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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2003, 34 Pages
Author: Petra Leitmeir
Subject: Communications: Miscellaneous
Details
Institution/College: Free University of Berlin (Institut für Publizistik und Kommunikationswissenschaft)
Tags: Jenseits, Alternativer, Massentourismus, Spaßgesellschaft, Spaß, Gesellschaft
Year: 2003
Pages: 34
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 29 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-27087-8
ISBN (Book): 978-3-638-69193-2
File size: 236 KB
Die Arbeit untersucht Strukturen und Auswirkungen des sogenannten alternativen Massentourismus in seinen verschiedenen Ausprägungen im Zusammenhang mit der Spaßgesellschaft.
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Abstract
„Spaßgesellschaft“ und „Alternativtourismus“: Ein Thema, über das zu schreiben sich letztlich schwieriger gestaltete, als ich vorher angenommen hatte. Mein Grundgedanke war, dass der sogenannte „Alternativtourismus“, den ich im allgemeinen durch die Abkehr vom organisierten Pauschaltourismus definiert und mit Individualtourismus weitgehend gleich gesetzt hatte, auch eine Abkehr von der Spaßgesellschaft bedeuten würde. Die gedanklichen Verbindungen, die ich dabei zog, gehen auf unsere Seminarinhalte zurück: Die im Kontext der „Spaßgesellschaft“ besprochenen Tourismusformen charakterisierten sich durch Künstlichkeit (der Umgebung) und totale Organisiertheit des „Spaßes“: Dabei wird dem Einzelnen jede Entscheidung abgenommen und in gewissem Sinne Gleichmacherei betrieben: All- Inclusive- Erlebnisparks, Eventtourismus à la „Abi-Tours“, Pauschalreisen à la TUI und Neckermann und, in einem etwas weiteren Kontext, die Erlebnis-Einkaufszentren als 100% künstliche Gebilde, in denen man mittlerweile auch seinen Urlaub verbringen kann. Hieraus folgerte ich, dass Alternativ-, und Individualtouristen, deren größter Feind ja in der landläufigen Meinung die „Neckermänner“ sind, sich in Haltung und Reisedurchführung vom oben beschriebenen, „typischen Spaßgesellschaftstourismus“ abwenden würden. Die bestimmenden Faktoren des Alternativtourismus, so dachte ich, seien zum einen Individualität und Unabhängigkeit im Sinne eines selbstbestimmten Reisens, das an keinen Plan gebunden ist, sowie ein tiefergehendes Interesse an Kultur und Natur des besuchten Landes, was zu einem sanfteren, rücksichtsvolleren Reisen und insgesamt zu einer intensiveren Begegnung mit dem jeweiligen Land führen müsste, als dies in den „All - Inclusive- Touristenghettos“ der Fall ist. Meine Recherchen in der Fachliteratur so wie die Rezeption des Films „The Beach“ 1 , der diese Arbeit angeregt hat, ließen jedoch zwei Überraschungen zu Tage treten: Erstens wurde die Argumentation und die Strukturierung der Arbeit dadurch erschwert, dass die Unterscheidungen, die ich zog, nicht so klar sind, wie ich dachte. Zweitens war ich leider in aller Naivität eine m Mythos aufgesessen, der heutzutage kaum noch auf Touristen zutrifft: Der Mythos des naturverbundenen, unabhängigen Abenteurers als „gesellschaftlichem Aussteiger“.
Excerpt (computer-generated)
Jenseits von „TUI“ und „Neckermann“?
