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Seminararbeit, 2000, 23 Seiten
Autor: Petra Leitmeir
Fach: Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Details
Institution/Hochschule: Freie Universität Berlin (Institut für deutsche und niederländische Philologie)
Tags: Ingeborg, Bachmann, Elfriede, Jelinek, Vergleich, Roman, Drehbuch, Gegenwartsliteratur
Jahr: 2000
Seiten: 23
Note: 1
Literaturverzeichnis: ~ 11 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-27085-4
ISBN (Buch): 978-3-638-69191-8
Dateigröße: 242 KB
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Zusammenfassung / Abstract
1991 verfilmt Werner Schroeter den 1971 erschienen Roman ‘Malina’ von Ingeborg Bachmann. Elfriede Jelinek, die sich bereits zuvor intensiv mit Bachmann beschäftigt hat, schreibt das Drehbuch zu der Verfilmung: „Von meiner Beschäftigung mit Bachmann hat man, glaube ich, vorher kaum etwas gewußt“, sagt Jelinek in einem Interview mit Dorothee Römhild. Diese Arbeit interessiert sich für Jelineks Behandlung des „Malina-Stoffes“. Den ersten Teil bildet ein relativ weitgefaßter Blick auf den Roman, um die Komplexität dieses Stoffes aufzuzeigen. Ein Vergleich des Romans mit dem Drehbuch ist auf viele Art und Weisen möglich. Ich habe zwei Aspekte ausgewählt: Erstens vergleiche ich die Struktur des Drehbuchs mit der des Romans, zweitens die Personen des Romans mit denen des Drehbuchs. Auf diese Weise sollen in Jelineks Behandlung des „Malina-Stoffes“ Züge einer „persönlichen Lesart“ nachgewiesen werden, die mit einer persönlichen Schwerpunktsetzung einhergegangen sind. Der letzte Teil meiner Arbeit untersucht die Erzählperspektive bei Bachmann und Jelinek und verbindet diese mit den herausgearbeiteten Unterschiedlichkeiten. Leider muß aus Gründen des Umfangs die Frage nach der filmischen Umsetzung durch Werner Schroeter ausgeklammert werden. Thema dieser Arbeit wird auch nicht sein, die dem Drehbuch innewohnenden Zwänge und Notwendigkeiten aufzuspüren, die durch die Transposition von einem Medium ins andere (vom Buch zum Film) entstanden sind. Der mediale Aspekt bleibt also (weitgehend) ausgeklammert.
Textauszug (computergeneriert)
Ingeborg Bachmann, Elfriede Jelinek "Malina"
Ein Vergleich zwischen Roman und Drehbuch
von: Petra Leitmeir
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Themenkomplexe des Romans 2
3. Das Drehbuch im Vergleich zum Roman 4
3.1. Struktur des Romans und Arrangement der Szenen im Drehbuch 4
3.2. Die Personen im Roman und im Drehbuch 7
3.2.1. Ivan und Malina bei Ingeborg Bachmann 8
3.2.1.1. Ivan
3.2.1.2. Malina
3.2.2. Ivan und Malina bei Elfriede Jelinek 11
3.2.2.1. Ivan
3.2.2.2. Malina
3.2.3. Der Vater bei Jelinek und Bachmann 13
3.2.4. Das Ich/die Frau 15
4. Erzählposition Bachmanns und Jelineks: Zusammenfassung 18
1. Einleitung
1991 verfilmt Werner Schroeter den 1971 erschienen Roman ‘Malina’ von Ingeborg Bachmann. Elfriede Jelinek, die sich bereits zuvor intensiv mit Bachmann beschäftigt hat, schreibt das Drehbuch zu der Verfilmung: „Von meiner Beschäftigung mit Bachmann hat man, glaube ich, vorher kaum etwas gewußt“1, sagt Jelinek in einem Interview mit Dorothee Römhild. Diese Arbeit interessiert sich für Jelineks Behandlung des „Malina-Stoffes“. Den ersten Teil bildet ein relativ weitgefaßter Blick auf den Roman, um die Komplexität dieses Stoffes aufzuzeigen. Ein Vergleich des Romans mit dem Drehbuch ist auf viele Art und Weisen möglich. Ich habe zwei Aspekte ausgewählt: Erstens vergleiche ich die Struktur des Drehbuchs mit der des Romans, zweitens die Personen des Romans mit denen des Drehbuchs. Auf diese Weise sollen in Jelineks Behandlung des „Malina-Stoffes“ Züge einer „persönlichen Lesart“ nachgewiesen werden, die mit einer persönlichen Schwerpunktsetzung einhergegangen sind.
