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Akuter Myokardinfarkt und Rehabilitation: Zur moderierenden Rolle individueller Attributionen in der Arzt-Patient-Beziehung

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2004, 50 Pages
Author: Christoph Herrmann
Subject: Psychology - Clinic and Health Psychology, Abnormal Psychology

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2004
Pages: 50
Grade: 1,0
Language: German
Archive No.: V25423
ISBN (E-book): 978-3-638-28055-6

File size: 634 KB


Excerpt (computer-generated)

Hochschule Zittau/Görlitz (FH)
University of applied sciences
Wissenschaftliche Hausarbeit im Studiengang Kommunikationspsychologie
Vorlesung: Psychologie der Interkulturellen Kommunikation

Akuter Myokardinfarkt und Rehabilitation:
Zur moderierenden Rolle individueller Attributionen in der Arzt-Patient-Beziehung

von: Christoph Herrmann

 


Inhaltsverzeichnis

1 EINLEITUNG 4

2 (INTER-)KULTURELLE ASPEKTE DER ARZT-PATIENT-BEZIEHUNG 7

3 BEGRIFFLICHE GRUNDLAGEN 10

3.1 ATTRIBUTIONEN: BEGRIFF, FUNKTION UND STRUKTUR  10
3.2 (SOZIAL-)PSYCHOLOGIE DER ARZT-PATIENT-BEZIEHUNG 19

4 ATTRIBUTIONEN IN DER ARZT-PATIENT-BEZIEHUNG 27

4.1 BESCHREIBUNG DER STICHPROBE 27
4.2 METHODIK  28

4.2.1 Unabhängige Variablen (Q-Sort)  28
4.2.2 Abhängige Variablen (RWF-Skala; Re-Infarkt/Re-Hospitalisierung)  29
4.2.3 Durchführung 30

4.3 ERGEBNISSE  32

5 AUSWERTUNG UND ZUSAMMENFASSUNG  38

6 LITERATURVERZEICHNIS 44

 

 

 


Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheuren Ungeziefer verwandelt. Er lag auf seinem panzerartig harten Rücken und sah, wenn er den Kopf ein wenig hob, seinen gewölbten, braunen, von bogenförmigen Versteifungen geteilten Bauch, auf dessen Höhe sich die Bettdecke, zum gänzlichen Niedergleiten bereit, kaum noch erhalten konnte. Seine vielen, im Vergleich zu seinem sonstigen Umfang kläglich dünnen Beine flimmerten ihm hilflos vor den Augen. »Was ist mit mir geschehen?« dachte er. Es war kein Traum. Aus „Die Verwandlung“, Franz Kafka

1 Einleitung

Der akute Myokardinfarkt nimmt in einer Statistik zu den 10 häufigsten Todesursachen im Jahr 2001 den 2ten Platz ein. In jenem Jahr starben allein in Deutschland insgesamt 65- tausend Männer und Frauen (7,9% Anteil an Gesamtsterbefällen) aufgrund eines akuten Myokardinfratkes. Rechnet man die "Chronisch ischämische Herzkrankheit" (92-tausend; 11,2% Anteil an Gesamtsterbefällen) und die Herzinsuffizienz (56-tausend; 8% Anteil an Gesamtsterbefällen) dazu, starben im Jahre 2001 214-tausend Menschen (25,9% Anteil an Gesamtsterbefällen) an Erkrankungen des Herzens (vgl. Statistisches Bundesamt 2003). Die Idee zur vorliegenden Arbeit entstand im Rahmen der Lehrveranstaltung „Psychologie der Interkulturellen Kommunikation“ und meiner Mitarbeit in einem kooperativen Forschungsprojekt zur „Reduktion der Prähospitalzeit von Myokardinfarktpatienten“1. Eher zufällig stieß ich dabei auf eine Untersuchung von Daniel Bar-On (1986, 1999), in der die Attributionsstile2 von Myokardinfarktpatienten zu deren „rehabilitation outcomes“ in Beziehung gesetzt wurden. Interessanterweise bezog der Autor die Attributionsmuster der behandelnden Ärzte sowie die Auswirkungen auf den Rehabilitationsprozess in seine Analyse ein. Seine Untersuchungsergebnisse motiviterten mich angesichts deren Relevanz für das Projekt und die Lehrveranstaltung zu einer weiteren Auseinandersetzung mit diesem Thema.