„Alternativer“ Massentourismus in der Spaßgesellschaft
von: Petra Leitmeir
Inhaltsverzeichnis
Einführung 1
1.) Definitionen 4
a) Skizze einer problematischen Begriffsbestimmung: Pauschal-, Individual-, Alternativ-, oder Massentourismus? 4
b) Spaß- und Erlebnisgesellschaft 6
2.) Alternativ-, Individual- und Abenteuertouristen und die Urlaubsmotive 8
a) Die Alternativ-, Individual-, und Abenteuertouristen 8
b) Urlaubsmotive 10
c) Exkurs: Das moderne Abenteuer 12
3.) Formen des Individual- und Alternativtourismus (Beispiele) 15
a) Exotik- und Ethnotourismus 15
b) Trekking- und Ökotourismus 18
c) Survivaltourismus 20
d) Partytourismus, Hedonismus und Rucksack-Relaxer 21
4.) Folgen des alternativen Massentourismus der Spaßgesellschaft 23
a) Klischees, Stereotypen 23
b) Durcheinanderbringen des sozialen Gefüges im Gastland 25
c) Ökologische Probleme 26
5.) Fazit und Ausblick 27
Einführung
„Spaßgesellschaft“ und „Alternativtourismus“: Ein Thema, über das zu schreiben sich letztlich schwieriger gestaltete, als ich vorher angenommen hatte. Mein Grundgedanke war, dass der sogenannte „Alternativtourismus“, den ich im allgemeinen durch die Abkehr vom organisierten Pauschaltourismus definiert und mit Individualtourismus weitgehend gleich gesetzt hatte, auch eine Abkehr von der Spaßgesellschaft bedeuten würde. Die gedanklichen Verbindungen, die ich dabei zog, gehen auf unsere Seminarinhalte zurück: Die im Kontext der „Spaßgesellschaft“ besprochenen Tourismusformen charakterisierten sich durch Künstlichkeit (der Umgebung) und totale Organisiertheit des „Spaßes“: Dabei wird dem Einzelnen jede Entscheidung abgenommen und in gewissem Sinne Gleichmacherei betrieben: All- Inclusive- Erlebnisparks, Eventtourismus à la „Abi-Tours“, Pauschalreisen à la TUI und Neckermann und, in einem etwas weiteren Kontext, die Erlebnis-Einkaufszentren als 100% künstliche Gebilde, in denen man mittlerweile auch seinen Urlaub verbringen kann. Hieraus folgerte ich, dass Alternativ-, und Individualtouristen, deren größter Feind ja in der landläufigen Meinung die „Neckermänner“ sind, sich in Haltung und Reisedurchführung vom oben beschriebenen, „typischen Spaßgesellschaftstourismus“ abwenden würden. Die bestimmenden Faktoren des Alternativtourismus, so dachte ich, seien zum einen Individualität und Unabhängigkeit im Sinne eines selbstbestimmten Reisens, das an keinen Plan gebunden ist, sowie ein tiefergehendes Interesse an Kultur und Natur des besuchten Landes, was zu einem sanfteren, rücksichtsvolleren Reisen und insgesamt zu einer intensiveren Begegnung mit dem jeweiligen Land führen müsste, als dies in den „All - Inclusive- Touristenghettos“ der Fall ist. Meine Recherchen in der Fachliteratur so wie die Rezeption des Films „The Beach“ 1 , der diese Arbeit angeregt hat, ließen jedoch zwei Überraschungen zu Tage treten: Erstens wurde die Argumentation und die Strukturierung der Arbeit dadurch erschwert, dass die Unterscheidungen, die ich zog, nicht so klar sind, wie ich dachte. Zweitens war ich leider in aller Naivität eine m Mythos aufgesessen, der heutzutage kaum noch auf Touristen zutrifft: Der Mythos des naturverbundenen, unabhängigen Abenteurers als „gesellschaftlichem Aussteiger“.
In den meisten Fällen findet keine Abkehr von der Spaßgesellschaft statt. Im Gegenteil ist es sogar so, dass die Spaßgesellschaft starken Einfluss auf die Motivationen der Reisenden ausübt: Die Sehnsucht des Einzelnen nach Sp aß im Sinne einer Erlebnisintensität bzw. intensiven Glücksgefühlen, die wiederum letztlich in einer Suche nach sich selbst begründet liegen, trug dazu bei, dass sich im Alternativ- und Individualtourismus Strukturen entwickelten, die ganz gezielt den „Erlebnisfaktor“ der Reise zu potenzieren suchen. Alternativ-, und Individualtouristen unterscheiden sich von den „Neckermännern“ lediglich durch einen höheren Anspruch an das Reis en: Die Suche nach Spaß, die in den „Pauschalhotelburgen“ und den „All- Inclusive- Centers“ eine oberflächliche Erfüllung bildet, wird im Alternativ- und Individualtourismus stark mit der Suche nach dem eigenen Ich verknüpft. Die Erlebnis- und Spaßgesellschaft bildet den ideologischen Boden für diese Entwicklung.
[...]
1 „The Beach“, USA 2000, Regie Danny Boyle: Es geht darin um einen jungen Rucksacktouristen, Richard, (Leonardo Di Caprio), der zusammen mit einem französisch en Pärchen auf der Suche nach der Trauminsel ist. Durch einen Verrückten erhält er eine mysteriöse Karte zu einer angeblich unvorstellbar schönen Insel. Tatsächlich gelangen die drei auch dorthin und finden dort bereits eine Gruppe von Aussteigern vor. Diese hat sich, auf Kosten der einheimischen Bevölkerung, die dies unter der Bedingung toleriert, dass keine weiteren Leute nachkommen, dort eingenistet und frönt unbeschwert dem Party- und Mußeleben. Die Gemeinschaft, durch strenge Regeln von einer Frau geleitet, versucht unter allen Umständen zu verhindern, dass der Spaß ei n Ende findet. Die bei einem Haiangriff verletzten Gemeinschaftsmitglieder werden deshalb einfach in der Wildnis ausgesetzt. Als immer mehr Rucksacktouristen durch eine von Richard sicherheitshalber auf dem Festland zurückgelassene Karte den Weg ins Paradies finden, kommt es zur Eskalation.
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