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Die geschichtlichen Dimensionen des Schillerschen Idyllenbegriffs close

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Die geschichtlichen Dimensionen des Schillerschen Idyllenbegriffs

Termpaper, 2003, 14 Pages
Author: Julia Hermanns
Subject: German Studies - Modern German Literature

Details

Event: Einführung in das Studium der neueren deutschen Literatur
Institution/College: University of Freiburg (Deutsches Seminar)
Tags: Dimensionen, Schillerschen, Idyllenbegriffs, Einführung, Studium, Literatur
Category: Termpaper
Year: 2003
Pages: 14
Grade: 2,3
Language: German
Archive No.: V25309
ISBN (E-book): 978-3-638-27979-6

File size: 240 KB


Excerpt (computer-generated)

ALBERT-LUDWIGS-UNIVERSITÄT FREIBURG I.BR.
Deutsches Seminar II
Einführung in das Studium der neueren deutschen Literatur
Sommersemester 2003

Die geschichtlichen Dimensionen des Schillerschen
Idyllenbegriffs

von: Julia Hermanns

 


Inhaltsverzeichnis

Einleitung S. 1

Hauptteil

I. Die gesellschaftskritische Funktion der Kunst S. 3
II. Die Autonomie der Kunst S. 6

Ausblick S. 8

Literatur

I. Primärliteratur S. 11
II. Sekundärliteratur S. 11


 

 

 

Einleitung

Politische und bürgerliche Freiheit bleibt immer und ewig das heiligste aller Güter, das würdigste Ziel aller Anstrengungen [...] aber man wird diesen herrlichen Bau nur auf dem festen Grund eines veredelten Charakters aufführen, man wird damit anfangen müssen, für die Verfassung Bürger zu schaffen, ehe man den Bürgern eine Verfassung geben kann.1 Der Verlauf der Französischen Revolution ließ Schiller über die Idee eines politischen Fortschritts resignieren. Er erkannte, dass das ideale Geschichtsziel vom „Paradies der Erkenntnis und der Freiheit“2 auf dem gesellschaftlichen Weg nicht herbeizuführen sei. Schiller gab jedoch seine Idee vom idealen Staat nicht auf, sondern verlegte ihre Verwirklichung ins Ästhetische. In seinen philosophischen Schriften sah sich Schiller dazu veranlaßt, diesen idealen Staat zu entwerfen, um den Menschen die `Veredelung ihres Charakters` zu ermöglichen. Denn nur so bestehe überhaupt die Möglichkeit einer „Annäherung an eine paradiesische Vollendung der Geschichte“.3 In seinen großen philosophischen Schriften verbindet Schiller Anthropologie, Geschichte und Ästhetik miteinander. Vor allem seine Abhandlungen Über die ästhetische Erziehung des Menschen4 und Über naive und sentimentalische Dichtung5 können als Antwort auf die Begebenheiten der Französischen Revolution und als Auseinandersetzung mit seiner eigenen Dichtungsweise gelesen werden.

Für das Ende des 18. Jahrhunderts – einer Zeit grundlegender und radikal tiefgreifender Veränderungen - ist es sehr kennzeichnend, nach dem Sinn der Kunst überhaupt zu fragen. Schiller sucht in seinen ästhetischen Schriften die Wirksamkeit der Dichtung in dieser ganz bestimmten historischen Situation zu ermitteln, indem er der modernen Gesellschaft einen Widerspruch zwischen Wirklichkeit und Ideal diagnostiziert. Die ursprüngliche Einheit von Natur und Kultur existiere nicht mehr. Die sentimentalische Dichtung beruhe auf dieser gegenwärtigen Trennung zwischen Natur und Kultur und beziehe sich aus der Besinnung auf ihre ehemalige arkadische Ausgewogenheit auf ihren zukünftigen elysischen Zusammenschluß. Auf den Widerspruch der modernen Gesellschaft könne der moderne Dichter in dreifacher Weise reagieren. Diesen drei möglichen Beziehungen zwischen Ideal und Wirklichkeit entsprächen die drei sentimentalischen Dichtungsarten Satire, Elegie und Idylle. Die satirische und elegische Dichtungsweise entwickeln sich aus dem Mangel des Ideals in der Gegenwart, während die Idylle durch „die poetische Darstellung unschuldiger und glücklicher Menschheit“6 den ideellen Zustand als wirklich anwesend darstellt und seine Zukunft als präsent vorstellen läßt. An dieser Stelle gerät Schillers Gattungspoetik in Auseinandersetzung mit seinem Geschichtsverständnis. Die Voraussetzungen der sentimentalischen Dichtung erlauben es, das Ideal als zurückliegendes oder als zukünftiges darzustellen, bestehen aber gleichzeitig auf einer strengen Abgrenzung von der Gegenwart. Damit wird der Bereich der sentimentalischen Dichtung verlassen. Schiller war sich dieser Problematik bewußt, dennoch hielt er an der elysischen Idylle fest.

Schillers Entwurf eines ästhetischen Staates vor dem Hintergrund der Französischen Revolution in Verbindung mit seiner Gattungspoetik der utopischen Idylle hat in den 70 er Jahren des 20. Jahrhunderts eine ausführliche Diskussion ausgelöst. Das Verhältnis von Geschichte und Kunst trat in den Fokus des Interesses. Welcher Zusammenhang besteht zwischen Geschichte, Ästhetik und künstlerischer Praxis? Schlugen sich Schillers Zeiterfahrungen in seiner Dichtungsweise nieder? Worin besteht überhaupt der Sinn und die Möglichkeit einer philosophischen Ästhetik?

[...]


1 Erwin STREITFELD/ Victor ZMEGAÇ (Hrsg.): Schillers Briefe, Königstein 1983, S. 208.

2 Eduard von der HELLEN (Hg,): Schillers sämtlichen Werke. Säkularausgabe in 16. Bdn , Bd. 13, Stuttgart 1904-1906, S. 25.

3 Gert SAUTERMEISTER: Idyllik und Dramatik im Werk Friedrich Schillers. Zum geschichtlichen Ort seiner klassischen Dramen, Stuttgart 1971, S. 23.

4 Friedrich SCHILLER: Über die ästhetische Erziehung des Menschen in einer Reihe von Briefen. In: Schillers Werke. Nationalausgabe, Bd. 20, Weimar 1987, S. 309-412.

5 Friedrich SCHILLER: Über naive und sentimentalische Dichtung. In: Schillers Werke. Nationalausgabe, Bd. 20, Weimar 1987, S. 413-503.

6 Schiller ebd. , S. 67.


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