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Kreativitätstechniken und ihre theoretische Fundierung

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2003, 31 Pages
Author: Axel Kannenberg
Subject: Philosophy - Practical (Ethics, Aesthetics, Culture, Nature, Right, ...)

Details

Event: HS: Theorien der Kreativität
Institution/College: Free University of Berlin (Fachbereich Philosophie)
Tags: Kreativitätstechniken, Fundierung, Theorien, Kreativität
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2003
Pages: 31
Grade: 1.0
Language: German
Archive No.: V25254
ISBN (E-book): 978-3-638-27933-8

File size: 281 KB


Excerpt (computer-generated)

Freie Universität Berlin
Fachbereich Philosophie
HS: Theorien der Kreativität
Sommersemester 2003

Kreativitätstechniken und ihre theoretische Fundierung

von: Axel Kannenberg

 


Gliederung

0. Präambel  3

1. Einleitung  3

2. Suspendierte Evaluation  4

2.1. Brainstorming  6
2.2. Brainwriting  7
2.3. Wie man sein Evaluationsvermögen suspendiert  7
2.4. Suspendierte Evaluation als erfüllte Leere  9
2.5. Erfüllte Leere im Brainstorming  11
2.6. Die Notwendigkeit der Evaluation  12

3. Kombinationen  12

3.1. Kombinationstechniken  13

3.1.1. Analogie und Bisoziation  13
3.1.2. Reizwortanalyse  14
3.1.3. Semantische Intuition  14
3.1.4. Morphologie  15

3.2. Arthur Koestlers Bisoziationstheorie  16

3.2.1. Formen der Bisoziation  17

3.3. Synektik  19
3.4. Eine weitergefasste Metapherntheorie  20

4. Visualität  22

4.1. Visuelle Techniken  23

4.1.1. Varianten bekannter Techniken  23
4.1.2. Mindmapping  23

4.2. Hemisphärenmodelle  24

4.2.1. Der Ansatz von Glenda und Joseph Bogen  24
4.2.2. Übertragung auf das Mindmapping  26
4.2.3. Vertiefung des Hemisphärenmodells  26

5. Fazit und Abschlussdiskussion  27

5.1. Summe  27
5.2. Ausblick  29

 

 

 


0. Präambel


Aus einem Interview mit Ringo Starr:
Reporter: Ringo, are you a mod or a rocker?
Ringo: Um, no. I’m a mocker.

1. Einleitung

Gibt es überhaupt ein philosophisches Problem, zu dem sich kein Gleichnis bei Platon findet? Für die hier vorliegende Arbeit muss die Antwort lauten: Nein. Das hier behandelte Problem ist Kreativität; wir wollen darunter, ohne große definitorische Ansprüche, das Finden von Ideen verstehen. Zwei Leitfragen führen uns das Problem vor: Wie kommt es zur Inspiration, dem sprichwörtlichen Moment der Kreativität, in dem uns plötzlich etwas einfällt, das uns so auch nach stundenlangem Grübeln nicht einfiel? Ist es möglich, diese Plötzlichkeit gewollt herbeizuführen?

Platons Gleichnis macht uns dies anschaulich. 1 Er lässt seinen Sokrates das Bild eines Taubenschlags formulieren, anhand dessen sich zwischen „besitzen“ und „haben“ ein Unterschied zeigt. Zwar „besitze“ ich alle Tauben innerhalb meines Taubenschlags, aber ich kann über die einzelne Taube nur verfügen, wenn ich sie in der Hand halte. Nur dann „habe“ ich die Taube auch, die ich schon „besitze“. Der Taubenschlag symbolisiert unser Bewusstsein und die umherflatternden Tauben sind die Ideen darin. Und natürlich schließt sich die Frage an: Wie mache ich die Ideen aus meinem mentalen Taubenschlag verfügbar? Warte ich, bis sie mir in den Schoß flattern, oder gibt es Jagdtechniken, derer ich mich bedienen kann?

