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Begründung und Praxis katholisch-kirchlichen Widerstandes gegen den Nationalsozialismus. Eine sozialethische Analyse

Examensarbeit, 2004, 46 Seiten
Autor: Jens Huke
Fach: Ethik

Details

Kategorie: Examensarbeit
Jahr: 2004
Seiten: 46
Note: 1,3
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V24585
ISBN (E-Book): 978-3-638-27428-9
ISBN (Buch): 978-3-638-70196-9
Dateigröße: 315 KB

Zusammenfassung / Abstract

1 Einleitung und Hergang der Analyse Mit der bedingungslosen Kapitulation des Deutschen Reiches am 8. Mai 1945 ging der bisher dunkelste Abschnitt deutscher Geschichte zu Ende. Die Bilanz der zwölfjährigen Schreckensherrschaft des nationalsozialistischen Regimes unter seinem Führer Adolf Hitler ist nicht nur traurig und erschreckend, sondern auch beispiellos. Getrieben von der maßlosen Selbstüberschätzung, dass das deutsche Volk ein „Herrenvolk“ sei, welches den anderen Völkern der Menschenfamilie übergeordnet ist, entfalteten die Nationalsozialisten ihr totalitäres und verbrecherisches Regime.Gestützt durch die Hoffnungen der Bevölkerung auf eine bessere Zukunft und eine Stabilisierung der politischen Verhältnisse wurde zunächst die Demokratie zu Grabe getragen. Damit einher ging die nahezu ausnahmslose Gleichschaltung aller Bereiche der deutschen Gesellschaft, wodurch ein ganzes Volk in den Bann der nationalsozialistischen Ideologie gezogen wurde. Doch die Schreckensherrschaft Adolf Hitlers war bekanntlich nicht auf Deutschland begrenzt. So waren die Deutschen ein zweites Mal in diesem Jahrhundert für den Beginn eines Weltkrieges verantwortlich, in dem nicht nur unzählige Soldaten starben sondern auch unvorstellbare Gräueltaten an der Zivilbevölkerung begangen wurden. Die Spitze der Perversion ihrer Macht erreichten die Nationalsozialisten jedoch mit der systematisch betriebenen Ermordung des jüdischen Volkes, welche die völlige Ausrottung zum Ziel hatte. Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges setzte die Suche nach den Schuldigen ein. Auf deutscher wie auf alliierter Seite stellte man sich dabei immer wieder die Frage, wie es zu einer solchen Entartung der Macht in einem westeuropäischen Staat kommen konnte. Die führenden Köpfe des nationalsozialistischen Regimes waren schnell ausgemacht.


Textauszug (computergeneriert)

Hausarbeit

zur Erlangung des Grades eines Diplom - Kaufmannes am
Fachbereich Wirtschafts- und Organisationswissenschaften
der Helmut Schmidt Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg

Begründung und Praxis katholisch - kirchlichen
Widerstands gegen den Nationalsozialismus.
Eine sozialethische Analyse

Vorgelegt von:

 Jens Huke

Abgabedatum: 23.04.2004

 

 

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung und Hergang der Analyse ... 1

2 Grundlegende Rechtfertigung von Widerstand und Tyrannenmord  ...  3
2.1 Zum Begriff und den Arten des Widerstandes  ...  3
2.2 Begründung des Widerstandsrechtes aus Sicht katholischer Christen  ...  5

3 Katholische Kirche und Nationalsozialismus  ...  14
3.1 Katholische Kirche und Nationalsozialismus vor 1933  ...  14
3.2 1933 – Der Anschein eines Modus Vivendi  ... 16
3.3 1933 – 1936 Die Fronten klären sich  ... 18
3.4 1937 – Die Enzyklika „Mit brennender Sorge“  ...  23
3.5 1937 – 1945 Offene Konfrontation zwischen Kirche und Staat  ... 26

