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Seminararbeit, 2003, 48 Seiten
Autor: Angelika Zojer
Fach: Geschichte - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Details
Institution/Hochschule: Universität Wien (Geschichte)
Tags: Chronist, Motive, Horizonte, Publikum, Studie, Fortsetzung, Anonymus, Leobiensis, Seminar, Wahrnehmung, Katastrophen, Spätmittelalter
Jahr: 2003
Seiten: 48
Note: Sehr Gut
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-27493-7
Dateigröße: 528 KB
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Textauszug (computergeneriert)
Chronist – Motive – Horizonte – Publikum: Studie zur
deutsche Fortsetzung des Anonymus Leobiensis
von: Angelika Zojer
1. Inhaltsverzeichnis
2. Vorwort 3
3. Der Anonymus Leobiensis 4 - 5
4. Der Chronist: Individuum und Historiograph 6 - 19
4.1. Vorbemerkung 6
4.2. Der Chronist als Zeitzeuge 6 - 8
4.3. Charakteristika spätmittelalterlicher Historiographie 8 - 14
4.4. Die Sprache der Chronisten 14 - 18
4.5. Chronist und Publikum 18 - 19
5. Historischer Hintergrund 20 - 22
6. Aufarbeitung der Quelle 23 - 38
7. Versuch einer detaillierten Darstellung der Schwerpunktsetzung 39 - 43
7.1. Thematische Schwerpunkte 39 - 40
7.2. Geographische Schwerpunkte 41 - 43
8. Resümee 44 - 45
9. Bibliographie 46 - 48
9.1. Gedruckte Literatur 46 - 48
9.2. Webdokumente 48
2. Vorwort
Im Rahmen des Seminars Wahrnehmung von Katastrophen im Spätmittelalter wurde anhand einer Quelle erarbeitet, wie Menschen dieser Epoche mit einschneidende Erlebnisse aus ihrer Umwelt umgingen. Hauptaugenmerk lag nicht auf dem Wahrheitsgehalt der Überlieferung, sondern kam der Darstellungsweise der Wahrnehmung zu. Bei der behandelten Quelle handelte es sich um die deutsche Fortsetzung des Anonymus Leobiensis1, welche eine außergewöhnliche Schilderung der Katastrophenjahre 1347-1350 in den habsburgischen Landen darstellt. In folgender Arbeit versuche ich, Motive und Horizonte des unbekannten Autors dazustellen und die Ausrichtung auf ein mögliches Zielpublikum auszuforschen. Gleichzeitig möchte ich auf die gegenseitige Einflussnahme hinweisen. Dabei gilt es jedoch immer, dem Wahrnehmungsfaktor besondere Beachtung zukommen zulassen.
3. Der Anonymus Leobiensis
Das Anonymi Leobiensis Chronicon stellt eine einzigartige Quelle zur Österreichischen Geschichte dar. Der in Laufe dieser Abhandlung bearbeitete Abschnitt bildet zwar nur einen kleinen Ausschnitt des eigentlichen Chronicons, doch muss klargestellt werden, worum es sich überhaupt handelt.
Der Melker Benediktiner Hieronymus Pez, ein eifriger Sammler österreichischer Historiegraphie, war im Klosterneuburger Chorherrenstift fündig geworden.: Im Jahre 17212 erschien unter dem Namen Anonymus Leobiensis ein Druck, der in überraschend ausführlicher Weise Überlieferungen zur Geschichte Österreich im 14 Jh. beinhaltete. Es handelte sich um ein für das Spätmittelalter typisches Geschichtskompendium, indem die bedeutsamsten Daten der Christenheit Verknüpfung mit territoriums- und dynastiebezogener Zeitgeschichte Verknüpfung fanden. Unter dem Titel cronica ab incarnationem domini et gesta principum sacerdotum erfährt man die Geschichte der habsburgischen Lande Österreich, Kärnten, Steiermark von Jahre 1 bis 1341.3 An die Überlieferung schließen sich weitere annalistische Fortsetzungen an. Zunächst zwei lateinische Texte: eine Prophetie von1345 welche sich auf die Schlacht von Crécy bezieht, weiters einen Brief von 1346, in welchem der Ritter Johannes Schönfelder eben über diese berichtet.
Mit 1347 setzen ausführlich deutsche Annalen ein, die jedoch schon 1350 wieder abbrechen4 – und diese bilden dem Kern meiner Forschungsdarstellung. Im Überlieferungskomplex schließt sich an diese noch die Beschreibung des „Streits zu Mühldorf“ (das damals zum Erzstift Salzburg gehörte)5 an, der kriegerischen Auseinandersetzung, die 1322 Ludwig dem Bayern den Sieg über den Habsburger Friedrich den Schönen brachte. Es ergibt sich also ein Konglomerat, das -zwar aus mehr oder weniger eigenständigen Teilen bestehend- zumeist als Ganzes behandelt, und auch so tradiert wurde. Doch die Tatsache der gemeinsamen Tradierung bedeutet nicht, dass die einzelnen Teile dem selben Verfasser zuzuschreiben, den gleichen Entstehungsort- und Zeitraum haben. Denn wie schon erwähnt, handelt es sich um eine Zusammensetzung aus selbstständigen Teilen. Es liegt also ein typischer Vertreter eines spätmittelalterlichen Geschichtskompendiums vor, deren Hauptmerkmal die kompilatorische Vorgangsweise darstellt, die auf ein eigenständiges Verarbeiten von Quellen, sowie eigene Formulierungen verzichtet. Es werden ausgewählte Abschnitte verfügbarer Handschriften in zum Teil unveränderter Form aneinandergereiht.6 Die Arbeit des Schreibers ist also keine Interpretation, sondern Mitteilen und Überliefern- der Schreiber tritt in seiner Rolle als Schaffender hinter sein Werk zurück. So ist auch zu verstehen, wieso die Namen der „Autoren“ nur in seltenen Fällen überliefert sind. Es ist zu fragen, welche Teile an welchem Ort zu welcher Zeit aus welchem Grund eingefügt wurden, ob die Bestandteile voneinander abgegrenzt wurden, und ob ein bloßes Kopieren oder eigenständiges Verarbeiten der Quellhandschriften vorliegt.7 Aufgrund der vielen Leoben betreffenden Lokalnachrichten schloss Pez auf eine Entstehung diesem Raum, und schrieb das Werk einem unbekannten Leobener Dominikanermönch zum, dem Anonymus Leobiensis.
[...]
1 Hieronymus Pez (ed.), Scriptores rerum Austriacum, Bd. 1 (1721) Sp. 968
2 Vergl. Urban Bassi, Studien zur Chronik des „Anonymus Leobiensis“ (Wien 1995) 1
3 Vergl. Winfried Stelzer, Studien zur österreichischen Historiographie im 14. Jahrhundert. I. Die Chronik des „Anonymus Leobiensis“ und die Leobner Martins-Chronik 369
4 Vergl. Stelzer, Studien 373
5 Vergl. Josef Lenzenweger, Albrecht II., der Lahme, Herzog von Österreich und die Päpste von Avignon 33
6 Vergl. Stelzer Studien 374
7 Vergl. Ebd. 375
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