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Entwicklung der Küche unter Konstruktions-, Nutzungs- und Verwertungsaspekten

Diploma Thesis, 2004, 87 Pages
Author: Dominik Schwab
Subject: Technology

Details

Category: Diploma Thesis
Year: 2004
Pages: 87
Grade: 1
Language: German
Archive No.: V24281
ISBN (E-book): 978-3-638-27192-9

File size: 11494 KB


Excerpt (computer-generated)

Fachhochschule Rosenheim
Fachbereich Holztechnik

Diplomarbeit

Die Entwicklung der Küche unter
Konstruktions-, Nutzungs- und Verwertungsaspekten

Wintersemester 2003/2004
Dominik Schwab

 

 

Kurzfassung

Die Küche in ihrer heutigen Form hat eine lange Entwicklung hinter sich.
Dieser Weg über die letzten 50 bis 70 Jahre wird in der vorgelegten Arbeit unter den Aspekten der Konstruktion, der Nutzung, der Langlebigkeit und der Verwertung aufgezeigt. Dabei erfolgt eine besondere Betrachtung der relevanten Veränderungen, die ökonomische und ökologische Auswirkungen auf den Produktlebenszyklus haben.
Die jeweiligen Vor- und Nachteile dieser Veränderungen werden anhand von einigen Beispielen dargestellt.
Diese Arbeit soll Ratgeber sein, für die Planung und Herstellung von Küchen und einen Ausblick auf zukünftige Entwicklungswege geben.

Schlagwörter:
Arbeitsabläufe, Energieverbrauch, Ergonomie, Langlebigkeit, Lebenszyklus, Verwertung

Inhaltsverzeichnis
Kurzfassung ... 2
Inhaltsverzeichnis  ... 3
Abbildungsverzeichnis ... 4
Abkürzungsverzeichnis  ... 5

Vorwort ...  6

Einführung ... 7

1 Konstruktion  ... 11
1.1 Material ... 11
1.1.1 Massivholz ... 11
1.1.2 Holzwerkstoffe  ... 12
1.1.3 Beschichtungsstoffe  ... 14
1.1.4 Metall  ... 14
1.1.5 Glas  ... 15
1.1.6 Stein  ... 15
1.1.7 Mineralischer Verbundwerkstoff  ... 16
1.1.8 Leichtbauplatten  ... 16
1.1.9 Holz-PP-Compound ... 16
1.2 Dimensionierung ... 17
1.2.1 Korpuskonstruktion  ... 17
1.2.2 Korpusabmessungen ... 18
1.2.3 Fronten ... 19
1.2.4 Arbeitsplatten ... 20
1.3 Beschläge  ... 20
1.3.1 Türbeschläge ... 20
1.3.2 Schubkastenführungen  ... 23
1.3.3 Sonderbeschläge ... 24
1.4 Verbindungen  ... 25
1.4.1 Unlösbare Verbindungen ... 25
1.4.2 Lösbare Verbindungen  ... 27
1.5 Transportierbarkeit ... 29
1.6 Montierbarkeit  ... 30
1.7 Anforderungen an die Produktentwicklung  ... 31

2 Nutzung  ... 33
2.1 Arbeitsaufwand ... 34
2.2 Ergonomie ... 42
2.2.1 Arbeitshöhe  ... 43
2.2.2 Gestaltung und Anordnung der Gegenstände  ... 45
2.2.3 Belastung und Unfallintensität ... 47
2.3 Energie- und Wasserverbrauch ... 49
2.3.1 Energielabel ... 51
2.3.2 Kochen und Backen ... 52
2.3.3 Kühlen und Gefrieren ... 56
2.3.4 Geschirrspülen  ... 58
2.4 Hygiene  ... 61

3 Langlebigkeit ... 63
3.1 Stabilität ... 63
3.2 Design und Funktion  ... 65
3.3 Wertewandel  ... 67
3.4 Wohnungswechsel ... 70

4 Verwertung  ... 73
4.1 Verwertungs- und Entsorgungswege für Altmöbel  ... 73
4.1.1 Wiederverwendung  ... 75
4.1.2 Stoffliche Verwertung ... 76
4.1.3 Energetische Verwertung ... 78
4.1.4 Biologische Verwertung ... 79
4.2 Prognose für die Zukunft  ... 80