4 Beurteilung des Verhaltens der katholischen Kirche ...  31

5 Schlussbetrachtung  ... 37

Literaturverzeichnis, Quellenverzeichnis  ...  41

Abkürzungsverzeichnis
MBS Enzyklika „Mit Brennender Sorge“
Röm. Römerbrief
Apg. Apostelgeschichte

 

1 Einleitung und Hergang der Analyse

Mit der bedingungslosen Kapitulation des Deutschen Reiches am 8. Mai 1945 ging der bisher dunkelste Abschnitt deutscher Geschichte zu Ende. Die Bilanz der zwölfjährigen Schreckensherrschaft des nationalsozialistischen Regimes unter seinem Führer Adolf Hitler ist nicht nur traurig und erschreckend, sondern auch beispiellos. Getrieben von der maßlosen Selbstüberschätzung, dass das deutsche Volk ein „Herrenvolk“ sei, welches den anderen Völkern der Menschenfamilie übergeordnet ist, entfalteten die Nationalsozialisten ihr totalitäres und verbrecherisches Regime. Gestützt durch die Hoffnungen der Bevölkerung auf eine bessere Zukunft und eine Stabilisierung der politischen Verhältnisse wurde zunächst die Demokratie zu Grabe getragen. Damit einher ging die nahezu ausnahmslose Gleichschaltung aller Bereiche der deutschen Gesellschaft, wodurch ein ganzes Volk in den Bann der nationalsozialistischen Ideologie gezogen wurde. Doch die Schreckensherrschaft Adolf Hitlers war bekanntlich nicht auf Deutschland begrenzt. So waren die Deutschen ein zweites Mal in diesem Jahrhundert für den Beginn eines Weltkrieges verantwortlich, in dem nicht nur unzählige Soldaten starben sondern auch unvorstellbare Gräueltaten an der Zivilbevölkerung begangen wurden. Die Spitze der Perversion ihrer Macht erreichten die Nationalsozialisten jedoch mit der systematisch betriebenen Ermordung des jüdischen Volkes, welche die völlige Ausrottung zum Ziel hatte.

Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges setzte die Suche nach den Schuldigen ein. Auf deutscher wie auf alliierter Seite stellte man sich dabei immer wieder die Frage, wie es zu einer solchen Entartung der Macht in einem westeuropäischen Staat kommen konnte. Die führenden Köpfe des nationalsozialistischen Regimes waren schnell ausgemacht. Doch trugen sie allein die Verantwortung für die Gräueltaten der vergangenen Jahre? In den Reihen der Alliierten wurde zunächst die Auffassung vertreten, dass Hitler mit seiner Regierung erst durch das deutsche Volk an die Macht gekommen war. Auch war man der Überzeugung, dass Hitler seine Pläne nur verfolgen konnte, weil er dabei wesentlich durch die Bevölkerung unterstützt wurde. Deshalb gingen die Siegermächte zunächst von einer Kollektivschuld des deutschen Volkes aus. Aber waren wirklich alle Deutschen ergebene Diener der Nationalsozialisten? Deutschland eine homogene Masse von „Ja-Sagern“? Sehr schnell wurde klar, dass weder die These von der Kollektivschuld noch die Rechtfertigungsversuche vieler Deutscher, nie ein Nationalsozialist gewesen zu sein, ja sogar Widerstand geleistet zu haben, geeignet waren um diese Problematik adäquat zu behandeln.

Dank einer differenzierten Betrachtungsweise des Widerstandes gegen den Nationalsozialismus wissen wir heute, dass es sehr wohl Einzelne, als auch Gruppen gab, die aus innerer Überzeugung Widerstand leisteten.

