
Interkulturelles Lernen im Sachunterricht
dargestellt am Beispiel der Unterrichtseinheit
„Kinder in Indien“ in einer 3. Grundschulklasse
Eingereicht von:
Meike Brinkmann
(Lehreranwärterin)
Fach: Sachunterricht
Bremen, den 22.07.2003
„Wo sich Menschen unterschiedlicher Sprache,
Herkunft und Weltanschauung begegnen, wo
sie zusammen leben oder sich
auseinandersetzen, verändern und entwickeln
sich auch Weltbilder und Wertsysteme:
Kulturen bilden ein sich veränderndes
Ensemble von Orientierungs- und
Deutungsmustern, mit denen Individuen ihre
Lebenswelt gestalten. Moderne Gesellschaften
sind daher auch in kultureller Hinsicht
komplex und pluralistisch.“
Aus: Empfehlung der Kultusministerkonferenz
„Interkulturelle Bildung und Erziehung in der
Schule“ vom 25.10.1996
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG ... 1
2. INTERKULTURELLES LERNEN IM SACHUNTERRICHT ... 2
2.1 Begriffsbestimmung unter historischer Perspektive ... 2
2.2 Didaktische Überlegungen zum interkulturellen Lernen ... 4
2.2.1 Lernvoraussetzungen bezüglich der Thematik ... 4
2.2.2 Begründung des interkulturellen Lernens in der Grundschule ... 5
2.2.2.1Stellung der Thematik innerhalb des Bildungsauftrags ... 6
2.2.3 Aufgaben und Ziele interkulturellen Lernens ... 7
2.3 Möglichkeiten und Grenzen bei der Umsetzung interkulturellen Lernens im Unterricht ... 9
2.4 Konsequenzen für die Unterrichtseinheit ... 12
3. VORÜBERLEGUNGEN ZUR UNTERRICHTSEINHEIT ... 13
3.1 Außerschulische und schulische Rahmenbedingungen ... 13
3.2 Zur Lernausgangslage der Klasse ... 14
3.2.1 Zur Situation der Lerngruppe sowie allgemeine Lernvoraussetzungen ... 14
3.2.2 Fach- und inhaltsspezifische Lernvoraussetzungen ... 15
3.3 Sachanalyse ... 16
3.4 Didaktische Strukturierung ... 18
3.4.1 Didaktische Begründungen ... 18
3.4.2 Zielsetzungen der Unterrichtseinheit ... 21
3.5 Methodische Entscheidungen ... 22
4. DARSTELLUNG DER UNTERRICHTSEINHEIT ... 27
4.1 Aufbau der Einheit ... 27
4.2 Übersicht und Reflexionen der einzelnen Sequenzen der Unterrichtseinheit ... 28
4.2.1 Erste Unterrichtssequenz: Einführung in das Thema - Wir fliegen nach Indien und lernen Gita und ihre Familie kennen (2 Stunden) ... 28
4.2.2 Zweite Unterrichtssequenz: Kleidung in Indien - Wir lernen uns indisch zu kleiden (1 Stunde) ... 31
4.2.3 Dritte Unterrichtssequenz: Wohnen in Indien - Wir stellen indische Hütten her (1 Stunde) ... 33
4.2.4 Vierte Unterrichtssequenz: Essen in Indien - Wir lernen indische Gewürze kennen und essen wie in Indien (2 Stunden) ... 34
4.2.5 Fünfte Unterrichtssequenz: Kinderleben in Indien - Wir lernen, spielen und arbeiten wie Kinder in Indien (5 Stunden) ... 37
4.2.6 Sechste Unterrichtssequenz: Besuch von einer Indienexpertin (1 Stunde) ... 42
4.2.7 Siebte Unterrichtssequenz: Feste und Feiern in Indien - Wir malen Ornamente, bemalen unsere Hände und lernen ein indisches Lied, zu dem wir uns Bewegungen ausdenken (3 Stunden) ... 43
4.2.8 Achte Unterrichtssequenz: Vorbereitung und Präsentation der Ergebnisse - Wir bauen Stationen für unsere Parallelklasse auf (2 Stunden) ... 45
4.2.9 Neunte Unterrichtssequenz: Abschluss - Wir verabschieden uns von Gita und fliegen zurück nach Deutschland (1 Stunde) ... 47
5. GESAMTREFLEXION ... 49
5.1 Bemerkungen zum Verlauf der Unterrichtseinheit ... 49
5.2 Auswertung der Unterrichtsergebnisse unter Berücksichtigung der Leitfragen ... 50
5.3 Didaktisch - methodische Konsequenzen ... 52
Anhang
1. Einleitung
Ein längerer Aufenthalt in Spanien eröffnete mir die Möglichkeit verschiedene Aspekte der Kultur Spaniens kennenzulernen. Ich erkannte Unterschiede sowie Gemeinsamkeiten und wurde mir meiner eigenen Sozialisation und der damit zusammenhängenden Abhängigkeit von den Lebensumständen zunehmend bewusst. Insbesondere diese Erfahrungen erweckten bei mir ein Interesse an anderen Kulturen.
