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Aspekte sprachlicher Identität

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2002, 17 Pages
Author: Martin Abrahams
Subject: German Studies - Linguistics

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2002
Pages: 17
Grade: 1,0
Language: German
Archive No.: V25335
ISBN (E-book): 978-3-638-27996-3

File size: 239 KB


Excerpt (computer-generated)

Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Sommersemester 2002
Deutsches Institut
Hauptseminar: Gesellschaft und Sprache
6. Semester

Aspekte sprachlicher Identität

von: Martin Abrahams

 


Inhalt

1. Identität 3

1.1 Zum Begriff der Identität 3
1.2 Symbolischer Interaktionismus 3
1.3 Ausbildung der sprachlichen Identität 5

2. Sprachnormen 8

2.1 Soziale Kontrolle 8
2.2 Selektion 8
2.3 Sprachhandlungsnormen 10
2.4 Subkulturen 13

3. Idiolekt 14

3.1 Sprachliche und parasprachliche Sprechermerkmale 14
3.2 Register 15

Bibliographie 17

 

 


1. Identität

1.1 Zum Begriff der Identität

Die Vokabel Identität ist im 18. Jahrhundert aus dem spätlateinischen identitas entlehnt worden, dass ‚Einheit des Wesens‘ bedeutet; identisch steht für ’völlig gleich‘ bzw. ’übereinstimmend‘ (vgl. Veith 2002, S. 31). In der Soziologie ist unbestritten, dass verschiedene Parameter für die Identitätsbildung entscheidend sind. Bedeutend ist die Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Schicht oder Gruppe. Die Identifikation mit einer bestimmten sozialen Schicht oder Gruppe, wie etwa Arbeiter, Ehegatte, Mutter, bzw. mit Menschen die einen bestimmten Status (z.B. Alter, Ge-schlecht, Reichtum, Armut) inne haben, aber auch die Identifikation mit einer bestimmten Kultur, Nation oder Ethnie bilden die so genannte soziale Identität. Auch subjektive Gegebenheiten, persönliche Vorlieben und Interessen spielen eine Rolle. Ein wichtiger Teil der menschlichen Identität ist die sprachliche. Diese entsteht durch die Identifikation mit einer Sprache und deren Varietäten (z.B. Dialekte) und deren Sprechern. Den Erstspracherwerb bezeichnet man als primäre, den Erwerb der Zweitsprache als sekundäre sprachliche Sozialisation. Die Identitätsbildung (sowohl sozial als auch lingual) kommt erst nach dem jungen Erwachsenenalter zu einem vorläufigen Abschluss (vgl. Veith 2002, S. 31 f.).

1.2 Symbolischer Interaktionismus

Der Umwelt kommt bei der Identitätsbildung eine entscheidende Bedeutung zu. Gemäß George Herbert Mead lebt der Mensch nicht nur in einer natürlichen, sondern auch in einer symbolisch vermittelten Umwelt, d.h. der Mensch erwirbt im Rahmen seiner Identitätsbildung Symbole, die in der Gesellschaft verwirklicht sind (auch Sprache ist ein solches Symbol). Die Grundlage der Identitätsbildung ist für Mead also eindeutig gesellschaftlicher Natur; sie erfolgt im Rahmen des sog. symbolischen Interaktionismus. Mead erläutert diesen wie folgt:
„Es kann keine scharfe Trennungslinie zwischen unserer eigenen Identität und der Identität anderer Menschen gezogen werden, da unsere eigene Identität nur soweit existiert und als solche in unsere Erfahrung eintritt, wie die Identitäten anderer Menschen existieren und als solche ebenfalls in unsere Erfahrung eintreten. Der Einzelne hat seine Identität nur in Bezug zu den Identitäten anderer Mitglieder seiner gesellschaftlichen Gruppe. Die Struktur seiner Identität drückt die allgemeinen Verhaltensmuster seiner gesellschaftlichen Gruppe aus, genauso wie sie die Struktur der Identität jedes anderen Mitglieds dieser gesellschaftlichen Gruppe ausdrückt“ (Mead 1973, S. 206).

Eine vollkommen ‚eigenständige‘ Identität kann es nach Mead nicht geben, da sie immer im Kontext der Gesellschaft betrachtet werden muss, in der man lebt – die eigene Identität ist immer auf die Identitäten anderer bezogen und das Handeln des Individuums ist eine ständige Auseinandersetzung mit anderen Individuen und Gruppen seines sozialen Umfelds.
Das Erlernen von Symbolen bzw. von Symbolsystemen wie Sprache führt zur Erlernung der Fähigkeit sich in die Rollen anderer hinein zu versetzen, Erwartungen und mögliche Reaktionen anderer innerlich vorwegzunehmen, zu interpretieren und das eigene Handeln darnach auszurichten. Nach einer erfolgreichen Sozialisation sollte ein Mensch gelernt haben, sich aus der Perspektive anderer zu sehen und die seitens der sozialen Umwelt an ihn gerichteten Rollenerwartungen zu erfüllen. Eine soziale Rolle kann definiert werden als „die Summe der an den Inhaber einer sozialen Position gerichteten (Verhaltens-)Erwartungen“ (Veith 2002, S. 33). Durch das Prinzip der symbolischen Rollenübernahme erwirbt ein Mensch die Fähigkeit, nach Regeln zu handeln, d.h. auch sozial zu handeln.

[...]


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