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Thesis (M.A.), 2004, 129 Pages
Author: Elisabeth Bartels
Subject: Theater Studies
Details
Tags: Performing, Festival, Performance-Festival, TRANSIT, Berücksichtigung, Prozessualität, Ereignishaftigkeit
Year: 2004
Pages: 129
Grade: 2,3
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-27903-1
File size: 920 KB
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Excerpt (computer-generated)
Freie Universität Berlin
FB Philosophie und Geisteswissenschaften
Institut für Theaterwissenschaft
Performing the Festival -
Zum Performance-Festival IN TRANSIT (2003)
unter besonderer Berücksichtigung seiner Prozessualität und Ereignishaftigkeit
Magisterarbeit
zur Erlangung des akademischen Grades Magistra Artium (M.A.)
im Fach Theaterwissenschaft
eingereicht von
Elisabeth Bartels
Berlin, den 08.01.2004
Inhaltsverzeichnis
Einleitung ... 4
1. Performance-Festival ... 7
1.1. Das Projekt: interkulturelles Performance-Festival ... 7
1.1.1. Programmatik ... 7
1.1.2. Der Kurator: Ong Keng Sen ... 19
1.1.3. Programm 2003 ... 23
1.2. Performance ... 28
1.2.1. Begriffs-Geschichte ... 28
1.2.2. Neuere Tendenzen ... 32
1.3. Performativität (und Ereignis) ... 35
1.4. Performance-Festival als Spezialfall eines Megagenres von cultural performance ... 41
2. Festival-Performance ... 47
2.1. Ein Festival-Prozeß (I): Reports # 1-10 ... 47
2.2. Performative Festival-Strukturen ... 59
2.2.1. Rahmen-Konzeption ... 59
2.2.2. Performances Performing the Festival ... 65
2.3. Unerwartete Ereignisse und Verhandlungen: Ein Festival-Prozeß (II) ... 72
3. Festival-Performances ... 82
3.1. Secret Histories (I): UNDESIRABLE ELEMENTS BERLIN ... 82
3.1.1. Das Projekt von Ping Chong ... 82
3.1.2. Festival-Performance: Inszenierung von Oral Histories ... 84
3.1.3. Performative Aspekte ... 91
3.2. Secret Histories (II): THE LOUDEST MUTTERING IS OVER / CIVILIZATIONALLY, WE DO NOT DIG HOLES TO BURY OURSELVES ... 96
3.2.1. Das Projekt der Atlas Group (Walid Raad) ... 96
3.2.2. Festival-Performance: Lecture über Doku ... 98
3.2.3. Performative Aspekte ... 104
3.3. Performances Performing the Festival (II) ... 109
Zusammenfassung ... 113
Anhang ... 116
Bibliographie ... 120
Bildnachweis ... 129
Einleitung
Das Performance-Festival IN TRANSIT fand in der Zeit vom 30.05. bis 14.06.2003 zum zweiten Mal im Berliner Haus der Kulturen der Welt statt. Da die Veranstaltung so neu ist, gibt es noch keine Literatur zum Thema. Entsprechend ist diese Arbeit ein deskriptiv-analytischer Versuch der Annäherung an das Festival, daß in besonderem Maße durch Prozessualität und Ereignishaftigkeit gekennzeichnet ist. Das empirische Material, die Beobachtungen und Interviews, die vorliegendem Versuch zugrunde liegen, wurde in einer weitgehend offenen „Feldsituation“ gewonnen. Eine Vorbereitung war entsprechend der o.a. Forschungssituation nur sehr bedingt möglich, zumal auch zum Veranstaltungsort selbst keine publizierten Monographien vorliegen. Retrospektiv erschienen der forscherische Impetus, die Diskussionfreude und das (kultur-)politische Engagement interessant und wichtig genug, um sie in der Konzeption dieser Arbeit zu berücksichtigen. Es fiel die Entscheidung, den Fokus auf die Prozeßhaftigkeit der Veranstaltung zu richten, die sich in der kontinuierlichen Festival-Diskussion mit Teilnehmern und Zuschauern sowie in den festivalbegleitenden „Reports“ von André Lepecki manifestierte. Denn diese Art von kontinuierlicher Kontextualisierung des laufenden Programms veränderte auch immer wieder die Perspektiven der Rezeption – Zuschauen wurde hier in besonderem Maße zu einer Aktivität, zu einem Mitvollzug des Festival-Prozesses. Hier ergab sich der Ansatz, das Festival als eine Art (Gemeinschafts-) Performance zu begreifen. Dieser Zugriff wird gestützt durch die kulturanthropologische Kategorisierung von Festivals als cultural performances.