Gegenstand dieser Hausarbeit ist die Analyse des kirchlichen Widerstandes gegen das nationalsozialistische Regime. Im Mittelpunkt steht dabei das Verhalten der katholischen Kirche. Dies scheint besonders deshalb interessant, weil sie die einzige gesellschaftliche Großgruppe in Deutschland war, die die nationalsozialistische Herrschaft nahezu unbeschadet d.h. unabhängig überdauert hat.1 Damit hatte sie die Möglichkeit der nationalsozialistischen Ideologie die eigenen Normen und Werte entgegenzusetzen und sich damit der Gleichschaltung zu entziehen. Aber hat die Kirche wirklich Widerstand geleistet? Wie sah dieser aus? War die Kirche gemäß ihrer Glaubensüberzeugung überhaupt legitimiert Widerstand zu leisten oder hatte sie ihre politische Neutralität zu wahren? Und war das, was sie tat genug um ihrer Verantwortung gegenüber den Menschen im Allgemeinen und den Katholiken im Speziellen gerecht zu werden?

Um bei der Beantwortung dieser Fragen einer Begriffsverwirrung vorzubeugen, erfolgt im Abschnitt 2.1 zunächst eine Klärung des Begriffs Widerstand. Anschließend wird untersucht, ob die katholische Kirche überhaupt ein Recht der Gläubigen auf Widerstand kennt und wie weit dieses gefasst ist (Abschnitt 2.2). In diesem Zusammenhang wird herausgestellt, welche Prämissen erfüllt sein müssen, um dieses Recht beanspruchen zu können und welchen Schwierigkeiten sich der Katholik dabei ausgesetzt sieht. 
Nach der Darlegung der theoretischen Begründung katholisch-kirchlichen Widerstandes, geht es im Abschnitt 3 darum, zu untersuchen, wie sich die katholische Kirche gegenüber dem Nationalsozialismus tatsächlich verhalten hat. Dazu wird das Verhalten der Nationalsozialisten der kirchlichen Reaktion in insgesamt fünf Abschnitten gegenübergestellt.

Im Abschnitt 4 erfolgt eine abschließende Beurteilung des Verhaltens der katholischen Kirche, indem Theorie und Praxis kirchlichen Widerstandes gegen den Nationalsozialismus vor dem Hintergrund des kirchlichen Selbstverständnisses, gegenübergestellt werden.

2 Grundlegende Rechtfertigung von Widerstand und Tyrannenmord

In diesem Abschnitt geht es nach einer Klärung des Widerstandbegriffes darum, die grundlegende Argumentation der katholischen Kirche zur Rechtfertigung von Widerstand darzulegen. Dabei wird auch die Problematik der Erlaubtheit des Tyrannenmordes beleuchtet.

2.1 Zum Begriff und den Arten des Widerstandes

Ausgangspunkt für die Beantwortung der Frage, ob und in welcher Form die Kirche Widerstand gegen den Nationalsozialismus geleistet hat, ist eine Klärung dessen, was mit Widerstand gemeint ist.

Die Debatte um den Widerstandsbegriff wird nach wie vor kontrovers geführt. Die Gefahr bei der begrifflichen Bestimmung dessen, was als Widerstand zu verstehen ist, besteht vor allem darin, dass er zu weit gefasst wird und damit zu einem Allerweltsbegriff verkommt.1 Als Widerstand, im Sinne eines Oberbegriffs, werden in dieser Arbeit zunächst Einstellungen, Haltungen und Handlungen verstanden, die gegen den Nationalsozialismus als Ideologie und Herrschaftsform gerichtet waren.2 Für eine weitergehende Differenzierung wird hier auf die Begriffssystematik der Autoren Klaus Gott, Hans Günter Hockerts und Konrad Repgen rekurriert.3

[....]


1 Gotto, K./ Hockerts, H. G./ Repgen, K., Bilanz, S. 173.

1 Vgl. Hürten, H., Verfolgung, S.60; Hürten, H., Selbstbehauptung, S. 135f.

2 Vgl. Benz, W., Kampf, S. 8.

3 Vgl. Gotto, K./ Hockerts, H. G./ Repgen, K., Bilanz, S. 173ff.


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