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WALTHER VON DER VOGELWEIDE - Ein politischer Dichter zwischen Propaganda und künstlerischem Selbstverständnis

Termpaper, 2003, 17 Pages
Author: Julia Hermanns
Subject: History - Middle Ages, Early Modern

Details

Category: Termpaper
Year: 2003
Pages: 17
Grade: 1,7
Language: German
Archive No.: V25307
ISBN (E-book): 978-3-638-27977-2

File size: 375 KB


Excerpt (computer-generated)

ALBERT-LUDWIGS-UNIVERSITÄT FREIBURG I.BR.
Seminar für Mittelalterliche Geschichte
Proseminar: Staufer und Welfen
Wintersemester 2002/03

WALTHER VON DER VOGELWEIDE - Ein politischer Dichter
zwischen Propaganda und künstlerischem Selbstverständnis

von: Julia Hermanns

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung: Der erste `politische Dichter`S. 1

2. Walther von der Vogelweide und seine Zeit S. 3

2.1 Leben und Werk S. 3
2.2 Literarische und gesellschaftliche Bedingungen S. 5

3. Walthers politische Spruchdichtung S. 6

3.1 Im Umfeld Philipps von Schwaben S. 7
3.2 Im Dienste Ottos IV. und seinen Anhängern S. 9
3.3 Im Dienste Friedrichs II. S. 11

4. Ausblick: Walthers Dichtung als Versinnlichung seiner Selbst S. 12

5. Quellen- und Literaturverzeichnis S. 14

5.1 Quellen S. 14
5.2 Literatur S. 14
5.3 Bildquellennachweis S. 15

 


 


 

1. Der erste `politische Dichter`

`Er brauchte die Poesie nicht zu Liebesklagen allein, er lobte, er tadelte, er lehrete. Er lobte erhaben, er tadelte fein und er lehrete moralisch.`1 Mit Walther von der Vogelweide beginnt die politische Dichtung in deutscher Sprache. Walthers Spruchdichtung stellt eine erstmalige Nutzung von Literatur zur gezielten Vermittlung politischer Informationen dar. Er begründete die höfische Form der Spruchdichtung, indem er seine Sprüche an den Minnesang anglich und damit erstmalig adelige und bürgerliche Lyrik vereinigte. Walther hob die Spruchdichtung auf das künstlerisch beachtliche Niveau des Minnesangs und erweiterte dadurch den Themenbereich von der Ethik und der Lehre, so dass seine Versdichtung auch zeitgenössische politische Probleme erörterte. Jedoch liegt die Bedeutung von Walthers Spruchdichtung nicht in der geistigen Selbständigkeit der politischen Gedanken, sondern in der Art, wie Politik in Dichtung umgesetzt wird, wie mit poetischen Instrumenten politische Wirkung erzielt wird. Dieser unmöglich erscheinende Spagat zwischen propagandistischer Auftragsdichtung und einem stark ausgeprägtem künstlerische m Selbstbewußtsein bildet die thematische Grundlage dieser Arbeit. Walther von der Vogelweide gehört neben Goethe und Schiller zu den bekanntesten deutschsprachigen Dichtern. 500 Strophen - davon 140 Sprüche - sind von Walther in mehr als 25 Handschriften überliefert. Walthers Werk ist 800 Jahre alt und seit dem Anfang des 19. Jahrhunderts sind Walthers Lieder und Sprüche Gegenstand wissenschaftlicher Forschung. Heute ist die Rubrik `Walther von der Vogelweide` eine der umfangreichsten im Mittelalterteil der Bibliographien. Dennoch steht eine große wissenschaftliche Gesamtdarstellung, welche die Walther-Forschung der vergangenen 200 Jahre zusammenfaßt, noch aus. Einen Durchbruch in der Walther-Forschung stellte die erste Walther-Abhandlung von den Schweizern Bodmer und Breitinger2 Mitte des 18. Jahrhunderts dar. Das erste anspruchsvolle Porträt Walthers veröffentlichte Ludwig Uhland 3 1822 und die erste grundlegende historisch-kritische Ausgabe wurde 1827 von Karl Lachmann4 publiziert. Als gute zeitgenössischen wissenschaftlichen Abhandlungen sind die Monographien von Kurt Herbert Halbach5 (1983), Gerhard Hahn6 (1989) und von Thomas Bein7 (1997) zu nennen. Speziell zur Problematik der politischen Spruchdichtung Walthers sind vornehmlich die Untersuchungen von Matthias Nix 8(1993) und Ulrich Müller9 (1996) zu erwähnen.