Die Darstellung von IN TRANSIT als Performance kann nur kursorisch verfahren. Dabei treten einzelne Veranstaltungen in den Hintergrund, sofern sie nicht von unmittelbarer Relevanz für diese Arbeit sind. Auch die vielfältigen theoretischen Bezüge, mit denen das Publikum in den Gesprächen, aber noch mehr in den „Reports“ herausgefordert wurde, können hier nur partiell aufgegriffen werden. Selektionskriterium ist ihre Relevanz für die Performance-Forschungen des Festivals, die sich um die Schlagworte „Kunst und Leben“, „Dokumentation“ und „Genre“ ranken, und die hier aufgegriffen werden.
Das anschließend vorzustellende Programm wurde in erster Linie geleitet durch die Fragestellung, wie sich dieser performative Ansatz auf den verschiedenen Ebenen der inhaltlichen wie formalen Festival-Konzeption, der Programmgestaltung, der interaktiven und forschungsgeleiteten Festival-Praxis, der Rezeption sowie der Festival-Performances fassen läßt. Die Auswahl letzterer greift einen Schwerpunkt von IN TRANSIT auf, Performances, die im Bereich von Historiographie und Dokumentation angesiedelt sind. Das erste Kapitel ist einführender Natur und widmet sich dem Begriffspaar Performance/Festival. Dazu werden Programmatik und Programm sowie Arbeitsmethoden des Kurators Ong Keng Sen erörtert. Ein performancegeschichtlicher Abriß dient der Kontextualisierung programmatischer Setzungen des Festivals. Die Begriffe „Performativität“ und „Ereignis“, die für die Betrachtung der Festival-Performance(s) von wesentlicher Bedeutung sind, werden für die Zwecke dieser Arbeit erläutert. Die Einführung wird beschlossen durch eine Betrachtung von Performance-Festivals bzw. Theater-Festivals als besondere Formen von cultural performance. Das zweite Kapitel etabliert eine Perspektive auf die (verhandelbaren) Prozesse der „Realisierung“ des Ereignisses IN TRANSIT und auf die performative Festival-Struktur. Als „offizieller“ Festival-Prozeß werden Lepeckis Analysen und Kontextualisierungen referiert und kommentiert. Die Betrachtung der Struktur des Festivals als „ramified performance type“ (J. MacAloon) nähert sich der Zwitterposition von IN TRANSIT zwischen Forschungslabor und sozio-kulturellem Ereignis. Der interrogative Gestus der Diskussion generiert in besonderem Maße eine Rezeption, die sich in die Überprüfung gesellschaftlicher Praxis im Rahmen von Festivals involvieren läßt. Im Anschluß an diese Überlegungen werden einige journalistische Rezeptionen näher betrachtet. Fokus ist hier die Frage nach den Kontextualisierungs-Verfahren, die auf einzelne Aufführungen angewendet wurden. Diese Betrachtung basiert auf dem Vorschlag des Kurators, die Performances sozusagen miteinander „kommunizieren“ zu lassen und somit auf induktivem Wege zu Aufschlüssen über das Festival zu kommen. Auch auf der Ebene der Programmgestaltung und –rezeption tritt die performative Ausrichtung des Festivals akzentuiert hervor. Das anschließende Unterkapitel versucht sich in Spekulationen über subkutane Prozesse die in unerwarteten Ereignissen im Rahmen von Diskussionen virulent zu werden scheinen. Diese „spontanen Performances“ werden gleichsam als Vollzüge der Offenheit / Ereignishaftigkeit der der gesamten Veranstaltung gedeutet. Diese Betrachtung wirft ihrerseits eine Reihe von Fragen auf, wie sie sich in Bezug auf das Verhältnis der verschiedenen prozessualen Ebenen zueinander stellen könnten. Das dritte Kapitel widmet sich „geheimen Geschichten“, es geht um die Doku-Performance von Ping Chong und die Lecture-Performances von Wali Ra’ad. Beide Projekte stehen mit ihren historiographisch-dokumentarischen Ansätzen in einem engen Bezug zur programmatischen Neuverhandlung des performancegeschichtlichen Topos von „Kunst und Leben“ im Rahmen von IN TRANSIT. Es wird sich zeigen, daß das anekdotische Erzählen in den Performances ein besonderes historio-“graphisches“ Mittel darstellt, das neue Perspektiven auf die Dokumentationsproblematik zwischen „Authentizität“ und „Fiktion“ eröffnet. Die performative Betrachtung legt besonderes Gewicht auf Strategien der Involvierung des Publikums. Das Kapitel schließt mit einer integrierenden Verortung der Performances im Prozeß des „Performing the Festival“.
