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Die gesellschaftspolitische Dimension des bundesdeutschen Fußball-WM-Sieges 1954: Eine Analyse der Kölner Tagespresse

Diploma Thesis, 2002, 162 Pages
Author: Paul Fürhoff
Subject: Sport - Media and Communication

Details

Category: Diploma Thesis
Year: 2002
Pages: 162
Grade: 1,3
Language: German
Archive No.: V24238
ISBN (E-book): 978-3-638-27153-0

File size: 1042 KB


Excerpt (computer-generated)

Diplomarbeit

„Die gesellschaftspolitische Dimension des bundesdeutschen 
Fußball-WM-Sieges 1954
 Eine Analyse der Kölner Tagespresse“

von

Paul Fürhoff

Deutsche Sporthochschule Köln

Köln 2002

 

 

INHALTSVERZEICHNIS

1. EINLEITUNG ... 1

2. HISTORISCHE RAHMENBEDINGUNGEN ... 6
2.1 POLITIK UND GESELLSCHAFT ... 6
2.1.1 Die politische Situation Deutschlands bis zur Gründung der Bundesrepublik (1945-1949)  ... 6
2.1.2 Die Westintegration der Bundesrepublik und der Weg in die Souveränität (1949-1955)  ... 9
2.1.3 Die Sonderrolle des Saarlandes  ... 11
2.1.4 Die wirtschaftliche Konsolidierung der BRD und der Beginn des ‚Wirtschaftswunders‘  ... 11
2.1.5 Die bundesrepublikanischen Lebensumstände Mitte der 50er Jahre  ... 12
2.1.6 Die Einstellung der bundesdeutschen Gesellschaft zu Politik, Staat und Demokratie ... 13
2.2 SPORT ... 16
2.2.1 Der Einfluss der Besatzungsmächte auf die Entwicklung des bundesdeutschen Sports nach dem Zweiten Weltkrieg  ... 16
2.2.2 Die Gründung des Deutschen Sportbundes (DSB)  ... 17
2.2.3 Die Gründung des bundesdeutschen Nationalen Olympischen Komitees (NOK)  ... 19
2.3 FUßBALL ... 23
2.3.1 Erste Initiativen zur Wiederbelebung des Spielbetriebes nach dem Zweiten Weltkrieg  ... 23
2.3.2 Die Wiedergründung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB)  ...  23
2.3.3 Der Weg aus der internationalen Isolation ... 25
2.3.4 Die Reintegration des DFB in die FIFA  ... 26
2.4 MEDIEN  ... 28
2.4.1 Die Alliierte Medienpolitik und ihr Einfluss auf die bundesdeutsche Presselandschaft am Beispiel Nordrhein-Westfalen  ... 28
2.4.2 Der Kölner Stadt-Anzeiger (KSTA)  ... 31
2.4.3 Die Kölnische Rundschau (KR)  ... 33
2.4.4 Die kommunistischen Presse in Nordrhein-Westfalen unter besonderer Berücksichtigung der Volksstimme  ... 34

3. ANALYSE DER BERICHTERSTATTUNG AUSGEWÄHLTER KÖLNER TAGESZEITUNGEN ÜBER DIE FUßBALLWELTMEISTERSCHAFT 1954  ... 37
3.1 IM VORFELD DER WELTMEISTERSCHAFTSENDRUNDE ... 37
3.1.1 Analyseeinheit 1 (24. Mai 1954 – 16. Juni 1954)  ... 40
3.1.1.1 Die Beurteilung der Erfolgsaussichten des bundesdeutschen Teams  ... 40
3.1.1.2 Die Berücksichtigung ausländischer Mannschaften  ... 46
3.1.1.3 Die Auseinandersetzung mit dem Austragungsmodus ... 48
3.1.2 Zusammenfassung ... 51
3.2 DIE VORRUNDE  ... 52
3.2.1 Analyseeinheit 2 (17. Juni 1954 – 24. Juni 1954)  ... 55
3.2.1.1 Der Weltmeisterschaftsauftakt  ... 55
3.2.1.2 BR Deutschland – Türkei ... 56
3.2.1.3 BR Deutschland – Ungarn ... 58
3.2.1.4 Das Foul Liebrichs an Puskas  ... 63
3.2.1.5 BR Deutschland – Türkei (Entscheidungsspiel)  ... 66
3.2.2 Zusammenfassung ... 70
3.3 DIE FINALSPIELE  ... 72
3.3.1 Analyseeinheit 3 (25. Juni 1954 - 05. Juli 1954)  ... 74
3.3.1.1 Vor dem Viertelfinale gegen Jugoslawien  ... 74
3.3.1.2 BR Deutschland – Jugoslawien ... 76
3.3.1.3 Das Skandalspiel Ungarn – Brasilien ... 80
3.3.1.4 Vor dem Halbfinale gegen Österreich ... 82
3.3.1.5 Das Halbfinale BRD – Österreich ... 85
3.3.1.6 Vor dem Endspiel gegen Ungarn  ... 90
3.3.1.7 Das Endspiel BR Deutschland – Ungarn  ... 96
3.3.2 Zusammenfassung ... 107
3.4 DIE EREIGNISSE NACH DER WM-ENDRUNDE ... 109
3.4.1 Analyseeinheit 4 (06. Juli 1954 – 20. Juli 1954)  ... 111
3.4.1.1 Die Rede des DFB-Präsidenten Bauwens im Löwenbräukeller ... 126
3.4.1.2 Die Verleihung des Silbernen Lorbeerblattes an die bundesdeutsche Mannschaft durch Bundespräsident Heuss in Berlin  ... 128
3.4.1.3 Der Film „Fußballweltmeisterschaft 1954“  ... 131
3.4.1.4 Die Ausschreitungen in Budapest bei der Rückkehr der ungarischen Nationalmannschaft ... 132
3.4.2 Zusammenfassung ... 134