Die vorliegende Arbeit gliedert sich in zwei grundlegende Teile. Im ersten Teil wird Leben und Werk Walthers dargestellt. Ferner sollen in diesem Teil der Arbeit die historischen und gesellschaftlichen Bedingungen dargelegt werden, unter denen politische Dichtung im Mittelalter erst möglich war. Der mittelalterliche Literaturbegriff, der sich grundlegend von unserem heutigen unterscheidet, soll geklärt werden. Außerdem soll untersucht werden, wo Walther von der Vogelweide als fahrender Dichter im Gefüge der Gesellschaft um 1200 stand. Der zweite Teil bildet den Hauptteil dieser Arbeit. Dort soll detailliert auf die politische Sangspruchdichtung Walthers eingegangen werden. Eine Wegskizze des fahrenden Dichters durch die europäischen Fürsten-, Königs- und Kaiserhöfe soll nachgezeichnet werden. Die Sprüche unter Philipp II., Otto IV. und unter Friedrich II. und die damit verbundenen Forschungsprobleme bilden hier die Schwerpunkte. Folgende Fragen sollen hier erörtert werden: Wie sind bestimmte Strophen zu datieren? Welche Personen sind gemeint? Bei welchen Anlässen und vor welchem historischem Kontext sind diese Texte zu verstehen? Wann und aus welchen Gründen wechselt Walther von staufischer zu welfischer Seite? Wie gelingt es ihm, sich für seine Sprüche politischen Inhalts zu legitimieren, zu einer Zeit, in der von einem `Recht auf Meinungsäußerung` nicht die Rede sein kann? Aus Komplexitätsgründen ist es im Rahmen der vorliegenden Arbeit nicht möglich, auf jeden Spruch, den Walther im Dienste oder im Umfeld Philipps, Ottos und Friedrichs verfaßt hat, einzugehen.

Das Ziel dieser Arbeit besteht darin, ein Bild des politischen Walthers von der Vogelweide nachzuzeichnen, das ein angemessenes historisches Verständnis seiner Lyrik ermöglicht. Diese Arbeit soll verdeutlichen, dass die romantische Vorstellung - die Sorge um das Wohl des Reiches nach dem Tod Kaiser Heinrichs VI. und der Doppelwahl des Jahres 1198 habe Walther zum politischen Dichter gemacht - die historischen Verhältnisse verkennt. Doch eines steht fest: Walther von der Vogelweide gibt wie kein anderer mittelalterlicher Dichter in seinem Werk Aufschluß über sich und über die geistigen und politischen Strömungen im Zeitraum von 1198 bis 1220. Er ist ein literarischer Zeitzeuge. „Das Leben hat ihn erzogen, er hat gelernt, was er mit Augen sah; das Treiben der Menschen, die Ereignisse der Zeit waren seine Wissenschaft.“10

2. Walther von der Vogelweide und seine Zeit

[...]


1 Johann Jacob Bodmer: Proben der alten schwäbischen Poesie des Dreizehnten Jahrhunderts aus der Maneßschen Sammlung, Zürich 1748. Zitiert nach Hans-Uwe Rump: Walther von der Vogelweide. In Selbstzeugnissen und Bilddokumenten, Reinbek bei Hamburg 1974, S. 125.

2 Johann Jacob Bodmer/ Johann Jacob Breitinger: Sammlung von Minnesingern aus dem schwäbischen Zeitpuncte. CXL Dichter erhaltend, Zürich 1758/59.

3 Ludwig Uhland: Ein altdeutscher Dichter, Tübingen 1822.

4 Christoph Cormeau (Hg.): Walther von der Vogelweide. Leich, Lieder, Sangsprüche. 14. völlig neu bearb. Auflage der Ausgabe Karl Lachmanns mit Beiträgen von Thomas Bein und Horst Brunner, Berlin 1996.

5 Kurt Herbert Halbach: Walther von der Vogelweide, Stuttgart 1965. 4. durchges. und erg. Aufl. bearb. von Manfred Günther Scholz, Stuttgart 1983

6 Gerhard Hahn: Walther von der Vogelweide. Eine Einführung, München/Zürich 21989.

7 Thomas Bein: Walther von der Vogelweide, Stuttgart 1997.

8 Matthias Nix: Untersuchungen zur Funktion der politischen Spruchdichtung Walthers von der Vogelweide, Göppingen 1993.

9 Ulrich Müller: Walthers Sangspruchdichtung, in: Horst Brunner/Gerhard Hahn (Hrsg.): Walter von der Vogelweide. Epoche-Werk-Wirkung, München 1996, S. 135-191.

10 Ludwig Uhland: Ein altdeutscher Dichter.


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