Abschlussbetrachtung  ... 82

Quellenverzeichnis ... 84

Erklärung  ... 85
Stichwortverzeichnis  ... 86

Abbildungsverzeichnis
Abb. 1: Frankfurter Küche ... 9
Abb. 2: Sellküche 1951  ... 9
Abb. 3: Einbauküche in den 60er Jahren  ... 9
Abb. 4: Küche in den 70er Jahren ... 9
Abb. 5: Küche Mahl-Zeit um 1970  ... 9
Abb. 6: Küche in den 90er Jahren ... 9
Abb. 7: Rahmenbauweise um 1950  ... 17
Abb. 8: Massivholzkonstruktion ... 17
Abb. 9: Hohlkammerkonstruktion ... 18
Abb. 10: Rahmen mit Glasfüllung ... 19
Abb. 11: Front in 16mm ... 19
Abb. 12: Stangenscharnier  ... 20
Abb. 13: Möbelband, Kröpfung D ... 21
Abb. 14: Topfband  ... 21
Abb. 15: CLIP - Scharnier ... 22
Abb. 16: Anschlagdämpfer BLUMOTION  ... 22
Abb. 17: Besteckkasten aus Polystyrol  ... 23
Abb. 18: Schubkastenführung um 1970  ... 24
Abb. 19: Rollenführung  ... 24
Abb. 20: Stauraum verschiedener Ecklösungen im Vergleich  ... 24
[...]

Abkürzungsverzeichnis
AMK Arbeitsgemeinschaft Moderne Küche
ATH Aluminium-Tri-Hydrat
BBE Bundesinitiative Bio Energie
BGW Bundesverband der deutschen Gas- und Wasserwirtschaft
BUND Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland
DIN Deutsches Institut für Normung
EEG Erneuerbare Energien Gesetz
GFK Gesellschaft für Konsum-, Markt- und Absatzforschung
HDH Hauptverband der Deutschen Holz und Kunststoffe
HPL High Pressure Laminates
IPP Integrierte Produktpolitik
ISO International Standard Organization
Jato Jahrestonne
LGA Landesgewerbeanstalt
MDF Mitteldichte Faserplatte
NABU Naturschutzbund Deutschland
PA Polyamid
PF Phenol - Formaldehydleim
PP Polypropylen
PUR Polyurethan
REFA Reichsausschuss für Arbeitszeitermittlung
TASi Technische Anleitung Siedlungsabfall
UF Harnstoff - Formaldehydleim
VDI Verein Deutscher Ingenieure
VerpackV Verpackungsverordnung
VHI Verband der Deutschen Holzwerkstoffindustrie E.V.
VOC Volatile Organic Compounds (flüchtige organische Substanzen)

 

Vorwort

Vorliegende Diplomarbeit befasst sich mit der Entwicklung der Küche unter Konstruktions-, Nutzungs- und Verwertungsaspekten und ist im Rahmen des Projekts „Integrierte Produktpolitik (IPP) am Beispiel Küche“ entstanden. 
Im Februar 2001 veröffentlichte die Europäische Kommission ein Grünbuch zur integrierten Produktpolitik, in dem eine Strategie zur Neuorientierung und Stärkung produktorientierter Umweltpolitik vorgeschlagen wird. Das bayerische Umweltministerium hat seinerseits IPP zu einem Schwerpunkt des Umweltpakts „Nachhaltiges Wirtschaften im 21. Jahrhundert“ erklärt.
Als umwelt- und wirtschaftspolitisches Konzept verfolgt IPP das Ziel, durch innovative, marktfähige Lösungen die negativen Umwelteinwirkungen von Produkten auf ihrem gesamten Lebensweg zu verringern. 

Unter der Leitung der Gesellschaft für Arbeitssicherheits-, Qualitäts- und Umweltmanagement (Arqum GmbH, München) beschäftigen sich Vertreter der Küchen- und Zuliefererindustrie, des Umweltministeriums, der Fachhochschule Rosenheim und weiterer Interessensvertreter an der Realisierung eines branchenbezogenen Produktpanels am Beispiel Küche.

