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Spiritualität und gesellschaftlicher Pragmatismus bei den Navajo der Gegenwart

Subtitle: Gesundheit, Krankheit, Tod

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2004, 29 Pages
Author: Christian Rell
Subject: Ethnology / Cultural Anthropology

Details

Event: HS/RK/RS : Schöpfungsgeschichten, Rituale und spirituelle Welten in Nordamerika
Institution/College: Free University of Berlin (Lateinamerika-Institut und Institut für Ethnologie)
Tags: Spiritualität, Pragmatismus, Navajo, Gegenwart, HS/RK/RS, Schöpfungsgeschichten, Rituale, Welten, Nordamerika
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2004
Pages: 29
Grade: 1,0 (sehr gut)
Language: German
Archive No.: V24518
ISBN (E-book): 978-3-638-27372-5
ISBN (Book): 978-3-638-64838-7
File size: 892 KB
Notes :
Präsident Bush machte sich vor kurzem Sorgen wegen eines Berichts, welcher einen Wassermangel spätestens für 2050 vorhersagt. Doch schon heute haben wir im fortschrittlichen Amerika eine Unterversorgung mit Wasser. Zusammenhänge zwischen Wasserknappheit bzw. -verseuchung und Gesundheit werden in dieser Arbeit ebenso aufgezeigt, wie der pragmatische Umgang der Navajos mit solchen Einschränkungen. Die 'gründliche, umfassende Auseinandersetzung mit dem Thema' (Dozent) erlaubt tiefere Einblicke...


Abstract

“It is unbelievable and inexcusable that in 1992 we continue to teach schoolchildren that ‘Columbus discovered America.’ [...] Instead, we should acknowledge that Columbus was a lost sailor who mistakenly landed on the shores of what is now San Salvador and encountered a world in which millions of Native people thrived.” (Valerie Taliman, Navajo) Gerade in Kulturen in denen keine Schriftlichkeit existiert mit der Wissen konserviert und weitergegeben werden könnte - wie bei den Navajos - ist es wichtig, dass es Rituale gibt, um so ein „kollektives Gedächtnis“ aufzubauen. Dieser Umstand zeigt auch, wie wichtig es für Navajos gewesen sein muss, Mythen und Geschichten zu erzählen, um sie über die Zeit hinweg zu konservieren und über Generationen zu transportieren. Rituale machen zudem den Mythos erfahrbar – das Ritual substituiert den Mythos. „Die mündlichen Überlieferungen haben die indianischen Sprachen und Weisheiten bis in unsere Tage bewahrt.“ Dass die moderne Gesellschaft mit ihrer Popkultur jedoch auch ihre Nachteile mit sich bringt zeigt sich dem Volk der Navajos zunehmend. Die Navajo-Nation, das größte Reservat in den USA, gilt als eines der Musterbeispiele für die Probleme der amerikanischen Ureinwohner. In den “Four Corners" der Sandsteinwüste zwischen Arizona, Utah und New Mexico gelegen, lebt eine viertel Million Navajos in einem Elend, das man eher in einem Entwicklungsland, als in den USA erwarten würde... 'gründliche, umfassende Auseinandersetzung mit dem Thema' (Prof. Dr. Egon Renner, Lateinamerika-Institut und Institut für Ethnologie der Freien Universität Berlin)


Excerpt (computer-generated)

Spiritualität und gesellschaftlicher Pragmatismus bei den
Navajo der Gegenwart. Gesundheit, Krankheit und Tod

 


von: Christian Rell

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung 5

2 Gesundheit, Schönheit und Heilung bei den Navajos 7

2.1 Die besondere Bedeutung von Gesundheit und Schönheit  7
2.2 Heilungszeremonien der Navajos 7

2.2.1 Das Zeremoniensystem der Navajos 7
2.2.2 Die hohe Bedeutung von Heilungsritualen 10
2.2.3 die „zeremonielle Ausrüstung“ - das Medizinbündel  11
2.2.4 Sandpaintings  12
2.2.5 Gesang  13
2.2.6 Handzittern und sonstige Elemente 14

2.3 Das Gesundheitssystem der Gegenwart (1945 bis heute)  15

3 Krankheiten, Gefahren und Tod im Leben der Navajos 17

3.1 Der Bezug der Navajos zur Krankheit  17
3.2 Krankheiten der Gegenwart  18

3.2.1 Kindersterblichkeit, Hepatitis, Alkoholismus und Seuchen  18
3.2.2 Uran- und Kohlebergbau als Ursache von Krankheiten 19

4 Fazit  24

Literaturverzeichnis  25

Stichwortregister  28

Anhang  29
 

 

 


 

1 Einleitung

“It is unbelievable and inexcusable that in 1992 we continue to teach schoolchildren that ‘Columbus discovered America.’ [...] Instead, we should acknowledge that Columbus was a lost sailor who mistakenly landed on the shores of what is now San Salvador and encountered a world in which millions of Native people thrived.”1