Kindern in der Schule möchte ich ermöglichen eine andere Kultur kennenzulernen, unter anderem, weil sie täglich mit Menschen anderer Nationalitäten konfrontiert werden. Ich entschied mich deshalb für eine interkulturelle Thematik, auch wenn eine direkte Begegnung der Schülerinnen und Schüler mit der Kultur im Rahmen der Unterrichtseinheit nicht möglich ist. Die spanische Kultur wähle ich nicht als Lerninhalt, weil die Kultur zwar Unterschiede zur deutschen Kultur zeigt, diese aber nicht sehr offenkundig sind. Eine fremdartigere Kultur ist für interkulturelles Lernen meines Erachtens besser geeignet, wenn Verständnis, Akzeptanz und Toleranz für eine fremde Kultur sowie andere Zielsetzungen des interkulturellen Lernens, die ich erst später aufführe, angebahnt werden sollen. Ich werde mich in der Arbeit auf interkulturelles Lernen in der Grundschule beschränken. Dieses erscheint sinnvoll, denn aufbauend auf den theoretischen Hintergründen, die sich in Kapitel 2 befinden, werde ich eine in der Grundschule durchgeführte Unterrichtseinheit und entsprechende Vorüberlegungen dazu im 3. und 4. Kapitel darstellen.
Mit der folgenden Hausarbeit und der Umsetzung der Unterrichtseinheit „Kinder in Indien“ sollen folgende Leitfragen beantwortet werden:
- Sind Einstellungen und Verhaltensweisen der Schülerinnen und Schüler gegenüber anderen Kulturen und Menschen anderer Nationalitäten durch das Kennenlernen der indischen Lebensweise veränderbar?
- Ist die Auswahl der Themenschwerpunkte und die didaktische Reduktion der Inhalte dem Alter der Kinder und ihren Lernvoraussetzungen angemessen?
- Sind die gewählten methodischen Entscheidungen für die Umsetzung des Themas und das Erreichen der sozialen Ziele geeignet?
2. Interkulturelles Lernen im Sachunterricht
2.1 Begriffsbestimmung unter historischer Perspektive
In diesem Kapitel wird zunächst die Entwicklung von der „Ausländerpädagogik“ zum „Interkulturellen Lernen“ dargestellt, die sich aus Diskussionen und Kritiken gegenüber der Ausländerpädagogik vollzogen hat. Anschließend folgt der Versuch den Begriff zu definieren.
Von der Ausländerpädagogik zum interkulturellen Lernen
1964 hat die Kultusministerkonferenz erstmals auf den Zuzug so genannter Gastarbeiter reagiert. Als Eingliederungsmaßnahme für Kinder der Gastarbeiter fand in den 70ern eine getrennte Beschulung dieser Kinder und der deutschen Kinder statt (vgl. GLUMPLER 1996, S. 28). Das Hauptziel dieses als Ausländerpädagogik bezeichneten Ansatzes war eine schnelle und reibungslose Anpassung der Gastarbeiterkinder an die Anforderungen deutscher Schulen. Der Schwerpunkt lag dabei auf der Sprachförderung. Diese Anpassung wurde zu der Zeit noch als befristetes „Problem“ aufgefasst, da man davon ausging, dass die Gastarbeiter wieder in ihr Heimatland zurückkehren würden (vgl. GLUMPLER 1998, S. 205-207).
Die Kritik an der Ausländerpädagogik kam in den 80ern auf. Erziehungswissenschaftler kritisierten, dass Kinder anderer Nationalitäten ausschließlich als förderbedürftige Bevölkerungsgruppe charakterisiert wurden. Sie forderten, die „Entwicklung einer multikulturellen Gesellschaft“ in Deutschland nicht als „Defizit, Problem oder gar Bedrohung, sondern als kulturelle Bereicherung und als gemeinsame Lernchance“ sowohl für die deutschen als auch für die Kinder anderer Nationalitäten zu verstehen (vgl. ebd. S. 207-209). Aus dieser Kritik heraus wurde die Ausländerpädagogik von der "Interkulturellen Erziehung" abgelöst. Mit dem Namenswechsel waren auch Änderungen der Sichtweise und Zielsetzungen verbunden. Der Versuch einer Definition des Begriffs bzw. des verwandten Begriffs „Interkulturelles Lernen" soll nun folgen.
Begriffsbestimmung
In der Literatur wird häufig der Begriff „Interkulturelle Bildung und Erziehung“ verwendet. Daneben ist vorwiegend in pädagogischen Diskussionen von „Interkulturellem Lernen“ die Rede. Mit GEISZ (2003) bin ich der Meinung, dass Erziehung eher nach von außen oktroyiert klingt, interkulturelles Lernen dagegen einen offenen Prozess mit methodischen Absichten impliziert. Aus diesem Grund habe ich mich entschieden den Begriff „Interkulturelles Lernen“ zu verwenden. Diesen Begriff werde ich gebrauchen, auch wenn die zitierten Autoren von interkultureller Erziehung und Bildung sprechen. Zunächst möchte ich Merkmale interkulturellen Lernens nach KAMMERL & RAGALLER (2001) aufführen.
- Interkulturelle Erziehung versteht Multikulturalität nicht als Defizit oder Problem der deutschen Gesellschaft, sondern als kulturelle Bereicherung und als gemeinsame Lernchance für Kinder deutscher und nicht-deutscher Herkunft.
- Im Zentrum stehen nicht die ethnischen Minoritäten zugeschriebenen Defizite, sondern die ethnische, sprachliche und kulturelle Vielfalt Deutschlands.
- Als oberster Grundsatz gilt die Gleichwertigkeit und Gleichberechtigung der Kulturen.
- Zielgruppe interkultureller Erziehung ist die ganze Schulgemeinde, d.h. Kinder deutscher und nicht-deutscher Herkunft (S. 238). 1).
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