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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2004, 22 Pages
Author: Petra Leitmeir
Subject: German Studies - Modern German Literature
Details
Institution/College: Free University of Berlin (Institut für deutsche und niederländische Philologie)
Tags: Slavoj, Zizek, Bedeutung, Jouissance, Franz, Kafkas, Kritik, Entwicklungen, Literaturinterpretation
Year: 2004
Pages: 22
Grade: 2
Bibliography: ~ 10 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-27086-1
ISBN (Book): 978-3-638-69192-5
File size: 221 KB
Zizek zufolge verbirgt sich hinter dem mysteriösen Gesetz nichts weiter als Jouissance, ein Begriff, den er von Lacan entleiht und im Sinne eines grenzenlosen Genießens verwendet. Als ein Beispiel für eine psychoanalytisch orientierte Literaturinterpretation wird der Ansatz Slavoj Zizeks erläutert und über die von Zizek zum Beleg ausgewählten Textstellen hinaus, anhand einer Textanalyse überprüft.
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Abstract
Zizek zufolge verbirgt sich hinter dem mysteriösen Gesetz nichts weiter als Jouissance, ein Begriff, den er von Lacan entleiht und im Sinne eines grenzenlosen Genießens verwendet. Als ein Beispiel für eine psychoanalytisch orientierte Literaturinterpretation wird der Ansatz Slavoj Zizeks erläutert und über die von Zizek zum Beleg ausgewählten Textstellen hinaus, anhand einer Textanalyse überprüft.
Excerpt (computer-generated)
Slavoj Zizek
Die Bedeutung von
Jouissance für Franz Kafkas „Prozeß“
von: Petra Leitmeir
Inhaltsverzeichnis
Einführung 2
I) Zizeks Idee von Jouissance als Substanz, aus dem das Gesetz besteht 3
II) Jouissance und die Struktur des Möbiusbands im Prozeß-Roman 7
1) Verhaftung 7
2) Fräulein Bürstner und die Waschfrau 9
3) K. und Leni 12
4) Kinder und Jouissance 15
III) Bewertung und Kritik von Zizeks Deutung 18
Einführung
Für fast alle Interpreten des Prozeß-Romans ist die Frage nach Wesen und Struktur des Gesetzes und der dam it verbundenen „Schuld“ K’s eine zentrale und gleichzeitig, eine unlösbare. In der Türhüterparabel „Vor dem Gese tz“ wird das höchste Gericht, die Quelle des Gesetzes, vor allem durch Abwesenheit und Unerreichbarkeit charakterisiert. Zahlreiche Deutungsverfahren widmen sich dem Problem , die scheinbar unvereinbaren Widersprüche zwischen dem unerreichbaren höchsten Gericht und den „niederen Gerichtskanzleien“ mit denen es K. stattdessen fortwährend zu tun hat, aufzulösen. Die Psychoanalyse erweist sich hierbei auch für nicht-psychoanalytische Interpreten seit jeher als wahre Fundgrube, und sei es nur als „Deutungshintergrund“, auf den gern verwiesen wird, um das Unerklärliche in Kafkas Werk zu fassen, anstatt als explizit verwendete Methode. Ein Beispiel für solch ein Vorgehen bietet die relativ alte Deutung von Emrich: Obwohl er eine Deutung des „Prozeß“ als Traum ganz klar negiert und die Verhaftung als „unentrinnbare Realität“ 1 verstanden wissen will, tendiert er an anderer Stelle trotzdem dazu, das Gericht als psychische Projektion K’s aufzufassen. 2 Sokels Interpretation lehnt sich noch expliziter an der existentiellen Psychoanalyse an. Er sieht in K’s Kampf gegen die niederen Instanzen des Gerichts einen existentiellen Machtkampf, der ihm seine eigene Schwäche vor Augen führt. 3
Zwei Beispiele für explizit psychoanalytische Verfahren bieten Hans Hiebel und Isolde Tröndle. Während Hiebel den Widerspruch zu überbrücken versucht, in dem er Joseph K.’ in einen bewussten und in einen unbewussten Anteil spaltet, 4 versucht Isolde Tröndle das Wesen des Höchsten Gerichts als das der Macht, basierend auf Freud, als das „Anwesend- Abwesende par excellence“ 5 zu bestimmen, welches sich in Blicken konkretisiert. Der Psychoanalytiker und Medientheoretiker Slavoj Zizek begegnet dem Problem der scheinbaren Widersprüche in Kafkas „Prozeß-Roman“ auf eine gänzlich andere W eise. In seiner Deutung beruft er sich zwar ebenfalls hauptsächlich auf Freund und Lacan, jedoch mit anderem Ergebnis: Er trägt den Begriff der jouissance an den Text heran, den er bei Lacan entleiht, und verwendet ihn in seiner Bedeutung als schmutziges, grenzenloses Genießen, Zizek versucht, mittels vergleichender Analyse zweier Textstellen die scheinbaren Widersprüche des „Prozeß“ in der Jouissance aufzulösen und diese über den Mangel zu erklären, welcher entsteht, wenn sich das Loch des Begehrens positiviert.
[...]
1 Emrich 1970, S.270
2 Emrich, 1970, S.271
3 Sokel 1976, S. 166 ff. und 2002, S.228-246
4 Hiebel 1988, S.180 ff.
5 Tröndl e 1989, S.166 ff.
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