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Außenseiter bei Wolfram - Parzival und Rennewart

Scholary Paper (Seminar), 2003, 15 Pages
Author: Judith Blum
Subject: German Studies - Older German Literature, Mediaevistik

Details

Event: Wolframs 'Willehalm'
Institution/College: University of Freiburg (Deutsches Seminar)
Tags: Außenseiter, Wolfram, Parzival, Rennewart, Wolframs, Willehalm
Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2003
Pages: 15
Grade: 1,0
Language: German
Archive No.: V25287
ISBN (E-book): 978-3-638-27961-1
ISBN (Book): 978-3-638-92075-9
File size: 238 KB

Abstract

Bei der Lektüre von WOLFRAM von Eschenbachs Willehalm fühlen sich Leser, denen auch der Parzival bekannt ist, bei der Beschreibung der Figur des Rennewarts an die des Parzivals erinnert. Diese Parallele zwischen Rennewart und Parzival wird von WOLFRAM im Willehalm auch explizit hergestellt. In der Forschung wird die Ähnlichkeit zwischen Rennewart und Parzival und der direkte Vergleich WOLFRAMS genutzt, um Hypothesen über das offene Ende der Willehalm-Handlung aufzustellen. Argumentiert wird etwa derart, dass so wie Parzival zur Erkenntnis seiner Schuld und damit zurück zum Glauben gelangt, auch Rennewart seine Fehler erkennen und damit bereit zur Annahme der Taufe werden wird. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, ob derartige Analogieschlüsse legitim sind. Es wird hinterfragt, ob bei diesem Vorgehen der jeweilige Kontext, in dem die Figuren sich bewegen, und die unterschiedlichen Gattungen der beiden Werke nicht zu stark unberücksichtigt bleiben.


Excerpt (computer-generated)

Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i. Br.
Deutsches Seminar I
Seminar: Wolfram von Eschenbach, ‚Willehalm’
Sommersemester 2003

Außenseiter bei Wolfram - Parzival und Rennewart

von: Judith Blum

 


Inhalt

Einleitung 1

Hauptteil 2

1. Parallelen zwischen Rennewart und Parzival 2
2. Rennewart – Schuld, Schulerkenntnis und Happy End? 5
3. Rennewarts Unschuld – Möglichkeit der ‚Entrückung’ oder Figur der Integration und Versöhnung? 8
4. Die Gattungsfrage 10

Schluss 12

Literatur 13


 

 

Einleitung

Bei der Lektüre von WOLFRAM von Eschenbachs Willehalm fühlen sich Leser, denen auch der Parzival bekannt ist, bei der Beschreibung der Figur des Rennewarts an die des Parzivals erinnert. Diese Parallele zwischen Rennewart und Parzival wird von WOLFRAM im Willehalm auch explizit hergestellt.1 In der Forschung wird diese Ähnlichkeit zwischen Rennewart und Parzival und der direkte Vergleich WOLFRAMS genutzt, um Hypothesen über das offene Ende der Willehalm-Handlung aufstellen zu können. Argumentiert wird etwa derart, dass so wie Parzival zur Erkenntnis seiner Schuld und damit zurück zum Glauben gelangt, auch Rennewart seine Fehler erkennen und damit bereit zur Annahme der Taufe werden wird. Die vorliegende Hausarbeit mit dem Titel Außenseiter bei Wolfram – Parzival und Rennewart beschäftigt sich mit der Frage, ob derartige Analogieschlüsse legitim sind. Es wird hinterfragt, ob bei diesem Vorgehen der jeweilige Kontext, in dem die Figuren sich bewegen, und die unterschiedlichen Gattungen der beiden Werke nicht zu stark unberücksichtigt bleiben.

Das erste Kapitel zeigt die Parallelen zwischen Rennewart und Parzival auf. Im zweiten Teil werden Forschungspositionen vorgestellt, die ausgehend von der Parzival- Handlung bei Rennewart von Schuld, Schulderkenntnis und Übertritt zum christlichen Glauben ausgehen. Im dritten Kapitel werden konträre Positionen erörtert, die die Legitimität von Analogieschlüssen von der Parzival- auf die Rennewartfigur verneinen, von der Unschuld Rennewarts ausgehen und zu anderen Hypothesen über den möglichen Ausgang des Willehalm gelangen. Abschließend wird die Gattungszugehörigkeit des Willehalm diskutiert und gefragt, ob bei Rückschlüssen vom Parzival auf dieses Werk nicht Gattungsunterschiede zwischen den beiden Texten zu stark außer Acht gelassen werden.