Navajos sind Angehörige der athapaskischen Sprachgruppe.2 Navajo ist traditionell in erster Linie eine gesprochene Sprache, was einige Übermittlungsprobleme mit sich bringt.3 Gerade in Kulturen in denen keine Schriftlichkeit existiert mit der Wissen konserviert und weitergegeben werden könnte - wie bei den Navajos - ist es wichtig, dass es Rituale gibt, um so ein „kollektives Gedächtnis“ aufzubauen.4 Dieser Umstand zeigt auch, wie wichtig es für Navajos gewesen sein muss, Mythen und Geschichten zu erzählen, um sie über die Zeit hinweg zu konservieren und über Generationen zu transportieren. Rituale machen zudem den Mythos erfahrbar – das Ritual substituiert den Mythos. „Die mündlichen Überlieferungen haben die indianischen Sprachen und Weisheiten bis in unsere Tage bewahrt.“5 Jedoch unterliegt auch diese Kultur einem Erosionsprozess: “Today, I have seen and been aware that many of our children are beginning to lose sight of their culture, language and even the religion that has been passed down from generation to generation. They are drifting very fast in this so-called modern society and many of them don’t get the proper guidance as to who they are, where they come from and where they are heading.”6 Doch dass die moderne Gesellschaft mit ihrer Popkultur auch ihre Nachteile mit sich bringt zeigt sich dem Volk der Navajos zunehmend. Die Navajo-Nation, das größte Reservat in den USA, gilt als eines der Musterbeispiele für die Probleme der amerikanischen Ureinwohner. In den “Four Corners" der Sandsteinwüste zwischen Arizona, Utah und New Mexico gelegen, lebt eine viertel Million Navajos in einem Elend, das man eher in einem Entwicklungsland, als in den USA erwarten würde.7

Abb. 1: [Abbildungen in der Downloaddatei vorhanden] Arbeitslos und gebrochen, Andrew Cayaditto sitzt neben einem alten Schulbus den er in sein Haus in Rincon Marquise, NM gefahren hat. Ohne Job und Unterstützung der Navajo-Nation oder der U.S. –Regierung, überlebt Cayaditto indem er seine Mutter besucht, um Essen zu können. Quelle/Foto: Photo by Jeff Jones, unter: Living on the Edge. Navajo families in grip of Poverty, unter: Independent Online (http://www.gallupindependent.com) .

Hier lebt über die Hälfte der Einwohner unterhalb der Armutsgrenze. Das durchschnittliche Jahreseinkommen liegt bei knapp 11.885 US-$ pro Kopf, rund ein Drittel von dem der übrigen USA. Die Arbeitslosenrate beträgt rund 59%. Die meisten Jobs gibt es bei den verschiedenen Behörden des Stammesrats. Ansonsten können sich die Navajos nur in den Kohlegruben oder den wenigen Franchise-Firmen auf ihrem Reservat verdingen. In dieser Arbeit soll gezeigt werden, wie Navajos - oder auch Dine’é („the People“)8 wie sie sich selbst nennen - in einer solch schwierigen Zeit mit den Themen Mythos, Gesundheit, Krankheit und Tod umgehen.

2 Gesundheit, Schönheit und Heilung bei den Navajos

2.1 Die besondere Bedeutung von Gesundheit und Schönheit

[...]


1 Taliman, Valerie (Navajo),Stories of the Land, in: American Indian Review, Issue Number ,3 Summer 1992, unter: www.american-indianreview. co.uk , Zugriff am 14.02.2004.
2 Zimmermann, Larry J., Indianer - Geschichte und Stämme (1996), S. 172. (Das Navajo (Dineh) ist mit 130.000 Sprechern die meistbenutzte indianische Sprache im Norden Amerikas.)
3 Die Navajo– Indianer sehen die Sprache als heiliges Geschenk, das nicht unnötigerweise gebraucht werden soll. Navajo ist eine sehr metaphernreiche Sprache.
4 s. Hockerts, Hans Günter, in: Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.), Zugänge zur Zeitgeschichte: Primärerfahrung, Erinnerungskultur, Geschichtswissenschaft, Aus Politik und Zeitgeschichte (B 28/2001), o.Verlag, Bonn, 2001, S. 12.
5 Zimmermann, Larry J., Indianer - Geschichte und Stämme (1996), S. 141.
6 Tome, Harry (Navajo), Native American Church to Preserve and Protect Our Culture Part 1., American Indian Review, Issue Number 13, Winter 1996/7, unter: www.american-indian-review.co.uk , Zugriff am 14.02.2004.
7 Der US-Zensus von 2000 besagt, dass sich ungefähr 269.000 Menschen selbst als Navajos bezeichnen und nochmal 29.000 als Teil-Navajos, s Waldman, Carl, Navajo (people), Microsoft® Encarta® Online Encyclopedia 2004, unter: http://encarta.msn.com © 1997-2004, Zugriff am 15.02.04.
8 s. Brugge, David M., Navajo Prehistory and History to 1850, in: Ortiz, Alfonso (Volume Editor), Southwest, in: Sturtevant, William C. (Hrsg.), Handbook of North American Indians, Smithsonian Institution Washington, 1983, S. 489- 501 (hier: S. 497).


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