Was hat Kafkas Protagonist mit dem Thema dieses Aufsatzes zu tun? Der Zustand Gregors ist phänomenologisch mit der Lage vergleichbar, in der sich ein Mensch mit plötzlicher (unerwarteter) Erkrankung befindet. Ebenso wie sich Gregor nach der Verwandlung „in seiner Haut“ gefühlt haben mag, können wir uns vorstellen, fühlen sich Opfer eines akuten Myokardinfarkts. Ich spreche von „Opfern“, da sowohl Gregors Situation, als auch die eines Patienten mit akutem Myokardinfarkt alles hat, was eine Krise im psychologischen Sinne kennzeichnet:3 Unvorhersehbarkeit und Unkontrollierbarkeit eines aversiven Ereignisses, dessen Ursachen im Verborgenen liegen. Die individuellen Attributionen (im Sinne von Antworten auf WARUM-Fragen), die in solch einer Situation gegeben werden, sind für die physische und psychische Bewältigung (Coping) von entscheidender Bedeutung. Die Fragestellung der Arbeit lautet daher folgendermaßen: 1. Existieren seitens der Herzinfarktpatienten bestimmbare Zuschreibungsstile, die mit der Krankheitsentstehung und –bewältigung im Zusammenhang stehen? 2. Lassen sich solcherlei Muster auch bei den behandelnden Ärzten feststellen, und in welchem Verhältnis stehen diese zum Rehabilitationsprozess der Patienten? Auf den ersten Blick ist möglicherweise nicht unmittelbar einsichtig, was die Arzt- Patient-Beziehung mit Inter-Kultur zu tun hat, und welche Rolle dabei individuelle Zuschreibungsprozesse spielen. In einem ersten Schritt (Kapitel 2) werde ich daher versuchen, Bezüge zwischen Interkultur und der Arzt-Patient-Beziehung innerhalb der Krankenhaussituation herzustellen. Am Ende werden Patienten und Ärzte als Repräsentanten unterschiedlicher (Sub-)Kulturen aufgefasst.

Als zweiter Schritt (Kapitel 3) sind theoretische Grundlagen zu erörtern. Zuerst werden Basiskategorien der Attributionstheorie behandelt. Querverbindungen zu verwandten psychologischen Konzepten verdeutlichen dabei, welche Stellung sie innerhalb der Psychologie einnimmt. Konzeptionen der Medizinischen- und der Sozialpsychologie dienen als Ausgangspunkt, wenn ich im nächsten Abschnitt den Gegenstand der Arzt-Patient-Beziehung thematisch eingrenze. Nach einer einleitenden Begriffsdefinition erfolgt ein Überblick über verschiedene Modelle der Arzt-Patient-Beziehung. Im Anschluss daran analysiere ich die Arzt-Patient-Beziehung unter den Aspekten von Rollenbeziehungen sowie Sozialer Identität. Die Analyse der Arzt-Patient-Beziehung beschränkt sich auf die Krankenhaussituation; andere Aspekte, wie sie sich beispielsweise innerhalb der Hausarzt-Patient-Beziehung ergeben mögen, werden nicht berücksichtigt. Ein dritter Schritt (Kapitel 4) besteht in der Darstellung Bar-Ons (1999) Untersuchung. Nachdem einleitend die Stichprobe beschrieben wurde, erfolgt danach eine Erläuterung des methodischen Vorgehens. Eine Darstellung der Ergebnisse bildet den Abschluss dieses In einem letzten Schritt (Kapitel 5) ziehe ich Resümee hinsichtlich der aufgezeigten Beziehungen zwischen individuellen Zuschreibungsprozessen und den „rehabilitation outcome measures“ der Myokardinfarktpatienten. Die vorliegende Arbeit ist eher referatsartig aufgebaut. Das heißt ich werde in Form einer Skizze den für die eigene Urteilsbildung notwendigen Überblick über den Gegenstand vermitteln. Hierbei werden aus einer Reihe von Studien bzw. Theorien die meiner Einschätzung nach relevantesten vorgestellt und, sofern notwendig, mittels Querverweisen auf weitere Quellen hingewiesen. Der kreative Anteil des Autors besteht darin, die verschiedenen Theorien, zumindest soweit dies möglich ist, in Bezug zueinander zu setzen. Aus Kapazitätsgründen muss ich selber, aber auch der Leser auf den Anspruch verzichten, als Resultat eine fertige Gebrauchsanleitung für den Umgang mit Herzinfarktpatienten, oder gar eine Lösung der grundlegenden Probleme der Arzt-Patient-Beziehung in der Hand zu halten. Für die nachfolgende Erörterung habe ich über sechzig Publikationen berücksichtigt, deren Integration sich nicht immer einfach gestaltete. Sollte sich der Text daher an einigen Stellen als widerspenstig erweisen, so möge man mir dies großzügig nachsehen.

2 (Inter-)Kulturelle Aspekte der Arzt-Patient-Beziehung

[...]


1 Das Hauptziel der Zusammenarbeit zwischen den Kardiologen des KH Görlitz und Professoren sowie Studenten des Studiengangs Kommunikationspsychologie besteht darin, über Massenaufklärung ein akkurateres, handlunsgwirksames Framing für Herzinfarkt/Lebensgefahr herzustellen (vgl. Waldow 2003d). 

2 Attribution = Zuschreibung von Ursachen. Dazu ausführlicher unter 3.1. 

3 Siehe Waldows phänomenologische Krisendefinition (2003b, S. 31).


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