Der letzte Teil meiner Arbeit untersucht die Erzählperspektive bei Bachmann und Jelinek und verbindet diese mit den herausgearbeiteten Unterschiedlichkeiten. Leider muß aus Gründen des Umfangs die Frage nach der filmischen Umsetzung durch Werner Schroeter ausgeklammert werden. Thema dieser Arbeit wird auch nicht sein, die dem Drehbuch innewohnenden Zwänge und Notwendigkeiten aufzuspüren, die durch die Transposition von einem Medium ins andere (vom Buch zum Film) entstanden sind. Der mediale Aspekt bleibt also (weitgehend) ausgeklammert.
2. Themenkomplexe des Romans
„Todesarten” des Weiblichen darstellen zu wollen. So hat Ingeborg Bachmann ihr Anliegen anläßlich der Veröffentlichung ihres Romans „Malina” als Teil eines dreiteiligen Zyklus formuliert2. „′Todesarten des Weiblichen’, das heißt: das Fehlen von Identifikationsmustern des Weiblichen, jenseits dessen, was männliche Phantasie je als ′weiblich’ imaginierte und definierte: die Vereinnahmung des Weiblichen durch das Männliche“3. Das Subjekt in Ingeborg Bachmanns Roman ist gespalten in eine weibliche und eine männliche Hälfte, die sich in einem „permanenten Kriegszustand” befinden. Der Riß, der das weibliche „Ich” von seiner männlichen Hälfte Malina trennt, führt in letzter Konsequenz zu ”ihrer”4 Vernichtung, da das „Ich” alleine nicht lebensfähig ist. Diese Spaltung hat ihre Ursache in der Gesellschaft, welche auf einem logo- und phallozentrischen Weltbild5 aufbaut, und dem „Ich“ keinen Platz zuweist. Sie wird somit zum „allergrößten Mordschauplatz”6.
[...]
1Römhild, Dorothee: Zur Verfilmung von Ingeborg Bachmanns Roman ′Malina′ -ein Gespräch mit Elfriede Jelinek. In: Diskussion Deutsch. Heft 142. Frankfurt/Main 1995, S.136
2Ich schreibe keine Programmusik. Gespräch mit Toni Kienlechner. In: Stoll, Andrea (Hrsg.): Ingeborg Bachmanns ‘Malina’. Suhrkamp. Frankfurt a. M. 1992, S.90
3Lücke, Bärbel: Ingeborg Bachmann, Malina. Oldenbourg Interpretationen. München 1993, S.19
4Um der Weiblichkeit des „Ichs“ Ausdruck zu verleihen, steht hier „ihre“ statt „seine“. So soll verdeutlicht werden, daß die Sprache gerade dort die männliche Form fordern würde, wo es um die Vernichtung eines weiblichen „ich’s“ geht.
5Bärbel Lücke definiert Logo- und Phallozentrismus wie folgt: ”In Anlehnung an die Philosophen Jaques Lacan und Jaques Derrida bezeichnet ‘logozentrisch’ die ‘Hauptströmung des abendländischen Denkens [...] wegen ihrer konsequenten Bevorzugung des logos, des Wortes, als metaphysischer Präsenz’ während der Phallozentrismus ein System kennzeichnet, ’welches den Phallus als Symbol oder Quelle von Macht privilegiert’”; In: Lücke, Bärbel, a.a.O., S.17
6Bachmann, Ingeborg: Malina. Roman. Suhrkamp. Frankfurt/Main. 1971, S.290
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