4. SCHLUSSBETRACHTUNG ... 135

5. LITERATURVERZEICHNIS ... 138

6. ANHANG ... 149

 

 

1. Einleitung

Der Gewinn der Fußballweltmeisterschaft durch die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) im Juli 1954 in Bern wird in der Retrospektive häufig nicht nur als eine der vielleicht größten sportlichen Sensationen dargestellt, ihm wird auch von vielen Historikern, Journalisten und Politikern eine über den Sport hinausreichende, gesellschaftliche und politische Dimension zugeschrieben. Der Sportjournalist Joachim SCHWEER sieht den WM-Gewinn sogar als eigentliche Geburtsstunde der Bundesrepublik Deutschland (BRD) an:


„Die Bundesrepublik feiert[e] zwar erst 1999 ihren 50. Geburtstag, doch es gibt nicht wenige Menschen, die nur fünf Jahre zuvor ihren 40. fest gestellt haben wollen.“1

In der vorliegenden Studie soll aufgezeigt werden, ob, und wenn ja in welcher Ausprägung sich diese gesellschaftliche und politische Relevanz bereits während der Fußballweltmeisterschaft und in unmittelbarem Anschluss an diese in der Kölner Tagespresse manifestiert. Dies soll mittels einer qualifizierenden Inhaltsanalyse geschehen, die sowohl diagnostisch auf Einstellungen des Kommunikators, als auch reflektorisch auf Bedürfnisse auf Seiten des Rezipienten Rückschlüsse erlauben soll. Somit geht das Analyseverfahren über das von REINERMANN für seine Diplom-Arbeit zum gesellschaftlichen Stellenwert von Fußballweltmeisterschaften gewählte Verfahren einer rein quantifizierenden Inhaltsanalyse hinaus.2 REINERMANN diagnostiziert aufgrund des deutlich gestiegenen Umfangs der Berichterstattung in den von ihm analysierten Untersuchungsobjekten 1998 im Vergleich zu 1954 eine erhöhte gesellschaftliche Bedeutung der Fußball-WM in Deutschland, lässt dabei aber den ebenfalls gestiegenen Gesamtumfang der Untersuchungsobjekte ebenso außer Acht wie die Tatsache, dass sich die Medienlandschaft während dieser Zeitspanne ebenso radikal verändert hat wie die personelle, technische und finanzielle Ausstattung der analysierten Zeitungen. Allerdings legt REINERMANN wohl auch ein anderes Verständnis von ‚gesellschaftlichem Stellenwert‘ zu Grunde, mehr im Sinne von Rezipienteninteresse, denn – wie in dieser Untersuchung angedacht – als identitätsstiftenden Faktor mit konkreten gesellschaftspolitischen Auswirkungen. Bezüglich der Ausweitung der Berichterstattung über Fußballweltmeisterschaften in deutschen Tageszeitungen liefert LAMMERTZ interessantere Ergebnisse, indem er den Umfang der Sportberichterstattung in Relation zum Umfang der Gesamtausgabe der untersuchten Zeitungen setzt und den Anteil der WM-Berichterstattung am Sportteil berechnet.3