1. PERFORMANCE-FESTIVAL
1.1. Das Projekt: interkulturelles Performance-Festival
1.1.1. Programmatik
IN TRANSIT ist als jährliches Festival für darstellende Künste konzipiert und findet im Haus der Kulturen der Welt (HKW) statt.1 Auftakt war im Jahr 2002. Die Veranstaltung versteht sich als „neue Art von Festival für das 21. Jahrhundert“ und als „postkoloniales Laboratorium der Performing Arts“.2 Die Gesamtkonzeption von IN TRANSIT wurde entscheidend geprägt durch die Arbeitsmethoden des künstlerischen Leiters, oder auch „Kurators“, Ong Keng Sen. Die Übertragung der Kuratorschaft auf den Regisseur aus Singapur entspricht dem Grundgedanken des Festivals, daß es (längst) an der Zeit ist, Inhalte und Konzeptionen von Veranstaltungsreihen des HKW auch von nicht-europäischen Künstlern gestalten zu lassen. IN TRANSIT fungiert hier als Pilot-Projekt.3 Zu den Aspekten der Arbeit Ongs, die für die ersten beiden Ausgaben4 des Festivals konstitutiv wurden, gehören die sogenannten „Doku-Performances“ und die Erarbeitung von Aufführungen durch einen zeitintensiven und experimentellen Probenprozeß in interkulturellen „Laboratorien“.5
[...]
1 Das HKW versteht sich als „[…] eines der führenden Zentren für zeitgenössische außereuropäische Kunst und Ort grenzüberschreitender Projekte“. Vgl. www.hkw.de. Eine Darstellung der programmpolitischen Entwicklung des 1988 gegründeten Hauses kann im Rahmen dieser Arbeit nicht geleistet werden. Siehe hierzu Torre Brons, S. 16ff.
2 Vgl. Sponsoren-Broschüre IN TRANSIT 2003 (o.S.).
3 Johannes Odenthal, Leiter des Programmbereichs Musik, Tanz und Theater am HKW und Ko-Kurator von IN TRANSIT, erläuterte im Interview (07.05.03) mit Lisbet Helkjaer den Kontext der neuen Handhabung der Kuratorschaft folgendermaßen: „Laden wir eine Gruppe ein die sehr gut in unseren ästhetischen Diskurs paßt oder laden wir eine Künstler-Persönlichkeit ein, mit der wir ein neues Projekt machen wollen, die sich innerhalb ihres Kulturraums auch Dialogen stellt und die auch innerhalb der Dialoge zwischen den Kulturen, also innerhalb dieses globalen Prozesses, ganz spezifische Fragen stellt, ganz bestimmte Positionen einnimmt? Und diese Inhalte, diese Themen, die, sagen wir mal, näher in die Cultural Studies gehören, die lassen wir nicht mehr raus, die stehen im Zentrum sogar“. (Verwendung mit freundlicher Genehmigung der Interviewerin.)
Es ist zur Person Odentahls noch zu erwähnen, daß der promovierte Kunsthistoriker und Archäologe und ehemalige Herausgeber bzw. Chefredakteur der Zeitschriften „Tanz Aktuell“ / „Ballett International - Tanz Aktuell“ als Autor und Kurator erheblich zur interkulturellen Öffnung der deutschen Tanzszene beigetragen hat. Vgl. www.in-transit.de.
4 IN TRANSIT wird in den Jahren 2004 und 2005 von dem bekannten, im Benin gebürtigen, Choreographen Koffi Kôkô kuratiert werden.
5 Vgl. Sponsoren-Broschüre IN TRANSIT 2003 (o.S.).
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