Solche Jagdtechniken gibt es und sie kommen dem modernen Bedürfnis nach Wettbewerbsvorteilen entgegen: „Kreativität ist natürlich mehr als nur die zündende, die zukunftsweisende Idee. Wirtschaftsunternehmen müssen die Kreativität gewissermaßen institutionalisieren, in ritualisierten Prozessen auffangen, aus denen eine Vielzahl kleiner Verbesserungen und Verfeinerungen für Produkte und Dienstleistungen hervorgeht.“2 Dementsprechend gibt es beachtliches Segment an Ratgeberliteratur, die verschiedenste Techniken in leicht verständlicher und handhabbarer Weise zusammenfasst. Naturgemäß ist der theoretische Erklärungsanspruch dieser Ratgeber gering. Gleichzeitig findet sich ein disparates Feld aus wissenschaftlichen Untersuchungen, die sich um systematische Erkenntnis kreativer Prozesse bemühen. Die Idee hinter dieser Arbeit ist recht simpel: Es soll eine Brücke geschlagen werden zwischen diesen beiden Polen. Ich werde also – um ins Gleichnis zurückzukehren – in den separaten Taubenschlägen des Handlungswissens und des Reflexionswissens wildern, um dann die gefangenen Vögel miteinander zu kreuzen. Ich habe aus 4 Ratgebern verschiedene Techniken ausgewählt, die ich im folgenden erläutere und darauf passende Theorieansätze appliziere. Aus dem Theoriebezug ergibt sich die Möglichkeit zur Systematisierung der Techniken. Ich schlage diese Einteilung vor:3

1. Techniken, die auf suspendiertem Evaluationsvermögen basieren
2. Techniken, die auf Kombination getrennter Bereiche basieren
3. Techniken auf visueller Basis

Daran anschließend – als Abschluss der Arbeit – werde ich diskutieren, ob diesen Ideenfindungs-Techniken zu Recht das Prädikat „Kreativitätstechnik“ zukommt. Unterstützen sie uns bei der Bildung wirklich kreativer Ideen oder handelt es sich nur Automatisierungsroutinen der Gedankenproduktion, um „kombinatorische Gymnastik“4?

2. Suspendierte Evaluation

[...]


1 Zu finden im Dialog Theätet, 197b-e. bei Platon ist das Gleichnis eher auf das Problem des Wissens bezogen, es lässt sich jedoch trefflich auf Kreativität anwenden.

2 Goleman, Kreativität entdecken, S. 149-150. Dabei muss man anmerken, dass der Gedanke technisch stimulierter Ideenproduktion nicht allein aus Wirtschaftsinteressen geboren wurde. Forcierte Entwicklungen in dieser Richtung wurden z. B. während des zweiten Weltkriegs unternommen, bzw. auch nach dem Sputnikschock in Amerika. Ebenso seien die aus der Antike stammenden Vorformen erwähnt, z. B. die rhetorische Ideensammeltechnik der Inventio und auch die Maieutik des Sokrates.

3 Die Techniken der „Denkhüte“, bzw. „Denkstühle“ (Vgl. Kellner, S. 49-53, Nöllke, S.85-92) sind der blinde Fleck dieses Schemas; es handelt sich hierbei um sogenannte Imaginationstechniken. Sie basieren einfach gesagt auf verschiedenen Perspektiven, die sich zu einem Problem einnehmen lassen. Die möglichen Perspektiven – z. B. Optimist oder Pessimist - werden gezielt nacheinander oder von Gruppenmitgliedern eingenommen, um lösungsführende Aspekte des Problems herauszuarbeiten. Ich lasse diese Techniken weg, weil mir die theoretische Basis fehlt. Zwar ist der Perspektivismus ein prominentes Thema in der Philosophie – aber dies meist nur in epistemischer Hinsicht. Systematische Arbeiten über den Zusammenhang zwischen Kreativität und der Fähigkeit zu Perspektivwechsel sind mir nicht bekannt.

4 Vgl. Hans Lenk, Kreative Aufstiege, S.178.


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