[...]

Rosenheim, im Februar 2004
Dominik Schwab

 

Einführung

Die Küche von heute hat eine bemerkenswerte Entwicklung hinter sich.

Der Entwicklungsweg vom offenen Feuer, das für mehr als zwei Millionen Jahre das Zentrum des Hauses war, hin zum Mikrowellengaren belegt die Kraft des technischen Fortschritts und die Bedeutung der Küche für die Menschen.
Die Küche der Moderne hat ihre ursprünglichen Ansätze in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts, wo die „Frankfurter Küche“ Weichen für die Zukunft stellt.

Die junge Architektin Margarete Schütte-Lihotzky hat das Elend und die hygienischen Katastrophen im Wien der Nachkriegszeit erlitten, als ihr der Frankfurter Baurat Ernst May 1926 die Aufgabe überträgt, eine standardisierte Küche für ein Siedlungsobjekt zu entwickeln.

Sie beschäftigt sich mit der Rationalisierung der Hauswirtschaft und ihr Entwurf einer klinisch reinen Küche basiert darauf, dass die Größenreduktion durch technisch- konstruktive Erfindungen kompensiert wird.
Als Arbeitsküche wird der Raum auf einen Arbeitsbereich innerhalb der Wohnung reduziert, der nur nach ergonomischen und ökonomischen Gesichtspunkten geplant ist, in dem der Mensch zu einer berechenbaren „Einheit" wird.

Das Ende des Zweite Weltkrieges mit seinen katastrophalen Folgen bringt auch eine wirtschaftliche und technische Erneuerung, die zu veränderten Lebensformen führt. Der Wohnungs- und Raummangel führt zum Bau zahlloser Kleinstwohnungen mit sehr geringem Qualitätsstandard. Die wachsende Zahl der berufstätigen Frauen verändert das traditionelle Familienleben und macht u. a. eine längere Bevorratung der Lebensmittel notwendig.

Teile der Industrie suchen mit dem Ende der Rüstung nach neuen zivilen Produkten. Das ist der Nährboden, um die in den 30er Jahren in den USA bereits erprobten neuen Küchenformen für Deutschland zu übernehmen. Die erste systematische Einbauküche wird 1945 von Werner Sell als Prototyp mit noch recht bescheidenen Materialien in einem von ihm entwickelten Fertighaus eingebaut. General Clay setzt sich für die Verwendung dieses Küchentyps in den neuen Wohnbauten der Militärregierung ein.

Damit sind die Voraussetzungen für eine serienmäßige Fertigung geschaffen und die Basis vorhanden, die Einbauküche nach den Erkenntnissen der Arbeitsabläufe im Detail zu vollenden. Die Amerikaner bringen ihre Erfahrungen mit den eigenen Kücheneinrichtungen ein und verlangen die Ausführung in Stahlblech.

Das, was den Werkbundarchitekten noch zur Perfektion ihrer funktionsgerechten Küche fehlt - eine Spüle mit Abstellfläche sowie eine unempfindliche, durchgehende Arbeitsplatte - kann jetzt verwirklicht werden. Aber für den Verkauf an zivile Wohnbaugesellschaften oder private Haushalte gibt es zunächst wenige Chancen.

Die erste größere Präsentation für die Bevölkerung findet auf der Bauausstellung „Constructa" 1951 statt. Die Firmen Sell und Dr. Becher zeigen komplett ausgestattete Einbauküchen.

Das Interesse für die neue Küchenform ist überraschend groß, bleibt jedoch auf Grund des höheren Preises anfangs begüterten Kreisen vorbehalten.
Zusätzlich kommen weitere Schwierigkeiten hinzu: Die Einsicht in die Zweckmäßigkeit des ungewohnten Aufwandes an Gedankenarbeit und materiellem Einsatz für diesen Teil des Wohnbereichs ist bei vielen Architekten und Möbelhändlern noch nicht vorhanden. 

Außerdem kennt man anfangs noch keine Rastermaße, so dass jeder Hersteller nach eigenen Vorstellungen Abmessungen festlegt.