1. Parallelen zwischen Rennewart und Parzival

Vergleicht man die Figur des Rennewart in WOLFRAM von Eschenbachs Willehalm mit der des Parzivals in seinem Werk Parzival fallen deutliche Parallelen auf.2 Sowohl Rennewart als auch Parzival sind von edler Herkunft, haben aber keine standesgemäße Erziehung genossen. Rennewart hätte diese als Sohn des Heidenkönigs Terramer zugestanden, aber er wird als Kind entführt und wächst fernab seiner Familie auf (W 282, 19ff). Parzivals Mutter Herzeloyde zieht sich nach dem Tod ihres Mannes Gahmuret mit ihrem Sohn in die Einsamkeit von Soltane zurück und lässt ihm bewusst keine höfische Erziehung zukommen, um zu verhindern, dass ihn ein ähnliches Schicksal wie das des Vaters treffen könnte.3 So ist das bestimmende Merkmal von Rennewart und Parzival zu Beginn des jeweiligen Textes das der tumpheit. Rennewarts tumpheit wird unter anderem deutlich in seiner Ablehnung ritterlicher Waffen (W 196, 17ff.) und im übermäßigen Essen und Trinken am Hof von Orange (W 275, 1ff.), Parzivals tumpheit in seinem Verhalten gegenüber Jeschute (P 129, 18ff.), seiner Vorstellung vom Rittertum und ebenfalls in übermäßigem Essen am Hof von Gurnemanz (P 165, 27ff.). Allerdings besitzt Rennwart, anders als Parzival, der höfisches Benehmen erst durch Gurnemanz vermittelt bekommt, von Beginn an relativ gute Sitten, da er bis zu seiner Weigerung, die christliche Taufe zu empfangen, gemeinsam mit der Königstochter Alyze am Hof aufgewachsen ist (W 190, 29f.). Auch weiß Rennewart, anders als Parzival, über seine hohe Herkunft Bescheid. Bedingt durch diese Unterschiede ist sich Rennewart seiner unstandesgemäßen Stellung bewusst und schämt sich beispielsweise vor Willehalm seiner Kleidung (W 192, 31ff.), während Parzival erst von Gurnemanz überredet werden muss, sein Narrenkostüm abzulegen. Trotz aller tumpheit scheint der Adel von Rennewart und Parzival, der sich vor allem in ihrer Schönheit manifestiert, durch. So wird Rennewart mit einem Goldstück und einem Edelstein verglichen, deren Glanz auch noch zu erkennen ist, wenn sie beschmutzt sind:

[...]


1 Vgl. WOLFRAM von Eschenbach, Willehalm. Text der Ausgabe von Werner Schröder. Völlig neu bearb. Übersetzung, Vorwort und Register von Dieter Kartoschke. Berlin, New York 1989, 271, 17ff. Im Folgenden wird das Werk mit der Sigle „W“ im fortlaufenden Text zitiert.

2 Schon im Prolog des Willehalm stellt sich WOLFRAM als der Dichter des Parzival-Romans vor. Neben den Parallelen zwischen Parzival und Rennewart findet man im Willehalm wiederholt Anspielungen auf Personen oder Begebenheiten des Parzival. Die meisten dieser Anspielungen beziehen sich auf den leidenden Anfortas und Feirefiz. Eine detaillierte Aufzählung dieser Textstellen findet sich bei KIENING, Christian, Reflexion – Narration. Wege zum „Willehalm“ Wolfram von Eschenbachs. Tübingen 1991, 95ff. KIENING vertritt allerdings die Auffassung, dass „der Bezug auf das frühere Werk [...] kaum zwingenden Charakter beanspruchen [kann]; in seiner Marginalität scheint eher Differenz denn Kontinuität auf.“ (KIENING, 101f.).

3 Vgl. WOLFRAM von Eschenbach, Parzival. Mittelhochdeutscher Text nach der 6. Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Einführung zum Text von Bernd Schirok. Berlin, New York 1998, 117, 7ff. Im Folgenden wird das Werk mit der Sigle „P“ im fortlaufenden Text zitiert.


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