Als Untersuchungsgegenstände der vorliegenden Arbeit werden mit dem Kölner Stadt-Anzeiger (KSTA), der Kölnischen Rundschau und der Volksstimme drei Kölner Tageszeitungen herangezogen, deren unterschiedliche politische Grundhaltungen und Entstehungsgeschichte eine signifikant unterschiedliche Beurteilung des WM-Sieges der DFB-Auswahl nahelegen. Diese sich sowohl auf quantitativer, in erster Linie aber auf qualitativer Ebene darstellenden Unterschiede aufzuzeigen, soll ein weiteres Ziel dieser Untersuchung sein. In diesem Zusammenhang interessiert auch die Fragestellung, ob sich ganz konkret eine Vermischung von Politik und Sport festmachen lässt, wie sie HEINRICH in Teilen der ausländischen und ostdeutschen Presse diagnostiziert4, oder ob die untersuchten Zeitungen der laut HEINRICH unpolitischen westdeutschen Bevölkerung folgend5 eine konsequente Trennung zwischen Sport und Politik vornehmen und durchhalten. Besonders interessante Ergebnisse bezüglich propagandistischer Tendenzen lässt hier vor allem die Analyse der kommunistischen Volksstimme erwarten.

Ebenfalls ist die Aussage FREIs zu überprüfen, der in den zeitgenössischen bundesdeutschen Medien eine Überbetonung des Gemeinschafts- und Zusammengehörigkeitsgefühl feststellt, wenn es darum geht, das Erfolgsgeheimnis des deutschen Teams zu umreißen:


„Das Zusammenhalten, gegenseitige Unterstützung, kämpferische Einheit – das galt und gilt als das Besondere des deutschen Fußballs, im Gegensatz zum Beispiel zu den Ungarn, den Brasilianern oder Italienern, die immer als Individualisten, Stars oder Zauberer bezeichnet wurden. Dass diese ‚deutschen Tugenden‘ in den frühen fünfziger Jahren noch einen außersportlichen Sinn machten und deswegen von den Journalisten fast schon inflationär beschworen wurden, ist begreiflich: Der Krieg war erst wenige Jahre vorüber; Niederlage, Verluste, Not und Schuld ließen sich mit Gemeinschaftsgeist besser ertragen – und besser zur Seite schieben.“ 6

Um den über das rein Sportliche hinausgehenden Stellenwert des deutschen WMSieges zu verdeutlichen, ist es von Nöten, das Ereignis in seinem historischen Kontext zu betrachten. Diese Rahmenbedingungen sollen zu Beginn der Arbeit vorgestellt werden. Zunächst wird in diesem Teil der Studie die durch die Besatzungsmächte beeinflusste politische und wirtschaftliche Entwicklung in den drei westlichen Besatzungszonen bzw. der Bundesrepublik Deutschland dargestellt. Es folgt eine Skizzierung der Lebensumstände in der BRD zu Beginn der 50er Jahre, der privatwirtschaftlichen Situation und der politischen Einstellungen der Bevölkerung, insbesondere bezüglich der Akzeptanz des neu geschaffenen Staatsgefüges. Des Weiteren wird auf die Situation und die Reorganisation des westdeutschen Sports nach dem Zweiten Weltkrieg eingegangen, wobei der Schwerpunkt auf der Entwicklung im Fußball liegen soll. In diesem Kapitel wird wieder auf den Einfluss der Besatzungsmächte hinzuweisen sein, ebenso wie auf den jahrelangen Ausschluss deutscher Sportorganisationen von den internationalen Verbänden und dem damit verbundenen Wettkampfverbot für deutsche Spitzensportler auf internationaler Ebene. Schließlich wird die Medienpolitik der Alliierten vorgestellt, die die Basis für die Entwicklung der west- bzw. bundesdeutschen Medienlandschaft bildete. Die Skizzierung der historischen Rahmenbedingungen endet mit einer Vorstellung der drei Untersuchungsobjekte, deren Entstehungsgeschichte und politischen Grundhaltungen.

[....]


1 J. SCHWEER, ‚Der Sieg von Bern‘ V. Fußballweltmeisterschaft 1954 in der Schweiz, Kassel 1994, S. 11.

2 Vgl. S. REINERMANN, Der gesellschaftliche Stellenwert von Fußballweltmeisterschaften im Wandel der Zeit: Ein Vergleich der Turniere von 1954 und 1998, Diplom-Arbeit DSHS Köln, Köln 1999, S. 36-43.

3 Vgl. C. LAMMERTZ, Die Berichterstattung der Tageszeitung über die Fußballweltmeisterschaften 1954, ´74 und ´90, Dipl.-Arbeit DSHS Köln, Köln 1995, S. 51-55.

4 Vgl. A. HEINRICH, Tooor! Toor! Tor! 40 Jahre 3:2, Nördlingen 1994, S.108-133.

5 Vgl. HEINRICH, Tor!, S. 14.

6 A. FREI, Finale Grande 1954 – Die Rückkehr der Fußballweltmeister, Berlin 1994, S. 28-29.


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