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Scholary Paper (Seminar), 2001, 29 Pages
Author: Andreas Gohmann
Subject: History - Middle Ages, Early Modern
Details
Institution/College: University of Osnabrück (Fachbereich Geschichte/Mittelalter)
Tags: Städtische, Geschichtsschreibung, Mittelalter, Autoren, Herkunft, Bildung, Motive, Seminar, Geschichtsschreibung, Mittelalter
Year: 2001
Pages: 29
Grade: gut (2)
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-11543-8
File size: 201 KB
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Excerpt (computer-generated)
Städtische Geschichtsschreibung im späten Mittelalter.
Die Autoren: Herkunft, Bildung, Motive
Andreas Gohmann
Inhalt
1. Einleitung 2
2. Autor und literarisches Zentrum 4
3. Stadtschreiber 4
3.1 Bezeichnung und literarischer Standpunkt 4
3.2 Offizielle-offiziöse Stadtgeschichtsschreibung 6
3.3 Berufsfeld 7
3.4 Stadtschreiber als Historiographen 8
3.5 Bildungsvoaussetzungen 9
4. Lehrer 11
5. Ratsangehörige und Bürgermeister 12
5.1 Standpunkt und Motive 12
5.2 Die Autobiographie des Bartholomäus Sastrow 14
5.2.1 Herkunft und Leben 15
5.2.2 Der Bildungsgang des Bartholomäus Sastrow 16
5.2.3 Beruf 17
5.2.4 Schlussbetrachtung: Der Aufstieg des Bartholomäus Sastrow 17
6. Geistliche 18
7. Motive und Begründungstraditionen 21
8. Schluss 26
Quellen und Literatur 27
Anhang 29
1. Einleitung
Die Frage nach spätmittelalterlicher Geschichtsschreibung ist nicht ausschließlich eine Frage nach den historiographischen Werken, sondern richtet sich auch auf die Personen, die als Geschichtsschreiber tätig wurden.
In dieser Arbeit geht es darum, die spätmittelalterlichen städtischen Geschichtsschreiber als Person zu betrachten. Ihre Herkunft, Bildung, berufliche Tätigkeit und Motive gilt es zu untersuchen, um ein Bild von ihrer Persönlichkeit und ihrer gesellschaftlichen Einbindung zu erhalten. Von dieser Perspektive aus wird ihre literarische Tätigkeit betrachtet.
Wenn es nicht möglich ist, ,,sine ira et studio" Geschichte zu schreiben oder überhaupt literarisch tätig zu sein, gilt diese Behauptung auch für das Mittelalter. Eine wertfreie Geschichtsschreibung ist - wie in anderen Epochen - im Mittelalter undenkbar. Ein Mensch, der historiographisch tätig ist, bringt bewusst oder unbewusst seine perönlichen Vorraussetzungen in die Tätigkeit ein. Seine Herkunft, seine Lebens- und Berufszusammenhänge, seine Bildung, Weltanschauung und Motive bestimmen sein literarisches Werk.
Die gewisse Bildung der Autoren ist notwendige Bedingung für ihr literarisches Schaffen und bestimmt damit den Aussagewert ihrer Schriften. Bildung prägte die berufliche wie historiographische Tätigkeit.
Menschen sind den (äußeren) Bedingungen des Lebens ihrer Zeit unterworfen, die sich im literarischen Werk widerspiegeln. So finden sich beispielsweise in manchen Chroniken der Pestzeit, sofern sie überhaupt weitergeführt wurden, melancholische Züge.
Zu den Bedingungen, denen die Autoren unterworfen sind, zählt die Bedeutung der Städte, die Frage nach ihrer Unabhängigkeit, ihrer Wirtschaftskraft und ihrem Selbstverständnis. Der städtische Geschichtsschreiber, für den die Stadt Herkunfts- und Tätigkeitsort bedeutet, der in städtische politische Vorgänge involviert ist, sieht sich für seine historiographische Aufgabe einem spezifischen Aufgabenfeld gegenübergestellt. Das Anforderungsprofil ist ein anderes als beispielsweise das eines Hofhistoriographen. Autor und Stadt (als Herkunfts- und Tätigkeitsfeld), Person und literarisches Zentrum sind aufeinander zu beziehen.
Neben den Bedingungen, die aus der Bedeutung der Stadt erwachsen, denen die Autoren unterworfen sind, gibt es persönliche Determinanten, die das Werk der Autoren bestimmen. Die Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe prägt das Verständnis von Stadt, prägt das Geschichtsbewusstsein und besonders die Motivationslage für historiographische Produktionen.
Historiographie war nicht zweckfrei, sondern auf einen bestimmten Personenkreis ausgerichtet, dessen Meinungsbildung beeinflusst wurde. Ein enger Zusammenhang besteht demnach zwischen der Einbindung der Person des Autors in städtische politische Vorgänge und der Motivation zur Geschichtsschreibung. Die Motivationslage ergibt sich aus dem Ensemble der Bedingungen, denen der Autor unterworfen ist.
2. Autor und literarisches Zentrum
Das politische Entscheidungsgremium der Stadt ist der Rat. Er ist das Zentrum des politischen Lebens. Wenn jemand über die (politische) Geschichte der Stadt schreiben will, dann richtet er seine Darstellung auf das Zentrum politischer Aktion aus. Der Rat und das Personensystem, das zum Rat gehört, sind damit literarisches Zentrum stadtchronistischer Geschichtsschreibung.
Zwischen dem Historiographen und dem Entscheidungsgremium der Stadt besteht nicht nur hinsichtlich des historiographischen Bezugspunktes eine Verbindung: In der Regel gehören die Autoren selbst dem betreffenden personellen Verband an, auf den sie ihre Tätigkeit ausrichten. Dass ein Geschichtsschreiber von ,,außen", also als Unparteiischer städtische Geschichtsschreibung verfasst, ist sehr selten. Wer Geschichte schreibt, wird dazu von den politischen Entscheidungsträgern beauftragt. Oder er ist beruflich in eine offizielle Stellung eingebunden, aus der heraus er historiographische Aktivität entfaltet. Er ist als Stadtschreiber oder in ähnlicher Funktion tätig. Beiden Personenkreisen ist gemeinsam, dass sie - mehr oder weniger direkt - dem Rat verpflichtet sind.
Eine Beziehung besteht zwischen Verwaltungstätigkeit und Historiographie: Historiographie hatte durchaus eine verwaltungsdienliche Funktion. So erklärt sich, dass auf die Personen, die für administrative Aufgaben zuständig waren, ein großer Teil der historiographischen Leistung entfällt.
Der städtische Geschichtsschreiber ist in der Regel in eine offizielle Stellung innerhalb der städtischen Entscheidungsorgane eingebunden. Er ist selbst Bürger, wie jene, über deren Geschichte er schreibt.1
[...]
1 Johanek, Peter: Hofhistoriograph und Stadtchronist, in: Autorentypen, hg. v. Walter Haug und Burghart Wachinger (Fortuna Vitrea, Bd. 6), Tübingen 1991, S. 58f.
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