Mit Gründung der Arbeitsgemeinschaft „Die Moderne Küche (AMK)“ 1956 schließen sich 10 Hersteller zusammen, die bereit sind, gemeinsam für das neue Produkt zu werben, einheitliche Abmessungen zu erarbeiten und dabei die Gerätehersteller mit einzubeziehen. Aus diesem Zusammenschluss werden einheitliche Abmessungen, Regeln und Normen entwickelt, die jetzt auch den Geräteherstellern ermöglichen, ihre Elektrogeräte so zu bauen, dass sie in alle Küchenprogramme passen.

Geprägt von Idee der Kleinküchen aus den zwanziger Jahren und auf Grund fehlenden Wohnraums, beabsichtigt der Deutsche Normenausschuss eine Empfehlung für eine Kleinstküche von nur 6,5 Quadratmetern in einer DIN Norm festzulegen. Doch die AMK schafft es, dies zu verhindern und Voraussetzung am Bau zu schaffen, die den neuen technologischen Entwicklungen besser entsprechen. 

In den 70er Jahren präsentiert der Designer Luigi Colani zusammen mit Poggenpohl den Zukunftsentwurf einer Küche. Er heißt "Experiment 70" und ist als Teil eines Hauses gedacht, bei dem Küche, Bad, Arbeitsbereich usw. als kugelförmige Elemente an einen zentralen Raum angedockt werden sollen. Diese futuristische Architektur entspricht einem gestalterischen Neuansatz, in dem sich die Aufbruchstimmung der 70er Jahre niederschlägt und der alle Lebensbereiche umfassen soll.

Diese vom übrigen Wohnen strikt isolierte Küche wird nie in Serie gebaut, repräsentiert aber das Denkkonzept einer ausgeprägten Technikgläubigkeit und stellt elegante Denkanstöße dar, die sich aus der tradierten Erwartungswelt herausbewegen.

Doch die Küche als „Labor" oder „Maschinenstand" entspricht schon Mitte der 70er Jahre nicht mehr dem Zeitgeist.
Ende der 70er Jahre vollzieht sich ein Wandel der bis heute anhält: die Küche öffnet sich wieder zum Wohnen hin und entdeckt ihre sinnlichen Qualitäten neu. Man spricht vom so genannten Cocooning -Trend. 
Die Trennung vom „richtigen", repräsentativen Wohnbereich bleibt aber weiter erhalten und wird höchstens im Wohnbereich der Reihenhäuser durch das Loch der Durchreiche gebrochen.

Diese Tendenz entwickelt sich bis in die 90er Jahre hin zu einer „offeneren" Küche mit Bar oder Küchenblock, oder zum vollwertigen Essplatz in der Küche . Trendforscher haben diese Entwicklung beobachtet und einen neuen Begriff geschaffen. Homing ist die Weiterentwicklung des Cocooning. Das Heim ist das Zentrum der Welt, dient als Schutzhafen und als Mittelpunkt aller Energieanstrengungen des Lebens.

Auch in der Küche macht sich dieser Wandel bemerkbar und wird von Küchenherstellern aufgenommen. Sie machen sich Gedanken über funktionale Küchen, die nicht nur nach ergonomischen Gesichtspunkten und Arbeitsabläufen gestaltet werden, sondern auch das Bedürfnis nach Gemütlichkeit und Wertigkeit befriedigen.

Mit diesem Anspruch entwickeln sich Küchen, in denen Eigenschaften und Verhaltensweisen wie Kommunikation, Genuss und Natürlichkeit höher bewertet werden. Die wachsende Zahl der Menschen, die heute ihre Küche als das Zentrum und Herz der Wohnung sehen, deutet auf diesen Wertewandel hin und scheint die endgültige Abkehr von den Absichten der damaligen Planer zu sein.

Da die „alten" Ziele vor allem einen politischökonomischen Kontext hatten, der damals unwissenschaftlich bewiesen wurde, sind wir gegenwärtig aufgefordert, neue und klare Richtungen aus dem heutigen Wissen um diese Zusammenhänge vorzugeben.

[....]


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